BRIEFE
AN EINEN UND VIELE
Verlagslogo
gegründet 1816
KOBER`SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG AG
BERN
2.Auflage
unveränderter Nachdruck
der 1935 erschienenen Ausgabe
©
1971 Kober`sche Verlagsbuchhandlung AG. Bern
alle Rechte vorbehalten, insbesondere die der Übersetzung
in fremde Sprachen und der Verbreitung in Rundfunk und
Fernsehen
Druck: Graphische Anstalt Schüler AG. Biel
UM DEN FORDERUNGEN DES URHEBERRECHTES
ZU ENTSPRECHEN, SEI HIER VERMERKT, DASS
ICH IM ZEITBEDINGTEN LEBEN DEN NAMEN
JOSEPH ANTON SCHNEIDERFRANKEN FÜHRE,
WIE ICH IN MEINEM EWIGEN GEISTIGEN SEIN
URBEDINGT BIN IN DEN DREI SILBEN:
BÔ YIN RÂ
INHALT Seite
Vorbemerkung 5
Erster Brief
   Vom Besitztum der Seele
17
Zweiter Brief
   Von unnötiger Ängstung
21
Dritter Brief
   Vom verlangten Vertrauen
27
Vierter Brief
   Über meine Schreibweise
33
Fünfter Brief
   Von meinem Selbstbekennen
39
Sechster Brief
   Womit man zu Ende sein muß
46
Siebenter Brief
   Vom Tempel der Ewigkeit
51
Achter Brief
   Über meine Geistnatur
60
Neunter Brief
   Wie geistige Hilfe bewirkt wird
66
Zehnter Brief
   Wie Gott fern ist vom Weltgeschehen
81
Elfter Brief
   Wie Gott Einzelnen dennoch hilft
87
Zwölfter Brief
   Von den Seelenkräften
94
Dreizehnter Brief
   Über Neudrucke meiner Bücher
103
Vierzehnter Brief
   Von Polytheismus und Heiligenkult
109
Fünfzehnter Brief
   Von der Weise des Lebens im Licht
118
Sechzehnter Brief
   Über die Milde wahrer Erweckung
126
Siebzehnter Brief
   Von Mystikern und Böhme
132
Achtzehnter Brief
   Von dem was Gott ist
138
Neunzehnter Brief
   Von Wesenheit und Wesen
147
Zwanzigster Brief
   Was ich nicht erfragt sein will
153
Einundzwanzigster Brief
   Von der Zwölfzahl und der Turmuhr
159
Zweiundzwanzigster Brief
   Von den Schuppen vor den Augen
168
Dreiundzwanzigster Brief
   Wie alle ungleich sind vor Gott
176
Vierundzwanzigster Brief
   Vom Bekennen vor den Menschen
184
Fünfundzwanzigster Brief
   Von gefallenen Meistern
193
Sechsundzwanzigster Brief
   Von strahlenden Steinen und Stoffen
201
Siebenundzwanzigster Brief
   Vom Entwerten des Leides
209
Achtundzwanzigster Brief
   Vom Segnen und vom Segen
220
Neunundzwanzigster Brief
   Von der Zeitfremdnis des Ewigen
229
Dreißigster Brief
   Von Hingabe und Wortverzicht
235
Schlußwort 241
Originalscan1  Originalscan2  Originalscan3  Originalscan4 
Die Vorbemerkung und das Schlußwort gehören OO
organisch zu diesem Buche und wollen nicht als OO
Nebensache betrachtet werden!
VORBEMERKUNG
Daß, und warum ich gegen Veröffentli‐ OO
chungen der nur auf bestimmte AnlässeOO
gerichteten und daher als nur einmalig gül‐ OO
tig gemeinten, nur nach genauester Kennt‐ OO
nis ihrer Entstehungsumstände bewert‐ OO
baren Briefe Verstorbener bin, habe ich in OO
einem Buche, das den Titel „Wegweiser” OO
führt, deutlich genug gesagt.
.Da mir aber jede Macht fehlt, nach mei‐ OO
nem „Tode” eine Veröffentlichung von OO
Briefen zu verhüten, die auch ich nur im OO
Hinblick auf ehedem augenblickhaft ge‐ OO
gebene datumsbeschränkte besondere Ver‐ OO
anlassungen, und als nur in ihrem Geltungs‐ OO
bereich einmalig gültig geschrieben ange‐ OO
sehen wissen wollte, so wäre es recht tö‐ OO
richt, wenn ich mich schon bei Lebzeiten OO
über solchen möglichen Mißbrauch des OO
Meinen grämen würde.
.Hingegen finde ich mich veranlaßt, das OO
5 Briefe an Einen und Viele
immer nur Ephemere, Eintagsgültige zeitOO
und sachbestimmter Gelegenheitsbriefe OO
unmißverstehbar erkennen zu lehren, in‐ OO
dem ich hier ‒ als Gegenbeispiel ‒ Briefe OO
darbiete, die jederzeit wieder aufs neue OO
Einzelnen Hilfe bringen können, weil sie OO
wirklich nur meine auf alle Zeiten bezo‐ OO
gene Lehre erkennen lehren.
.Ich habe solche Briefe voreinst vielmalsOO
an Viele geschrieben, wenn auch jeweils OO
in gewissen Abwandlungen, so daß es viele OO
Leser geben wird, die in der Gestalt des OO
Adressaten sich selber wiedererkennen wer‐ OO
den. Ich hoffe aber, daß keiner der hier Ge‐ OO
meinten das voreinst ihm privatim Dar‐ OO
gebotene nun etwa als durch die mir ja nur OO
allein zustehende Veröffentlichung des OO
Meinen für ihn „profaniert” empfinden OO
wird, denn auch jetzt wird das Gesagte doch OO
nur Seelen dienen können, die dafür inOO
sich selber vorbereitet sind.
6 Briefe an Einen und Viele
.Das, was ich ehedem vielen verschieOO
denen Menschen auf ihre Briefe und Fra‐ OO
gen hin im Einzelfall zu antworten hatte, OO
ist nun hier zusammengefaßt, weil ich es OO
ja in jedem mit der ins Irdische gefesselten OO
Seele und ihren hier möglichen Erfahrun‐ OO
gen, wie ihren immer gleichen „Fragen” OO
zu tun hatte. Jeder einzelne der hier dar‐ OO
gebotenen Briefe bezieht sich jeweils ge‐ OO
treulich auf bestimmte, vormals an mich OO
gelangte Anfragen, Mitteilungen und Be‐ OO
richte. Der Anlaß, den meine hier im Buch OO
gegebene jeweilige Briefantwort erwähnt, OO
wurde also in keinem Falle etwa erst für OO
die Beantwortung von mir erfunden! Lange OO
schon sind jedoch die Zeiten vorbei, in OO
denen ich, außer aller nur mir bekannten OO
rigorosen Pflichterfüllung im ewigen GeiOO
stigen, vom Morgen bis zur Dunkelheit ‒ OO
praktisch durch keine Pause unterbrochen OO
‒ produktiv arbeiten konnte, dann eine OO
7 Briefe an Einen und Viele
eilig genossene kleine Mahlzeit zu mir OO
nahm, und nachher bis zum neuen Morgen‐ OO
grauen am Schreibtisch saß, um Briefe zuOO
beantworten, worauf ich nach einem kur‐ OO
zen tiefen Schlaf wieder vor einer Maltafel OO
war oder Manuskripten die Form schuf, in OO
der sie den auf Licht Harrenden zugänglich OO
werden sollten. Ich will heute nicht fragen, OO
ob meine Hingabe zu unbeschränkt war, OO
soweit sie der Beantwortung von BriefenOO
galt, aber mein erdenkörperlicher Organis‐ OO
mus hat schließlich diese ihm viele JahreOO
hindurch, ununterbrochen widerfahrene OO
Behandlung recht übel beantwortet, so daß OO
ich definitiv ihr zu entsagen gezwungenOO
wurde.
Mögen nun die hier gegebenen Briefe OO
dafür allen der Lehre Würdigen dargebo‐ OO
ten sein, die allein sich durch sie angeOO
sprochen wissen sollen!
.Daß ich den Inhalt, verglichen mit den OO
8 Briefe an Einen und Viele
ehedem so oft geschriebenen privaten Er‐ OO
klärungs- und Beratungsbriefen, sehr we‐ OO
sentlich zu bereichern vermochte, ergab OO
sich aus der Natur der mir von mir selbst OO
gestellten Aufgabe, hier ein Buch in Brie‐ OO
fen zu geben: ‒ ein Buch, das, langher schon OO
vorbereitet, zuletzt nur in dieser Form zu OO
seiner Gestaltung kommen konnte.
.Die Briefe sind nicht etwa diktiert, son‐ OO
dern trotz allen mein Schreiben zur Zeit stö‐ OO
renden physischen Behinderungen mit derOO
Hand geschrieben, so, wie ich ehedem OO
ohne plagende Hemmung ihre Vorbilder zu OO
schreiben vermochte. Doch liegt hier keine OO
„Ausnahme” vor, denn ich habe bis auf den OO
heutigen Tag noch nichts veröffentlicht, OO
das anders als durch Handschrift mit derOO
Feder entstanden wäre. Das Manuskript für OO
den Setzer hat immer ein handgeschrieOO
benes erstes Manuskript zur Vorlage, das OO
freilich die physische Mühsal seines Zu‐ OO
9 Briefe an Einen und Viele
standekommens meistens nicht zu verber‐ OO
gen vermag und so wenig meinen Ansprü‐ OO
chen an meine Handschrift entspricht, daß OO
ich die seltenen, unumgänglichen Briefe, OO
die ich mitunter noch zu schreiben ver‐ OO
suche, notgedrungen nur zu nachfolgender OO
Abschrift ins Stenogramm diktieren kann.
Die Handschrift hingegen muß heute, so‐ OO
weit sie mir möglich wird, allein der sie OO
unumgänglich verlangenden GestaltungOO
meiner Lehrtexte vorbehalten bleiben, die OO
sich nun hier in diesem Buche in BriefOO
form darbieten, wobei jeder von mir ge‐ OO
meinte, wirklich angesprochene Leser je‐ OO
den Brief als an sich selbst gerichtet be‐ OO
trachten darf, auch wenn ich niemals eine OO
Zuschrift von ihm empfing und auch gewiß OO
keine privatim beantworten könnte.
10 Briefe an Einen und Viele
Zurück! ‒ Zurück mit euch! ‒
Die ihr alles geflissentlich
Und beflissen umdrängt,
Was eurer leibesentstandenen
Unsauber riechenden Tierseelen
Lüstern leckender Gierde
Nicht zugemeint ist!
Ich bin nicht gekommen
Um euch: ‒ den einzigen,
Die ich nicht rufe ‒
Der „Eure” zu heißen!
Das, was ich bringe,
Ist nur den Lauteren,
Ewiger Seele Gewärtigen,
Sauberen, Herben, Verhaltenen,
Lange Zögernden dargeboten,
Die mit gereinigten Händen
Zu fassen wissen,
Was ihr nur ‒ befleckt!
*
11 Briefe an Einen und Viele
Sag' uns: ‒ Wer bist du?
Wir müssen dich kennen! ‒
Wie sollen wir wahr
Deine Art benennen?!”
Ich bin ein Strahl
Und sein ewiges Licht!
Ich bin ein Wort
Das sich selber spricht!
Ich bin ein Schwert
Und ein schützender Schild!
Ich bin ein Former
Und auch sein Bild!
Ich bin ein Ring
Und bin sein Stein!
Ich bin der Winzer
Und bin der Wein!
Ich bin ein Stamm
Und des Stammes Reis!
Ich bin ein Mensch,
12 Briefe an Einen und Viele
Der die Weise weiß:
Funken zu schlagen
Aus ewigem Eis!
*
Was ich bringen komme,
    bringt man erst
    dem eigenen Blute,
Bevor man weitergibt
    aus eigenem Gute
Auch fremden Stämmen,
    Was sie gültig fassen. ‒
Wollt ihr nicht haben,
    was ich euch
    als Ersten bot,
Dann werdet ihr, ‒ glaubt mir:
    ich kenne das Gebot! ‒
Das, was euch heute finden sollte,
13 Briefe an Einen und Viele
    später, fernher holen: ‒ ‒
Der Nacht Genossen ‒
    scheu, auf leisen Sohlen...
*
14 Briefe an Einen und Viele
DIE BRIEFE
ERSTER BRIEF
Sie sagen mir, daß Sie im „Buch vom le‐ OO
bendigen Gott” vieles finden, das Ihnen OO
lange schon als eigenes Besitztum der OO
Seele gelte, obwohl Sie nicht dazu gelangt OO
seien, dem von Ihnen seelisch Empfunde‐ OO
nen auch selbst „in Worten Ausdruck” OO
schaffen zu können.
.Da Sie sich nicht näher über die einzel‐ OO
nen Stellen des Buches aussprechen, auf OO
die sich Ihr Gefühl des Wiedererkennens OO
eigener Empfindung bezieht, nehme ich OO
an, daß Sie in den einzelnen Kapiteln, die OO
Ihnen ja doch fraglos dem Gesamtinhalt wie OO
der Formung nach neu waren, dennoch zu‐ OO
weilen an Sätze gelangten, die Sie wie wort‐ OO
gemäße Darstellungen des bereits ohneOO
mein Buch in Ihnen Erfühlten anmuteten.
.Verstehe ich Sie damit recht, so liegt OO
dann wirklich ein „Wiedererkennen” des OO
17 Briefe an Einen und Viele
auch Ihnen Eigenen vor, da Ihre Seele ja OO
aus dem gleichen Urgrund stammt wie die OO
meine, und ich in meinen Büchern nach OO
nichts anderem trachte, als nach Darstel‐ OO
lung der ewigen, von allem zeitlichen OO
Meinen und Glauben ganz unberührten OO
Wirklichkeit, die aller Seele Urbesitz ist, OO
auch wenn in diesem, von physisch Kör‐ OO
perlichem laut übertönten Erdenleben das OO
Bewußtsein um solchen Besitz bis zu nur OO
traumhafter Fernschau einer verblaßten OO
Erinnerung abgedrängt wird. So betrach‐ OO
tet, überrascht mich Ihre Behauptung nicht OO
im mindesten. Sie zeigt mir nur, daß ein‐ OO
zelne meiner Worte das normalerweise wäh‐ OO
rend dieses Erdenlebens kaum noch faß‐ OO
bare Erinnerungsbild der Seele soweit in OO
Ihnen zu verstärken imstande waren, daß OO
es Ihnen in den berührten Punkten wort‐ OO
geformt faßbar wurde. Was Sie über das OO
Glück sagen, nun gewisse, Ihnen wohlbe‐ OO
18 Briefe an Einen und Viele
kannte seelische Empfindungen anhand OO
meiner Worte „nach Wunsch und Willen” OO
jederzeit aufs neue nacherleben zu können, OO
ist nur eine Bestätigung des hier Erklärten, OO
so daß Sie ganz unbesorgt sein dürfen hin‐ OO
sichtlich des Ihnen „merkwürdigen, aber OO
eigentlich wohltätigen” Gefühls der erlang‐ OO
ten Gewißheit über einen inneren Bezirk, OO
der Ihnen vordem als ganz unerkundbar OO
erschienen war.
.Sie sind aber auch durchaus in guter OO
Selbstberatung, wenn Sie mir gestehen, OO
selbst zu fühlen, wie sehr Sie noch meiner OO
Worte bedürfen, ja, wie Sie vorerst in OO
diesen Worten die einzigen brauchbaren OO
Schlüssel” zu den Schatzkammern Ihres OO
seelischen Besitzes erkennen.
.Gern höre ich weiterhin von Ihnen, wie OO
Sie sich dieser Schlüssel zu bedienen wissen. OO
.Sie werden zwar gewiß keinen regel‐ OO
mäßigen Briefaustausch mit mir erwarten OO
19 Briefe an Einen und Viele
dürfen. Ich müßte mich selber vervielfachen OO
können, sollte ich auch nur den kleinsten OO
Teil der Wünsche erfüllen, die eine Be‐ OO
antwortung an mich gerichteter Briefe er‐ OO
hoffen. Nicht meine „kostbare Zeit”, die OO
ich leider bis zum Überdruß in vielen Zu‐ OO
schriften erwähnt finde, versagt es mir, alle OO
die Antworten niederzuschreiben, die ich OO
von Herzen gerne geben möchte, sondern OO
die mir verfügbare irdische Kraft, die längst OO
über alles zulässige Maß hinaus überlastet ist. OO
.Sobald ich Sie jedoch in Ihren, hier aus‐ OO
drücklich von mir erbetenen Berichten bei OO
einem störenden Irrtum gewahren sollte, OO
will ich dennoch tun, was mir möglich ist, OO
um Sie gut beraten zu wissen.
.Der Himmel segne Sie!
20 Briefe an Einen und Viele
ZWEITER BRIEF
Unsere Fähigkeit, Seelisches zu erleben, OO
ist durch gewisse Aufnahmehemmungen be‐ OO
hindert, die man in Analogie zu dem Ver‐ OO
halten unserer physischen Fähigkeiten: OO
„Ermüdungserscheinung” nennen darf. OO
Was Sie mir nun zu berichten haben, ist OO
deutlich als Schilderung einer solchen Er‐ OO
müdungserscheinung zu erkennen.
.In Ihrer ersten Freude darüber, manches OO
Ihnen bekannte seelische Empfinden zum OO
erstenmal in Worten dargestellt zu sehen, OO
hatten Sie alles andere, was in meinem OO
Buche gesagt ist, offenbar vorläufig außer OO
acht gelassen und sich mit dem Ihnen nicht OO
Bekannten auch weiter nicht beschäftigt. OO
Ihre Erregung durch jene meiner Worte, OO
die Sie als „genaue Beschreibung” des OO
Ihnen bekannten seelischen Erlebens emp‐ OO
fanden, war, wie Sie ja selbst sagen, „über‐ OO
21 Briefe an Einen und Viele
aus stark und nachhaltig”. Kein Mensch OO
aber kann ein solches seelisches Erregtsein OO
dauernd in gleicher Stärke festhalten. Es OO
folgt naturnotwendig ‒ und zum Glück OO
für unseren physischen Organismus ‒ das OO
Abklingen auch der stärksten seelischen OO
Erregung. Sie aber wollten sich dem wider‐ OO
setzen und glaubten, das immer erneute OO
Lesen der Sätze, die in Ihnen so lebendige OO
Wirkung hervorgebracht hatten, müsse zu OO
immer neuer Beglückung durch Bestäti‐ OO
gung eigenen seelischen Erlebens führen. OO
Daß Sie sich aber dadurch nur immer mehr OO
übermüden mußten, kam Ihnen nicht in OO
den Sinn, und in diesem übermüdeten Zu‐ OO
stande stiegen nun jene Worte plötzlich vor OO
Ihnen auf, die von Dingen handeln, die OO
Ihnen noch ganz unbekannt sind. Das ist OO
jedoch durchaus nicht „unheimlich” oder OO
„beängstigend”, wie Sie in Ihrem Briefe OO
an mich sagen!
22 Briefe an Einen und Viele
.Sie wurden nur gewahr, was Ihnen beim OO
ersten Versenken in Schilderungen des OO
Ihnen Bekannten, an noch nicht Bekann‐ OO
tem entgangen war, weil Sie unwillkürlich OO
darüber hinweg gelesen hatten.
.Es wird Ihnen jedoch bei jedem erneu‐ OO
ten Lesen eines meiner Bücher ähnlich OO
gehen, auch wenn Sie glauben sollten, den OO
Inhalt des Buches, das Sie gerade wieder OO
zur Hand nehmen, beinahe auswendig zu OO
wissen. Sie werden mit Erstaunen wahr‐ OO
nehmen, daß Sie zwar des Inhalts kundig OO
zu sein glaubten, aber im Wiederlesen OO
immer wieder neuem Inhalt begegnen!
.Diese Bücher lassen sich nicht „auslesen”, OO
weil ihr Inhalt allen überhaupt möglichenOO
Konstellationen seelischen Bewußtwerdens OO
Darstellung gibt, und weil jedes erneute OO
Lesen den Leser in einer anderen seelischen OO
Aufnahmefähigkeit findet.
.Es ist daher für Sie gar kein Grund ge‐ OO
23 Briefe an Einen und Viele
geben, an der Erweiterungs- und Vertie‐ OO
fungsmöglichkeit Ihres seelischen Erleben‐ OO
könnens zu zweifeln. Nur müssen Sie Ge‐ OO
duld haben, wie man Geduld haben muß, OO
wenn man ein Musikinstrument spielen, OO
oder eine fremde Sprache frei gebrauchen OO
lernen will.
.Sie hatten vielleicht Ihre Vertrautheit OO
mit dem, was es für uns Menschen in der OO
Seele zu erleben gibt, überschätzt, und OO
müssen sich nun zu der Erkenntnis durch‐ OO
arbeiten, daß es unvergleichlich mehr See‐ OO
lisches zu erleben gibt, als Sie bis jetzt zu OO
erahnen vermochten.
.Wenn die gegenwärtigen Zweifel an Ihrer OO
Erlebensfähigkeit dem Seelischen gegen‐ OO
über, Sie vor solchem, so verhängnisvollen OO
Überschätzen dessen, was Sie seelisch er‐ OO
lebt zu haben glauben, in Zukunft bewah‐ OO
ren werden, dann ist Ihre augenblickliche OO
Enttäuschung das beste Vorzeichen dafür, OO
24 Briefe an Einen und Viele
daß Sie sich dereinst ‒ wenn es auch länger OO
hingehen mag, als Ihnen erwünscht wäre ‒ OO
im Reiche der Seele erwacht finden wer‐ OO
den. Fassen Sie neuen Mut und bedenken OO
Sie, daß Ihr Ziel zu seiner Erreichung große OO
Hingabe erfordert!
Weil du dir selber
.dich zu weit entrücktest
Und träumend dich
.an Traumgebild entzücktest,
Ist dir das Band, das dich
.mit Gott verband, ‒ entglitten:
In Trug und Tand hast du
.dich, selbst erlitten.
In dich gezwängt,
.hast du dann Gott gerufen, ‒
Von dir bedrängt,
.liegst du nun vor den Stufen,
25 Briefe an Einen und Viele
Die ‒ in dir selber
.dich zu Gott erheben:
Aus Dunst und Dunkel,
.zu dir neuem Leben!
*
26 Briefe an Einen und Viele
DRITTER BRIEF
An allem dürfen Sie zweifeln ‒ auch an OO
mir ‒ nur nicht an der Möglichkeit, im OO
Lichte der Seele zum Erwachen kommen OO
zu können! Ihr letzter Brief enthält aber OO
keinen einzigen Satz, der nicht aus solchem, OO
alles Erleben der Seele hindernden Zwei‐ OO
fel hervorgegangen wäre.
.Sie könnten ja recht haben, wenn Sie mir OO
nun schreiben, Sie sähen sich ‒ im Gegen‐ OO
teil zu meiner letzten Äußerung ‒ von mirOO
„überschätzt”. Aber was ich Ihnen als ein OO
Ihnen Erreichbares in der Ferne zeige, OO
würde durch irgendwelche Überschätzung OO
Ihrer Person keineswegs für Sie weniger OO
sicher erreichbar!
.Wenn Sie einmal soweit sind, wie Sie OO
sein müssen, um das von mir aufgezeigte OO
Ziel erreicht zu haben, werde ich Sie ganz OO
gewiß nicht mehr „überschätzen”, gesetzt, OO
27 Briefe an Einen und Viele
daß heute wirklich Überschätzung bestün‐ OO
de. Aber Ihr nun so lebhaft sich bekun‐ OO
dendes Bestreben, sich selbst zu verkleiOO
nern, ist ja nur die Reaktion auf Ihre vor‐ OO
herige Überbetonung im Seelischen, Ihrem OO
eigenen Bewußtsein gegenüber. Pendel‐ OO
ausschlag nach der anderen Seite!
.Sie müssen vor allem jetzt erst einmal zur OO
Ruhe kommen und Ihre eigene Mitte finden! OO
.Vielleicht beseitigt es Ihre Befürchtun‐ OO
gen, daß ich Ihnen Hoffnung auf Erreichung OO
des erstrebten Zieles nur deshalb machen OO
könne, weil ich Sie wohl doch „über‐ OO
schätze”, wenn ich Ihnen darauf antworte, OO
daß ich Sie nur in der allen seelisch Suchen‐ OO
den zu Anfang eigentümlichen Verfassung OO
sehe, sich selbst zu wichtig zu nehmen. ‒ OO
Sich selbst und das Urteil Anderer!
.Aber das ist, gleichnisweise gesagt, eine OO
Art psychophysischer Kinderkrankheit, die OO
nur dann zu Besorgnis Anlaß bieten könnte, OO
28 Briefe an Einen und Viele
wenn sie nicht in absehbarer Zeit zum Ver‐ OO
schwinden gebracht würde.
.Sie stehen heute am allerersten Beginn OO
eines Weges, dessen Ziel Ihnen zwar ge‐ OO
dankenmäßig vorstellbar, aber in seiner OO
Wirklichkeit nur ahnungsweise bekannt ist. OO
Ihr Weg ist in Ihnen selbst, und nur inOO
Ihnen selbst finden Sie dereinst sich auch OO
an dieses Weges seelischem Ziel. In Ihnen OO
selbst aber sind auch alle die Waldteiche, OO
Sümpfe und Pfützen, in denen Sie bisher OO
sich so gerne zu betrachten liebten.
.Sie werden wissen, was ich meine, auch OO
wenn ich die Art dieser Spiegelungsgelegen‐ OO
heiten hier absichtlich nicht mit Fachaus‐ OO
drücken der Psychologie benenne. Dieses OO
Selbstbetrachten und Sich-im-Bilde-sehen‐ OO
Wollen werden Sie allmählich ganz aufOO
geben lernen müssen, wenn Sie auf Ihrem OO
Wege zu sich selbst das Ziel nicht aus den OO
Augen verlieren wollen.
29 Briefe an Einen und Viele
.Sie sind ganz der Gleiche, einerlei, ob OO
Sie sich bei Ihren Selbstbespiegelungen im OO
Bilde gefallen oder nicht! Jedes von Ihnen OO
im Innern aufgenommene Spiegelbild Ihres OO
jeweiligen Bewußtseinszustandes bewirkt OO
aber ein Festhaften an der Stelle, die Sie OO
durch Weiterschreiten ja gerade verlassenOO
lernen sollen. ‒
.Als was Sie sich selbst und Anderen hier OO
im Erdenleben gelten: ‒ welche Stellung OO
Sie einnehmen, welche Bedeutung dieser OO
Stellung zukommt, ‒ ob Sie zu befehlen OO
oder zu gehorchen haben, und tausend an‐ OO
dere irdische Wichtigkeiten, an die Sie sich OO
hier gefesselt fühlen oder von denen Sie OO
gar nicht befreit sein möchten, ‒ das alles OO
sind Dinge zwischen Geburt und Grab. ‒ OO
Was aber in Ihrer Seele von Ihnen erst ge‐ OO
sucht und gefunden werden will, ist EwiOO
ges, das von alledem unberührt bleibt, was OO
Ihnen hier auf Erden irdisch so wichtig ist. OO
30 Briefe an Einen und Viele
.Trachten Sie immerhin nach dem, was OO
Sie in Ihrem irdischen Dasein irdisch hoch OO
bewerten, aber versäumen Sie darüber Ihr OO
Ewiges nicht!
.Ihr Erdenkörper ist nur die Werkstatt, OO
in der Sie Ihrem Ewigen Gestaltung schaf‐ OO
fen können. ‒ Er bietet Ihnen das WerkOO
zeug, das Sie zur Selbstformung brauchen, OO
aber Sie selbst nur schaffen sich damit ‒ OO
die Form!
.Ohne sich selbst diese, Ihre geistige OO
„Form” aus Ihrem Ewigen gestaltet zu OO
haben, können Sie unmöglich in Bewußt‐ OO
seinsidentität mit Ihrem persönlichen irOO
dischen Bewußtsein, in Ihrem Ewigen be‐ OO
wußt werden! ‒ Aus der Perspektive des OO
in seine tierorganbestimmten Sinne gefes‐ OO
selten Erdenmenschen her gesehen, wäre OO
Ihr Ewiges auch ewig Ihr Fremdestes, denn OO
er weiß nichts von ihm und kann höch‐ OO
stens, durch Überredung, in sehr fragwür‐ OO
31 Briefe an Einen und Viele
diger Weise, daran zu „glauben” bewogen OO
werden. Ihr Ewiges wird Ihnen jedoch be‐ OO
wußt werden als unverlierbarer Bewußt‐ OO
seinsbesitz, sobald Sie ihm die Ihnen ge‐ OO
mäße geistige Form gestaltet haben, die nur OO
Sie allein ihm gestalten können, durch die OO
Ihnen entsprechende, kontinuierlich bei‐ OO
behaltene Willenshaltung.
32 Briefe an Einen und Viele
VIERTER BRIEF
Es würde mir wie ein Unrecht erscheinen, OO
wollte ich Sie nach diesem, Ihrem letzten OO
Brief, der eine so mannhaft klare Entschei‐ OO
dung bringt, länger als unvermeidlich nö‐ OO
tig, ohne Antwort lassen. So stelle ich vie‐ OO
les, was von mir getan werden will, einst‐ OO
weilen zurück, damit Sie gleich von mir OO
hören.
.Ich verstehe aber auch Ihre Sorge und OO
will gerne Ihrer, wie Sie sagen: „trockenen OO
und durch den Beruf schon vorwiegend OO
verstandesmäßig eingestellten” Natur alle OO
Brücken bauen, die sie etwa braucht.
.Zeigen Sie mir unbesorgt Ihre Schwie‐ OO
rigkeiten auf!
.Es würde mich selbst belehren, sollte ich OO
entdecken, daß ich das in meinen Büchern OO
bereits auf die mir gemäße Art Gegebene OO
auch in Ihnen geläufigere Form umgießen OO
33 Briefe an Einen und Viele
könnte. Nicht minder lernbereit bin ich, OO
aus den Worten eines seriösen und nüch‐ OO
tern urteilenden Mannes zu ersehen, woOO
ich möglicherweise berechtigte Fragen OO
offengelassen oder aber dem Leser Auf‐ OO
gaben dargeboten haben könnte, deren er OO
nicht mit der Zeit Herr zu werden ver‐ OO
möchte.
.Was jedoch die von Ihnen erwähnte „un‐ OO
gewohnte Schreibweise” betrifft, in der ich OO
jeweils in den Büchern das Darzustellende OO
behandelt habe, so darf ich in aller Sachlich‐ OO
keit sagen, daß ich noch keine einzige Ab‐ OO
handlung geschrieben habe, bei der es mei‐ OO
ner Willkür freigestellt geblieben wäre, das OO
zu Sagende zur damals gegebenen Zeit auch OO
anders zu sagen, als es sich ausgedrückt OO
findet.
.Ich habe nie und nirgends nach einem OO
Rede- oder Schreibstil gesucht, sondern OO
immer alles so niedergeschrieben, wie es OO
34 Briefe an Einen und Viele
sich mir nach geistig bestehenden Lautwert‐ OO
gesetzen formen mußte.
.Mit einer Spur literarischen Ehrgeizes OO
hätte ich mich im Ganzen gewiß ohne OO
Schwierigkeit einer der Zeit geläufigen OO
Schreibweise bedienen können. Aber es lag OO
und liegt mir nicht nur alles literarische OO
Streben fern, sondern ich bin auch viel zu OO
sehr mit meiner ganzen Liebe bei jedem OO
Wort, das ich gebrauche, ‒ bei jedem OO
Buchstaben, den ich niederschreibe, ‒ als OO
daß ich daneben noch Sorge tragen könnte OO
darum, wie sich das, was ich sagen muß, OO
dem allgemeinen Schrifttum meiner Erden‐ OO
zeit einfügen lasse. Wo ich Worte vorfinde, OO
wie ich sie brauche, dort trage ich kein OO
Verlangen nach anderen, und wo ich mit OO
denen, die ich vorfinde, nicht auskomme, OO
schaffe ich mir selbst jeweils die Wortform, OO
die nötig ist.
.Ich kann überdies nichts schreiben, was OO
35 Briefe an Einen und Viele
ich nicht in betontester Weise als gesproOO
chen empfinde. Dieser Umstand erklärt OO
alles, was auf den ersten Blick vielleicht OO
an meiner Art, die Sätze zu sondern und OO
die Interpunktion anzuordnen, als gesuchte OO
Wunderlichkeit erscheinen könnte. Da Sie OO
ja jetzt im Besitz des im Laufe zweier Jahr‐ OO
zehnte von mir Geschriebenen sind, wird OO
Ihnen auch in manchem der zuerst erschie‐ OO
nenen Bücher eine freigebige Verwendung OO
der Gedankenstriche auffallen, die aus dem OO
Bedürfnis zu erklären ist, irgendwelche OO
Zeichen zu haben für die kürzeren oder OO
längeren Pausen zwischen den als gesproOO
chen empfundenen Wortfolgen. Das fatale OO
Mißverstehen der Absicht hat mich dann OO
später aber veranlaßt, den Gebrauch dieser OO
Zeichen aufs Allernötigste einzuschränken. OO
.Dessenungeachtet besteht für den Leser OO
die Notwendigkeit weiter, sich das Ge‐ OO
schriebene lauthaft gesprochen vorzustel‐ OO
36 Briefe an Einen und Viele
len, wenn er sich nicht selbst um recht OO
Wesentliches bringen will, was ihm die ge‐ OO
lesenen Sätze an Innerstem zu geben haben.
.Damit wären wohl die ersten erbetenen OO
Erklärungen erschöpft, die ich Ihnen schul‐ OO
dig zu sein glaube, nachdem ich jetzt Ihre OO
Entschließung kenne, Tag für Tag eine OO
ruhige Stunde dem eindringlichen, wenn OO
auch vorläufig erst mehr verstandesmäßigen OO
Studium meiner Lehrtexte zu widmen.
.In bezug auf die Reihenfolge dieses Stu‐ OO
diums möchte ich Ihnen lieber alle Frei‐ OO
heit lassen, obwohl ich manches gerne zu‐ OO
erst gelesen wünschen würde, bevor man OO
an anderes geht, das gewisse Vorstellungen OO
schon in leidlicher Klarheit voraussetzt. OO
Ich rate Ihnen aber, immer wenn Sie eines OO
der Bücher beendet haben und nach einem OO
anderen greifen, nur eines zu wählen, was OO
Sie beim ersten Blättern sogleich stark an‐ OO
spricht. Haben Sie aber Mühe, weiterzu‐ OO
37 Briefe an Einen und Viele
kommen, dann legen Sie lieber ein solches OO
Buch für spätere Zeit zurück, und wählen OO
derweil ein anderes, mit dem Sie eher ver‐ OO
traut zu werden glauben.
.Meine Segenswünsche sind mit Ihnen! OO
38 Briefe an Einen und Viele
FÜNFTER BRIEF
Daß Sie erst jetzt, nach vier Monaten, OO
wieder zum Schreiben an mich gelangen OO
konnten, erfordert wahrhaftig keine Ent‐ OO
schuldigung.
.Abgesehen davon, daß ich ja um Ihre OO
stete intensive Berufstätigkeit weiß, durfte OO
ich doch wohl auch annehmen, daß Sie mir OO
nur dann Fragen vorzulegen haben wür‐ OO
den, wenn alle Prüfung des Textes Ihnen OO
die Selbstbeantwortung unmöglich erschei‐ OO
nen ließe, und zu solcher Prüfung gehört OO
Zeit! Wenn man ununterbrochen und OO
durch keine Maximalstundenzahl einge‐ OO
schränkt, weit über seine verfügbaren OO
Kräftereserven hinausgreifen muß, um sei‐ OO
ner Arbeitsverpflichtung auch nur im Drin‐ OO
gendsten Herr zu bleiben ‒ wie das bei mir OO
der Fall ist, ‒ dann kann ein Zeitraum OO
von vier Monaten zuweilen so zusammen‐ OO
39 Briefe an Einen und Viele
schrumpfen, daß er kaum wie die Zeit‐ OO
spanne von vier Tagen empfunden wird.
.Ich verstehe, daß Sie sich erst einen „Ge‐ OO
samtüberblick” über die Bücher und ihre OO
Einzelkapitel verschafft haben mußten, be‐ OO
vor Sie an die Durcharbeitung der gegebe‐ OO
nen Texte gehen konnten, aber ich muß OO
meiner Verwunderung darüber Ausdruck OO
geben, daß Ihnen eine solche Gesamtüber‐ OO
schau immerhin in der doch relativ kurzen OO
Zeit von vier Monaten, in denen Sie auch OO
genug anderes zu tun hatten, gelungen ist. OO
Ihre bisherigen Beobachtungen bestätigenOO
dieses Gelingen!
.Es war ein recht glücklicher Gedanke, OO
die Bücher und Bändchen in der Reihen‐ OO
folge ihrer Erscheinungszeit durchzusehen, OO
und es war mir sehr erwünscht, hören zu OO
dürfen, daß Ihnen durch die späteren Er‐ OO
öffnungen sich so vieles ungezwungen er‐ OO
schlossen hat, was Ihnen bereits im „Buch OO
40 Briefe an Einen und Viele
vom lebendigen Gott” nur auf solche Art OO
erschließbar erschienen war. Auch verrät OO
es mir ein sicheres und feines Empfinden, OO
daß Sie in diesem ersten und manchem OO
folgenden Buch, zwischen den Zeilen wie OO
im Text selbst, den Kampf gewahr gewor‐ OO
den sind, den es mich immer wieder ge‐ OO
kostet hat, mich vor aller Welt zu mir beOO
kennen zu müssen, und wie ich daher, nur OO
widerwillig, erst ganz allgemein gehaltene OO
Berichte gab, die immer noch mehr zu verOO
bergen wußten als sie, gezwungen, enthüllOO
ten. Ich verberge aber auch heute nochOO
mehr, als mir ‒ solange es andere nicht OO
von sich aus eindeutig sicher gewahren ‒ OO
zu bekennen möglich und erträglich wird.
.Sie werden übrigens, beraten durch Ihre OO
Feinfühligkeit, im Laufe der Zeit auch noch OO
auf manches eindeutige Bekenntnis zu mir OO
selbst innerhalb meiner Lehrtexte stoßen, OO
das ich zwar zu geben genötigt war, aber OO
41 Briefe an Einen und Viele
vor allen, die doch nichts damit anzufangen OO
wüßten, mit dichter Hülle bedeckte. Ich OO
gestehe, daß es mir zuweilen eine diebische OO
Freude bereitet hat, wenn es mir gelungen OO
war, meiner Bekenntnisverpflichtung so zu OO
genügen, daß nur recht wenige, wirklichOO
Berechtigte zu entdecken vermochten, was OO
unter der Verhüllung sich vor Unberechtig‐ OO
ten verborgen hielt und verbirgt, obwohl OO
die Form der Hülle keineswegs wertlos ist, OO
oder gar seelischem Irren Veranlassung OO
werden könnte. Es ist das alles andere OO
eher, nur nicht etwa Geheimniskrämerei!
Es ist vielmehr ein Schutz, den ich mir OO
schaffen mußte: ein Schutz vor törichten OO
Unterstellungen und groteskem Mißver‐ OO
stehen.
.Meine Motive werden Ihnen gewichtig OO
genug erscheinen, wenn Sie sich vor Augen OO
halten, daß mir mein ewiges, allem irdischen OO
Einfluß entrücktes Sein zwar in distinkte‐ OO
42 Briefe an Einen und Viele
stem Erleben als über-zeitlich bekannt ist, OO
für mich aber gewiß nichts Über-natürlichesOO
bedeutet, da ich ja seiner Geistesnatur aus OO
dem Ewigen her, als der meinen, immer OO
bewußt war. Ein zeitlich umgrenztes Pro‐ OO
blem ergab sich erst ‒ nachdem mir einOO
irdischer Menschenkörper geboren worden OO
war ‒ durch die in gewissem Sinne alles OO
menschliche Erlebenwollen überfordernde OO
Notwendigkeit, im irdischen Menschbe‐ OO
wußtsein, meiner, als des Ewigen, innezu‐ OO
werden. Daß diese Forderung lange Jahr‐ OO
zehnte brauchte um sich im Irdischen end‐ OO
lich ganz durchzusetzen, und daß sich immer OO
wieder der Widerstand menschlichen Er‐ OO
lebenswillens dem unumschränkten Inne‐ OO
werden können in den Weg stellte, ist ‒ OO
nun im irdischen Sinne gemeint ‒ nur OO
natur-gemäß. Mit einer Art heftigen Trot‐ OO
zes, der zuweilen in geradezu burleske Situa‐ OO
tionen führen kann, wehrt sich menschlich‐ OO
43 Briefe an Einen und Viele
irdischer Erlebenswille immer wieder ge‐ OO
gen die Okkupation des ihn nährenden OO
Menschen durch ein Über-irdisches, von OO
dem er ja vorher nicht weiß, ob es ihm OO
nicht endgültig alle Erfüllung verweigern OO
wird.
.Ich dachte nicht, daß diese Dinge zwi‐ OO
schen uns schon so bald zur Sprache kom‐ OO
men würden, aber es ist wohl von Ihrer OO
Art, sich selber möglichst ohne besondere OO
Fragen weiterzuhelfen, gefordert, gleich OO
von Anfang an auch Tatsachen ins Auge zu OO
sehen, an deren Erscheinung sich andere OO
Suchende im Gang ihres seelischen Voran‐ OO
schreitens zuweilen erst heftig stoßen.
.Ich habe das Gefühl, daß Sie weniger OO
„Hilfe” auf Ihrem Wege brauchen werden, OO
als Bestätigung, und daß Sie auch dieser OO
fast entraten könnten.
.Die innere, rein geistige Hilfe ist Ihnen OO
sichtbarlich nahe.
44 Briefe an Einen und Viele
Die noch des Eigendünkels
    Träume binden,
Die sind es wahrlich nicht,
    die das Gesuchte finden!
Nur, die sich selber
    in sich selbst begraben,
Erlangen in sich selbst
    die heiß ersehnten Gaben....
*
45 Briefe an Einen und Viele
SECHSTER BRIEF
Wenn Sie sich nun selbst darüber wundern, OO
daß Sie vormals glaubten, so viele, den OO
Text an sich betreffende „Fragen” stellen OO
zu müssen, während Ihnen jetzt die Worte OO
meiner Schriften „von Tag zu Tag eingän‐ OO
giger” werden, so kann ich solches Ein‐ OO
leben nur begrüßen. Nicht aber etwa des‐ OO
wegen, weil Sie mich dadurch mancher be‐ OO
mühender Erörterung entheben, sondern OO
in erster Linie um Ihretwillen. ‒
.Nur, was Sie sich selbst zu beantworten OO
vermögen, ist wirklich für Sie beantwortet! OO
Empfangen Sie aber eine Antwort vonOO
außen her, so kann damit ‒ bestenfalls ‒ OO
die Richtung gewiesen sein, in der die von OO
Ihnen gewünschte Lösung einer Frage liegt, OO
aber auch dann wird es Ihnen allein ob‐ OO
liegen, sich die Beantwortung selbst zuOO
eigen zu machen. Jede Antwort von außen OO
46 Briefe an Einen und Viele
her, die Sie nicht bezwingen, schafft Be‐ OO
drückung und preßt immer neue verwir‐ OO
rende Nebenfragen hervor, die zu nichts OO
nütze sind.
.Sie werden immer deutlicher sehen, daß OO
in meinen Schriften wirklich alle, die ewige OO
Geistigkeit des Menschen angehenden Fra‐ OO
gen soweit beantwortet sind, wie es das ge‐ OO
hirnliche Begriffsvermögen zuläßt. Damit OO
aber ist auch nur die Richtung jeweils deut‐ OO
lich gewiesen, nach der sich die Seele wen‐ OO
den muß, wenn sie sich selber ihre jewei‐ OO
ligen Fragen beantworten will. Wer ehrlich OO
vor sich selber ist, der wird sehr bald wis‐ OO
sen, ob diese oder jene Stelle in meinen OO
Lehrtexten sich auf ihn und seine indivi‐ OO
duelle Situation bezieht oder nicht, auch OO
wenn er gewiß nicht erwarten darf, jede OO
mögliche Schattierung des Erlebens, deren OO
Elemente ich erörtere, in meinen Worten OO
aufgezählt zu finden.
47 Briefe an Einen und Viele
.Mit aller Absicht aber enthalte ich mich OO
der üblichen, aus philosophischen und theo‐ OO
logischen Meinungen abgeleiteten Defini‐ OO
tionen, da es sich in meinem Lehrwerk um OO
das Erleben der Wirklichkeit handelt, die OO
ebendort anfängt, wo die Philosophien und OO
Theologien, die sich der suchende Men‐ OO
schengeist auf Erden als gedankliche Wege OO
zum ewigen Geiste geschaffen hat, am EndeOO
sind. Wenn philosophisch oder theologisch OO
gebundene Menschen aus meinem Lehr‐ OO
werk Nutzen ziehen wollen, so kann das OO
erst dann geschehen, wenn sie über sich OO
selbst und damit über ihren Glauben hinaus‐ OO
gewachsen sind, daß sie in ihren Banden OO
im Besitz der „Wahrheit” über die Wirk‐ OO
lichkeit seien.
.Das ist nicht etwa nur eine bloße Behaup‐ OO
tung, die dann freilich erst der Beweise be‐ OO
dürfte, sondern ich gebe Ihnen hier not‐ OO
wendigerweise im voraus Kenntnis von OO
48 Briefe an Einen und Viele
einem gegebenen Tatbestand, auf den jeder OO
Suchende stoßen muß, der sich mit meinen OO
Schriften ernstlich beschäftigt. Man muß OO
mit seinen philosophischen und theologi‐ OO
schen Findungen zu Ende gekommen sein, OO
bevor man den Weg in das ewige Wirkliche OO
findet, auf dem einer desto eher zum Ziel OO
gelangt, je weniger er mit Erdachtem be‐ OO
packt ist.
.Sie werden wohl schon bei der ersten OO
Durchsicht meiner Schriften gewahr ge‐ OO
worden sein, mit welcher Toleranz ich OO
jeglicher religiösen oder gedanklich gefun‐ OO
denen menschlichen Meinung begegne, OO
wenn sie sich auch nur in einem übertraOO
genen Sinne als der ewigen Geisteswirk‐ OO
lichkeit wahrhaft entsprechend erweist.
.Aber diese Toleranz soll wahrhaftig nicht OO
zu der falschen Annahme verleiten, daß ich OO
damit sagen wolle, auch philosophische und OO
theologische Gedankenarbeit könne jemals OO
49 Briefe an Einen und Viele
in die ewige Wirklichkeit führen! Ich bringe OO
solchem menschlichen Tun vielmehr nur OO
um seiner an sich lauteren Motive willen OO
verstehende Achtung entgegen, und ehre OO
die wenigen, auf seine Art zu findenden OO
oder schon gefundenen TeilwahrheitenOO
über das ewige Wirkliche.
.Der einzige Weg aber, der in die zu jederOO
Zeit „ewige” Wirklichkeit führt, ist ein OO
Weg des Werdens, ‒ nicht bloß des Er‐ OO
kennens, ‒ und um diesen Weg deutlichst OO
abzustecken, ist alles geschrieben worden, OO
was ich geschrieben habe.
.Seien Sie gesegnet auf Ihrer nun be‐ OO
gonnenen Wanderung auf diesem Wege!
50 Briefe an Einen und Viele
SIEBENTER BRIEF
Ihre Frage: ob ich auch schon von andeOO
ren Lesern meiner Bücher Ähnliches ge‐ OO
hört habe, wie das, was den Hauptinhalt OO
Ihres letzten, so bedeutsamen Briefes aus‐ OO
macht, finden Sie bereits in dem gleichen OO
Kapitel beantwortet, das Sie zitieren. Aller‐ OO
dings steht diese Antwort schon gleich auf OO
der zweiten Seite der von Ihnen erst in OO
ihrem weiteren Text herangezogenen Be‐ OO
trachtung „Die Hütte Gottes bei den MenOO
schen”, im „Buch vom lebendigen Gott”. OO
.Wenn Sie jedoch Wert darauf legen, daß OO
Sie vom frühesten Jünglingsalter an „die OO
feste Gewißheit” vom Bestehen eines „der OO
Welt ganz unbekannten, tief verborgenen OO
Kreises segenverbreitender Männer” in OO
sich trugen, und sich mit ihnen „irgendwie OO
in Verbindung” fühlten, so muß ich frei‐ OO
lich sagen, daß mir von solcher „Gewiß‐ OO
51 Briefe an Einen und Viele
heit”, in verschiedenen Abstufungen, erst OO
berichtet wurde, als das „Buch vom leben‐ OO
digen Gott” bereits erschienen war. Dann OO
aber überaus häufig, und von Leuten, die OO
recht ungenügende Anlagen zu phantasti‐ OO
schen Wachträumen zeigten. Sie sind mit OO
dem Erleben solcher „Gewißheit” in er‐ OO
freulicher und sehr ansehnlicher Gesell‐ OO
schaft.
.Was aber nun den Ort auf der Erde an‐ OO
langt, an dem Sie den Ihnen irgendwie ver‐ OO
bundenen, segenverbreitenden Kreis ver‐ OO
muteten, so haben Sie sich gewiß nicht so OO
weit von dem wirklich Gegebenen entfernt OO
wie andere, die mir gestanden, daß sie die‐ OO
sem mit Gewißheit erfühlten Kreis den OO
Wohnsitz in einem „armenischen Kloster OO
im Kaukasus”, auf irgendeiner Insel im Stil‐ OO
len Ozean, oder gar mitten in einer gewal‐ OO
tigen Weltstadt zugewiesen glaubten. Ihre OO
„Burg” auf einem sehr hohen Berg und OO
52 Briefe an Einen und Viele
„inmitten von Schnee und Eis” ist eine OO
Vorstellung, die schon fast auf gedanklicher OO
Übertragung gewisser örtlicher Bilder be‐ OO
ruhen könnte, die allen denen wohlbekannt OO
sind, die dem gemeinten Kreise angehö‐ OO
ren, der an hochbedeutsamer Stätte auf OO
Erden ein Heiligtum verborgen weiß, das OO
nur den Seinen allein zugänglich ist... OO
Das Sanktuarium dieser Stätte kann aller‐ OO
dings nur von Menschen wahrgenommen OO
werden, deren geistige Sinne klar und OO
wach Gebilde aus geistiger Substanz zu OO
erfassen vermögen. Soweit nur die irdiOO
schen Körpersinne in Betracht kommen, OO
ist an gleicher Stätte nur irdisch Materielles OO
und Täuschendes zu sehen ‒ ja, selbst der OO
besten Optik photographischer Apparate OO
würde es unmöglich sein, Anderes als ein OO
bloßes irdisches Täuschungsbild auf der OO
höchstempfindlich präparierten Platte fest‐ OO
zuhalten. Was an dieser Stätte der Erde, OO
53 Briefe an Einen und Viele
örtlich fixiert, aus kristallklarer ewiger OO
geistiger Substanz errichtet ist, kann auch OO
selbst von den ihm örtlich zunächst Le‐ OO
benden des kleinen Kreises, den Sie so OO
gewiß erfühlen, niemals mit dem irdischOO
tierischen Körper aufgesucht werden. Je‐ OO
der, der hier Zutritt hat, kommt in geistOO
räumlicher Selbstgestaltung, die ihm weit OO
mehr entspricht als sein irdischer Leib, und OO
keiner der Behinderungen unterordnet ist, OO
die äußere Materie hemmen. In diesem OO
wirklichen Tempel der Ewigkeit auf der OO
Erde wird auch keineswegs ein Kult zele‐ OO
briert, und ebensowenig werden hier etwa OO
belehrende Homilien abgehalten. Die hier OO
sich vereinen als wahrhaftige, vom ewigen OO
Geiste gesetzte Priester, erheben sich viel‐ OO
mehr an dieser Stätte in die vollkommeneOO
‒ infolge geistig substantieller Verhältnisse OO
sonst an keiner Stätte der Erde jemals mögOO
liche ‒ Transsubstantiation zur absolutenOO
54 Briefe an Einen und Viele
Vereinung mit dem Vater: ‒ in eine ab‐ OO
solute ‒ keinem „Mystiker” auch nur vorOO
stellbare ‒ „Unio mystica” ‒ und leiten OO
in diesem von ewiger Liebe durchlichteten OO
Zustand Ströme des Segens zu dafür emp‐ OO
fangsfähigen Menschen über die ganze Erde OO
hin, die nur aus dieser Stätte her so er‐ OO
reicht werden können, daß sie auch aufOO
zunehmen vermögen, wozu sie sich emp‐ OO
fangsbereit machten.
.Da diese Stätte des wirklichen Tempels OO
der Ewigkeit auf Erden einer „Burg auf OO
hohem Berge, inmitten von Schnee und OO
Eis” nicht allzu unähnlich ist, so hat Sie OO
Ihr Vorstellungsvermögen recht nahe an OO
die Wirklichkeit hingeführt.
.Zu unterscheiden von der Stätte des gei‐ OO
stigen Tempels ist eine irdischen Sinnen OO
wahrnehmbare Stätte gemeinsamen LeOO
bens einiger Weniger, die ihm in besondererOO
Weise zugehören, aber sie liegt weder „auf OO
55 Briefe an Einen und Viele
hohem Berge” noch „inmitten von Schnee OO
und Eis”, hat aber auch für die dort irdisch OO
wie andere Menschen auf ihre Art Leben‐ OO
den im Wesentlichen nur die Bedeutung OO
einer selbstgewählten Wohnstatt.
.Daß die hier Wohnenden sich gegen alle OO
Außenwelt sorgfältig abschließen und stets OO
abgeschlossen halten müssen, liegt in der OO
Natur ihrer geistigen Sonderberufung be‐ OO
gründet. Es ist überdies auch von außenOO
her gut dafür gesorgt, daß sie niemals ihre OO
Verborgenheit aufzugeben genötigt sein OO
werden, auch wenn ihnen die flache „Zivili‐ OO
sation” europäischen Ursprungs noch näher OO
rücken sollte, als das bis heute geschehen OO
konnte.
.Was Sie mir schreiben über eine gefühlte OO
Verbindung zwischen Ihnen und dem von OO
Ihnen so gewiß erfühlten geistigen Kreise, OO
ist keineswegs Selbsttäuschung. Nur müs‐ OO
sen Sie sich klar darüber werden, wie diese OO
56 Briefe an Einen und Viele
„Verbindung” zustandekommt. Ich darf OO
wohl zwei Erfindungen aus dem Gebiet elek‐ OO
trotechnischer Schallübertragungen hier OO
zum Vergleich heranziehen, denn es liegt OO
mir daran, daß Sie sich nicht an falsche Vor‐ OO
stellungen hängen. Was Sie als „Verbin‐ OO
dung” fühlen, ist nicht etwa einer TelephonOO
verbindung zu vergleichen, bei der einOO
Sprechender mit einem Hörenden verbun‐ OO
den ist, sondern eher einer durch bestimmte OO
Wellenschwingungen über die ganze Erde OO
geleiteten Radio-Botschaft.
.Es wird auf vielen Wellenlängen ganz OO
verschiedene Sendungen geben, Sie aber OO
empfangen nur, was Ihrer Einstellung ent‐ OO
spricht.
.Jede Einflußnahme der Leuchtenden des OO
Urlichtes ist ‒ der Methode nach ‒ als ein OO
dem hier gegebenen Vergleich ähnlicher OO
Vorgang aufzufassen, ‒ auch dort, wo zu‐ OO
weilen schon ganze Völker unter solchem OO
57 Briefe an Einen und Viele
Einfluß waren, der jedoch immer und unter OO
allen Umständen sich nur auf Dinge ewigenOO
Geistes beziehen konnte, ‒ niemals auf OO
Bestrebungen zur Erlangung materieller OO
Wohlfahrt, oder gar auf die Anerkennungs‐ OO
kämpfe irgend einer Politik!
.Vom ewigen Geiste her kann kein ande‐ OO
res menschliches Wollen und Handeln För‐ OO
derung erfahren, als das wiederum in die OO
ewige geistige Wirklichkeit führende. Nur OO
die ins ewige Geistige weisende Schöpfer‐ OO
kraft des Einzelnen, wie die durch rein OO
geistige Kraftäußerung bewirkte höchste OO
Machtentfaltung ganzer Völker und Natio‐ OO
nen, können den geistigen Einfluß der vom OO
Tempel der Ewigkeit auf dieser Erde aus‐ OO
geht, empfangen! Dies zu Ihrer Anspielung OO
auf meine Worte der zweiten Betrachtung OO
im „Buch vom lebendigen Gott”.
.Wollen Sie einstweilen alles heute von OO
mir Erörterte gut überdenken, bis ich dem‐ OO
58 Briefe an Einen und Viele
nächst vielleicht den Faden wieder auf‐ OO
nehmen kann. Möge der lichte Segen aus OO
dem Tempel der Ewigkeit Sie allzeit emp‐ OO
fangsbereit finden!
59 Briefe an Einen und Viele
ACHTER BRIEF
Was ich zu Ihrem neuerdings erhaltenen OO
Bericht zu sagen habe, ist mir Veranlassung OO
zu den nachstehenden rhythmischen Ge‐ OO
fügen geworden, die Ihnen in gedrängter OO
Form zeigen mögen, daß Sie die gegebenen OO
Zusammenhänge durch Ihr eigenes Er‐ OO
fühlen richtig deuten. Ich spreche nun OO
aber hier unter der Bekundung „Wir” OO
nicht etwa im „Pluralis majestatis”, son‐ OO
dern aus meinem ewigen geistigen Sein, OO
in dem ich immerdar in der vollkommen‐ OO
sten Vereinung mit meinen geistgebore‐ OO
nen Brüdern im ewigen Lichte bin. Na‐ OO
türlich spreche ich in diesen Versen nur OO
aus der Gemeinsamkeit mit denen meiner OO
geistgeeinten Brüder, die ebenso wie ich, OO
irdisch-physischem Menschentum zur Voll‐ OO
bringung ihrer Aufgabe verbunden sind, OO
wenn auch eines jeden Aufgabe, geistes‐ OO
60 Briefe an Einen und Viele
bestimmt, von allen anderen verschie‐ OO
den ist.
.Den Anlaß nützend, weise ich Sie zu‐ OO
gleich aufs eindringlichste an, immer sehr OO
darauf zu achten, welcher Standort sich OO
aus dem Inhalt meiner Bekundungen je‐ OO
weils ergibt, denn ich bin, wie ja der letzte OO
Vers der ersten Eröffnung besagt, als Er‐ OO
denmensch meinem geistigen Sein ohne OO
Lösungsmöglichkeit verschmolzen.
Wir
Wir sind die berufenen Zeugen,
Denn wir leben im ewigen Licht!
Unser Zeugnis ist niemals zu beugen,
Denn es wägt mit erprüftem Gewicht.
Wir sind, was wir ewig gewesen,
Im „Vater”: ‒ im ewigen Sein! ‒
Doch wir fanden, uns geistig erlesen,
Auch zeitlichen, irdischen „Schrein”...
61 Briefe an Einen und Viele
Wir hatten ihn geistig gefunden
Lang ehe die Erde erstand,
Doch, was sich dann zeitlich gebunden,
Das verband schon urewiges Band.
Wir bleiben für immer vereinigt
Dem Irdischen, der uns hier „spricht”:
Im „Feuer” geglüht und gereinigt,
Ist er uns verschmolzen im Licht!
*
.Fand hier die meinen geistigen Brüdern OO
mit mir gemeinsame Ankerung im ewigen OO
Geiste eine Darstellung, so bringe ich nun OO
die Antwort auf Ihre, mich individuellOO
meinenden Fragen:
Ich
I
Ich bin nicht „ich”,
Wie einer, der Begrenzendes
Mit „Ich” benennt,
Da er nur erdenhaft Vergängliches
In sich erkennt.
62 Briefe an Einen und Viele
Ich bin mir „ich”
Im lichtgelösten Sein.
In irdischer Umgrenzung
West mein Bild und Schein,
Sich selbst zur Plage
Und zu zeitgeborener Pein!
II
Da, wo ich bin, ist Ewigkeit,
Weil ewigkeitsgezeugter „Raum”
Den Erdenraum erfüllt,
Den meine Tage in der Zeit erfüllen.
Mich selber gab ich
Diesem Leib der Erde ‒
Dem ich nun Leidesanlaß
Und Verzehrer werde ‒
Damit der „Raum” der Ewigkeit
Ihn ganz erfülle,
Und Ewiges dem Irdischen
In sich enthülle.
63 Briefe an Einen und Viele
III
Wenn ich aus hocherhaben hehrem Horte
Höchsten Gutes Gabe euch gewähre,
Beschenke ich nicht nur
Mit weisem Worte,
Wie wenn ich nur des Wortes
Wahrer wäre.
Was ich euch gebe,
Ist und bleibt mein Eigen,
Auch wenn ich es an Ungezählte gebe,
Und kann nur darum
Weg und Ziel euch zeigen,
Weil ich in jedem meiner Worte lebe!
*
.Ich nehme an, daß diese Aussagen Ihnen OO
keine neuen Fragen wecken werden, viel‐ OO
mehr einiges auch mitbeantworten, was OO
ich zwischen Ihren lieben Zeilen als mög‐ OO
licherweise kommende Frage auftauchen OO
sehe.
64 Briefe an Einen und Viele
.Aber auch hier sollen Sie nichts ohne OO
eigene Prüfung annehmen. Nur dann, wenn OO
Ihr urewiges eigenes Geistiges Ihnen willig OO
seine Zustimmung gewährt, sind Ihre ‒ OO
vielleicht nur versteckten ‒ Zweifel wirk‐ OO
lich aus dem Felde geschlagen und können OO
nun erst Ihren Weg nicht mehr gefährden!
.Ich hoffe, daß ich demnächst noch eini‐ OO
ges zur Sprache bringen kann, was Sie in OO
Ihrem vorletzten Briefe berührt haben. OO
Wenn es aber bis dahin vielleicht noch ge‐ OO
raume Zeit brauchen sollte, so bitte ich OO
Sie im voraus, nicht ungeduldig auf die OO
Post zu warten. Was ich Ihnen noch in be‐ OO
zug auf die von den Leuchtenden des Ur‐ OO
lichtes dargebotene geistige Leitung und OO
Hilfe zu sagen habe, käme auch nach vie‐ OO
len Monaten immer noch zurecht.
.Ich segne Sie und sende Ihnen alle Hilfe OO
zu, deren Sie auf dem Wege zu Ihrem ewi‐ OO
gen Geistigen bedürfen.
65 Briefe an Einen und Viele
NEUNTER BRIEF
Was ich Ihnen zuletzt schrieb und durch OO
Fügungen in rhythmischer Ordnung am OO
besten ausgedrückt sah, hat gewiß nach kei‐ OO
ner Antwort verlangt, und dennoch freuen OO
mich Ihre so aus tiefster Seele kommenden OO
lieben Zeilen, weil sie mir zeigen, daß auch OO
diesmal wieder alles ganz in dem Sinne OO
aufgenommen wurde, in dem ich es ge‐ OO
geben hatte.
.Kaum hätte ich freilich bei der Absen‐ OO
dung vermutet, von Ihnen zu vernehmen, OO
was Sie mir jetzt zu schreiben haben.
.Ich bitte Sie, sich mit der Antwort be‐ OO
gnügen zu wollen, daß Ihnen solche Ein‐ OO
sicht und Erkenntnis „wahrlich nicht OO
Fleisch und Blut gegeben” hat, sondern OO
Ihr eigenes Ewiges, aus dem allein die OO
Wahrheit über die Wirklichkeit, in der es OO
selbst lebendig ist, erlangt werden kann. OO
66 Briefe an Einen und Viele
Die Erkenntnisse des Blutes ‒ was besagen OO
will: des an tierhaft enge Bedingtheiten OO
gebundenen, erdmenschlichen Fühlens und OO
gehirnlichen Erdenkens ‒ verhalten sich OO
zu dem, was nur das eigene Ewige zu ge‐ OO
ben vermag, wie sich etwa das „Leben” OO
eines hartstarren Steines im nächstbesten OO
Bachbett zu den höchsten uns bekannten OO
Lebensäußerungen verhält. Nur aus dem OO
Ewigen kann Erkenntnis des Ewigen dem OO
Menschen zukommen! ‒
.Aber nun will ich diese Gelegenheit des OO
Schreibens an Sie zugleich dazu benutzen, OO
Ihnen endlich noch die Aufschlüsse zu ge‐ OO
ben, die meine Antwort auf Ihre Bemer‐ OO
kungen zu dem Buchkapitel „Die Hütte OO
Gottes bei den Menschen” schon hätte mit‐ OO
umfassen sollen, wenn mich damals nicht OO
äußere Umstände gezwungen hätten, mei‐ OO
nen Brief abzuschließen.
.Zwei allgemein bekannte und vielge‐ OO
67 Briefe an Einen und Viele
brauchte Erfindungen hatten sich mir zum OO
Vergleich geboten, als ich Ihnen Aufschluß OO
gab über die Art und Weise, in der die „Ver‐ OO
bindung” der Seelen auf Erden mit den OO
Leuchtenden des Urlichtes zustande kommt. OO
.Was hier noch zu sagen ist, habe ich zwar OO
in einem der letzten Kapitel des Buches OO
„vom lebendigen Gott” ‒ ich meine hier OO
den Lehrtext: „Im Osten wohnt das LichtOO
‒ so deutlich dargestellt, daß mir ein Falsch‐ OO
deuten der dort gegebenen Aufschlüsse nur OO
durch überaus unaufmerksames Lesen halb‐ OO
wegs erklärbar erscheint. Da ich aber immer OO
wieder Berichte erhielt, in denen mir im OO
Tone aufgeregtesten Wichtignehmens von OO
inneren Stimmen erzählt, und dabei an‐ OO
genommen wurde, es müsse sich um die OO
„Stimme” eines leitenden „Meisters”, also OO
eines Leuchtenden des Urlichtes handeln, OO
so will ich Sie doch, der Vorsicht halber, OO
um Ihnen zwecklose Beunruhigungen zu OO
68 Briefe an Einen und Viele
ersparen, recht eindringlich auf das auf‐ OO
merksam machen, was ich in dem obenge‐ OO
nannten Abschnitt, sowie in dem Haupt‐ OO
kapitel: „Der Weg” tatsächlich sage.
.Es bedarf wirklich schon eines sehr gro‐ OO
ben Umdeutens meiner an diesen Stellen OO
wie auch besonders noch in dem Buche OO
Auferstehung” gebrauchten Worte, um OO
zu der allem Gesagten widersprechendenOO
Auffassung zu kommen, als meinte ich etwa OO
„innere Stimmen” wie sie nervenerregte OO
Ekstatiker, oder auch nur durch eigene, vor‐ OO
stellungsmäßige Selbstübersteigerung auf‐ OO
gepeitschte Geltungsbedürftige, ahnungs‐ OO
los durch entweder zeitweilige, an be‐ OO
stimmte äußere Einflüsse geknüpfte, oder OO
aber dauernde Spaltung ihrer Persönlich‐ OO
keit sich erzeugen.
.Gerade vor solchenStimmen” wird ja OO
von mir mit jedem Worte gewarnt!
.Ich darf doch wahrhaftig erwarten, daß OO
69 Briefe an Einen und Viele
man die als Bilder gebrauchten Worte: OO
„Stimme” und „sprechen” nur in der Weise OO
aufnimmt, wie sie gegeben sind und stets OO
wieder und wieder erklärt werden! Deut‐ OO
lich genug sage ich doch, daß dieses „Spre‐ OO
chen” keinesfalls dem Gebrauch einer OO
menschlichen Sprache verglichen werden OO
darf, sondern ein inneres Klarwerden desOO
vordem der Vorstellung Unklaren ist, her‐ OO
vorgerufen durch Influenzwirkung einer OO
Entelechie, die selbst in reinster Klarheit OO
ihres Erkennens lebt. Ich sage das auch mit OO
anderen, sich aus der gehobenen Sprach‐ OO
form ergebenden Worten, aber schon der OO
Umstand, daß ich die Worte, die man hier OO
geflissentlich in einem geradezu entgegen‐ OO
gesetzten Sinn für sich in Anspruch nehmen OO
zu dürfen glaubt, meistens hinweisend in An‐ OO
führungszeichen setze, dürfte doch jedem OO
Vernünftigen klar genug zeigen, daß ich sie OO
in distanzierender Weise betont wissen will. OO
70 Briefe an Einen und Viele
Wörtlich aber sage ich ausdrücklich in dem OO
Kapitel „Im Osten wohnt das Licht”, daß OO
durch unmittelbares Erzeugen innererOO
Klarheit” im Innern des Suchenden „ge‐ OO
sprochen” wird, ‒ „ohne Worte der Sprache OO
des Mundes.”... „Nicht in irgend einer OO
Landessprache.” Das ist denn doch wohl OO
eindeutig genug gesagt.
.Wenn ich in dem Hauptkapitel „DerOO
Weg” nebenher auch die MöglichkeitOO
streife, die für den geistigen Lehrer unter OO
gewissen, im zu Belehrenden verankerten OO
Umständen besteht: ‒ sich dem Klärung OO
Empfangenden in „magischem Bilde” zu OO
zeigen, so geschieht das der VollständigOO
keit halber, und ich lasse keinen Gedanken OO
daran aufkommen, daß dieses „Bild” etwa OO
der Meister selbst sein könne. Gleichzeitig OO
sage ich deutlich, daß es durchaus keine OO
Bevorzugung darstellt, wenn einer zu sol‐ OO
cher Bildprojektion aus sich selbst hinaus OO
71 Briefe an Einen und Viele
veranlagt ist. Ich konnte nur die mir be‐ OO
kannte Möglichkeit in einem Lehrbuch, das OO
von geistigen Dingen handelt, nicht einfach OO
unbesprochen lassen, auch wenn sie äußerst OO
selten eintritt, und durch Nebenumstände OO
bedingt ist, die kaum bei einem Europäer OO
gegeben sind.
.Das alles wird Sie selbst ja schwerlich als OO
eigene Frage angehen, da Sie sehr genau OO
auf jedes meiner Worte zu achten pflegen, OO
wie ich längst weiß.
.Es ist aber keineswegs unmöglich, daß OO
Ihnen andere Leser meiner Bücher begeg‐ OO
nen, die Ihnen geheimnisvoll von ihren OO
„inneren Stimmen” erzählen, und diese, für OO
alle, nicht systematisch zu geistiger Unter‐ OO
scheidungsfähigkeit Geschulten, ‒ immerOO
und unter allen Umständen ‒ bedroh‐ OO
liche Erscheinung fälschlich in meinen OO
Worten gutgeheißen glauben. Solchen Leu‐ OO
ten gegenüber, die zumeist fanatische Skla‐ OO
72 Briefe an Einen und Viele
ven ihrer eitlen Seele sind, und wie be‐ OO
sessen von ihrem Glaubenstraum an ihre OO
vermeintliche „hohe Führung”, müssen OO
Sie unbedingt Ihrer Sache sicher sein. An‐ OO
derenfalls werden Sie solchen Berichten OO
Gewicht geben und gar womöglich sich ein‐ OO
reden lassen, Sie seien noch nicht „soweit OO
vorangeschritten”, wie Jene, ‒ oder aber OO
Ihre, wie Sie meinen, so „trockene und OO
nüchterne Natur” sei wohl ein unüber‐ OO
windliches Hindernis, ‒ und was derglei‐ OO
chen Bedenklichkeiten selbstkritisch ver‐ OO
anlagter und gegen sich selbst nicht allzu OO
nachsichtiger Naturen mehr sind.
.Damit Sie ganz klar sehen, sei hier nun OO
aber auch noch auf ein Fehlverstehen hin‐ OO
gewiesen, dem ich wirklich nicht zu be‐ OO
gegnen fürchtete, bevor ich zu meinem Er‐ OO
staunen gewahr werden mußte, wie weit OO
es verbreitet ist. Man könnte versucht sein, OO
anzunehmen, daß Rede in Bildern und OO
73 Briefe an Einen und Viele
Gleichnissen, wie sie die Natur geistiger OO
Dinge nahelegt und oft genug geradezu OO
verlangt, von heutigen Menschen, die an OO
Zeitungsberichten sich sattzulesen gewohnt OO
sind, überhaupt nicht mehr verstanden OO
wird. Sonst wäre es doch nicht möglich, OO
daß Begriffe, wie „geistige Nähe”, „hohe OO
Hilfe” durch die dazu Verordneten, oder OO
„geistige Leitung”, „geistiger Schutz” OO
durch die dazu mächtigen hohen Helfer, OO
so oft die doch etwas gar zu plumpe Deu‐ OO
tung fänden, als sei damit gemeint, daß OO
die Leuchtenden des Urlichts in einer un‐ OO
sichtbaren Gestalt sich in die irdisch ört‐ OO
liche Nähe eines Hilfs- oder Leitungsbe‐ OO
dürftigen begeben müßten, um ihn ihre OO
segenspendende geistige Nähe erfahren zu OO
lassen.
.Was mit den obigen und ähnlichen Wor‐ OO
ten meiner Schriften gemeint ist, spielt OO
sich selbstverständlich in einer wesentlichOO
74 Briefe an Einen und Viele
anderen Weise ab. Das Verstehen hierfür OO
sollte man aber bei denkfähigen Menschen OO
wirklich als erfüllte Forderung der Logik OO
voraussetzen dürfen, denn wie kann man OO
sich denn in die Annahme verlieren, die OO
so wenigen, zu geistiger Hilfeleistung im OO
weitesten Sinne fähigen Männer auf dieser OO
Erde, samt allen ihren rein geistigen, nichtOO
im Erdentiereskörper lebenden Brüdern, OO
seien im Verhältnis zu der Menschenzahl OO
der Erde ausreichend, um sich jedem in OO
unsichtbarer Körperlichkeit persönlich zu OO
nähern, den sie ihrer Hilfe dargeboten sehen OO
und der ihre Hilfe wirklich braucht?! Wäre OO
es denn nicht auch ein geradezu entsetz‐ OO
licher Zustand, allenthalben von einem Un‐ OO
sichtbaren beobachtet zu sein, gerade wennOO
und weil man in ihm den gütigsten Helfer OO
auch unerbeten um sich wüßte? ‒ Glück‐ OO
licherweise aber gibt es nichts Wirkliches, OO
das dem handfesten Glauben so mancher OO
75 Briefe an Einen und Viele
Leute ähnlich sähe, die sich derart wichtig OO
nehmen, daß es ihnen als ausgemachte Tat‐ OO
sache erscheint, ihre kleinen und meistens OO
so trivialen Alltags-Sorgen müßten im Gei‐ OO
stigen allgemein bis ins Intimste bekannt OO
und Gegenstand der Hilfeleistung sein.
.Gegenstand der Hilfeleistung ist für die OO
zur Hilfe Verordneten unter den Leuchten‐ OO
den des Urlichts jederzeit nur auf das GeiOO
stige im Menschen bezogene Not, Schutzbe‐ OO
dürftigkeit, oder Leitungsnotwendigkeit.
Den Menschen, der in einer solchen geisti‐ OO
gen Situation ist, daß er für ihre Hilfelei‐ OO
stung in Betracht kommt, finden sie mit OO
Sicherheit, ohne auch nur das Mindeste von OO
seinen irdischen Verhältnissen zu wissen, OO
oder auch nur eine vage Vorstellung von OO
seiner äußeren Gestalt und seinen Zügen OO
zu haben. Es ist ein rein geistiger Vorgang, OO
der ohne Unterlaß dieses absolut sichere OO
Finden bewirkt.
76 Briefe an Einen und Viele
.Wenn ich schon in meinem damaligen OO
Briefe vergleichsweise die Begriffe „Tele‐ OO
phon” und „Radio” zu Hilfe nahm, so muß OO
ich Sie heute ‒ so sehr der Vergleich auch OO
auf beiden Seiten hinkt ‒ doch nun darum OO
bitten, sich jetzt ein Schaltbrett von im‐ OO
menser Größe vorzustellen, auf dem uner‐ OO
meßlicher Raum in fast mikroskopischer OO
Verkleinerung in die Fläche projiziert ist.
Stellen Sie sich weiter vor, jede auf Erden er‐ OO
scheinende Seele sei, während ihres Erden‐ OO
lebens, auf dieser Fläche durch zwei in OO
einem winzigen Punkt zutagetretende Pla‐ OO
tinelektroden repräsentiert und sobald die OO
Seele geistige Leitung oder Hilfe nötig habe, OO
sprühe ununterbrochen bis zur Abstellung OO
ein heller Funke zwischen beiden Elektro‐ OO
den. Und nun gelte Ihnen der zur Hilfe oder OO
zur Leitung verordnete Leuchtende des Ur‐ OO
lichts in diesem Bilde wie ein Elektrotech‐ OO
niker, der zugleich eine Schalttafel mit OO
77 Briefe an Einen und Viele
einer Unzahl von Hebeln vor sich hat, und OO
sofort weiß, welchen Strom er einschalten OO
muß, weil ihm durch die Farbe der Funken OO
und die Gehörseindrücke ihrer entweder OO
relativ langsameren oder aber gesteigert OO
schnellen Aufeinanderfolge genau kund OO
wird, welcher Strom oder welche Strom‐ OO
kombination jeweils zur Hilfe, zum Schutz OO
oder aber zur geistigen Leitung vonnöten OO
ist. Alles Übrige aber geschähe ‒ um hier OO
im Bilde zu bleiben ‒ „automatisch”.
.Dieser Vergleich kann Ihnen dazu ver‐ OO
helfen, eine richtige Vorstellung zu gewin‐ OO
nen von der Art und Weise rein geistiger OO
Hilfeleistung, geistiger Leitung, und geisti‐ OO
ger „Nähe”!
.Ich werde Ihnen nicht erst zu sagen brau‐ OO
chen, daß gewiß keine geistsubstantielle OO
Apparatur dieser Art irgendwie und irgend‐ OO
wo besteht, sondern daß dieses hier skiz‐ OO
zierte Bild vielmehr den gegebenen Zu‐ OO
78 Briefe an Einen und Viele
sammenhängen in der Struktur ewigen gei‐ OO
stigen Lebens auf eine symbolische Weise OO
Darstellung zu geben sucht.
.Bleiben wir beim Bilde, so ist jedoch zu OO
sagen, daß niemals der hier geschilderte OO
Funke zwischen den Elektroden aufblitzen OO
wird, wenn der durch das Elektrodenpaar OO
repräsentierte Mensch nicht aus der In‐ OO
brunst seines Herzens Leitung, Schutz oder OO
Hilfe aus der Region des wesenhaften sub‐ OO
stantiellen Geistes erwartet oder verlangt, OO
‒ und ebenso niemals, wenn er sich nicht OO
selbst dazu bereitet hat, solcher Einwirkung OO
ein brauchbarer Empfänger zu sein. ‒
.Die Hilfe, wie die geistige FührungOO
durch einen Leuchtenden im Urlicht, und OO
somit durch unsere ewige Gemeinsamkeit, OO
bezieht sich niemals auf Dinge, die zwischenOO
Geburt und Grab ihre Erfüllung finden OO
müssen, wenn sie sich gestaltet sehen sollen, OO
sondern immer nur auf das Erwachen der OO
79 Briefe an Einen und Viele
Seele im geistigen ewigen Bereich, und OO
die dadurch ‒ möglichst schon während OO
des Erdendaseins ‒ zu erlangende Über‐ OO
tragung des individuellen irdisch-seeli‐ OO
schen Bewußtseins in das eigene EwigeOO
des Menschen. ‒
.Damit sei heute dieser recht umfänglich OO
geratene Brief aber denn doch nun abge‐ OO
schlossen und Ihrem seelischen Aufnehmen OO
besonders empfohlen!
.Mein Segen, der Sie auf eben die Weise OO
erreicht, die Ihnen in diesem Briefe gleich‐ OO
nishaft geschildert wurde, werde Ihnen zu OO
wirksamster Erhellung Ihrer Einsicht in OO
alles, was im Ewigen gründet!
80 Briefe an Einen und Viele
ZEHNTER BRIEF
Bei allem hocherfreulichen Verstehen der OO
letzthin von mir so ausführlich erläuterten OO
Form der Fernsendung geistiger Hilfe und OO
Führung durch die einzigen, die in solcher OO
Weise helfen und führen dürfen, weil sie OO
dazu vom ewigen Geiste verordnet sind OO
und helfen können, gewahre ich doch in OO
Ihrem neuen Briefe noch eine gewisse Un‐ OO
sicherheit, die sich scheinbar immer wie‐ OO
der durch mein Wort erzeugt, daß schon OO
„ganze Völker” zuweilen unter unserem: OO
‒ der Leuchtenden des Urlichtes ‒ gei‐ OO
stigen Einfluß standen.
.Hier muß ich Sie wohl doch noch ein‐ OO
mal darauf hinweisen, daß alle geistige OO
Hilfe, zu deren Spendung der ewige Vater OO
im Urlicht sich der durch ihn im Urlicht OO
Leuchtenden bedient ‒ und es gibt keineOO
andere ins Menschlich-Irdische wirkendeOO
81 Briefe an Einen und Viele
geistige Hilfe oder Führung! ‒ stets nur OO
die Einzelseele zu erreichen vermag, so OO
daß ein geistiger Einfluß auf „ganze Völ‐ OO
ker” naturnotwendig nur dort sich ereig‐ OO
nen kann, wo unter den Einzelseelen, die OO
erst Völker zu bilden vermögen, viele Bild‐ OO
ner sind, die sich selbst so zu formen wuß‐ OO
ten, daß geistige Führung von ihnen aufOO
genommen und verstanden werden kann: OO
‒ daß geistige Hilfe „empfangsbereite HerOO
zen” findet.
.Wie geistig gesandter Ein-fluß sich immer OO
nur auf die Erreichung des WiederbewußtOO
werdens der Menschenseele in ihrem inOO
dividuellen Ewigen bezieht, und die Dinge OO
zwischen Geburt und Grab dem Erdmen‐ OO
schen selbst frei überläßt, habe ich bereits OO
in meinem letzten Briefe an Sie zum Aus‐ OO
druck gebracht. Es scheint aber, als ob ver‐ OO
steckte, vielleicht ererbte, vielleicht aner‐ OO
zogene Wünsche in Ihnen Unruhe zu schaf‐ OO
82 Briefe an Einen und Viele
fen suchten, so daß Sie gar zu gerne doch OO
auch einen geistigen Einfluß auf das WeltOO
geschehen gerettet sehen möchten.
.Es ist aber ein ebenso großer Irrtum, OO
den ewigen, göttlichen Vater irgendwo oder OO
in irgendwem ‒ sei es direkt oder durch OO
gesandte geistige Führung ‒ im Bereiche OO
innen- oder außenpolitischer Vorgänge ir‐ OO
gendeines in der Weltgeschichte bekannt OO
gewordenen Volkes am Werke zu glauben, OO
wie es törichter Irrtum ist und die er‐ OO
schreckende Geistesfremdheit der tier‐ OO
menschlichen Seele verrät, wenn man in OO
den schweren Krisen der Politik, die man OO
„Kriege” und „Revolutionen” nennt, ewi‐ OO
gen Willen des Geistes in der Auswirkung OO
zu erblicken meint.
.In allediesem Geschehen wirkt nur derOO
tiergebundene Mensch der Erde, und wasOO
immer ihn zum Wirken drängt, ist ‒ ein‐ OO
schließlich aller lemurischen Antreiber‐ OO
83 Briefe an Einen und Viele
peitschenschläge aus dem unsichtbaren Teil OO
der physischen Welt ‒ bloß irdisch verur‐ OO
sacht, ohne die geringste Mitwirkung geiOO
stiger Einflüsse und Kräfte!
Ihr sagt:
„Die Weltgeschichte
Ist das Weltgericht!”
Gewiß!
Doch ein Gericht,
In dem der Mensch allein
Sich selbst das Urteil spricht!
Hier hat sich „Allmacht”
Aller Macht begeben...
Hier spricht nur geist-getrenntes,
Tierversklavtes Leben!
.Was wirklich der Erdenmenschheit schon OO
in den Tagen zwischen Geburt und Grab ein OO
besseres Los zu schaffen vermag, ist nur dasOO
Erwachen vieler Einzelseelen in ihremOO
Ewigen. Es werden aber immer nur TeilOO
84 Briefe an Einen und Viele
gruppen der Menschheit sein, in denen OO
genügend Einzelseelen, ihres Ewigen be‐ OO
wußt, des ewigen Menschen wahrhaft würOO
dige Lebensgestaltungen zu schaffen ver‐ OO
mögen, und nur durch ihr Beispiel werden OO
sie auch andere Teilgruppen allmählich der OO
Tieresübermacht entreißen können. Ein OO
Teil der Erdenmenschheit wird dereinst OO
dem ewigen Geiste bereits im Mutterleib OO
erschlossene Kinder gebären, während ein OO
anderer Teil, ‒ immer rettungslos tierver‐ OO
haftet, ‒ zwar nicht, wie die Visionen des OO
Zarathustradichters meinten: den „Über‐ OO
menschen”, wohl aber ‒ das Übertier zeu‐ OO
gen wird, das aller Tiere Dumpfheit, Grau‐ OO
samkeit und Krallenlust zuletzt bis zur OO
Selbstzerfleischung übersteigert...
.Das ist alles, was ich Ihnen heute sagen OO
will, und ich hoffe, Sie werden sich in Zu‐ OO
kunft nicht mehr durch Ihre gefühlsbeton‐ OO
ten wachen Wunschträume betören lassen, OO
85 Briefe an Einen und Viele
im äußeren Weltgeschehen „den Finger OO
Gottes” als Beweger am Werk zu glauben!
.Aller Segen des Lichtes sei immer mit OO
Ihnen!
86 Briefe an Einen und Viele
ELFTER BRIEF
Gerne glaube ich Ihnen, daß es Ihnen OO
nicht ganz leicht wurde, im Laufe der letz‐ OO
ten Monate Ihr Weltbild im Sinne meines OO
zuletzt geschriebenen Briefes an Sie zu OO
korrigieren. Ich kann das gut nachfühlen, OO
denn auch mir ist es vor einigen Jahrzehn‐ OO
ten durchaus nicht leicht gewesen, alles, OO
was ich von Jugend auf gehört und so gerne OO
geglaubt hatte, dahingeben zu müssen, als OO
ich der Wirklichkeit zum ersten Male an‐ OO
sichtig geworden war.
.Um so mehr freue ich mich, von Ihnen OO
zu hören, daß Sie jetzt, nach der Verar‐ OO
beitung meiner letzten Darlegungen, sich OO
„von einem schweren und lähmenden OO
Druck befreit” fühlen, der Sie vordem OO
„auch in den heitersten Stunden” niemals OO
verließ. Es ist ja wahrhaftig eine kaum er‐ OO
trägliche Vorstellung, daß ewige Güte und OO
87 Briefe an Einen und Viele
Liebe in unbegrenzter Machtfülle diese OO
Erdenwelt regiere, und dennoch alles ruhig OO
geschehen lassen könne, was hier Tag OO
um Tag und Nacht um Nacht an Furchtba‐ OO
rem, Schauerlichem und Entsetzlichem ge‐ OO
schieht, obwohl es durch den bescheiden‐ OO
sten Aufwand überweltlicher Macht so leicht OO
zu verhüten wäre. Eine solche Vorstellung OO
kann wohl als schwerster Seelendruck emp‐ OO
funden werden, und es ist begreiflich, daß OO
man wie erlöst aufatmet, wenn man ein‐ OO
sehen gelernt hat, daß hinter ihr nichtsOO
Wirkliches steht, und sie nur die Folge OO
falscher Gottesbegriffe ist, die der gott‐ OO
ferne Erdenmensch in seiner Not sich selbst OO
geschaffen hat.
.Fehlgehen aber würden Sie, wenn Sie OO
aus meinen Worten eine allgemeine Ge‐ OO
ringschätzung aller Dinge zwischen Geburt OO
und Grab herauslesen wollten. Mir sind OO
diese Dinge schon darum bedeutsam, weil OO
88 Briefe an Einen und Viele
sie ja über ihre Zeit hinaus weiterwirkende OO
‒ wenn auch nicht gerade „ewige” ‒ OO
Folgen auszulösen vermögen. Aber auch OO
in dem ihnen zubemessenen Bereich selbst OO
ist es von größter Bedeutsamkeit, wie wir OO
ihnen gegenüberstehen, sie zu nehmen OO
wissen, und ihnen schließlich gerecht wer‐ OO
den.
.Ebenso würden Sie gewaltig irren, wenn OO
Sie aus meinen Worten die Lehre heraus‐ OO
lesen wollten, daß es überhaupt keineOO
göttlich-geistige Einwirkung auf die Dinge, OO
die von unserer Lebensdauer irdisch um‐ OO
schlossen werden, gäbe. Wohl sind solche OO
Einwirkungen nicht nur „möglich”, son‐ OO
dern geradezu alltäglich und überaus häu‐ OO
fig. Sie sind jedoch nur das Zeugnis des rein OO
gesetzmäßigen Reagierens ewiger, vom OO
Geiste ausgestrahlter Mächte und Kräfte, OO
deren Einflüsse der Erdenmensch ohne jede OO
Beihilfe auslöst, ‒ nur durch sein, den geiOO
89 Briefe an Einen und Viele
stigen Gesetzen entsprechendes Verhalten. OO
Eine große Anzahl religiöser Vorschriften, OO
‒ ja selbst manche Gebote des Aberglau‐ OO
bens, ‒ gehen auf das erfahrungsmäßige OO
Beobachten des rechten oder falschen Ver‐ OO
haltens gegenüber solcher geistigen Gesetz‐ OO
mäßigkeit zurück, die auch in manchen reli‐ OO
giösen Lehren der Vorzeit, ‒ auch sehr OO
deutlich in den „Psalmen Davids”, ‒ perOO
sonifiziert und dramatisiert, an Beispielen OO
zur Darstellung gelangen. Der, dem der OO
Gott solcher Darstellungen alle Huld ge‐ OO
währt, ist stets einer, der den ewigen Ge‐ OO
setzen entsprechend handelt und dadurch OO
manches Gute und Erfreuliche in seinem OO
Erdenleben sich auswirken sieht. Der aber, OO
der als den Gott verachtend: als „Lästerer” OO
und „Tor” dargestellt wird, ist einer, der OO
blind, seiner eigenen Unkenntnis wichti‐ OO
ger, durch Erfahrung eruierbarer geistiger OO
Gesetze zum Opfer fällt. Wenn man ein‐ OO
90 Briefe an Einen und Viele
mal diesen Zeugnissen menschlicher Ver‐ OO
gangenheit auf die Spur gekommen ist, OO
staunt man über die Erfahrungsweisheit, OO
die sich Menschen einer uns noch halbbar‐ OO
barisch erscheinenden Zeit zu verschaffen OO
wußten, und fragt sich mit gutem Recht, OO
ob nicht wir heutigen Europäer ärgere Bar‐ OO
baren seien, als jemals ein früheres Ge‐ OO
schlecht...
.Wohl kennen wir unzählige Dinge, die OO
diesen Alten fremd waren, aber ich be‐ OO
zweifle mit lebendiger Einfühlung, daß die OO
zu jenen fernen Zeiten ihrer Volksweisheit OO
Kundigen das was sie kannten und aus Er‐ OO
fahrung wußten, für unser zeitgebundenes OO
Allgemeinwissen eingetauscht haben wür‐ OO
den. Man braucht nur die alttestament‐ OO
lichen Psalmen zu lesen, frei von der OO
üblichen Benutzungspraxis die aus ihnen OO
Eideshelfer religionsbedingter Dogmatik OO
macht, um sehr eindringlich zu erfahren, OO
91 Briefe an Einen und Viele
wie tief ihre, den Namen des alten Königs OO
vorschützenden Verfasser in die Geheim‐ OO
nisse geistiger, automatisch ihrer Auslösung OO
folgender Kräfte und Mächte eingedrungen OO
waren. Natürlich muß man bei solcher Er‐ OO
fragung alles kultische Beiwerk, als dem OO
wesentlichen Inhalt gegenüber belanglos, OO
beiseite tun, und darf sich auch nicht da‐ OO
durch beirren lassen, daß die geschilderte OO
Wirkungsweise geistiger Gesetze als Aus‐ OO
wirkung göttlicher Affekte und Bevorzu‐ OO
gungsakte ausgelegt wird. Möglicherweise OO
glaubten die Verfasser selbst noch an solche OO
Auslegung, aber wahrscheinlicher ist, daß OO
sie dergleichen für geboten hielten, um der OO
Gefahr zu begegnen, daß die unbemäntelte OO
Kenntnis der aufgezeigten Gesetzmäßig‐ OO
keiten am Ende das Volk in einen wirren OO
Atheismus stürzen könne, da der Mensch OO
jener Tage nur durch seine SelbstprojekOO
tion in einen Traum von machtgesättigter OO
92 Briefe an Einen und Viele
Willkür zu seiner Gottesvorstellung zu ge‐ OO
langen vermochte.
.Es gibt Vieles, was heute, durch jahr‐ OO
hundertelange Benützung zugunsten einer OO
vorgefaßten Glaubensmeinung, ganz um OO
sein eigenes, wahres Gesicht gebracht ist, OO
und nur die schärfsten Augen sind imstande, OO
die ursprünglichen Züge zu erkennen, aus OO
denen sich noch zur Not herauslesen läßt, OO
was voreinst klar und eindeutig, mit schar‐ OO
fen Konturen gegeben war.
.Wenn ich Sie durch meine Worte veran‐ OO
lassen sollte, Ihre Augen zu üben, um sol‐ OO
ches Verschliffene und Verwischte in den OO
Kunden aus der Vorzeit erkennen und rich‐ OO
tig deuten zu lernen, dann stehen Ihnen OO
manche Entdeckerfreuden bevor.
.Segen aus dem ewigen Urlicht sei Ihnen OO
jederzeit zugesandt!
93 Briefe an Einen und Viele
ZWÖLFTER BRIEF
Daß auch Sie gegenüber dem, was ich OO
im Kapitel „Vom Tode” und an anderen OO
Stellen von den „Seelenkräften” sage, OO
das Empfinden haben, es müsse „ganz OO
unsagbar schwer” sein, diese Kräfte in sich OO
„zu einen”, ist mir nicht unerwartet ge‐ OO
kommen. Keine andere Stelle in meinen OO
Büchern brachte mir im Laufe der Zeit eine OO
derartige Menge von Fragen und Bitten OO
um Erläuterung ins Haus.
.Aber die ganze Angst vor der ‒ zweifellos OO
auch wirklich vorhandenen ‒ Schwierig‐ OO
keit der gegenüber den Seelenkräften be‐ OO
stehenden Aufgabe, stellt sich immer wie‐ OO
der als Folge einer falschen Vorstellung OO
von der Natur dieser Kräfte heraus. Anders OO
ist es auch bei Ihnen nicht.
.Bestimmt durch die vielen Anfragen, OO
habe ich alles, was ich über die geforderte OO
94 Briefe an Einen und Viele
Einung der Seelenkräfte an verschiedenen OO
Stellen darlegen mußte, seinerzeit noch‐ OO
mals mit aller erdenklichen Selbstkritik OO
gegenüber der jeweils von mir gebrauch‐ OO
ten Ausdrucksweise durchgesehen, konnte OO
aber, auch mit dem besten Willen, mir die OO
Schuld an der erzeugten irrigen Vorstellung OO
zuzuschreiben, kein Wort entdecken, das OO
ich hätte anders haben wollen.
.Ich war zwar genötigt, in meinen Erör‐ OO
terungen darauf hinzuweisen, daß ein er‐ OO
heblicher Grad von Selbstzucht dazu not‐ OO
wendig ist, die Einung der Seelenkräfte OO
im eigenen Ich vorzunehmen, aber wenn OO
ich auch an der Ihnen ja bekannten Stelle OO
sagte, daß es leichter sei: „einen wütenden OO
Elefanten an einem dünnen Hanfseil durch OO
das Gedränge des Marktes zu führen, als OO
die vielen Willen der Seelen-Kräfte, die OO
eines Menschen Seele bilden, unter den OO
einen Willen dieses Menschen zu einen”, OO
95 Briefe an Einen und Viele
‒ wobei ich mich eines von meinem vor‐ OO
maligen seelischen Erzieher, mir gegen‐ OO
über oft gebrauchten, ihm anschaulich nahe‐ OO
liegenden Bildes gern bediente, ‒ so zeigte OO
ich doch gerade an dieser Stelle, daß denOO
noch dieses „Wunder” geschehen kann, ja OO
geschehen muß, wenn eine Seele sich dazu OO
vorbereitet wissen will, ihren lebendigen OO
Gott in sich empfangen zu können.
.Es ist schwer, allein es ist nicht unOO
möglich!
.Es ist jedem normal empfindenden, wenn OO
auch nur recht primitiv gebildeten Men‐ OO
schen möglich, die Schwierigkeiten dieser OO
Einung der Seelenkräfte in seinem Willen OO
zu überwinden, ‒ allein es ist so manchem OO
zweifellos hochgelehrten und allseitiger OO
Bildung frohen Menschen leider nicht mög‐ OO
lich, in sich die zu solcher Einung unbe‐ OO
dingt erforderliche Energie und AusdauerOO
aufzubringen...
96 Briefe an Einen und Viele
.Vergessen Sie nicht, daß ich ja doch wahr‐ OO
haftig nicht eine „Methode” lehre, ‒ son‐ OO
dern daß es sich in meinem ganzen Schrift‐ OO
werk um nüchterne Lehrbücher handelt, OO
die seelisch suchenden Menschen die StrukOO
tur des ewigen geistigen Lebens aufzeigen OO
und faßbar machen. Dazu mußte ich allesOO
zur Sprache bringen, was Erdenmenschen OO
innerhalb dieses geistig-substantiellen Le‐ OO
bens jemals möglich wurde und so jeder‐ OO
zeit möglich sein wird. Aber nicht jedes ist OO
jedem möglich! Jeder kann sich jedoch an‐ OO
hand meiner Lehrtexte prüfen, was ihm OO
möglich ist. Gewiß sprechen dabei auch OO
psychophysische, angeborene Eignungen OO
mit, aber in erster Linie bestimmen EnerOO
gie und Ausdauer jedem, sein Ewiges Su‐ OO
chenden, die ihm hier, während seines OO
Erdenlebens vorbehaltenen Möglichkeiten. OO
Wie man ein sehr erfolgreicher Kaufmann OO
werden kann, obwohl man von Natur aus OO
97 Briefe an Einen und Viele
keine besondere Begabung zum Rechnen OO
besaß, so kann man auch zu einem schon OO
sehr umfassenden Erleben seines Ewigen OO
in der Seele kommen, wenn man energisch OO
und ausdauernd auf dem zielbestimmten OO
Wege bleibt, auch wenn keinerlei angebo‐ OO
rene Eignung das Voranschreiten auf diesem OO
Wege erleichtert. Allerdings wird man sein OO
ganzes ‒ inneres und äußeres ‒ Leben OO
dementsprechend einrichten müssen, wo‐ OO
bei die Art, wie und wo ein Mensch seine OO
Freuden sucht, von größter Bedeutung ist, OO
weil nichts derart stark auf seine Seele zu‐ OO
rückwirkt, wie der Charakter der Dinge, OO
Beschäftigungen und Geschehnisse, die ihm OO
Freude bereiten. ‒
.Nun aber endlich auch Einiges in bezug OO
auf die zu Anfang dieses Briefes erwähnte OO
falsche Vorstellung von der eigentlichen OO
Natur der Seelenkräfte.
.Ich gewahrte da im Laufe der Zeit eine OO
98 Briefe an Einen und Viele
seltsame Gleichförmigkeit in der Ausdeu‐ OO
tung dieses Wortes. Immer wieder begeg‐ OO
nete ich der Auffassung, als seien Seelen‐ OO
kräfte etwas Ähnliches wie unsere erden‐ OO
körperhaft gegebenen „Sinne” und etwa OO
so leicht und unmißverständlich zu unter‐ OO
scheiden, wie der Gesichts-Sinn sich vom OO
Gehör- oder Geruchsinn unterscheidet. Das OO
ist aber dem tatsächlich Gegebenen keines‐ OO
wegs entsprechend. Man kann zwar sagen, OO
daß unsere Eigenschaften durch unsere OO
Seelenkräfte hervorgerufen werden, ‒ also OO
die Arten unseres Empfindens mit Hilfe der OO
Sinne, und dieser selben Sinne Reaktions‐ OO
bereitschaft, ‒ aber man kann die Seelen‐ OO
kräfte leider nicht derart deutlich vonein‐ OO
ander sondern, wie die Sinne. Eher dürfte OO
man schon die Seelenkräfte mit den NervenOO
kräften des irdischen Körpers, ja mit dem OO
ganzen Nervensystem in Vergleich setzen, OO
denn so, wie jeder Nerv seine bestimmte OO
99 Briefe an Einen und Viele
Funktion hat und doch einer Unzahl anderer OO
Nerven nebengeordnet ist, so daß mannig‐ OO
fache Wechselwirkungen entstehen, so hat OO
auch jede der Seelenkräfte ‒ auch wenn OO
wir sie nicht mit bestimmtem Einzelnamen OO
zu benennen wissen ‒ doch ihre geistig be‐ OO
stimmte Funktion zu erfüllen und steht mit OO
allen anderen Seelenkräften, die zusammen OO
eine Seele ausmachen, in steter Wechsel‐ OO
wirkung, ja wirkt unter gegebenen Sonder‐ OO
umständen sogar weit über den Bereich der OO
sie umfassenden Seele hinaus.
.Die Einung der Seelenkräfte in einem, OO
sie alle bestimmenden Willen, wäre freilich OO
ein Ding der Unmöglichkeit, wenn als not‐ OO
wendige Voraussetzung dazu die genaue OO
begriffliche Bestimmung jeder einzelnen OO
Seelenkraft gefordert werden müßte. Glück‐ OO
licherweise aber stellt unser Ewiges nieOO
mals unerfüllbare Forderungen, und ge‐ OO
rade hier würde ja auch die allergenaueste OO
100 Briefe an Einen und Viele
Kenntnis von der Besonderheit jeder ein‐ OO
zelnen Seelenkraft nicht das mindeste im OO
Sinne des Notwendigen zuwege bringen, OO
denn die Einung der Seelenkräfte ist aus‐ OO
schließlich eine Sache des Willens, der OO
ihnen allen, ohne Ausnahme, die Wirkungs‐ OO
richtung gibt durch seine eigene klare Be‐ OO
stimmtheit.
.Das Schwere dabei ist: ‒ den Willen selbst OO
unausgesetzt in der gleichen Richtung zu OO
erhalten, von der er auch nicht eine SeOO
kunde bewußterweise abweichen darf, was OO
immer in der Außenwelt ihm dazu Ver‐ OO
suchung bieten möge.
.Es ist das Schwerste, was auf dem Wege OO
zu Gott bewältigt werden muß, aber man OO
kann dieses Schwere bewältigen, und Un‐ OO
zähligen ist es im Verlaufe der irdischen OO
Menschheitsgeschichte gelungen. Mit die‐ OO
ser Aufgabe identisch ist die Formung des OO
eigenen Ewigen, von der ich in einem OO
101 Briefe an Einen und Viele
früheren Briefe schrieb, daß ihr der ir‐ OO
dische Körper Werkstatt sei... Man muß OO
solche Dinge aus verschiedenen Aspekten OO
heraus sehen lehren, wenn das Wirkliche, OO
das da in Worten Darstellung sucht, erkannt OO
werden soll.
.Hoffentlich wird Ihnen dieser Brief nun OO
Beruhigung bringen, und Ihre Besorgnisse OO
entkräften, daß mehr von Ihnen verlangt OO
werde, als Ihnen aus Ihren eigenen Kräf‐ OO
ten möglich werden könne. Noch sind Sie OO
ja „in Ihrer Werkstatt” und mit Hilfe der OO
in ihr dargebotenen Werkzeuge imstande, OO
Ihre ewige Form selbst zu bestimmen! Nach‐ OO
dem Sie diesen Erdenleib verlassen haben, OO
hört freilich jeder weitere von Ihnen selbst OO
bestimmte Einfluß auf Ihre Eigenform im OO
Ewigen auf. Aber wir wollen hoffen, daß OO
Sie sich bis dahin bereits gestaltet haben, OO
wie Sie gestaltet sein wollen!
.Seien Sie gesegnet aus ewigem Licht! OO
102 Briefe an Einen und Viele
DREIZEHNTER BRIEF
Als Goethe, nach dem Erscheinen der OO
Bühnenbearbeitung seines „Götz”, von be‐ OO
freundeter Seite die wohlgemeinte Anre‐ OO
gung erhielt, doch diese Umarbeitung sei‐ OO
nes Werkes einem ihm bekannten älteren OO
adeligen Herrn zukommen zu lassen, der OO
schon am „Ur-Götz” seine helle Freude OO
bekundet, ja sich selbst gerne „in die Per‐ OO
son des alten biedern Helden” ‒ wie Goe‐ OO
the sagt ‒ „gewissermaßen... versetzt” OO
hatte, lehnte der Dichter diesen Wunsch OO
entschieden ab, mit der Begründung, daß OO
es dem Bewunderer der ersten Fassung OO
„gewiß nicht angenehm sein würde, nun‐ OO
mehr manches ausgelassen, umgestellt, ver‐ OO
ändert, ja in einem ganz andern Sinne be‐ OO
handelt zu sehen.”
.An diese, in richtiger psychologisch be‐ OO
stimmter Voraussicht erfolgte weise Wei‐ OO
103 Briefe an Einen und Viele
gerung wurde ich unwillkürlich erinnert, OO
als ich jetzt Ihren mir so lieben Brief ge‐ OO
lesen hatte. Ich wußte nicht, daß Ihnen OO
zuerst noch die frühere Ausgabe der ver‐ OO
schiedenen von mir dann erweiterten und OO
dabei nochmals besonders überprüften Bü‐ OO
cher in die Hand gekommen war, so daß OO
Sie erst neuerdings von den zuletzt ent‐ OO
standenen endgültigen Ausgaben dieser OO
Lehrtexte hörten. Es läßt sich aber gut OO
nachfühlen, wie Sie sich „an Einzelnes in OO
den alten Fassungen derart gewöhnt” OO
hatten, daß Sie ihm „bei allem Einver‐ OO
ständnis mit der nun um so vieles deut‐ OO
licheren neuen Fassung”, doch sozusagen OO
nachtrauern. Auch mir war ja die erste Fas‐ OO
sung lieb, sonst hätte ich sie doch niemals OO
in die Öffentlichkeit gegeben, obwohl der OO
ebenso liebenswürdige wie regsame Leiter OO
des großen Verlags, in dem diese ersten OO
Fassungen ehedem herauskamen, mir da‐ OO
104 Briefe an Einen und Viele
mals die Manuskripte ‒ fast buchstäblich OO
zu verstehen: ‒ aus den Händen riß, so OO
daß mir meistens recht wenig Möglichkeit OO
zu letzter Kontrolle blieb. (Es war bei OO
einem der Bücher sogar das Kuriosum vor‐ OO
gekommen, daß mir die Post das fertigeOO
Buch ins Haus brachte, während ich kaum OO
den ersten Korrekturabzug erwartete!)
.Der Verzicht auf die vormalige Fassung OO
ist mir in jedem Einzelfall schon deshalb OO
schwer geworden, weil sie ja doch ebenso OO
wie das Verbleibende, der getreuen Befol‐ OO
gung geistiger Lautwertgesetze zu danken OO
war. Wo ich trotzdem die alte Fassung zu‐ OO
gunsten der nunmehr bestehenden einge‐ OO
schmolzen habe, dort waren sehr triftige OO
Gründe bestimmend. Von vielen grobenOO
Druckfehlern ganz abgesehen, ‒ die ja OO
durch die berichtete eilebestimmte Praxis OO
meinen Manuskripten gegenüber unver‐ OO
meidlich waren, und an den bedeutsamsten OO
105 Briefe an Einen und Viele
Stellen den Text mitunter ins GegenteilOO
verkehrten, ‒ war auch manche Sprach‐ OO
form noch auszumerzen, die sich aus mei‐ OO
ner stark durch mainfränkische Mundart be‐ OO
stimmten Sprechweise zwar erklären ließ, OO
aber doch in einem Lehrbuch über geistige OO
Dinge störend wirken konnte, und weiter OO
war mir im Verlaufe brieflicher Mitteilun‐ OO
gen, wie mündlicher Unterredungen auch OO
manche Textstelle bekannt geworden, die OO
im Interesse des gesicherten VerstehensOO
eine andere Fassung wünschbar erscheinen OO
ließ oder geradezu nach ihr verlangte.
.Daß derartiges Umarbeiten eines bereits OO
der Öffentlichkeit zugänglichen Buches OO
eine recht undankbare Sache ist, war mir OO
wahrhaftig bewußt, durfte mich aber von OO
dem was nötig war, nicht abhalten.
.Ich erlebte aber überraschenderweise die OO
Freude, eine große Menge dankerfüllter OO
Zuschriften zu erhalten, aus denen immer OO
106 Briefe an Einen und Viele
wieder aufs neue zu ersehen war, wie leb‐ OO
haft und geradezu begeistert der Leserkreis OO
um diese Bücher die Neuformung begrüßte. OO
Da ich vorher die Schwierigkeit für den OO
Leser, sich an eine für ihn zuerst befrem‐ OO
dend erscheinende Lesart zu gewöhnen, OO
wohl erwogen hatte, war mir solche Zu‐ OO
stimmung sehr unverhofft gekommen. Sie OO
stehen mit Ihrer etwas elegischen Trauer OO
um gewisse, von mir nun formell anders OO
bearbeitete Textstellen, ziemlich allein, OO
denn ein einziger ähnlicher Hinweis den OO
ich erhielt, kam von einem Freunde, dessen OO
Muttersprache nicht das Deutsche ist, und OO
dem ich mit den Neubearbeitungen gewiß OO
keinen Dienst geleistet habe, da er nun not‐ OO
wendigerweise an Worte gelangte, die das OO
von ihm ehedem in anderen Worten Erfaßte OO
offenbar zunächst eher störten.
.Ich hoffe aber, Sie werden sich dennoch OO
fortan nur an die Neubearbeitungen der hier OO
107 Briefe an Einen und Viele
in Betracht kommenden meiner Bücher hal‐ OO
ten und dann immer deutlicher gewahren, OO
daß diese Bearbeitungen vorgenommen OO
werden mußten, und ganz gewiß nicht OO
Folge ästhetischer Laune oder aber nur der OO
Notwendigkeit des Neudrucks waren. Lehr‐ OO
bücher wie ich sie schreibe, ändert man OO
wahrhaftig nicht, wenn die eigene Verant‐ OO
wortung gegenüber den diese Bücher Ge‐ OO
brauchenden eine neue Bearbeitung nicht OO
unerbittlich verlangt! Das Bessere ist frei‐ OO
lich immer des Guten Feind. Sicher aber OO
darf uns das nicht verleiten, um des Guten OO
willen, das Bessere ungeschehen zu lassen. OO
.Der Himmel segne Sie!
108 Briefe an Einen und Viele
VIERZEHNTER BRIEF
Wenn Sie auf den Gedanken gekommen OO
sind, daß vielleicht manche Vorstellungen, OO
die in den alten polytheistischen Religionen OO
lebendig waren, ebenso aber auch die in OO
asiatischen Religionsformen und schließ‐ OO
lich im byzantinischen und römischen OO
Christentum anzutreffenden Heiligenkulte OO
durch die Existenz der Leuchtenden des OO
Urlichtes „eine undiskutable Rechtferti‐ OO
gung erfahren”, so sind Sie gewiß auf den OO
Spuren der Wahrheit.
.Um aber diese meine Zustimmung vor OO
möglicher Fehldeutung geschützt zu wis‐ OO
sen, muß ich hier gleich sagen, daß Sie OO
freilich in argem Irrtum wären, wenn Sie OO
etwa annehmen wollten, alle die aus den OO
antiken Religionen wie aus den verschie‐ OO
denen Heiligenkulten bekannten Gestalten OO
der Verehrung müßten in der Art, wie sie OO
109 Briefe an Einen und Viele
Legende und Andacht geformt haben und OO
fromme Vorstellung sie glaubt, auf beOO
stimmte Glieder der geistig gegebenen Ge‐ OO
meinsamkeit der Leuchtenden des Urlich‐ OO
tes zurückzuführen sein, ‒ oder die Hei‐ OO
ligsprechungen der römischen Kirche seien OO
vielleicht in früherer Zeit aus geheimerOO
Kenntnis solcher Zusammenhänge er‐ OO
folgt.
.Daß unter diesen Gestalten auch weibOO
lich gedachte sind, während sich der Leuch‐ OO
tende des Urlichtes nur in einem männ‐ OO
lichen Erdenkörper manifestieren kann, OO
bildet hingegen keinen Gegengrund zu OO
Ihrer Annahme, da ja jeder Leuchtende, OO
trotz ausgeprägter Männlichkeit seines ir‐ OO
dischen, ihm nur für die kurze Lebens‐ OO
epoche auf dieser Erde dienenden, verwes‐ OO
lichen Körpers, im Geistigen doch auch OO
dem „Ewig Weiblichen” unlösbar vereintOO
ist, und daher seine Gestalt sowohl dem OO
110 Briefe an Einen und Viele
geistig Männlichen, wie dem geistig Weib‐ OO
lichen Ausdruck geben könnte.
.Es gibt nun wohl im Vorstellungsschatz OO
alter polytheistischer Religionen ebenso OO
wie im Geltungsbereich der verschiedenen OO
Heiligenkulte gewiß Gestalten, die man OO
tatsächlich, und wenn sie auch die hiera‐ OO
tische Auszeichnung einer Heiligsprechung OO
tragen mögen, auf Leuchtende des Urlich‐ OO
tes zurückverfolgen dürfte, ohne dabei fehl‐ OO
zugehen. Aber, wenn man eine solche „Ab‐ OO
stammung” auch mit den besten Beweisen OO
sicher aufzeigen könnte, so wäre man doch OO
noch ziemlich weit von der Erkenntnis ent‐ OO
fernt, zu der Ihre Vermutung hinweist: ‒ daß OO
nämlich jedem Anruf einer jeglichen aus OO
Legende und Verehrungsbedürfnis hervor‐ OO
gegangenen Gestalt, mag sie als rein himm‐ OO
lisch oder als vormaliger Erdenmensch OO
gedacht sein, die helfende geistige Kraft OO
und Segensbereitschaft der Leuchtenden OO
111 Briefe an Einen und Viele
des Urlichtes, als einzige hier in Betracht OO
kommende Wirklichkeit, antwortet.
.Wie die von dem Gläubigen um Hilfe an‐ OO
gerufene Gestalt von ihm genannt wird, OO
und wie der Hilfesuchende die Befähigung OO
zur Hilfeleistung dabei sich erklären mag, OO
bleibt für den Vorgang der sich wirklichOO
abspielt, ganz belanglos. Dieser Vorgang OO
aber ist von dem das Ewige der seelisch OO
Suchenden erweckenden und ihre Seelen OO
leitenden Akt der Hilfe, den ich Ihnen vor OO
einiger Zeit unter gleichnismäßiger Erinne‐ OO
rung an ein mit Elektroden übersätes Schalt‐ OO
brett darstellte, nur sehr wenig verschieden, OO
und diese Verschiedenheit ist nur durch die OO
Aufnahmefähigkeit und VorstellungsweltOO
der Anrufenden bestimmt.
.Man darf aber nicht außeracht lassen, daß OO
es in der seelischen Situation und bei dem OO
gegebenen Grade der Aufnahmefähigkeit OO
dieser Anrufenden, für viele, wenn nicht OO
112 Briefe an Einen und Viele
für alle, eine intensive VertiefungsmögOO
lichkeit für ihren Anruf bedeutet, wenn sie OO
die Gestalt ihrer Verehrung mit möglichst OO
konkreten Zügen in ihrer Vorstellung aus‐ OO
statten können. Wenn zum Beispiel von dem OO
großen Heiligen Paduas, den das Volk längst OO
„heiliggesprochen” hatte, bevor ihm diese OO
posthume Ehrung auch durch den Papst OO
zuteil wurde, gesagt wird:
        „Um was ihr fleht, gewähret euch
        Antonius, an Wundern reich.
        Not, Aussatz, und des Irrtums Nacht,
        Die Hölle selbst, weicht seiner Macht!
        Er stillt des Meers empörte Flut,
        Er schafft herbei verlornes Gut!
        Die harte Fessel bricht entzwei;
        Das kranke Glied wird schmerzenfrei!
        Wer zu ihm rufet, alt und jung,
        Fühlt Trost durch ihn und Linderung.”
‒ so liegt hier ein typisches Beispiel dafür OO
vor, wie kräftigend und sein Vertrauen för‐ OO
113 Briefe an Einen und Viele
dernd die Vorstellung einer konkreten, OO
ihrem Verehrungskreis allgemein bekann‐ OO
ten irdischen Persönlichkeit auf den An‐ OO
rufenden zurückwirkt. (Sie werden viel‐ OO
leicht wissen, daß der Paduaner Heilige OO
ein gewaltiger, hinreißender Prediger war, OO
‒ ein portugiesischer Mönch, der nach OO
vielen Predigtfahrten schließlich in Padua OO
starb, aber nichts zu tun hat mit dem viel OO
früheren Antonius dem Eremiten, mit dem OO
Wilhelm Busch, dem das Heiligenwesen OO
nicht gar zu vertraut gewesen war, in seiner OO
Satire ihn verwechselt hat.)
.Für den Anrufenden kommt es darauf an, OO
daß er auf seinen Anruf hin „Trost und OO
Linderung” empfindet, und wenn sein An‐ OO
ruf ohne eine handfeste historisch geglaubte OO
Vorlage für die Vorstellung, die verlangte OO
Kraft nicht aufbringen würde, die ihn den OO
wirklich Helfenden „vernehmbar” machen OO
kann, dann muß man ihm wohl oder Übel OO
114 Briefe an Einen und Viele
den Gebrauch einer solchen Vorstellungs‐ OO
krücke zugutehalten.
.Um sehr Ähnliches handelt es sich bei OO
den örtlich und zeitlich entstandenen OO
Abwandlungen einer Verehrungsgestalt.
Apollo, Aphrodite, Artemis, und so man‐ OO
che andere, sehr plastisch gestaltet vorge‐ OO
stellte „Gottheiten” der antiken Welt wur‐ OO
den an verschiedenen Orten in nicht min‐ OO
der verschiedener Auffassung verehrt, wie OO
heute noch die „Muttergottes”, an ihren OO
zahllosen Gnadenorten aus einem jeweilsOO
anderen Aspekt gesehen, der Gläubigen OO
mannigfaches Vertrauen entzündet. Es ist OO
durchaus nicht so lächerlich, wie eine sich OO
hoch überlegen dünkende, aber nur das OO
Äußere und die Oberfläche beurteilende OO
Betrachtungsweise feststellen zu können OO
meint, wenn sie gewahrt, daß die Anrufen‐ OO
den in verschiedenen Anliegen auch zuOO
verschiedenen Gnadenorten der Madonna OO
115 Briefe an Einen und Viele
wallfahren. Es handelt sich da nicht um OO
ein „götzendienerisches” plumpes VervielOO
fältigen der geliebten und mit einer Über‐ OO
fülle des Vertrauens bedachten Verehrungs‐ OO
gestalt, ‒ die einst aus dem sublimen Kult OO
der „Hagia sophia”: der „Göttlichen Weis‐ OO
heit”, als Inbegriff des „Ewig Weiblichen” OO
hervorgewachsen war und späterhin mit OO
Jesu Mutter identifiziert wurde, ‒ sondern OO
um ein psychologisch sehr differenziertes OO
Empfinden örtlicher, bildmäßiger und OO
legendärer Einflüsse auf die jeweils erreich‐ OO
bare größte Intensität des Anrufs! ‒
.Auf diese Intensität aber kommt es OO
wesentlich an, wenn die Anrufung im ewi‐ OO
gen substantiellen Geiste durch die „ver‐ OO
nommen” werden soll, die hier zur Lenkung OO
der Kräfte geistiger Hilfe gesetzt sind, und OO
mit genügender Resonanz zu ihnen gelan‐ OO
gende Anrufungen eines frommen Bud‐ OO
dhisten des „großen Fahrzeuges” an eine OO
116 Briefe an Einen und Viele
seiner Verehrungsgestalten ebenso durch OO
Hilfe in dem jeweils geistesgesetzlich mög‐ OO
lichen Grade beantworten, wie jeden aus OO
anderen religiösen Vorstellungsbereichen OO
an sie gelangenden Ruf.
.Ich bitte Sie inständig, diese hier heute OO
gegebenen Aufschlüsse sich ganz zu eigen OO
machen zu wollen. Aus eigenem Vermögen OO
werden Sie sich dann noch weit mehr er‐ OO
schließen...
.Seien Sie gesegnet aus ewigem Licht! OO
117 Briefe an Einen und Viele
FÜNFZEHNTER BRIEF
Nicht zum erstenmal wird mir geschrie‐ OO
ben, daß durch die von mir verkündeten OO
Lehren an sich schon so vieles, was früher OO
schwere Fragen hervorgerufen habe, plötz‐ OO
lich klar und verständlich werde, oder, um OO
mit Ihren Worten zu reden, daß „alles ein OO
neues Gesicht” bekomme.
.Das ist jedoch kein Wunder, denn ich OO
erzähle ja nicht etwas, das ich mir lustig OO
ausgedacht habe oder in schwerem Nach‐ OO
denken fand, sondern berichte von der ge‐ OO
gebenen Struktur des Lebens im ewigen OO
Geiste, weil sie mir bekannt ist aus eigenem OO
lichten Erleben, und bekannter als alles, OO
was ich außer ihr jemals kennen lernte.
Da aber alles Leben aus dem ewigen, sub‐ OO
stantiellen Geiste hervorgeht und das erden‐ OO
menschliche Gehirnbewußtsein, bei aller OO
darüber verhängten Dunkelheit der Tier‐ OO
118 Briefe an Einen und Viele
natur, dennoch Einflüsse aus dem ewigen OO
substantiellen Geiste fortwährend empOO
fängt, ob es sie nun auffassen mag oder zu OO
dumpf ist dazu, so kann schon das bloßeOO
Aufzeigen der Struktur ewigen Geistes‐ OO
lebens zu einem ersten Erwachen führen, OO
wonach man die Welt freilich etwas anders OO
betrachten wird als früher.
.Ob einer damit schon alles hat, was er OO
sich vordem für seine Seele wünschte, oder OO
ob er sich nun erst recht veranlaßt sieht, in OO
die ihm von mir gezeigten weiteren Grade OO
des Erwachtseins vorzudringen, das wird OO
zwar von ihm allein abhängen ‒ aber OO
nicht überall von ihm abhängig sind dieOO
irdischen Voraussetzungen zu solcher Ent‐ OO
scheidung.
.Es mag bei manchen viel guter Wille vor‐ OO
handen sein, seelisch wacher und wacher zu OO
werden, aber nicht die Kraft, alle irdischen OO
Hindernisse, die ein helleres Erwachen un‐ OO
119 Briefe an Einen und Viele
möglich machen, aus dem Wege zu räumen. OO
Bei anderen mag diese Kraft schon da sein, OO
aber zugleich auch die Einsicht, daß an die OO
Beseitigung vorhandener Hindernisse nicht OO
gedacht werden darf, weil übernommene OO
Pflicht dadurch verletzt werden würde. Da OO
es aber nicht die Aufgabe des Menschen auf OO
der Erde ist, alles was er hier zu guter Er‐ OO
füllung und zu einer wenigstens relativen OO
Vollendung zu bringen vermöchte, stehen OO
und liegen zu lassen um nur seiner Erkennt‐ OO
nis zu leben, ‒ ja, da er, wenn er so han‐ OO
deln wollte, sich ganz sicher um die Frucht OO
seines Mühens bringen würde, so fördert OO
sich der Suchende nur durch sein GenüOO
gen an dem, was ihm seine irdischen Um‐ OO
stände gewähren. Alles Weiterverlangen, OO
über das hinaus, was die äußeren Um‐ OO
stände zulassen, ist hingegen ein DanebenOO
langen und kann selbst das in äußerste OO
Gefahr bringen, was ganz gewiß erreichbarOO
120 Briefe an Einen und Viele
wäre, und Zuwachs geistigen Besitzes wer‐ OO
den könnte.
.Es ist nicht viel anders, als mit den all‐ OO
täglichen irdischen Dingen: ‒ Wer zuvielOO
verlangt, kommt zu nichts! Man soll nicht OO
zu algebraischen Aufgaben und zum Inte‐ OO
gralrechnen aufsteigen wollen, wenn einem OO
das Einmaleins noch nicht gehört.
.Aber die Suchenden machen sich auch OO
viel zu phantastische Vorstellungen von OO
dem, was sie sich im Geistigen erreichbar OO
glauben, und keine Belehrung vermag sie OO
davon abzuhalten, statt dem Erleben geiOO
stigen Lebens, die wunderlichsten Sensa‐ OO
tionen und Ausweitungen im erdenkörperOO
lich bedingten, mit all seinem Inhalt der‐ OO
einst sein sicheres Ende findenden Erleben OO
zu suchen. Ein exaltiertes Übersteigern an OO
sich wertvoller, den Gehalt der Seele ge‐ OO
wichtig bereichernder und auch im körper‐ OO
lichen Sinne urgesunder Empfindungen zu OO
121 Briefe an Einen und Viele
bedenklichster Nervenerregung, bedeutet OO
den meisten schon „geistiges Erlebnis”. OO
Vielen gilt es noch immer als notwendiges OO
und darum höchst erstrebenswürdiges Ziel, OO
den Körper immer mehr zu „vergeistigen”, OO
was sie natürlich von einer Selbsttäuschung OO
zur anderen führen muß. Zur geistgesetz‐ OO
lich geforderten Verkörperung des GeistesOO
gelangen die Allerwenigsten: ‒ jene allein, OO
die nur das Wirkliche wollen, aber keine OO
Sensationen.
Es kann der Wissensmensch
Im Irdischen nicht leicht begreifen:
Daß alles ewige Erleben
Selbst sich Inhalt ist, ‒
Daß der Erlebende im Ewigen
Kein „Anderes” erlebt,
Das ihm ‒ dem irdischen Erleben gleich ‒
Durch sein Erlebnis nahe käme.
122 Briefe an Einen und Viele
Im Ewigen
Bleibt irdische Erlebensweise
Schein und Schaum...
Erst ein sich selbst erschließendes Erleben
Öffnet ewigkeitsgezeugten „Raum”!
*
.Wenn Paulus, der Zeltmacher aus Tarsus, OO
‒ dieser von den Heutigen nur mit einer, OO
die größte Distanz schaffenden, scheuen OO
Ehrfurcht zu verstehende größte GewaltOO
mensch unter jenen ersten Kleinasiaten, OO
die Jesu Lehre zu sich selber und zu eige‐ OO
nem Erleben brachte, ‒ den Ausspruch OO
wagt: „Kein Auge hat es gesehen, kein OO
Ohr gehört, was Gott denen bereitet hat, OO
die ihn lieben!” ‒ so hat er damit aufs OO
deutlichste alles wirkliche geistige Erleben OO
umschrieben. Doch, man hat dieses Wort OO
eines Wissenden in der Ausdeutung ge‐ OO
radezu umgekehrt, und ihm den törichten OO
Sinn unterlegt, als ob das den Gottliebenden OO
123 Briefe an Einen und Viele
Vorbehaltene ein wahrer SinnenschmausOO
wäre, von einer Art, die über alles der‐ OO
gleichen im Irdischen Erlebbare weit hinauf OO
gesteigert sei. ‒ Aber: ‒
Im Lichte ist Erkenntnis und Erkanntes
Dem Erkennenden vereint,
Und was im Irdischen getrennt erscheint,
Ist nun nicht mehr entfernt
In Raum und Zeit,
Denn alles ist zugleich
Und gleichen Ortes,
In der Ewigkeit...
Wie diese Dinge sich geheim begeben,
Weiß keine Sprache faßbar darzustellen,
Denn niemals läßt in Worten sich erhellen,
Was nur erfahrbar wird als lichtes Leben!
*
.Ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen, OO
daß es mein, erdenmenschlich betrachtet, OO
124 Briefe an Einen und Viele
sehnlichster Wunsch wäre, Sie noch in Ihrem OO
Erdenleben zugleich in diesem lichten Le‐ OO
ben des ewigen Geistes finden zu dürfen.
Meine immerdar segnende Hilfe wird Ihrem OO
Streben stets nahe sein!
125 Briefe an Einen und Viele
SECHZEHNTER BRIEF
Daß Ihnen die in meinem letzten Briefe OO
geschehene Erwähnung des Apostels Pau‐ OO
lus ‒ der, wie Sie ja aus meinem Buche OO
„Das Geheimnis” wissen, als angenomme‐ OO
ner, geistig dazu vorbestimmter Schüler OO
der Leuchtenden des Urlichtes, schließlich OO
zu Jesu wahrer Lehre gefunden hatte ‒ OO
nun Anlaß zum Nachdenken über seine OO
vermeintlich ohne Vorbereitung erfolgte OO
„Bekehrung” werden könnte, hatte ich OO
nicht vermutet, da ich doch in dem ge‐ OO
nannten Buche deutlich genug gezeigt zu OO
haben glaubte, wie die ganze Damaskus‐ OO
erzählung nur als Symbol für ein weit we‐ OO
niger effektvolles Geschehen aufgefaßt wer‐ OO
den muß, wenn man den darin enthaltenen OO
Wahrheitskern herausschälen will.
.Ich muß Sie auf das dort Gesagte ver‐ OO
weisen, wenn ich es nicht hier abschreiben OO
126 Briefe an Einen und Viele
soll. Um aber jedes Mißverstehen meiner OO
dort gegebenen Worte auszuschließen, sei OO
eindeutig gesagt, daß es sich bei jener an‐ OO
scheinend so unvermittelt erfolgten Umge‐ OO
staltung des fanatischen Feindes der Lehre OO
Jesu in ihren gewaltigsten Exegeten, um OO
eine, aus tiefstem Drang nach Wahrheit, OO
mit fast übermenschlicher Kraft seit langem OO
umkämpfte, und schließlich auch kontinuOO
ierlich, nach und nach erreichte Erwek‐ OO
kung handelte, die freilich dann zu reso‐ OO
lutem Erstreben einer Wiedergutmachung OO
des vordem ‒ wenn auch guten Glaubens ‒ OO
Verschuldeten führen mußte.
.Wenn Ihnen jemand von urplötzlich er‐ OO
folgten Erweckungen zu berichten hat, oder OO
wenn Sie in alten Erzählungen dergleichen OO
begegnen, tun Sie immer gut, vorsichtig zu OO
werden und sich zu fragen, ob es sich denn OO
da tatsächlich um ein Erleben geistigerOO
Wirklichkeit, oder nicht vielmehr um sehr OO
127 Briefe an Einen und Viele
Irdisches handle, wie etwa bei dem so viel‐ OO
seitig gelehrten armen Swedenborg, der OO
gerne gut und viel aß, und dem, nach sei‐ OO
nem eigenen Bericht, plötzlich beim Essen OO
ein an der Erde sitzender Mann erschien, OO
der ihm zurief: „Iß nicht so viel!” und OO
sich sodann in Nebel und Nichts auflöste, OO
aber leider Swedenborgs latente „medialeOO
Veranlagung „erweckt” hatte, die ihm OO
dann dazu dienen mußte, die seltsamsten, OO
mit krausen Wissenschaftstrümmern unter‐ OO
mischten „himmlischen” Einsichten zu pro‐ OO
duzieren und einen recht umfassenden ver‐ OO
meintlichen „Geisterverkehr” zu pflegen.
.Die wirklichen Erweckungen zum Be‐ OO
wußtwerden im ewigen substantiellen Gei‐ OO
ste erfolgen niemals erschreckend, sondern OO
immer in sukzessiver AufeinanderfolgeOO
der Grade des Wachwerdens. Jeder Grad OO
muß sich aus dem vorhergehenden von OO
selbst ergeben. Sollte Ihnen jemals ‒ viel‐ OO
128 Briefe an Einen und Viele
leicht infolge arger Überarbeitung oder OO
sonstiger Überlastungen Ihres Nervenhaus‐ OO
haltes ‒ ein Geschehnis zustoßen, das Sie OO
bewegen könnte, es als „plötzliche Er‐ OO
weckung” zu deuten, so gehen Sie baldigst OO
zum Arzt und möglichst zu einem, der OO
von gehirnlichen Dingen etwas versteht, OO
aber kein wissenschaftliches Steckenpferd OO
reitet!
.Die beste Sicherung gegen solchen Ge‐ OO
hirnaufruhr, der durchaus nicht ungefähr‐ OO
lich ist und zur schönsten BewußtseinsspalOO
tung führen kann, ist das gelassene Abwei‐ OO
sen jeglicher Ungeduld in bezug auf das OO
Erreichen der Erlebensfähigkeit für Gei‐ OO
stiges. Wenn Sie dem nachleben, was in OO
meinen Lehrbüchern als generelle Anwei‐ OO
sungen gegeben ist, und sich daneben auch OO
an das halten, was Ihnen als „besonders” OO
für Sie geschrieben erscheint, dann wird OO
Ihr allmähliches Erwachen von zentraler OO
129 Briefe an Einen und Viele
Stelle aus geleitet werden, und ganz so er‐ OO
folgen, wie es für Sie am besten ist.
.Gehen Sie nur in aller Ruhe den Weg OO
weiter, den Sie in so erfreulicher Weise be‐ OO
gonnen haben! Sie sind auf gut abgesteck‐ OO
tem, sicher zum Ziele führenden Pfade und OO
kennen wahrhaftig durch meine Schriften OO
die Wegmarken auf die Sie von sich aus OO
zu achten haben. Überlassen Sie aber ganz OO
Ihrer inneren geistigen Führung, über OO
deren Wirkungsweise Sie ja nun gut unter‐ OO
richtet sind, was Ihnen bei Ihrem zielge‐ OO
wissen Voranschreiten bereits gezeigt wer‐ OO
den kann, und was Sie erst späterhin er‐ OO
warten dürfen! Und vergessen Sie nicht, OO
daß es sich ja auf Ihrem Pfade nicht etwa OO
um ein Erwerben irgendwelcher neuen OO
Wissensgüter handelt, sondern ‒ um ein OO
Werden, das in vielen Dingen des alltäg‐ OO
lichen Lebens gewiß zu einem allmählich OO
immer deutlicher fühlbaren Anders-werden OO
130 Briefe an Einen und Viele
führt, aber gerade dadurch Sie nach und OO
nach so umwandelt, daß Sie schließlich OO
fähig werden, Ihr Ewiges bewußtseinsge‐ OO
wiß in sich zu erleben.
.Alle hohe Hilfe sei mit Ihnen!
131 Briefe an Einen und Viele
SIEBZEHNTER BRIEF
Jakob Böhme war wahrhaftig nicht nur OO
„der Görlitzer Schuster”, wie ihn Leute OO
eines mehr als nur fragwürdigen Ge‐ OO
schmacks zu bezeichnen lieben. Er war OO
auch nicht bloß „ein Schuhmacher, und OO
Poet dazu”. Alle diese platten Anspielun‐ OO
gen auf sein, gewiß keine höhere Wissens‐ OO
bildung voraussetzendes, brotbringendes OO
Gewerbe sind unzulässig. Was ich in der OO
kleinen Sammlung einzelner für sich be‐ OO
stehender Abhandlungen, die ich unter OO
dem Titel „Wegweiser” herausgab, über OO
Jakob Böhme gesagt habe, will, wie Sie OO
richtig verstehen, darauf hinweisen, daß OO
Böhme angenommener, geistig berufener OO
Schüler der Leuchtenden des Urlichtes war. OO
Ihm selbst war dieser Umstand etwas so OO
Heiliges, daß er eine Wolke von Geheimnis OO
darüber zu legen wußte. So viel auch über OO
132 Briefe an Einen und Viele
Böhme geschrieben wurde, so war doch OO
niemand in der Lage, dieser geistigen Be‐ OO
ziehung gerecht zu werden. Allerdings gibt OO
Jakob Böhme die Schilderungen seiner gei‐ OO
stigen Erlebnisse und Einsichten auch in OO
so barocker und eigenwilliger Form, die OO
durch den falschen Gebrauch der ihm durch OO
seine gelehrten Freunde bekannt gewor‐ OO
denen lateinischen und latinisierten Worte OO
nur noch krauser wird, daß man schon selbst OO
sehr genau um solches Erleben wissen muß, OO
um zu erkennen, was er jeweils darstellen OO
wollte.
.Anders aber steht es um die deutschen OO
Mystiker, wie den Frankfurter Deutsch‐ OO
ordensherrn unbekannten Namens, der die OO
„Theologia deutsch” geschrieben hat, um OO
Tauler, Seuse, Meister Eckhart.
.Das waren grundgelehrte Männer, die OO
auf harten philosophischen Wegen zu ihren OO
Erkenntnissen kamen, die sie dann nur OO
133 Briefe an Einen und Viele
schwer vor der kirchlichen Verdammung OO
bewahren konnten.
.In der entgegengesetzten Situation war OO
der gelehrte Dichter Johann Scheffler (An‐ OO
gelus Silesius), der sich als Protestant zu‐ OO
letzt in den Katholizismus rettete, indem OO
er sich jegliche katholische Lehre in ein OO
poetisch gesehenes Symbol umdeutete.
.Eine für mein Gefühl ganz für sich zu OO
betrachtende Erscheinung ist der im tief‐ OO
sten Sinne „fromme” Kanonikus Thomas OO
a Kempis, der die von so viel ruhegeben‐ OO
der Gütigkeit erfüllten, freilich ganz ka‐ OO
tholisch gemeinten vier Bücher von der OO
Nachfolge Christi geschrieben hat.
.Aber alle diese Männer standen keines‐ OO
wegs in einem bewußten Verhältnis zu den OO
Leuchtenden des Urlichtes, wenn sich auch OO
bei ihnen allen einzelne Aussprüche finden OO
lassen, durch die man versucht werden OO
könnte, doch anzunehmen, daß wenigstens OO
134 Briefe an Einen und Viele
die verborgene Existenz der Leuchtenden OO
des Urlichtes in den Kreisen mittelalter‐ OO
licher deutscher Mystiker geahnt wurde.
.Daß aber diese, ohne es zu wissen, so OO
manche geistige Hilfe und Leitung von der OO
vielleicht geahnten Quelle her empfingen, OO
ergibt sich schon aus dem, was ich Ihnen OO
seinerzeit über die Natur dieser Geisthilfe OO
mitteilte, ist aber auch aus den Predigten OO
und Schriften Taulers, Seuses und Meister OO
Eckharts deutlich zu ersehen, sobald man OO
gewissen Bekenntnissen und Lehrworten OO
das ihnen oft recht schlecht passende kirch‐ OO
liche Gewand behutsam von den Schultern OO
nimmt, auf die es gelegt worden war, um die OO
also Lehrenden vor dem Scheiterhaufen zu OO
schützen. Auch bei Thomas a Kempis und OO
dem in erster Linie als mystisch empfinden‐ OO
den Dichter zu betrachtenden Angelus Sile‐ OO
sius zeigt sich der geistige Einfluß der Leuch‐ OO
tenden des Urlichtes an vielen Stellen.
135 Briefe an Einen und Viele
.Bei aller Verehrung aber, die ich für diese OO
alten deutschen mystischen Theologen und OO
Philosophen hege, ‒ bei aller Liebe die ich OO
dem wundersam stillen und feinen Thomas OO
a Kempis entgegenbringe, und bei aller OO
Freude an dem prachtvoll knappen, auch OO
manchmal gar streitbaren Angelus Silesius, OO
muß ich Ihnen aber einstweilen doch raten, OO
vorläufig noch mit dem Studium irgend‐ OO
welcher mystischen Schriften solange zuzu‐ OO
warten, bis Sie fühlen, Ihres eigenen Weges OO
so sicher zu sein, daß auch gelegentliches OO
Begehen von Seitenwegen Sie nicht mehr OO
in der Richtung auf Ihr Ziel irremachen OO
kann.
.Dieser Rat soll Sie aber nur vor allzulan‐ OO
gen Aufenthalten auf Ihrem Wege bewah‐ OO
ren, denn während der Zeit, die Sie benö‐ OO
tigen würden, sich ein Urteil zu bilden, das OO
Ihnen später ohnedies ganz von selbst zu‐ OO
fällt, können Sie schon wieder ein gutes OO
136 Briefe an Einen und Viele
Stück näher zu Ihrem Ziele gelangt sein. OO
Vergessen Sie auch nicht, daß es sich bei den OO
Schriften aller der genannten Männer ‒ OO
mit alleiniger Ausnahme Jakob BöhmesOO
um in hartem Ringen mit sich selbst er‐ OO
dachte und erglaubte, wenn auch zuweilen OO
bis zum inbrünstigen Gefühls-Erlebnis ver‐ OO
dichtete Ansichten über die Welten des OO
ewigen Geistes handelt, während Sie das OO
fast unbegreifliche Glück genießen, von An‐ OO
fang an auf den Weg in die ewige WirklichOO
keit geführt worden zu sein...
.Seien Sie mit allem Segen gesegnet, der OO
mir anvertraut ist als durch meinen Willen OO
lenksame, geistige reale Kraft!
137 Briefe an Einen und Viele
ACHTZEHNTER BRIEF
Menschen, die in ihrem besonderen Le‐ OO
bensgebiet derart „daheim” sind, daß ihnen OO
alles Große und Kleine, was von diesem OO
Gebiet ihrer Verankerung umfaßt wird, OO
bis ins Letzte vertraut ist, werden zuweilen OO
plötzlich gewahr, daß sie unwillkürlich OO
gleiche Vertrautheit mit allem ihnen so OO
Verständlichen auch bei anderen Menschen OO
voraussetzen, denen dieses Lebensgebiet OO
entweder gänzlich fremd oder doch neu OO
ist. Recht ähnlich geht es auch mir, wenn OO
ich von den Dingen der Ewigkeit: ‒ den OO
Dingen des ewigen substantiellen Geistes, OO
‒ in Worten Darstellung formen soll. Es OO
bedarf da gar oft erst eines immer wie‐ OO
derholten Wägens und Wertens der ge‐ OO
brauchten Worte nach allen Seiten hin, bis OO
ich dann doch zuletzt bemerke, daß eine OO
Redewendung der Gefahr nahe ist, miß‐ OO
138 Briefe an Einen und Viele
verständlich ausgelegt werden zu können, OO
oder daß Bezeichnungen, die ich synonyOO
misch verwende, der Meinung Nahrung OO
geben, ich wolle sie in verschiedenem Sinne OO
aufgefaßt wissen. Da ich der Struktur des OO
Lebens im ewigen Geiste durch mein eige‐ OO
nes ewiges Leben in ganz selbstverständ‐ OO
licher Weise bewußt bin, kann mir meine OO
Darstellungsweise unmißdeutbar erschie‐ OO
nen sein, bis ich dann eines Tages durch OO
eine an mich gerichtete Frage mit einigem OO
Entsetzen entdecken muß, daß man mich OO
dennoch mißzuverstehen verstand.
.Aber Ihre, den Begriff „Gott” betreffende OO
Frage in Ihrem kürzlich an mich gelangten OO
Briefe ist anders zu nehmen. Während mir OO
sonst, wie ich eben darlegte, die Neigung OO
begegnete, von mir synonym gebrauchte OO
Worte als Bezeichnungen für voneinander OO
verschiedene Begriffe aufzufassen, gewahre OO
ich Sie vielmehr bei der Meinung, von mir OO
139 Briefe an Einen und Viele
für zu unterscheidende Begriffe gebrauchte OO
Worte seien wohl als Synonyme anzuspre‐ OO
chen. Das ist aber hier nicht richtig, wenn OO
ich auch gut begreife, was Sie zu Ihrer OO
Meinung bewogen hat.
.Es handelt sich hier um Gegebenheiten OO
innerhalb der Struktur geistigen Lebens, OO
die dem irdischen Verstande kaum faßbar OO
und in Worten fast nicht unmißverständlich OO
darzustellen sind, wobei nach dem Irrtum OO
geradezu gerufen wird durch das, was als OO
herkömmliche Gottesvorstellung in den OO
Gehirnen aufbewahrt, und sogleich als das OO
Gemeinte betrachtet wird, auch wenn in OO
einem davon recht verschiedenen Sinne von OO
„Gott” zu sprechen ist, ‒ nicht als einem OO
Postulat des Glaubens, sondern als dem OO
innersten Selbstbewußtsein aller ewigen OO
geistigen Wirklichkeit. ‒ Nur so will ich OO
das Wort „Gott” erfaßt wissen, wo immer OO
es von mir gebraucht wird. Aber es ist OO
140 Briefe an Einen und Viele
hier nicht etwa an ein verstandesmäßigesOO
Eigenbewußtsein zu denken, sondern die‐ OO
ses innerste Bewußtsein, das sich immer‐ OO
fort aus dem ewigen Geiste aufs neue er‐ OO
zeugt, ‒ diese, dem unermeßlichen All des OO
einzigen Seienden entströmende sublimste OO
Selbstüberlichtung und innerste Essenz des OO
ewigen substantiellen Geistes, ‒ ist zu‐ OO
gleich ewig wirkender Wille und uner‐ OO
schöpfbare Kraft, in Maß und Milde allein OO
sich offenbarend, bewogen, einzig durch OO
eigenes innewohnendes Gesetz.
Suchet nicht Gottheit im Grauen der
        Gründe
Drohender Tiefe und schauriger Schründe!
Suchet nicht Gott im brüllenden Brausen
Brandender Meere, wenn Sturmwinde
        hausen!
Suchet nicht Gott in den Donnergewittern,
Denen die Felsen der Erde erzittern!
141 Briefe an Einen und Viele
Suchet ihn nicht über Welten und Sonnen, ‒
Nicht im Genießen von maßlosen Wonnen!
Wollt ihr einst Gott in euch selber finden,
Müßt ihr die Furcht wie die Gier über‐
        winden!
Träumt nicht von euch unerreichbaren
        Fernen: ‒
Gott ist euch näher als jeglichen Sternen!
*
Alles ist in Gott, und Gott ist in Allem! OO
Primär in seinen ihm eigenen Wurzelbe‐ OO
zirken: „Ursein”, „Urlicht” und „Urwort”, OO
wie in seiner Selbstgestaltung, dem „Va‐ OO
ter” ‒ sekundär in allem unsichtbaren, OO
wie in allem sichtbaren Leben.
.Das darf aber nicht etwa so verstanden OO
werden, als predigte ich da eine Art „Pan‐ OO
theismus”, und ebensowenig ist es mein OO
Wille, das was Gott ist, als „Person” er‐ OO
scheinen zu lassen. Auch „Ursein”, „Ur‐ OO
142 Briefe an Einen und Viele
licht” und „Urwort” sind wahrhaftig nicht OO
„Personen”, wie etwa im christlichen Tri‐ OO
nitätsdogma: Vater, Sohn und Geist! Und OO
was den Leuchtenden des Urlichtes „der OO
Vater” ist, darf hinwiederum nicht imOO
Sinne dieses Dogmas aufgefaßt werden.
.Wir kennen und lehren die Wirklichkeit, OO
nicht irgendeine Glaubenslehre!
.Im Wirklichen aber: ‒ in der Struktur OO
des geistigen Lebens, besteht ein Mono‐ OO
theismus, der auch polytheistische Ausle‐ OO
gungen verträgt, ohne dadurch zu sich selbst OO
in ein Mißverhältnis gebracht werden zu OO
können.
.Der Gott der Wirklichkeit ist nicht, wie OO
gesagt wird: „das höchste Wesen”! ‒ Das OO
ist vielmehr ‒ der Vater, der sich selbstOO
in die Formen der zwölf Väter ausstrahlt, OO
die seine Wirkungsaspekte sind. Gott aber OO
ist nicht „Wesen”, sondern: ‒ hier in be‐ OO
sonderem, einmaligen Sinne gemeint, ‒ OO
143 Briefe an Einen und Viele
die Wesenheit in allem, was wesenhaftOO
wirklich ist. So im „Ursein”, „Urlicht” OO
und „Urwort”! So im „Vater” in allenOO
seinen Aspekten!
.Der Vater aber ist ‒ „Mensch” im Ur‐ OO
sein, im Urlicht, im Urwort: ‒ der sich OO
selber ewig zeugende Ur-GeistesmenschOO
und das Maß aller Dinge die aus ihm Ge‐ OO
staltung erlangen, daher auch des Ewigen OO
im Erdenmenschen! ‒
.Gott ist ebenso absoluterweise Gott in OO
den „Vätern”: ‒ der OffenbarungsformOO
des Vaters, ‒ wie im Ursein, Urlicht und OO
Urwort. Für sich selber aber ist das, was OO
Gott ist, auch nur in sich selber „Gott”: ‒ OO
die Wesenheit an sich selbst, ‒ aber von OO
allem anderen in ihm Seienden im ewigen, OO
substantiellen geistigen Leben aus „ge‐ OO
sehen”, ist Gott Wesenheit allen Wesens! OO
‒ Und „Wesen” ist Wirklichkeit aus „We‐ OO
senheit”!
144 Briefe an Einen und Viele
.Ich stelle aber hier kein „Nebeneinan‐ OO
der” oder „Übereinander”, sondern das OO
„Ineinander” der Struktur ewigen, geistig‐ OO
substantiellen Lebens dar, soweit ich es OO
durch Worte irdischer Sprache vermag.
.Man sage nicht, daß die Darbildung des OO
ewigen Wirklichen für den Menschen auf die‐ OO
ser Erde praktisch zwecklos sei, da dieser OO
hier für ganz andere und ihn leiblich näher OO
angehende Fragen nach Lösung zu suchen OO
habe! Kein Mensch auf Erden kann vielmehr OO
die von jedem bewußt oder unbewußt er‐ OO
sehnte innere Ruhe und Erlösung seiner OO
Seele finden, solange sein Vorstellungs‐ OO
haushalt noch nicht gänzlich konform mit OO
der Struktur ewigen geistigen Lebens ge‐ OO
ordnet ist.
.Sie sehen, daß Ihre Frage bei mir gewiß OO
nicht in die Gefahr geraten konnte, für OO
„unangebracht und überflüssig” gehalten OO
zu werden, wie Sie meinten, denn die ge‐ OO
145 Briefe an Einen und Viele
ringste von der Wirklichkeit abweichendeOO
Vorstellung von der Struktur des ewigen OO
geistigen Lebens läßt Sie nicht zu der Auf‐ OO
nahmefähigkeit für Geistiges kommen, die OO
Sie doch zu erlangen suchen.
.Bleiben Sie im Segen des Lichtes!
146 Briefe an Einen und Viele
NEUNZEHNTER BRIEF
Sie irren, wenn Sie glauben, ich könnte OO
am Ende doch „ungeduldig” werden, weil OO
Sie nun „schon wieder zu einer Frage ge‐ OO
zwungen” sind. Ich kann es vielmehr recht OO
gut nachfühlen, daß Sie den Gebrauch des OO
Wortes „Wesen” bisher von sich aus an‐ OO
ders gewohnt waren, und darum beun‐ OO
ruhigt sind, wenn Sie die bei mir an an‐ OO
deren Orten auch synonymisch gemeinten OO
Worte „Wesen” und „Wesenheit” auch OO
als zwei verschiedener Begriffe Zeichen ge‐ OO
braucht sehen.
.Nun will ich gewiß die Dinge, die ich OO
darstelle, möglichst konturklar zur Dar‐ OO
stellung bringen, aber gerade hier sehe ich OO
mir sprachlich keine andere Möglichkeit OO
gegeben, das, was ich sagen will, zu sagen, OO
als indem ich verlange, daß man den Be‐ OO
griff „Wesenheit” für das Wesen-GebendeOO
147 Briefe an Einen und Viele
gelten läßt. Das höchsteWesen” aber ist OO
dadurch „Wesen”, daß es in derWesenOO
heitist wie sie in ihm, und wenn ich OO
darstellen will, was ich darzustellen habe, OO
müssen mir beide Worte als Bestimmungen OO
zur Verfügung stehen. Nicht anders, als OO
wenn ich einem Menschen, der nach hun‐ OO
dert Jahren wieder irdisch auferstanden OO
wäre, nun klarmachen sollte, daß ein Elek‐ OO
tromotor sich nur dann bewegt, wenn er OO
unter Elektrizität steht. Auch da müßten OO
mir die Worte für Bewegtes und für das OO
Bewegende, zu Gebote stehen. Dieser Ver‐ OO
gleich hinkt jedoch beträchtlich, denn mir OO
ist „Wesenheit” nicht bloß das BewegendeOO
des Wesens, sondern vielmehr in erster OO
Hinsicht des Wesens Allerinnerstes, ‒ ver‐ OO
gleichend gesagt: sein lebendiger „Kern”! OO
.Aber ich bin weit davon entfernt, hier OO
ein Spiel mit Worten treiben, oder darum OO
streiten zu wollen, welche konventionelle OO
148 Briefe an Einen und Viele
begriffliche Bedeutung den hier in Rede OO
stehenden Worten zugemessen werden darf. OO
Ich gestehe Ihnen ohne weiteres das Recht OO
zu, für das, was ich die „Wesenheit” nenne, OO
durch die allein „Wesen” möglich ist, ein OO
anderes, zu Ihnen eindringlicher sprechen‐ OO
des Wort zu setzen.
.Einzig „wesentlich” ist ja nur, daß Sie OO
nachfühlend erfassen, was ich meine, denn OO
das Gemeinte ist so ganz und gar allen Ge‐ OO
dankenbereichen entrückt, daß es nie und OO
nimmer zu erdenken wäre, auch wenn die OO
scharflinigsten Gedankenbilder es zu ge‐ OO
danklicher Gestalt zu bringen suchen woll‐ OO
ten.
.Aber die Mühe, das von mir hier Ge‐ OO
meinte im Nachfühlen fassen zu lernen, OO
kann ich Ihnen allerdings nicht ersparen, OO
wenn ich Sie geschützt sehen will vor Irr‐ OO
tum gegenüber dem, was ich von der „Ge‐ OO
burt” Ihres „lebendigen Gottes” in Ihrer OO
149 Briefe an Einen und Viele
ewigen Menschenseele sage, denn eben hier OO
handelt es sich um nichts anderes, als um OO
die von mir gemeinte „Wesenheit”, die OO
auch dem individuellen Erdenmenschen in OO
der, seiner Individualität auf das genaueste OO
entsprechenden Form bewußt werden kann OO
und durch die allein er wesenhaft zu wer‐ OO
den vermag in Ewigkeit wie Zeit. ‒
.Der „Vater” ist nur den LeuchtendenOO
des Urlichtes, die seine eigene Zeugung OO
durch seine Offenbarungsform: ‒ die OO
zwölf „Väter” ‒ darstellen, bewußtseinsOO
zugänglich, und zwar jedem einzelnen OO
Leuchtenden in der Form dessen unter OO
den zwölf mit dem Vater alle identischenOO
Vätern, der diesen individuellen Leuchten‐ OO
den individuell im Urwort „zeugte”. Der OO
lebendige Gott” aber, von dem ich als OO
von der einzigen, allen Erdenmenschen OO
praktisch erreichbaren Selbstoffenbarung OO
Gottes spreche, kann jedem Menschen aufOO
150 Briefe an Einen und Viele
Erden, ‒ soweit dieser selbst sich dazu OO
vorzubereiten weiß, ‒ seelisch erlebbar OO
werden, was ich mit einer „Geburt” Gottes OO
in der Seele vergleiche.
.Meine Bücher sind ja nur deshalb ge‐ OO
schrieben, damit durch sie die hier er‐ OO
wähnte unumgänglich notwendige Vor‐ OO
bereitung in die rechte Bahn gelenkt OO
werde. Da aber fast alle Menschen ‒ mit OO
verschwindenden Ausnahmen ‒ so tief OO
in ihrem Verstandesbewußten versunken OO
sind, daß auch der Dumpfeste, der nur mit OO
ein paar kläglichen Gedanken sich beschei‐ OO
det, dennoch sein Leben, statt in seiner OO
Wirklichkeit, nur „in Gedanken” lebt, und OO
dieses In-Gedanken-leben ebenso für sein OO
wirkliches Leben hält, wie der an Gedanken OO
Reichste, so war es nötig, aufzuzeigen, wo OO
die für das Erleben ihres lebendigen Gottes OO
der Seele gesetzte Vorbereitung innerhalb OO
der Struktur des ewigen substantiellen gei‐ OO
151 Briefe an Einen und Viele
stigen Lebens ihren Platz hat. Das konnte OO
aber nicht anders geschehen, als nur durch OO
eine Darstellung alles dessen, was vom ewi‐ OO
gen Leben des substantiellen Geistes um‐ OO
faßt wird, und ich durfte nichts, was irgend‐ OO
wie Klärung zu bringen geeignet war, nur OO
deshalb unerwähnt lassen, weil es nicht fürOO
jeden erlebbar wird. Ich mußte sehr vielesOO
bringen, wenn ich bewirken wollte, daß OO
sich doch mancher zu dem Wenigen ent‐ OO
schließen würde, was meine Bücher von OO
jedem, den sie erreichen, als MindestesOO
erwarten.
.Empfangen Sie meinen Segen und ler‐ OO
nen Sie immer mehr erkennen, daß jede OO
Bezeichnung geistiger Dinge mit der Un‐ OO
möglichkeit rechnen muß, wirkliches gei‐ OO
stiges Leben durch ein Wort der Sprache OO
zu umschließen!
152 Briefe an Einen und Viele
ZWANZIGSTER BRIEF
So fraglos bereit Sie mich immer finden OO
werden, wo ich Ihnen oder Anderen helfen OO
kann auf dem Wege zum Bewußtwerden OO
im ewigen Geiste, ‒ so freudig ich alles OO
aufbiete, um Ihnen und Anderen die Vor‐ OO
bereitungen treffen zu helfen, die unum‐ OO
gänglich von Ihnen getroffen werden müs‐ OO
sen, wenn Ihr lebendiger Gott sich leibhaf‐ OO
tig und Ihnen bewußt in Ihrer Seele „ge‐ OO
bären” können soll, so sehr muß ich doch OO
darum bitten, daß man niemals versuche, OO
mich in Gebiete nötigen zu wollen, deren OO
‒ ach so sehr ‒ zeitbedingte Probleme ich OO
mir kategorisch fernzuhalten gezwungen OO
bin, wenn ich dem mir allein Möglichen OO
geistig gerecht werden soll.
Ich muß mir meine Zelle gut verwahren,
Vor all dem Lärm um nichtiges Geschehen,
Vor allem großgebärdigen Gebaren
153 Briefe an Einen und Viele
Um Dinge, die sich wandeln,
Wie der Winde Wehen.
Ich kann unmöglich allen Rede stehen,
Und allzugleich, in geistigem Geschehen,
Die Bande lösen, die doch alle binden,
Und die gelöst sein müssen,
Soll sich Irdisches
Im Lichte finden.
*
.Es ist wahrhaftig keine Gleichgültigkeit OO
gegenüber den alltäglichen Erdensorgen OO
meiner Mitmenschen, die zu diesem, streng OO
von mir geforderten, Abweisen aller dem OO
ewigen Geistigen fernen Fragen führt! Es OO
gibt Menschen genug, die sich der Lösung OO
solcher Fragen widmen, aber es gibt in der OO
Gegenwart und bis auf sehr ferne Erden‐ OO
zukunft hin keinen einzigen Menschen OO
außer mir, der das Werk rein geistiger Se‐ OO
gens-Hilfe an Allen, die sie zu empfangen OO
vermögen, zugleich mit der mir obliegenden OO
154 Briefe an Einen und Viele
wortgeformten Kündung aus einem irdi‐ OO
schen Sprachbereich her, geistig gültig OO
durchzuführen vermöchte. So erfordert OO
schon eine bloße Ökonomie der Nutzung OO
erdmenschlicher Möglichkeiten, daß ich OO
mich nur da ausgebe, wo singuläre Leistung OO
für meine Mitmenschen hier auf Erden mirOO
allein ermöglicht ist, wo aber jeder andereOO
heutige Mensch seine Kräfte nutzlos ein‐ OO
setzen würde, wollte er, etwa vom IrdischenOO
her, den törichten Versuch unternehmen, OO
den Dingen vorzustehen, die ich nur darum OO
zu leiten vermag, weil ich sie aus meinemOO
ewigen Sein beherrsche.
.Ich will nicht Worte gebrauchen, die im OO
Laufe zweier Jahrtausende den sie ver‐ OO
ehrenden Menschen auf eine einmalige OO
Weise heilig wurden, aber ich muß hier OO
dennoch auf meine ewige geistige Her‐ OO
kunft hinweisen, in der ich unlösbar im OO
Vater” und mit ihm Eines bin in dem OO
155 Briefe an Einen und Viele
individuell bestimmten, der zwölf „Väter”, OO
durch den mich der Vater geistig im Ur‐ OO
licht „zeugte”. So sind es auch nur dieOO
Dinge des Vaters, denen ich heute, ‒ hier OO
nun dem Irdischen in dem verbunden, OO
der sich mir, vordem die Erde ward, im OO
Geiste dargeboten hatte, ‒ Ausdruck zu OO
schaffen trachte. Mein irdisches Dasein be‐ OO
sitzt seinen Sinn nur in dem vor Ewig‐ OO
keiten zugeschworenen Dienste, den es OO
mir, dem Geistgezeugten, heute darzu‐ OO
bieten hat in seiner ihm bestimmten Er‐ OO
denzeit.
.Verwunderlich wäre wahrhaftig, wenn OO
es auch Anderem dienen könnte!
.Wie die Dinge zwischen Geburt und Grab OO
so gestaltet und gelebt werden können, daß OO
die durch sie entstehenden Wirkungen ins OO
Unsichtbare und bis in die Welten des ewi‐ OO
gen Geistes hinein, der Seele zu kraftvoller OO
Förderung werden, habe ich an jeder Stelle OO
156 Briefe an Einen und Viele
meiner Schriften gezeigt, an der ich diese OO
Dinge erörtere.
.Wer sich Rat holen will, muß ihn darum OO
in diesen Schriften suchen, wo er ihn leicht OO
finden kann, wenn er das dort Gesagte auf OO
den besonderen Fall anwendet, der ihn be‐ OO
ratungsbedürftig findet, auch wenn sein OO
Einzelfall dabei erst aus der Verstrickung OO
der zeitlichen Umstände gelöst werden OO
muß, sollen die auf ihn beziehbaren Worte OO
erkennbar werden.
.So kann ich auch Sie nur darum bitten, OO
das, was ich geschrieben habe, zu befragen, OO
denn es würde der Struktur des ewigen OO
geistigen Lebens, ‒ in die ich eingeordnet OO
bin und aus der ich zu wirken habe, was OO
meines Werkes ist, ‒ diametral entgegen OO
handeln heißen, wenn ich mich in die ir‐ OO
disch gegebenen, wechselreichen Probleme OO
und Fragen einmischen wollte, die eines OO
jeden Einzelnen selbst zu verantwortende OO
157 Briefe an Einen und Viele
und nur von ihm allein zu entscheidende OO
Angelegenheiten sind.
.Sie werden verstehen, daß es mir, wenn OO
ich ohne entgegenstehende Verpflichtung OO
zu urteilen berechtigt wäre, wahrhaftig OO
leicht fallen würde, Ihnen eine Antwort zu OO
formulieren, der Sie auch dann genötigt OO
wären, zuzustimmen, wenn sie Ihrer eige‐ OO
nen Meinung recht fern stünde. Aber ge‐ OO
rade solche Nötigung, die unwillkürlichOO
entstünde und unvermeidbar wäre, ver‐ OO
bietet mir verpflichtendes geistiges Ge‐ OO
setz. ‒
.Mögen Sie im Segen des Lichtes das für OO
Sie Richtige in sich selber finden!
158 Briefe an Einen und Viele
EINUNDZWANZIGSTER BRIEF
Wenn Sie den „Vater”, ‒ der Ihnen ja OO
nicht bewußtseins-zugänglich ist, obwohl OO
auch Sie aus ihm leben, ‒ als „sich in zwölfOO
Selbstreflexionen erlebende Einheit” auf‐ OO
fassen wollen, so entfernen Sie sich durch‐ OO
aus nicht von der Wirklichkeit. Nur müssen OO
Sie dann die alle zwölf „Selbstreflexionen” OO
umfassende zwölfeigene Einheit als ein OO
Dreizehntes hinzufügen, wie es wohlweis‐ OO
licher Gebrauch „Wissender” der Vorzeit OO
war. Es ist mit Sicherheit zu sagen, daß OO
die in den Evangelien berichtete Zwölfzahl OO
der Jünger, mit Jesus als dem sie alle gei‐ OO
stig umfassenden Dreizehnten, hierher‐ OO
gehört, während ich gerne der Archäologie OO
das Urteil darüber anheimstelle, ob nicht OO
auch die „Zwölf Götter” der Ägypter, der OO
Griechen und der frühesten Einwohner OO
Italiens, wie der späteren Römer, in glei‐ OO
159 Briefe an Einen und Viele
chem Sinne aufzufassen sind, wobei es OO
durchaus belanglos ist ‒ wie ich ja schon OO
in einem früheren Briefe bei anderem An‐ OO
laß erklärte ‒ daß unter diesen „Zwölf OO
Göttern” auch weiblich gedachte zu finden OO
sind. Wenn ich auch für manche, meinem OO
geistigen Erfahren bedeutsame äußere Be‐ OO
richte der archäologischen Wissenschaft OO
dankvoll verpflichtet bin, so weiß ich doch OO
leider nicht, ob Anhaltspunkte gegeben OO
sind, eine alle „Zwölf Götter” umfassende OO
oder ihnen allen innewohnende Gottgestalt OO
in geglaubter Beziehung zu ihnen zu ver‐ OO
muten. Auf diese dreizehnte Gestalt aber OO
käme es an, wenn man ebenso mit aller OO
Sicherheit den „Zwölf Götter”-Kultus auf OO
den ewigen „Vater” bezogen sehen sollte. OO
Was aber den Kreis der „Zwölf” um JesusOO
angeht, von denen jeder Zugehörende in OO
den Berichten namentlich aufgeführt ist, OO
so taste ich nicht etwa die GeschichtlichkeitOO
160 Briefe an Einen und Viele
dieser Männer an. Man hätte nur auch weOO
niger oder ebenso mehr der Schüler Jesu OO
in so besonders betonter Weise nennen OO
können, wenn hier nicht eine Parallele zu OO
dem Vater-Mysterium hätte sichtbar wer‐ OO
den sollen, das ja zu Jesu Zeit nicht nur OO
einzelnen „Wissenden”, sondern ganzen OO
Mysterienvereinen bekannt war, aus denen OO
später viele Anhänger der Lehre Jesu OO
kamen.
.Ihre Frage zeigt Sie mir aber in einer OO
gewissen Bereitschaft, sich unnützen GrüOO
beleien zu überlassen, was keinesfalls för‐ OO
dernd für Sie wäre. ‒
.So bedeutungsvoll es auch für Sie ist, OO
zu klarer richtiger Gottesvorstellung zu ge‐ OO
langen, so wenig kommt es darauf an, die OO
auf Ihrem Wege Ihnen erscheinenden neuen OO
Einsichten, und die sich aus ihnen ergeben‐ OO
den Begriffe auf alle möglichen Auffassungs‐ OO
arten hin zu untersuchen. Wenn die Turm‐ OO
161 Briefe an Einen und Viele
uhr „Sieben” schlägt, so genügt es durch‐ OO
aus, daß Ihnen diese Stundenzahl bewußt OO
wird, und dabei bleibt es sich gleich, ob OO
Sie nun dahinter gekommen sind, daß man OO
den in genau gleichen Intervallen ertönen‐ OO
den Schlägen unwillkürlich einen von aller‐ OO
lei Körperlichem bestimmten Rhythmus OO
unterlegt, der ebensogut:
1 ⋅ 2 ‑ 3 ⋅ 4 ‑ 5 ⋅ 6 ‑ 7 lauten kann,
wie auch: 1 ⋅ 2 ⋅ 3 ⋅ 4 ‑ 5 ⋅ 6 ⋅ 7,lauten kann 
oder: 1 ⋅ 2 ⋅ 3 ‑ 4 ⋅ 5 ⋅ 6 ‑ 7.lauten kann 
.Meldet sich in Ihrem Gehirn plötzlich OO
der Gedanke, daß man einer geistigen Tat‐ OO
sache, von der Sie durch mich gehört ha‐ OO
ben, auch auf irgendeine andere Art ge‐ OO
dankliche Darstellung zu geben versuchen OO
könne, so folgen Sie ihm ruhig, aber neh‐ OO
men Sie das Resultat als etwas ganz Selbst‐ OO
verständliches hin, ohne sich in eine Art OO
Entdecker-Erregung bringen zu lassen, die OO
162 Briefe an Einen und Viele
Ihnen nur die Perspektive verdirbt, aus OO
der Sie das, was Ihnen bereits klar wurde, OO
sehen und fassen lernten. So viel Blick‐ OO
punkte, so viel Auffassungen sind möglich, OO
und alle können richtig sein, wenn sie nur OO
alle das klare, unverzeichnete Bild dessenOO
ergeben, was aufgefaßt werden soll!
.Und das Resultat Ihres Mühens allein OO
gibt diesem Mühen die Rechtfertigung, OO
einerlei, ob Sie die Schranktüre öffnen, OO
indem Sie den Schlüssel krampfhaft in sei‐ OO
ner Lage im Schloß erhalten und durch OO
zwei Männer den Schrank um die Schlüssel‐ OO
achse drehen lassen, oder ob Sie die etwas OO
einfachere Methode wählen, den Schlüssel OO
ins Schloß zu stecken und umzudrehen, OO
während Sie den Schrank ruhig stehen OO
lassen, wo er steht. ‒
.So ist auch die gehirnliche Konzentration OO
auf ein bestimmtes, seelisch zu Erfassen‐ OO
des, keine über die Kräfte des Einzelnen OO
163 Briefe an Einen und Viele
gehende Aufgabe. Man darf allerdings nicht OO
damit anfangen, allen anderen Gedanken OO
Krieg zu erklären, in der holden Illusion, OO
dann auf dem leeren Schlachtfeld sich so OO
recht ungestört mit dem gewünschten Ge‐ OO
danken unterreden zu können! Eine richtig OO
eingeleitete gedankliche Konzentration ‒ OO
die man ja auch im Alltagsleben oft recht OO
nötig haben kann ‒ läßt sich vergleichen OO
mit dem Suchen eines bestimmten Ortes OO
am Horizont, von einem Aussichtspunkte OO
her. Unzählige Formen überfliegt der Blick OO
auf der Suche nach dem Gesuchten. Diese OO
Formen verschwinden nicht etwa, noch OO
werden sie von dem sein bestimmtes Ob‐ OO
jekt Suchenden als Belästigung empfunden. OO
Er trägt viel zu intensiv das Nahbild des OO
Gesuchten in sich. Aber es ist gerade dieses OO
Nah-Bild des Gesuchten, das zuerst am OO
Auffinden hindert, ‒ bis dann dem Sucher OO
zu Bewußtsein kommt, daß er ja jetzt das OO
164 Briefe an Einen und Viele
Fern-Bild allein zu erwarten hat, wonach OO
er dann bald das Gesuchte am Horizont ge‐ OO
wahren wird. War das Nahbild vielleicht OO
ein mächtiger Turm, so ist allerdings viel‐ OO
leicht jetzt nur eine aus den vielen an‐ OO
deren Formen herausragende Silhouette OO
von der Größe einer Nadelspitze als Fern‐ OO
bild gegeben, aber nun weiß der Sucher OO
dieses gesicherte Fernbild leicht festzu‐ OO
halten oder sogleich wieder aufzufinden, OO
ohne sich im mindesten durch die vielen OO
anderen Formen am Horizont irgendwie OO
gestört zu fühlen.
.Die Nutzanwendung dieses Vergleiches OO
ist leicht zu finden.
.Will man zur wirklichen Konzentration OO
kommen, dann muß man sich vor allem OO
darüber klar werden, wie sich das Objekt, OO
auf das man sich zu konzentrieren beab‐ OO
sichtigt, von dem eingenommenen eigenen OO
Standpunkt her erkennen lassen kann.
165 Briefe an Einen und Viele
Auch in der Gedankenwelt gelten Gesetze OO
einer Art „Perspektive”!
.Hat man sich dann vorgestellt, in welcherOO
Form das Objekt der Konzentration ver‐ OO
nünftigerweise fixiert zu werden vermag, OO
dann ist es in dieser Form aufzusuchen und OO
gedanklich zu „betrachten”, wobei alle OO
anderen gegenwärtigen Gedanken nur zu OO
ignorieren sind, aber niemals bekämpftOO
werden dürfen, weil sie ja gerade dadurch ‒ OO
zur Aktion aufgerufen ‒ das Ignorieren OO
unmöglich werden lassen müßten. Auch OO
der Wanderer, der von seinem Aussichts‐ OO
punkt aus die von ihm gesuchte Kirchturm‐ OO
spitze gefunden hat, sieht optisch zugleich OO
alles, was sich in seinem Gesichtsfeld be‐ OO
findet, ‒ mag es sich um unbewegliche Ge‐ OO
staltungen handeln, oder um das, was OO
kommt und geht. Alles das aber wird ihm OO
kaum bewußt, solange ihm das gefundene OO
Fernbild Anlaß bietet, sich mit der Wirk‐ OO
166 Briefe an Einen und Viele
lichkeit, die ihm entspricht, innerlich zu OO
beschäftigen.
.Möchte Ihnen mein heutiger Brief wie‐ OO
der über einige Schwierigkeiten hinüber‐ OO
helfen!
.Empfangen Sie allen Segen!
167 Briefe an Einen und Viele
ZWEIUNDZWANZIGSTER BRIEF
Was Ihnen da jetzt klar geworden ist, kann OO
ich freudig begrüßen, und ich begreife, daß OO
Ihnen bei dieser „Entdeckung” zumute OO
war, als seien Ihnen endlich die Augen „ge‐ OO
öffnet” worden. Ich weiß ja sehr wohl auch OO
heute noch die Gründe zu achten, die mich OO
damals, als ich „Das Buch vom lebendigen OO
Gott” schweren Herzens der Öffentlichkeit OO
übergab, bewogen hatten, mich zuweilen OO
schützender Verhüllung zu bedienen, aber OO
es ist mir auch möglich, nachzufühlen, wie OO
befreiend das Bewußtsein empfunden wer‐ OO
den mag, nun mit aller Gewißheit zu wissen, OO
was unter der Hülle sich vor wenig erfreu‐ OO
lichen Blicken verbirgt.
.Mit Willen hatte ich aber zugleich durch OO
solche Verhüllung dem Leser die Möglich‐ OO
keit gelassen, sich die geistige Gemeinsam‐ OO
keit der Leuchtenden des Urlichtes nach OO
168 Briefe an Einen und Viele
seiner eigenen Weise vorzustellen, damit OO
er nicht zurückscheue vor einem vermeint‐ OO
lichen Glaubenspostulat. Daß der Wahrheit OO
aber nirgends Gewalt angetan wurde, wis‐ OO
sen Sie jetzt ja am besten selbst zu beur‐ OO
teilen, nachdem Sie nun erkannt haben, OO
daß das „Oberhaupt”, von dem ich sage, OO
es werde „nicht gewählt” und „nicht erOO
nannt”, aber dennoch sei niemals einer OO
aus der Vereinung der Leuchtenden im OO
Zweifel, wer es sei, ‒: der „Vater” ist, als OO
dessen geistgezeugte Söhne wir Leuchten‐ OO
den des Urlichtes uns innerhalb der Struk‐ OO
tur des geistigen Lebens an der uns ge‐ OO
gebenen Stätte wissen. Daß ich die ge‐ OO
brauchten Bilder und Gleichnisse mißver‐ OO
standen sehen würde, bezweifelte ich nicht, OO
aber niemals hätte ich geglaubt, daß einer OO
von denen, für die meine Bücher wirk‐ OO
lich geschrieben wurden, mich falsch ver‐ OO
stehen könne, wenn ich es nicht bisher OO
169 Briefe an Einen und Viele
oft genug hätte erleben müssen. Sie selbst OO
sagen ja, daß es Ihnen erst jetzt endlich OO
„wie Schuppen von den Augen gefallen” OO
sei...
.Solche „Schuppen” scheinen aber noch OO
viele Augen zu bedecken, die ich wahrlich OO
von ihnen frei geglaubt hatte und nicht OO
erst befreiungsbedürftig.
.Ist denn so schwer, richtig seinem tieOO
feren Sinne nach, zu deuten, was ich nur OO
deshalb so behutsam umkleidet habe, da‐ OO
mit es den unsauberen Blicken derer ent‐ OO
gehen möge, für die es nicht erkennbar OO
sein soll?! Was mich betrifft, so bin ich ja OO
oft versucht, mich manchen Danebenver‐ OO
stehens, das mir begegnet, erleichtert zu OO
freuen, weil es mir wirklich wenig ange‐ OO
nehm wäre, von jedem verstanden zu wer‐ OO
den. Allein um der zum Erwachen im OO
Geiste Fähigen willen muß ich mich offen‐ OO
baren! Aber was hier zu offenbaren ist, OO
170 Briefe an Einen und Viele
macht diese Pflicht zu einer wahrlich nicht OO
begehrten Last. ‒
.Zahlreich sind daher auch die Stellen, be‐ OO
sonders in den zuerst erschienenen meiner OO
Bücher, an denen ich ‒ kaum daß ich mich OO
im Irdischen überwunden und zu mir selbst OO
im ewigen Geiste bekannt hatte ‒ mich OO
sogleich wieder hinter meinem Nur-erden‐ OO
haften zu verbergen suchte. ‒ Möglichkeit OO
zu solchem Mich-verschwindenlassen hin‐ OO
ter meinem Zeitlichen bot diesem ja immer OO
der glückhafte Zustand, daß in meiner OO
Selbstbezeichnung „Ich” ebenso mein irOO
disch Vergängliches wie mein urewigesOO
substantielles geistiges Sein sich ausspre‐ OO
chen kann, da sie ja allem mich ewig Dar‐ OO
bildenden wie allem mir nur auf ZeitOO
dauer Eigenen dient.
.Ich verrate Ihnen freilich hier kein Ge‐ OO
heimnis, nachdem ich mich aus Gründen, OO
die mir wahrhaftig beträchtlich genug er‐ OO
171 Briefe an Einen und Viele
schienen, entschloß, die drei nun neuer‐ OO
dings veröffentlichten kleinen Bände dar‐ OO
zubieten, die in rhythmisch geordneter OO
Form eine Folge von Bekenntnissen ent‐ OO
halten, wie sie der irdische Mensch sich OO
nur schwer, und nur im Angesichte der OO
letzten Dinge allenfalls abringen läßt.
.Aber selbst hier betrachtet der Verkün‐ OO
der immer wieder gerne sein Ewiges eben‐ OO
so, wie mein mir von Ewigkeit her Be‐ OO
wußtes auch aus der erdgemäßen Perspek‐ OO
tive seiner zeitbedingten Vergänglichkeit, OO
und es wird also auch hier, wie schon an OO
anderen Orten, Ihnen überlassen bleiben OO
müssen, zu erfühlen, was jeweils spricht, OO
da ich durchaus nicht gesonnen war, die OO
Empfindungen des Zeitlichen, das die OO
Möglichkeit meiner Offenbarung schafft, OO
um meines ewigen Seins willen ohne Not‐ OO
wendigkeit zu unterdrücken.
.Die Empfindungen des Ewigen sind aber OO
172 Briefe an Einen und Viele
in der Seele wesentlich verschieden, je OO
nachdem, ob ein Irdischer sich von seinem OO
Standort her in Meditation und seelischemOO
Ringen Einsicht in Geistiges erwarb, oder OO
ob er teilhat an seinem Ewigen durch einOO
ihm geistig wie leiblich vereinigtes ewigesOO
Sein, dessen Werkwirker er ist für die OO
Erdenwelt.
.Ich wußte von Anfang an sehr wohl, wie OO
viel ich bei meinen Mitmenschen voraus‐ OO
setzen müsse, wofür die Vorstellungsfähig‐ OO
keit nur selten gefunden wird.
.Ein Träger ewigen Bewußtseins ‒ wie OO
man ihn auch benennen möge ‒ der sich OO
einem irdischen Menschen: dessen ewiger OO
Seele wie dessen zeitlich vergänglichem OO
Leibe, vereinigt, ja geradezu amalgamiert, OO
und das auf Grund freiwillig übernom‐ OO
mener, um unvorstellbare Zeiträume zu‐ OO
rückliegender Verpflichtung der ewigen OO
geistigen Individualität dieses Erdenmen‐ OO
173 Briefe an Einen und Viele
schen, ‒ das ist für den modernen Euro‐ OO
päer nichts als eine Reihe absurder Träume‐ OO
reien, die er lediglich als Resultat einer OO
Gehirnerkrankung noch entschuldbar fin‐ OO
det. Und man darf ihm bei seiner absoluten OO
Ahnungslosigkeit überzeitlichen Dingen OO
gegenüber, seine seelische Ignoranz nicht OO
einmal übelnehmen. Er kann nicht anders! OO
.Es ist nicht verwunderlich, daß es mich OO
desto mehr freut, wenn ich so viele unver‐ OO
hoffte Ausnahmen gewahre, so daß mir auch OO
Ihr eingehender lieber Brief, der Sie mir OO
ja wahrhaftig wieder als erfreulichste Aus‐ OO
nahme in dem hier gemeinten Sinne zeigt, OO
für mich eine ganz große Freude war und OO
bleiben wird.
.Wenn Sie sich entschließen können, alle OO
meine Bücher, die Sie bisher verstandes‐ OO
mäßig durchzuarbeiten und seelisch sich OO
zu eigen zu machen suchten, nun an Hand OO
Ihrer neuen Erkenntnis sogleich nochmals OO
174 Briefe an Einen und Viele
im Ganzen vorzunehmen, werden Sie glau‐ OO
hen, Sie hätten die Texte überhaupt noch OO
nicht gelesen. So anders wird sich Ihnen OO
der Sinn erschließen in vielem, was vorher OO
unerfaßt blieb.
.Aller Segen aus dem ewigen geistigen OO
Lichte, in dem ich lebe, sei mit Ihnen!
175 Briefe an Einen und Viele
DREIUNDZWANZIGSTER BRIEF
Die Grenzen zwischen dem, was der Seele OO
eines jeden Erdenmenschen im ewigen Gei‐ OO
ste zu erleben möglich ist, und dem, was OO
nur der Leuchtende des Urlichtes zu er‐ OO
fahren vermag, sind allerdings in meinen OO
Schriften nicht immer scharf gezogen. In‐ OO
sofern sind Sie durchaus im Recht. Was Sie OO
aber unmöglich wissen konnten, ist, daß OO
diese scheinbar einen Mangel darstellende OO
unscharfe Scheidung durch das in der Wirk‐ OO
lichkeit Gegebene gefordert und bestimmt OO
ist, so daß mir keineswegs die schärfere OO
Scheidung möglich gewesen wäre.
.Überlegen Sie, daß in jedem Erden‐ OO
menschen, bei aller Tiergleichheit in bezug OO
auf den Leib und die wieder auflösbareOO
„Tierseele”, die Funktionsergebnis dieses OO
Leibes ist, auch ein Ewiges sich darlebt, OO
mag es auch bei vielen zeitlebens latent OO
176 Briefe an Einen und Viele
bleiben. Dieser ewige „Geistesfunke”, dem OO
die aus ewigen Seelenkräften sich gestal‐ OO
tende und daher ewige Seele Darstellungs‐ OO
bereich ist, erfüllt innerhalb der Struktur OO
ewigen geistigen Lebens ebenso seine ihmOO
allein vorbehaltene Stätte, wie der ewige OO
Leuchtende des Urlichtes die seine ein‐ OO
nimmt. Dem Leuchtenden, der erdenkörOO
perlich wirkt, ist ein solcher Geistesfunke OO
seit unermeßlicher Zeit geistig vereinigt, OO
und mit ihm dessen ewige Seelenkräfte, OO
so daß zuletzt auch Tierseele und Leib die OO
Influenzwirkungen des ewigen Leuchten‐ OO
den erfahren, dessen zeitliche Werkzeuge OO
sie sind, solange sie auf Erden im Physi‐ OO
schen lebensbeständig bleiben können. OO
Während aber dem Leuchtenden des Ur‐ OO
lichtes alle Erlebensmöglichkeit, die das OO
Leben des ewigen Geistes umschließt, bis OO
ins Innerste dieses Lebens gegeben sind, OO
da er ja von ihm aus bewußt ist, kann er OO
177 Briefe an Einen und Viele
doch nur dem ewigen Einzelmenschen‐ OO
geiste, dem er sich im Ewigen vereinigte, OO
um durch ihn einst dann auf Erden die OO
Möglichkeit zu geistiger Hilfeleistung zu OO
haben, Anteil an seiner, alles geistige Le‐ OO
ben in sich durchdringenden Erlebensweise OO
geben, indem er ihn, Jahrtausende vor der OO
ihn später tragenden „Tierwerdung” auf OO
Erden, in sich realiter „hineinnimmt” und OO
so ihn an allem teilnehmen läßt, was in OO
ihm selber Leben ist. Dieses „Hineinneh‐ OO
men” ist geistesgesetzliche Folge der un‐ OO
darstellbare Zeit vordem dargebotenen frei‐ OO
willigen Verpflichtung, die der von nun an OO
geheimnisvollste Vorbereitung Genießende OO
eingegangen war. Allen anderen im Irdi‐ OO
schen inkarnierten ewigen Geistesfunken OO
vermögen jedoch die Leuchtenden des Ur‐ OO
lichtes nur dazu zu verhelfen, ihrer ewigen OO
Seelenkräfte habhaft und Herr zu werden, OO
um im Bewußtsein der Seele sich selbst OO
178 Briefe an Einen und Viele
zu finden und die ihnen gemäße Form der OO
Seele sich bilden und vereinigen zu können. OO
Da nun zwischen den ewigen Seelenkräften OO
und dem gehirnbedingten Erkennen, Emp‐ OO
finden und Erlebenkönnen stete Influenz‐ OO
wirkungen bestehen, so kann dieses see‐ OO
lische Erwachen in entscheidender Weise OO
von den Vorstellungsbereichen des Erden‐ OO
menschen her gefördert werden, wie an‐ OO
dererseits auch die Einflüsse aus dem ewigen OO
Geiste über die Individualgestaltung des OO
Geistes, die in dem ewigen Geistesfunken OO
des Menschen gegeben ist, allmählich den OO
ganzen tiernahen Leib derart zu durch‐ OO
dringen vermögen, daß er zur Verkörpe‐ OO
rung des Geistes auf Erden zu werden ver‐ OO
mag.
.Dem Geistigen eines jeden Erdenmen‐ OO
schen entsprechen nun aber ganz be‐ OO
stimmte, nur ihm allein zugängliche gei‐ OO
stige Erlebensformen und die hier mög‐ OO
179 Briefe an Einen und Viele
lichen Kombinationen sind der Zahl nach OO
unendlich, so daß es ganz unmöglich wäre, OO
sie alle jemals darzustellen, ja nur gruppen‐ OO
weise zu charakterisieren. Da nun aber der OO
Erziehung des Vorstellungslebens so uner‐ OO
meßliche Bedeutung zufällt, und der vom OO
Irdischen her nach dem Geistigen Suchende OO
möglichst von dem schon irdisch erfahren OO
haben sollte, was ihm geistiges Erleben OO
werden kann, so ist es besser, er weiß von OO
allem, was an diesen Dingen Menschen er‐ OO
fahrbar zu werden vermag, als wenn ich OO
nur das Allgemeinste erörtern, alles Be‐ OO
sondere aber verschweigen wollte. Ich sagte OO
Ihnen schon einmal, daß jeder, sich selbst OO
gegenüber ehrliche Suchende alsbald wissen OO
wird, was ihm in meinen Lehrtexten imOO
Besonderen gilt, wobei es ihm nur zu grö‐ OO
ßerer und tieferer Einsicht in die Natur OO
alles Geistigen dienen kann, wenn er auch OO
von anderen Möglichkeiten erfährt, denen OO
180 Briefe an Einen und Viele
gegenüber er spontan fühlt, daß sie der OO
Art nach nicht für ihn in Frage kommen, OO
auch wenn Andere so zum gleichen Ziele OO
gelangen.
.Es sind dunkle triebdumpfe Atavismen OO
die durch unsere tierleibliche Herkunft OO
aus der Substanz des Planeten nur zu sehr OO
erklärlich werden, wenn immer wieder der OO
widergeistige Gedanke in den Köpfen auf‐ OO
lebt, alle Menschen seien „gleich” vor OO
Gott. Tröstlich bleibt dabei nur, daß dieser OO
„Gott” der Langweile das Erzeugnis gleichOO
wertiger Ursache ist. ‒ Die WirklichkeitOO
aber kennt in den Beziehungen zu Gott OO
innerhalb der Struktur des Lebens im ewi‐ OO
gen Geiste nur unendlichfältige VerschieOO
denheit. Eine Gleichheit vor Gott darf le‐ OO
diglich insofern zu Recht behauptet wer‐ OO
den, als sie sich auf die allen Erdenmen‐ OO
schen gemeinsame leibliche Tiernatur be‐ OO
zieht, die von dem Planeten genommen OO
181 Briefe an Einen und Viele
ist und ihm wieder anheimfällt. Soweit aber OO
das Doppelwesen, das sich auf Erden be‐ OO
scheidenerweise für den Inbegriff des „Men‐ OO
schen” hält, geistiger Natur zugehört, sind OO
seine einzelnen Geistesfunken verschieOO
dener voneinander als alles Verschiedene, OO
was es auf Erden an irdischen Formen zu OO
unterscheiden gibt! Und zwar nicht nur OO
im Nebeneinander gesehen, sondern eben‐ OO
so in bezug auf die hierarchisch unfaßbar OO
scharf bestimmte Stufe der Eigenkapazität OO
innerhalb des geistigen Lebens!
.Hier läßt sich nichts abhandeln durch OO
philosophische Begriffsbildungen, die in OO
der Sphäre der Wirklichkeit so wenig Hei‐ OO
matrecht haben, daß man sie nicht einmal OO
als Schatten und Schemengebilde wahr‐ OO
nimmt.
.Hier läßt sich aber auch nichts erkaufen, OO
denn alles was der Andere hat, ist in gleiOO
cher Weise wie das Eigene, in der Struktur OO
182 Briefe an Einen und Viele
des geistigen Lebens gründender, ewig un‐ OO
veräußerlicher Besitz.
.Sie sehen, daß sogar sehr scharfe Gren‐ OO
zen zwischen den Erlebensmöglichkeiten OO
der einzelnen geistigen Individualitäten OO
bestehen, aber Sie werden auch bereits OO
entdeckt haben, daß die Oberfläche der OO
Erde nicht ausreichen dürfte, diese Gren‐ OO
zen alle aufzuzeichnen, und daß die von OO
Ihnen vermißte „schärfere Scheidung” OO
dessen, was nur dem Leuchtenden des Ur‐ OO
lichtes zu erleben möglich ist, und dessen, OO
was jeder Menschengeist nach dem Er‐ OO
wachen seiner Seele aufzunehmen vermag, OO
schon dadurch ganz unmöglich würde, daß OO
es sich in dem einen Falle um eine, UnOO
endliches in sich fassende, im anderen um OO
die denkbar differenteste Erlebensfähig‐ OO
keit des Selbstbegrenzten handelt! ‒
.Leben Sie im Segen des Lichtes!
183 Briefe an Einen und Viele
VIERUNDZWANZIGSTER BRIEF
Daß ich diese Frage eines Tages von Ihnen OO
hören würde, konnte ich als gewiß erwarten. OO
Ich wundere mich nur, daß ich sie nicht OO
längst vorgelegt erhielt. Ich staune auch OO
darüber, daß sie mir so selten von Suchen‐ OO
den vorgelegt wurde. Es ist, als fürchte OO
man, ich könne sie so beantworten, wie OO
man sie eben doch nicht beantwortet sehen OO
möchte...
.Von Jesus wird erzählt, wie allen Christ‐ OO
gläubigen bekannt ist, daß er einmal ge‐ OO
sagt haben solle: „Wer mich vor den Men‐ OO
schen verleugnet, den werde ich auch vor OO
meinem Vater verleugnen, der im Himmel OO
ist.” In dieser Fassung: ‒ als Drohung, ‒ OO
ging dieses Wort gewiß nicht über Jesu OO
Lippen, aber diese Drohung war einer OO
heranwachsenden, eifersüchtig um ihren OO
zahlenmäßigen Vorrang vor anderen Kult‐ OO
184 Briefe an Einen und Viele
vereinen damaliger Zeit ringenden My‐ OO
steriengemeinschaft, die eben im Begriffe OO
war, sich aus dem Volksverband des antiken OO
Judentums zu lösen, der sie durch einen OO
der Seinen, wenn auch ungewollt, hervor‐ OO
gebracht hatte, recht aus dem Herzen ge‐ OO
kommen. So „mußte” der Gesalbte, dem OO
man nun, frei nach den umgebenden Vor‐ OO
bildern, imMysterium” nahte, gespro‐ OO
chen haben und darum „hatte” er so ge‐ OO
sprochen! Die Berichte über sein Leben OO
und seine Lehre waren ja vorläufig nur kul‐ OO
tisch verwendete Rezitationstexte, ‒ noch OO
nicht wie später: ‒ „Heilige Schrift”. OO
Aber ein belegbildender Anlaß, diese Dro‐ OO
hung zu formulieren war für die Gestalter OO
der Texte dennoch gegeben, denn Jesus OO
hatte einst wirklich darauf hingewiesen, OO
daß der Mensch unmöglich „zwei Herren OO
dienen”, ‒ also im äußeren irdischen Leben OO
sich anders verhalten könne, als ihm seine OO
185 Briefe an Einen und Viele
seelische Einsicht vorschreibe, wenn er OO
nicht zum Verräter an sich selbst werden OO
wolle. Das hieß freilich nur, daß irdisches OO
Verhalten ewigem Gesetz entsprechen OO
müsse, und daß der Mensch nicht etwa nach OO
einem System sein irdisches Leben führen OO
könne und dabei nach einem anderen in OO
sein ewiges Heil zu kommen vermöge. Aber OO
daraus ließ sich mit Leichtigkeit die Dro‐ OO
hung drechseln, die man brauchte, um die OO
allein der Tierseele entstammende SeelenOO
angst in den Dienst der Propaganda für OO
den neuen Mysterienkult zu zwingen. Man OO
ließ nicht Raum für Zweifel. Das war da‐ OO
maliger Art nicht gemäß. Der Meister, der OO
Kyrios, der Gesalbte, hatte von nun an OO
„gesagt”, daß er jene vor seinem himm‐ OO
lischen Vater nicht anerkennen werde, die OO
ihn ‒ was hier heißen will: den ihn in einem OO
neuen Mysterium kultisch erlebenden Ver‐ OO
ein ‒ nicht als Erfüller ihres seelischen OO
186 Briefe an Einen und Viele
Vorahnens vor allen Andersdenkenden zu OO
propagieren bereit gewesen seien, während OO
ihres Erdenlebens. Daß die psychologische OO
Beurteilung ihrer Nebenmenschen von sei‐ OO
ten der ersten Leiter des damaligen neuen OO
Mysterienkultes richtig war, wird man nicht OO
bezweifeln. Aber man wird auch nicht be‐ OO
zweifeln dürfen, daß die nur gelegentlicheOO
Befolgung geistiges Leben betreffender An‐ OO
weisungen ‒ und um solche handelt es sich OO
wesentlich in Jesu Lehren ‒ nur frivole OO
Spielerei ist und vor dem ewigen Geiste OO
gegenstandslos, wenn sie nicht gar Abwehr‐ OO
kräfte im Geistigen auslöst, deren unheim‐ OO
liche Gerechtigkeit jedem, der sie schon OO
in ihrer Auswirkung an Anderen auf Erden OO
gewahrte, erschütternde Schauder der Seele OO
erregen mußte. In gewissem Sinne ist also OO
doch aus der nach Jesu Zeit formulierten OO
Drohung die harte Wahrheit herauslesbar, OO
daß alle Beschäftigung mit geistgegebenen OO
187 Briefe an Einen und Viele
Anweisungen nicht zum erstrebten Ziele OO
führt, wenn nicht der, diese Anweisungen OO
Kennende, die aus ihnen hervorgehenden OO
Konsequenzen zieht, aller Außenwelt OO
gegenüber. Auch Sie gewahren sich nun OO
vor der Notwendigkeit, im Außenleben, OO
Ihrer Mitwelt gegenüber, die Konsequen‐ OO
zen aus den durch mich erhaltenen Lehren OO
zu ziehen und erklären sich bereit dazu, OO
kommen aber noch nicht recht mit sich OO
darüber ins reine, wie das geschehen müsse. OO
Ich habe allerdings in meinem Buche „Der OO
Weg meiner Schüler” schon gezeigt, wie OO
fehlwegig das „Bekehrenwollen” zu den in OO
meinen Büchern dargebotenen Lehren ist, OO
so daß ich Sie davor wohl kaum noch zu OO
warnen brauche. Aber man verkennt auch OO
von Grund aus den Sinn der Existenz dieser OO
Bücher und ihre in Wahrheit „einzig-artige” OO
Verankerung im Ewigen, wenn man voll OO
gutgemeintem Betätigungsdrang im Sinne OO
188 Briefe an Einen und Viele
ihrer Verbreitung glaubt, es müsse ihnen OO
eine „offizielle” Wirkungsbasis geschaffen OO
werden.
.Ihre Frage, wie Sie auf richtige Art die OO
Konsequenzen Ihres geistigen Voranschrei‐ OO
tens nun auch in der Außenwelt ziehen OO
sollen, muß von den in diesem Zusammen‐ OO
hang von Ihnen erwähnten Möglichkeiten OO
in bezug auf meine geistigen Lehrbücher OO
scharf getrennt werden.
.Gewiß will ich es durch meine Erörte‐ OO
rungen in dem Buche „Der Weg meiner OO
Schüler” nicht etwa als unerwünscht an‐ OO
gesehen wissen, wenn man eines meiner OO
Bücher ebenso weiter empfiehlt, wie einen OO
Romanband durch den man selbst künst‐ OO
lerisch beeindruckt wurde. Ich warne in OO
meinem Buche lediglich vor einem sich OO
mehr oder weniger aufdrängenden „Missio‐ OO
nieren”, ‒ vor der Selbstberufung zu OO
einem vermeintlich nötigen Apostolat.
189 Briefe an Einen und Viele
.Es ist auch eine Selbstverständlichkeit OO
und nur Erfüllung literarischer Anstands‐ OO
pflicht, daß man die Quelle deutlich nennt, OO
wenn man Zitate aus meinen Büchern OO
bringt, oder durch ihre Wortbildungen sich OO
„anregen” läßt. Schließlich sind die Ver‐ OO
kündungen meiner Bücher von mir in FormOO
gefaßt, und diese Form ist mein geistigesOO
Eigentum, das ich nicht unter dem köst‐ OO
lichen Vorwand: es handle sich doch um OO
geistig gegebene Lehren, zur Freibeute OO
gemacht wissen will. Und nicht nur die OO
künstlerische Form ist mein ausschließ‐ OO
liches geistiges Eigentum, sondern auch OO
die rein gedankliche Darlegung!
.Aber das alles geht Sie hier wohl kaum OO
an, denn es handelt sich bei den aus der OO
Aufnahme meiner Lehrtexte erwachsenden OO
„Konsequenzen” überhaupt nicht um dieOO
Bücher, sondern um Ihr praktisches VerOO
halten im äußeren Leben, und hier dürfte OO
190 Briefe an Einen und Viele
es doch wahrlich nicht gar zu fernliegend OO
sein, zu erkennen, daß alles allmählich aus OO
diesem Leben schwinden muß, was sich OO
mit einem Befolgen der Ratschläge und OO
Lehren in meinen Büchern nicht einwand‐ OO
frei vereinigen läßt. Ebenso ist doch auch OO
leicht zu verstehen, daß es mit dem bloßen OO
Vermeiden des Unvereinbaren nicht ge‐ OO
tan ist, sondern daß Sie nun auch die mo‐ OO
ralische Pflicht haben, Ihr Leben mehr und OO
mehr durch bewußtes und gewolltes Ge‐ OO
stalten des meinen Räten entsprechenden OO
Positiven, in Ihrem ganzen Tun, Reden OO
und Verhalten, zu bereichern! Mit dem OO
„Reden” meine ich aber beileibe nicht OO
etwa ein stetes Im-Munde-Tragen meiner OO
Worte! ‒ Ihr Reden soll sich vielmehr in OO
Ihnen selbst ‒ vor meinen Worten stets OO
verantwortbar erweisen! ‒
.Andererseits steht es Ihnen jederzeit frei, OO
sich, wo Sie es für angebracht halten, auchOO
191 Briefe an Einen und Viele
namentlich zu mir zu bekennen, ‒ nur OO
sollte das, wo es geschieht, in einer Art OO
geschehen, die einigermaßen der Würde OO
solchen Bekennens entspricht, ‒ also etwa OO
auf ähnliche Weise, wie sich wissenschaftlich OO
tätige Menschen mit Selbstverständlichkeit OO
zu den Begründern ihrer „Schulen”, ‒ OO
ihrer auf Grund gewisser Erkenntnisse ge‐ OO
einigt strebenden Gruppe, bekennen.
.Damit werde ich wohl heute meinen OO
Brief beenden dürfen, wobei ich hoffe, Ihre OO
Frage von allen Aspekten her beantwortet OO
zu haben.
.Je mehr Sie Sorge tragen, daß sich Ihre, OO
durch meine geistigen Lehrbücher in Ihnen OO
erweckten Erkenntnisse in Ihrem Leben OO
praktisch auswirken, desto mehr werden OO
Sie auch Ihrem Außenleben dienen.
.Seien Sie gesegnet in allem, was Sie, OO
geistigem Gesetz entsprechend, an Gutem OO
in die Außenwelt tragen!
192 Briefe an Einen und Viele
FÜNFUNDZWANZIGSTER BRIEF
Ihre Auffassung jener Stellen meiner Bü‐ OO
cher, an denen davon die Rede ist, daß OO
auch ein Mensch, der zum Meister geistigen OO
Wirkens auf dieser Erde vollendet war, OO
durch eigene furchtbare Schuld aus dem OO
hohen Leuchten fallen könne, und daß es OO
von alter Zeit her solche durch eigenen OO
Frevel Gestürzte gibt, entspricht durchaus OO
dem, was von mir bei der Erwähnung die‐ OO
ser Unseligen gemeint war. Da Sie aber OO
ausdrücklich um Antwort bitten, ob Ihre OO
Auffassung durch mich bestätigt werden OO
dürfe, so sei ihr hier die Bestätigung ebenso OO
ausdrücklich gegeben. Wohl wäre es ja prak‐ OO
tisch für Sie kaum von Bedeutung gewesen, OO
wenn Sie möglicherweise zu Vorstellungen OO
geneigt hätten, die abweichend von dem OO
Gemeinten gewesen wären. Um Ihren eige‐ OO
nen Weg zum Erlebenkönnen ewigen Gei‐ OO
193 Briefe an Einen und Viele
stes zu finden, brauchen Sie wirklich den OO
hier herangezogenen Stellen meiner Bü‐ OO
cher die ausführliche Deutung nicht geben OO
zu können, die Sie ihnen aus Ihrem pri‐ OO
vaten Interesse heraus schließlich fanden.
Es ist aber gewiß besser, man duldet in OO
seiner Vorstellung auch nicht die kleinsten OO
vermeidbaren Unklarheiten, und darum OO
begrüße ich es doch, daß Sie sich nicht OO
eher Ruhe ließen, als bis Sie auch dieses OO
Schrecklichste, was sich auf der Erde zu‐ OO
tragen kann, unbeirrbaren Blickes durch‐ OO
drungen hatten.
.Als ich die betreffenden Stellen nieder‐ OO
schrieb, dachte ich allerdings nicht, daß sich OO
irgendein Leser darüber Kopfzerbrechen OO
machen würde, sonst hätte ich dem, was OO
ich da nur um der Lückenlosigkeit meiner OO
Darstellungen willen zur Sprache brachte, OO
wahrhaftig noch weitere Erläuterungen bei‐ OO
gegeben. Aber weshalb hätte ich sie für OO
194 Briefe an Einen und Viele
nötig erachten sollen? Ich konnte doch un‐ OO
möglich annehmen, daß ein denkender OO
Mensch etwa zu der Meinung käme, ein OO
aus dem „Vater” in diese Erdenwelt ent‐ OO
sandter geistgezeugter Leuchtender desOO
Urlichtes, als ewiges Wesen, könne unter OO
wie immer gearteten Umständen in grauen‐ OO
voller, Äonen lang währender Umnach‐ OO
tung seine geistige Auflösung erfahren, und OO
ebensowenig durfte ich nach allem, was OO
ich über den „ewigen Geistesfunken” im OO
Erdenmenschen an anderen Orten gesagt OO
hatte, vermuten, daß man am Ende diesen OO
ewigen geistigen Pol des ErdenmenschenOO
für auflösbar halten würde. Deutlich hatte OO
ich ja auch von der Seele gesprochen, die OO
zu einem „Reiche” der Ewigkeit geworden OO
sei, dessen „Krone und Zepter” dem „AufOO
genommenen” in die Gemeinschaft der OO
Leuchtenden durch nichts verlierbar wer‐ OO
den könne, außer durch ihn selbst. Ich habe OO
195 Briefe an Einen und Viele
allerdings auch, abgesehen von Ihrem letz‐ OO
ten Briefe, niemals eine Zuschrift erhalten, OO
aus der zu entnehmen gewesen wäre, daß OO
meine Worte einem Leser Schwierigkeiten OO
bereitet hätten. Wie man sieht, ist es ja OO
auch Ihnen gelungen, sich auf alle Fragen, OO
die Sie sich selbst an den bewußten Stellen OO
vorlegten, die richtige Antwort zu geben. OO
.Da der Leuchtende des Urlichtes, der in OO
erdenmenschliches Wirken eintritt, sich OO
mit dem ihm seit unvorstellbaren Zeiten OO
aus freien Stücken verpflichteten Men‐ OO
schengeiste und dessen dann gegebener OO
erdenmenschlicher Darstellung so ganz ver‐ OO
bindet, daß während des Erdenlebens ge‐ OO
radezu von einer Verschmelzung gespro‐ OO
chen werden muß, so ergibt sich infolge OO
solcher Verbindung auch eine Form der OO
Seele, die alles hier Verbundene in sich OO
zu empfinden vermag und an allem hier OO
gegebenen Bewußtsein teilnimmt. Wo diese OO
196 Briefe an Einen und Viele
Seelenform nicht durch Willenswahn des OO
Irdischen zur Auflösung verurteilt wird, OO
dort geht sie nach der Beendung des erden‐ OO
körperlichen Lebens nicht nur dem ewigen OO
Menschengeiste nicht verloren, sondern OO
bleibt mit ihm zugleich auch dem ewigen OO
Leuchtenden erhalten und sich selbst in OO
ihm. Aber auch dort, wo ihre Auflösung, OO
die allein durch die WillensüberheblichOO
keit des in dem geschilderten Verbande zu OO
findenden irdisch vergänglichen Teiles OO
möglich werden kann, unvermeidbar wird, OO
gehen natürlich keineswegs die ewigenOO
Urseinskräfte, die in ihrer hohen Form OO
als „Seelenkräfte” einst eine dem Leuch‐ OO
tenden wie dem ihm verbundenen ewigen OO
Geistesmenschen gemeinsame Seelenform OO
gestaltet hatten, „verloren”, sondern wanOO
deln sich nur zurück in ihre eigene AusOO
gangsform, nachdem sie sich, wie geschil‐ OO
dert, aus dem voreinst so vollkommenen OO
197 Briefe an Einen und Viele
Seelengebilde lösten. Es ist eine Bewußt‐ OO
seinsauflösung durch Verlust des ewigen OO
Ich, das selber jedoch ebenso unverletzlich OO
im Geiste bestehen bleibt wie der Leuch‐ OO
tende, dem es sich voreinst verpflichtet OO
hatte.
.Für irdisches Vorstellungsvermögen ist OO
freilich das, was da von mir angedeutet OO
wurde, nur dann leidlich erfaßbar, wenn OO
man sich, wie Sie, bei dem Schluß be‐ OO
scheidet: „Ewiges kann nicht zerstörbar OO
sein, folglich muß es sich da um eine Be‐ OO
wußtseinsform handeln, die zwar dazu ge‐ OO
staltet war, auch Ewigem zu dienen, sich OO
selbst aber zu groß geworden fand, um sich OO
ihres nur im Ewigen und für das Ewige OO
gegebenen Seins gegenwärtig zu bleiben”.
Im Kleinen ereignet sich solcher Seelen‐ OO
verlust tagtäglich tausendfach unter Men‐ OO
schen auf Erden, die gewiß nicht einem OO
Leuchtenden des Urlichtes vereinigt sind. OO
198 Briefe an Einen und Viele
Auch darüber habe ich ja genug geschrieben. OO
Ganz ähnlich erfährt auch hier der seelen‐ OO
los Gewordene nach seinem leiblichen Tode OO
die qualvolle Bewußtseinsauflösung in ir‐ OO
disch unvorstellbarer grauenvoller Nacht, OO
äonenlang noch dazu verdammt, um das OO
Unvermeidbare zu wissen, ohne ihm wehOO
ren zu können. ‒ Und auch alle diese vielenOO
Seelenzerstörungen berühren in keiner OO
Weise die ewige Natur der Seelenkräfte, OO
die bei der Formung der nun in Auflösung OO
endenden „verlorenen” Seelen beteiligt OO
waren. Verursacht aber wird all dieser Mord OO
an der eigenen Seele immer wieder durch OO
das überhebliche Verlassen der BewußtOO
seinsgegenwart vor dem Ewigen.
Sich nur im Ewigen achten
Und nur in ihm sich zu leben,
Wahrlich, ist schwerer
Als jegliches irdische Streben! ‒
199 Briefe an Einen und Viele
Hart wird es Zeitlichem,
Hierfür sich selbst zu entsagen: ‒
Kaum vermag irdisches Trachten
Solchen Verzicht zu ertragen.
*
.Es ist die seit der Urzeit immer wieder‐ OO
kehrende Tragik des Erdenmenschen, daß OO
er sich selbst gerade damit zerstört, womit OO
er sich zu erhalten und über das ihn Er‐ OO
haltende emporzuschwingen meint...
.Möge Ihnen meine Antwort auf Ihren, OO
mich recht erfreuenden Brief in mancher OO
Hinsicht auch noch Ungefragtes beant‐ OO
worten!
.Seien Sie stets im Segen des Lichtes!
200 Briefe an Einen und Viele
SECHSUNDZWANZIGSTER BRIEF
Tragen Sie nur ganz unbesorgt den mir OO
geschilderten kunstreich gestalteten Ring, OO
der Ihnen als kostbares Familienerbstück OO
zugefallen ist, auch wenn Ihr, auf astro‐ OO
logische Ansichten eingeschworener Be‐ OO
kannter Sie mit seiner törichten Warnung OO
ängstet: Aquamarin sei nicht „Ihr Stein”! OO
Die „überaus sympathischen Empfindun‐ OO
gen”, die Sie dem Stein gegenüber er‐ OO
füllen, sind weit sicherere Beweise dafür, OO
daß der Stein zu Ihrer Natur verwandte OO
Schwingungsbeziehungen hat, als alle heu‐ OO
tigen astrologischen Berechnungen wären, OO
die ‒ notgedrungen ‒ unvollkommene OO
Resultate liefern müssen, wenn sie auch in OO
einzelnen Punkten gewiß zutreffend sein OO
mögen. Es ist zu viel von dem ‒ wirklichen OO
und auch nur vermuteten ‒ alten Erfah‐ OO
rungswissen verlorengegangen, vielleicht OO
201 Briefe an Einen und Viele
nie vorhanden gewesen, oder aber heute OO
allem Fehldeuten ausgesetzt, und bis sich OO
hier ein neues Erfahrungswissen einwand‐ OO
frei sichern läßt, wird man sich nur auf die OO
charakterologischen Vermutungen der Ho‐ OO
roskope einigermaßen stützen dürfen, und OO
auch auf diese nur dann, wenn es möglich OO
war, ganz genaue und sichere Angaben über OO
die Geburtszeit des astrologisch zu Analy‐ OO
sierenden zu erhalten. Daß im Massen‐ OO
betrieb hergestellte sogenannte „Horo‐ OO
skope”, wie sie im Annoncenteil der Tages‐ OO
zeitungen permanent angeboten werden, OO
hier ganz außer Betracht bleiben müssen, OO
brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu be‐ OO
kräftigen.
.Was aber die Zuteilung gewisser SteineOO
zu verschiedenen Menschen betrifft, so sind OO
dafür sehr viele Aussagen des astrologischen OO
Befundes in Wirklichkeit als bestimmend OO
zu werten, während die meisten ‒ wenn OO
202 Briefe an Einen und Viele
nicht alle ‒ heutigen Liebhaber und Kun‐ OO
digen der Astrologie sich zu sehr durch OO
den jeweiligen Hauptbefund leiten lassen. OO
So kann es vorkommen, daß astrologische OO
Errechnung und traditionelle Horoskop‐ OO
deutung Steine bestimmen für Leute, die OO
gerade diese Steine nur mit WiderwillenOO
ansehen können, was der beste Beweis da‐ OO
für ist, daß die „verordneten” Kristalli‐ OO
sationserscheinungen zu der betreffenden OO
menschlichen Natur und ihrem Lebens‐ OO
rhythmus keinerlei, oder gar entgegenOO
wirkende Strahlungsbeziehungen haben. OO
Mir sind viele Fälle solcher Art bekannt OO
geworden. Ich habe immer geraten, sich OO
nur durch das eigene Gefühl leiten zu OO
lassen, das gerade Edelsteinen gegenüber OO
weit sicherer anspricht und entscheidet, als OO
das beste Horoskop, aus dessen Deutung man OO
„befreundete” Steine zu bestimmen sucht. OO
.Vergessen Sie aber auch nicht, daß es OO
203 Briefe an Einen und Viele
sich bei der Einwirkung der Edelsteine auf OO
ihre menschlichen Träger einzig und alleinOO
nur um die Region der tierhaft gestalteten, OO
vergänglichen irdischen Erscheinung des OO
Menschen handelt, so daß naturnotwendig OO
nicht etwa ein günstiger oder ungünstiger OO
Einfluß auf die geistige Entwicklung er‐ OO
wartet oder befürchtet werden darf! Allen‐ OO
falls dürfte man von einem indirekten för‐ OO
dernden oder hemmenden Einfluß insofern OO
sprechen, als der durch die Steine, die er OO
trägt, zu einer gewissen Harmonie in seinem OO
Tiermenschlichen angeregte Mensch bei OO
seinem Ringen um geistiges Bewußtwerden OO
weniger Störung aus seinem Nur-irdischen OO
heraus erfährt, während einer, der ihm OO
gleichgültige oder gar unsympathische OO
Steine ‒ vielleicht nur um ihrer Kostbar‐ OO
keit willen ‒ in irgendeinem Schmuck‐ OO
stück an sich duldet, bewußt oder unbe‐ OO
wußt unter dem Einfluß solcher Dishar‐ OO
204 Briefe an Einen und Viele
monie steht, also einer Unruhe, die der für OO
alles Streben zum Geiste so nötigen ‒ inOO
neren ‒ Ruhe entgegenwirkt.
.Ganz im allgemeinen ist festzuhalten, OO
daß die Steine ‒ mag es sich um Edelsteine OO
oder Bachkiesel handeln ‒ zahlbestimmte, OO
kosmisch begründete Beziehungen zu ih‐ OO
rem Träger haben, durch die in erster Linie, OO
ihre günstige oder ungünstige irdische OO
Strahlungswirkung bestimmt wird. Diese OO
Wirkung kann fast unwahrnehmbar, aber OO
auch ganz unglaublich stark sein, wobei die OO
Stärke der Wirkung immer der Stärke der OO
Sympathie für den Stein parallel geht. OO
Allerdings meine ich hier nicht jene „Sym‐ OO
pathie”, die man eher doch wohl nur Be‐ OO
sitzgier nennen muß.
.Es handelt sich um wesentlich Anderes, OO
als um das wirkende Agens in AmulettenOO
und Talismanen, vorausgesetzt, daß diese OO
nicht auch zugleich Steine sind, wobei dann OO
205 Briefe an Einen und Viele
eine kombinierte Wirkung vorhanden sein OO
kann. Wo aber die Steinstrahlung ausscheiOO
det, dort wirkt in einem Amulett oder OO
einem Talisman lediglich die WillensOO
ladung, mit der das Stück durchtränkt ist, OO
was immer auch für Zeichen darauf zu sehen OO
sein mögen, und was immer dieser Zeichen OO
oder bildhaften Darstellungen offener oder OO
geheimer Sinn sein mag. Alle Zeichen oder OO
Darstellungen besitzen nur Wert als „Ver‐ OO
ankerungen” der Willensladung. Hier aber OO
kommt es lediglich auf die Kraft der „La‐ OO
dung” an, und der unscheinbarste Gegen‐ OO
stand, den eine Mutter glühenden Herzens OO
ihrem, Gefahren ausgesetzten Sohn mit‐ OO
gibt, kann ein, durch nichts anderes zu er‐ OO
setzender Talisman werden. Aber das alles OO
finden Sie ja hinreichend erörtert in dem OO
Kapitel „Glaube, Talisman und GötterOO
bild”, womit wir wieder beim „Buch vom OO
lebendigen Gott” angelangt sind.
206 Briefe an Einen und Viele
.Sie sehen, daß bei allen diesen Dingen OO
nichts Unheimliches im Spiele ist, und daß OO
man sich nicht erst, wie die ganz unglaub‐ OO
lich wenigen echten Adepten auf diesen OO
Gebieten, geheimen Studien hinzugeben OO
braucht, wenn man sich die „planetarischen OO
Hilfskräfte”, die aus Steinen und Metallen, OO
Farben und Naturformen strahlen, nutz‐ OO
bar machen, oder aber den Schutz wirkOO
licher Amulette und Talismane, soweit sie OO
solchen darzubieten haben, genießen will. OO
Auf keinen Fall jedoch dürfen Sie sich in‐ OO
stinktunsicher machen lassen durch über‐ OO
aus anfechtbare Errechnungen! Je deut‐ OO
licher Sie Ihr Gefühl „sprechen” lassen, OO
ohne es durch gedankliche Einwände zu OO
verwirren, desto gewisser werden Sie bei OO
allem, was hier in Betracht kommen kann, OO
die rechte Wahl treffen und richtig ver‐ OO
fahren.
.Empfangen Sie aber dazu noch außer‐ OO
207 Briefe an Einen und Viele
dem den Segen des ewigen Lichtes, der OO
Ihnen dort die Kraft mehren möge, wo OO
Ihnen mit „planetarischen” Hilfskräften OO
nicht geholfen wäre!
Was planetarische Kraft
.dir hier zu geben vermag,
Kann nur dir Hilfe sein,
.hier im Planetentag!
Hast du einst dieses „Tages”
.trügendes „Licht” überwunden,
Hast du auch ewigen Tages
.Licht in dir selber gefunden!
*
208 Briefe an Einen und Viele
SIEBENUNDZWANZIGSTER BRIEF
Sie sind gewiß schon auf der Spur, allein OO
Ihre „bärenstarke” Konstitution, die Sie OO
„niemals so recht erfahren” ließ, „was OO
körperliches Leiden ist”, braucht kein OO
Hindernis zu sein, wenn Sie ganz erfassen OO
wollen, was unter meinen Worten von der OO
„Entwertung des Leides” verstanden wer‐ OO
den soll. Aber vor allem bitte ich, daran OO
erinnern zu dürfen, daß durchaus nicht OO
nur das körperlich empfindbare Leid alleinOO
gemeint ist, wenn ich von der Notwendig‐ OO
keit spreche, das Leid zu „entwerten”. OO
Seelisches Leid kann aber auch Menschen OO
zustoßen, die praktisch vor allen Plagen OO
die den Körper zu peinigen vermögen, freiOO
sind, und das quälendste seelische Leid ist OO
Leid um Andere. ‒
.Mag man aber mehr an seelisches, oder OO
mehr an körperliches Leid denken bei OO
209 Briefe an Einen und Viele
meinen Worten, so bleibt doch die Forde‐ OO
rung der „Entwertung” die gleiche. Diese OO
„Entwertung” besteht in erster Linie da‐ OO
rin, daß man dem Leide das große PathosOO
entzieht, das ihm durch viele Jahrhunderte OO
hindurch immer erneut zugestanden wur‐ OO
de, so daß geradezu Ehrfurcht vor dem Leid, OO
an Stelle der Leid-Verachtung, und Leid‐ OO
Bekämpfung trat. Es ist unumgänglich gei‐ OO
stig notwendig, daß man die ebenso törich‐ OO
ten wie: satanisch-frivolen Vorstellungen OO
in sich und anderen tilge, die das Leid als OO
ein von Gott verordnetes Erziehungs- oder OO
Strafmittel angesehen wissen wollen und OO
dabei nicht einmal soviel Raum zu höherer OO
Einsicht lassen, daß der Mensch gewahr OO
werden könnte, welche furchtbare Gottes‐ OO
auffassung sie verraten. Es ist für den Gott‐ OO
bewußten kaum zu ertragendes Leid um OO
Andere, sehen zu müssen, was man da OO
einem geglaubten „Gotte” an Scheußlich‐ OO
210 Briefe an Einen und Viele
keit zuzutrauen wagt, und was gar noch OO
armen gequälten Menschen dabei als OO
„Trost” herhalten muß! Und noch schau‐ OO
derhafter ist die so vielfach vor Augen lie‐ OO
gende Tatsache, daß von den Leidenden OO
solcher Trostgrund angenommen wird, OO
denn hier zeigt sich erst der unglaubliche OO
Grad der Widerstandslosigkeit, mit dem OO
solche Glaubenszumutung rechnen darf... OO
.Demgegenüber ist es Bedingung für je‐ OO
den Erdenmenschen, der im ewigen Geiste OO
bewußt werden und seinen lebendigen Gott OO
in sich selbst empfangen will, ‒ daß er OO
lerne, das Leid nach Möglichkeit zu ignoOO
rieren, jedenfalls aber ihm alle und jede OO
moralische Bedeutsamkeit abzuerkennen! OO
Aber Sie dürfen diese Worte beileibe nicht OO
so verstehen, als werde bei der geforderten OO
Entwertung des Leides übersehen, daß see‐ OO
lisches Leid ein dumpf und stur dahin‐ OO
lebendes Gemüt zu neuer Willensbildung OO
211 Briefe an Einen und Viele
aufzurütteln vermag, und daß körperliche OO
Schmerzen Faktoren der Gesundung, ‒ OO
Bedingungen der Heilung sein können. OO
Doch, das sind Folgen, für die das Leid die OO
Ursache gewesen sein kann, während es OO
nach wie vor „Lüge” bleibt, da es dem OO
Geistigen im Menschen eine Bindung vor‐ OO
täuscht, die sich ihm nur hier im tiernatur‐ OO
bedingten Irdischen vortäuschen läßt, bis OO
es ihre Ohnmacht erkennt.
.Alles Leid ist nur in der Tiernatur ge‐ OO
geben, die uns hier auf Erden zeitweilige OO
Darstellungsform ist, und selbst das er‐ OO
greifendste seelische Leid, das hier emp‐ OO
funden wird, gründet lediglich in der TierOO
seele, die Funktionsergebnis des vergäng‐ OO
lichen irdischen Leibes ist. Gewiß dürfen OO
Sie sich die Tierseele des Erdenmenschen OO
nicht derart beengt vorstellen, wie die OO
Tierseelen anderer Erdentiere! Durch die OO
Verbundenheit mit den ewigen Seelen‐ OO
212 Briefe an Einen und Viele
kräften der geistig nur dem Menschen ge‐ OO
gebenen, vom Tode des Körpers nicht zu er‐ OO
fassenden Seele und mit dem individuellen OO
ewigen Geistesmenschentum, empfängt die OO
menschliche Tierseele derart hohe In‐ OO
fluenzwirkungen, daß fast alles, was der um OO
sich selbst am wenigsten wissende Erden‐ OO
mensch „seelisches” Empfinden nennt, ‒ OO
und dabei an ewig Seelisches oder an ein OO
dem Tierhaften doch weit übergeordnetesOO
Vergängliches denkt, ‒ nur innerhalb der OO
hochgezüchteten erdmenschlichen TierOO
seele erlebt wird, die ebenso Funktions‐ OO
ergebnis des vergänglichen Menschtierlei‐ OO
bes ist, wie das gehirnbedingte Denken, das OO
gleichfalls im Erdenmenschen das Denken OO
der Tiere um Gewaltiges überstiegen hat.
.So aber, wie ich das gehirngebundene OO
Denken, dort wo es in seinem Bereich OO
bleibt, wahrhaftig zu schätzen weiß, aber OO
nachdrücklich auch von einer anderen Art OO
213 Briefe an Einen und Viele
des Gedankens spreche: ‒ von dem Ge‐ OO
danken, der sich selber denkt und, gänzlichOO
unabhängig von den Funktionen des Ge‐ OO
hirns, diese nur dort benützt, wo er sich er‐ OO
denmenschlich mitteilbar gemacht wissen OO
will, ‒ so spreche ich, bei aller Bewunde‐ OO
rung für das, was die Tierseele im Menschen‐ OO
leib aus sich zu gestalten vermochte, doch an OO
den Stellen meiner Schriften, die von der OO
Seele handeln, fast ausschließlich nur von OO
der aus ewigen Seelenkräften gebildeten, OO
unter allen Tieren allein dem Menschen, OO
aus seinem Geistigen heraus gegebenen OO
Seele, während mir die Tierseele des Men‐ OO
schen, als dem Vergänglichen an ihm zu‐ OO
gehörend, keinen Anlaß zu besonderen OO
Ratschlägen für ihre weitere Entwicklung OO
bietet. Sie ist ja im Verlaufe der Jahrtau‐ OO
sende allmählich zu solcher Entwicklung OO
gelangt, daß sie in den meisten Menschen OO
die Seele der Ewigkeit fast gänzlich überOO
214 Briefe an Einen und Viele
deckt, und es tut wahrlich not, erkennen OO
zu lernen, daß unsagbar vieles, was der OO
Erdenmensch zu seinem höchsten Vermö‐ OO
gen rechnet, nur das Werk seiner TierseeleOO
ist, ‒ auch dort, wo sie sich mit dem ihr OO
unzugänglich bleibenden Ewigen auf ihre OO
Art zu befassen trachtet. ‒ Und noch inner‐ OO
halb dieser Tierseele wird auch das emp‐ OO
funden, was wir auf Erden „seelisches” OO
Leid zu nennen pflegen.
.Wenn ich sage: „Alles Leid ist Lüge” OO
‒ so verneine ich, als guter Kenner viel‐ OO
fachen tierseelisch empfindbaren und erd‐ OO
körperlich erlebbaren Leides, wahrhaftig OO
nicht die intensive und bis zu vermeint‐ OO
licher Un-Ertragbarkeit reichende PeinOO
gewalt des Leides, ‒ wohl aber seine ihm OO
vom Erdenmenschen zuerkannte, pathe‐ OO
tisch betonte Bedeutsamkeit, ‒ im Sinne OO
einer vom Ewigen her dirigierten Erzie‐ OO
hungs-Maßnahme, ‒ durch deren perma‐ OO
215 Briefe an Einen und Viele
nente Anerkennung er nur für sich und OO
andere dem Leide Zuwachs auf dieser Erde OO
schafft, statt alle irdischen Möglichkeiten OO
zu seiner Vermeidung aufzurufen...
.Die von einem Leuchtenden des Urlichtes OO
in seiner erdmenschlichen Darstellung dar‐ OO
gebotene irdische Leidens-Bereitschaft ge‐ OO
hört nicht hierher, denn sie gleicht ja freiOO
willig dargebotenem „Tribut” an den OO
„Fürsten der Finsternis”, in dessen Ge‐ OO
biet der Leuchtende ‒ die Gesetze der OO
Finsternis verletzend ‒ vorgedrungen ist. OO
Jedes Leid aber muß entlarvt werden als OO
ein in der Tiernatur gründendes Übel, OO
dessen Erduldenmüssen einen rein gesetzOO
mäßig zu erklärenden Zwang darstellt, OO
unendlich fern aller „erzieherisch” ge‐ OO
dachten, göttlichen „Fügung”, wohl aber OO
Aufruf aller Kräfte des Menschen, die Leid OO
zu lindern, Leid zu tilgen vermögen. ‒
.Der Glaubens-„Trost”, unter göttlicher OO
216 Briefe an Einen und Viele
Zuchtrute zu stehen, hat unter den Men‐ OO
schen auf dieser Erde mehr verhütbaresOO
Leid entstehen lassen als alle tiermensch‐ OO
liche Bosheit! ‒ Und das lediglich durch OO
folgerichtigen Ablauf des durch solchen OO
Glauben zur Auswirkung angeregten Ge‐ OO
schehens im unsichtbaren Teil der physi‐ OO
schen Welt!
.Hier sind jene „Peiniger” am Werk, von OO
denen ich im „Buch der KöniglichenOO
Kunst”, Neuausgabe, Seite 101, gespro‐ OO
chen habe!
.Das sind organisch gestaltete Intelligen‐ OO
zen der unsichtbaren physischen Welt, in OO
denen alles Leid, das in einem sichtbaren, OO
greifbaren physischen Körper und der als OO
seinem Funktionsergebnis während seiner OO
Lebenszeit bestehenden Tierseele erlebt OO
werden kann, unbändige WollustempfinOO
dungen auslöst, so daß diese vampirhaften OO
Lemuren ihre ganze, keineswegs unbe‐ OO
217 Briefe an Einen und Viele
trächtliche Kraft anwenden, um von ihrem OO
Bereiche her das Leid der Tiere und MenOO
schen, ‒ ja auch selbst das, was im Leben OO
der Pflanzen dem Leide entspricht, ‒ zu OO
veranlassen, zu erhalten, und auf denOO
höchsten Grad zu steigern.
.Durch die stete Anerkennung des Leides OO
als vermeintlicher „göttlicher” Schickung OO
wird aller Widerstand jener Abwehrkräfte OO
illusorisch, die, aus dem unsichtbaren Phy‐ OO
sischen des Erdenmenschen her, den Über‐ OO
wältigungsanstürmen dieser unsichtbaren OO
Peiniger begegnen könnten, ‒ ja der arme OO
ahnungslose Mensch öffnet ihnen selbst alle OO
Wege zur Vermehrung des Leides in sei‐ OO
nem Lebensbereich, während das Tier doch OO
wenigstens noch durch instinktive Abwehr OO
dessen, was ihm Unlustgefühle bereitet, OO
dem drohenden Schmerz auszuweichenOO
sucht...
.Es ist wahrlich nötig, das Leid zu ent‐ OO
218 Briefe an Einen und Viele
werten, und jeder soll dabei mithelfen, so‐ OO
bald er in sich selbst zur Einsicht kam, OO
was die hier von ihm geforderte Wandlung OO
seiner Vorstellungen für ihn und seine Mit‐ OO
menschen zu bedeuten hat.
.Auch Sie sind zu solcher Mithilfe auf‐ OO
gerufen!
.Das Licht der Ewigkeit erleuchte Sie!
219 Briefe an Einen und Viele
ACHTUNDZWANZIGSTER BRIEF
Wenn ich auch ‒ obgleich um das zum OO
Ausdruck kommende Wirkliche wissend ‒ OO
bis heute das Wort „Segenswunsch” oft OO
genug gebrauche, so muß ich Ihnen doch OO
bestätigen, daß Ihr Fühlen Sie richtig zu OO
leiten wußte, wenn es Sie zu der Erkennt‐ OO
nis drängte, daß wirklicher Segen etwas OO
viel Konkreteres” sein müsse, als ein OO
wohlmeinender Wunsch. Das konventio‐ OO
nell gegebene Wort „Segenswunsch” wurde OO
und wird denn auch von mir immer nur OO
als Bezeichnungsform für das wirkliche Ge‐ OO
schehen gebraucht, das vorliegen muß, OO
wenn von einem echten und berechtigten OO
Segnen die Rede sein soll, und keineswegs OO
nur in seinem allgemeinen Sinn, der be‐ OO
sagt, man wünsche, daß dem Angesproche‐ OO
nen Segen zufließe. Wer wirklich zu segnen OO
vermag, ‒ wie es mir aus meinem inner‐ OO
220 Briefe an Einen und Viele
sten Sein heraus irdisch möglich ist, ‒ OO
der muß sich dieses Vermögens auch dannOO
aktiv erinnern, wenn ihm ein konventio‐ OO
nelles Wunschwort gerade gelegen kommt, OO
um die innere hohe Feierlichkeit unter der OO
allein wahrhafter Segen erteilt werden OO
kann, nach außen hin lieber zu verbergen. OO
Grund dazu bietet in der westlichen Welt OO
zumeist schon das Nichtwissen des Geseg‐ OO
neten um die Möglichkeit des geistig subOO
stantiellen Segnenkönnens. ‒ Daneben OO
aber kamen für mich auch noch andere OO
Gründe in Betracht, die mich die längste OO
Zeit bewogen, nur in besonderen Fällen OO
ausdrücklich zu sagen, daß der Vorgang des OO
Segnens aus ewigem substantiellen geisti‐ OO
gen Licht vollzogen sei. Mir könnte natür‐ OO
lich niemals ein Satz der irgendwie vom OO
Segnen handelt, zu einer Redefloskel wer‐ OO
den. Dazu weiß ich zu bewußt um die OO
„Natur” der mir anvertrauten ewigen SubOO
221 Briefe an Einen und Viele
stanz des Segens und ihre Auswirkungen. OO
Wenn Sie also am Ende meiner Briefe je‐ OO
weils ein Wort vom Segnen finden, so dür‐ OO
fen Sie wahrhaftig überzeugt sein, daß da OO
jedesmal der Vorgang des Segnens in ewi‐ OO
gem Geiste für den berechtigten Empfänger OO
des Briefes vollzogen wurde, und daß ihm OO
dieser Segen bei jedem neuen Lesen aufsOO
neue zufließen wird, auch wenn solches OO
Wiederlesen ‒ das allerdings ein leben‐ OO
diges Aufnehmen meiner Worte ins eigene OO
Innerste sein muß ‒ erst nach Jahrzehnten OO
erfolgen würde. Da ich Sie zudem nicht OO
aus bestimmter, in Ihrer PersönlichkeitOO
begründeter Veranlassung gesegnet habe OO
und segne, sondern immer im Zusammen‐ OO
hang mit meinen Worten, als den AngeOO
sprochenen, der diese Worte in sich aufOO
nimmt, so ist dieser vollzogene Segen zu‐ OO
gleich jedem Anderen erteilt, den Sie etwa OO
an meinen Briefen teilhaben lassen werden, OO
222 Briefe an Einen und Viele
insofern er sich selbst derart entfaltet zeigt, OO
daß er Segen empfangen kann... Ich spre‐ OO
che hier nur von nüchtern zu betrachten‐ OO
den trockenen Tatsachen, damit Sie über OO
die Natur dieses wiederkehrenden Segens OO
soweit unterrichtet sind wie das immerhin OO
möglich ist.
.Wirklicher Segen ist, wie ich schon eben OO
sagte, eine geistige Substanz, von der eine OO
Kraft ausgeht, deren Wirkungsgrad auf das OO
Genaueste der inneren Haltung des Ge‐ OO
segneten entspricht.
.Segen ist also weder Gebet, noch Wunsch, OO
noch an irgendeine Geste des Segnenden OO
geknüpft und von keinem ausgesproche‐ OO
nen oder auch nur gedachten Worte ab‐ OO
hängig, sondern willensbestimmte ewige OO
Geistsubstanz in zeitliche Auswirkung ge‐ OO
leitet durch einen Geistigen, der in irdi‐ OO
scher Verkörperung lebt. Solche Vereinung OO
mit einem erdentierhaften Körper ist unOO
223 Briefe an Einen und Viele
umgängliche Notwendigkeit, wenn Segen OO
sich auch im äußeren Irdischen des zu OO
Segnenden auswirken können soll.
.Ich sehe mit geistigem „Auge” den Se‐ OO
gen, den ich erteile, wie eine helle, strah‐ OO
lende Lohe, weißleuchtend, im Irdischen OO
nur vergleichbar dem unter einem Mikro‐ OO
skop wahrnehmbaren Leuchten des RadiOO
ums in verdunkeltem Raum. Allerdings ist OO
das Leuchten ganz unvergleichlich stärkerOO
und nur sein Charakter erinnert mich an OO
das Leuchten des irdischen Elements. Die OO
strahlende Helligkeit der geistigen Segens‐ OO
Substanz ist derart intensiv, daß ich aus der OO
irdischen Gewohnheit heraus, das Auge vor OO
zu starken Lichteindrücken zu schützen, OO
oft unwillkürlich im Reizreflex momentan OO
die Augenlider schließe, obwohl doch nur OO
das geistige „Auge” hier wahrnimmt, das OO
allen geistigen Lichtgraden angepaßt ist. ‒ OO
.Segnen als Tätigkeit ist für den, dem OO
224 Briefe an Einen und Viele
es möglich ist, eine Reihe von WillensakOO
ten, durch die sich die Segen-Substanz, die OO
geistig-sinnlich als leuchtende, vorerst noch OO
„ungeformte”, unregelmäßige „Lohe” er‐ OO
scheint, in die, für den zu spendenden OO
Segen notwendigen geistigen Formen um‐ OO
gestaltet, um sodann, gemäß der ihr ge‐ OO
gebenen Bestimmtheit, in nächster Nähe, OO
oder über Länder und Meere hinweg sich OO
auszuwirken. Auch wiederholte Auswir‐ OO
kung kann durch willentlich gegebene Be‐ OO
stimmtheit veranlaßt werden.
.Sie haben mehrfach in Ihren Briefen an OO
mich besonders betont, daß Sie den Emp‐ OO
fang meines Segens in einer alle Selbst‐ OO
täuschung ausschließenden Weise „körperOO
lich” empfänden. Ich bin auf diese Berichte OO
absichtlich nicht eingegangen, weil ich ‒ OO
ohne alle Prophetie ‒ voraussah, daß hier OO
eines Tages ja doch eine umfassendere Be‐ OO
sprechung nötig werden würde. Aber Ihr OO
225 Briefe an Einen und Viele
Empfinden hat Sie keineswegs getäuscht. OO
Sie haben „Körperliches”, ‒ allerdings OO
geistsubstantiell Körperhaftes, ‒ das aber OO
erdenkörperlich empfindbar ist, erdenkör‐ OO
perliche Erkraftung und Bereicherung be‐ OO
wirkt, in meinem, von Ihnen angenomme‐ OO
nen Segen tatsächlich empfangen. Hierbei OO
sei gleich vermerkt, daß Sie wirklichen Se‐ OO
gen auch ablehnen können. Bewußten Wil‐ OO
lens, oder ungewollt, nur durch Ihre inne‐ OO
re Haltung! Er kehrt dann zurück, als wenn OO
er an einer Granitwand abgeprallt wäre, OO
zu dem, der ihn ausgesandt hatte.
.Für mich ist im Geistigen die lohende OO
Substanz des Segens, ihrer Konsistenz nach, OO
zugleich so greifbar „körperlich”, wie etwa OO
im irdischen Außenleben der Formsand OO
der Erzgießer, und ebenso formbar. Noch OO
niemals, seitdem ich zu segnen vermag, OO
habe ich gesegnet, ohne an den Gesegneten OO
des Segens Wirkung in gleicher Weise geistig OO
226 Briefe an Einen und Viele
„körperlich” zu gewahren, wenn der Se‐ OO
gen angenommen worden war.
.Sie sehen, daß es sich wahrlich hier um OO
ein Anderes handelt, als um das, was man OO
so gemeinhin „Segen” nennt, wo auf Grund OO
geglaubter Amtsbefugnis unter Anwendung OO
feststehender Wortformeln und Ausfüh‐ OO
rung erlernter Gesten eine Zeremonie dar‐ OO
gestellt wird, die bestenfalls nur dann eini‐ OO
gen wirklichen Wert erhalten kann, wenn OO
der sie Darstellende wenigstens entspre‐ OO
chende Gedankenkräfte durch inbrünsti‐ OO
gen Willen zugunsten des vermeintlich von OO
ihm „Gesegneten” anzuregen vermag, wie OO
das ja einem jeden Menschen bis zu ge‐ OO
wissem Grade möglich ist. Der „Segen der OO
Eltern” ist hierzu das bekannteste Beispiel. OO
.Um jedoch wirklichen, aus dem leben‐ OO
digen geistigen Lichte stammenden Segen OO
spenden zu können, muß man selbst in OO
diesem ewigen Lichte sein, und ‒ Segen OO
227 Briefe an Einen und Viele
besitzen. Nur sich selber darf einer, der OO
wirklichen, ewigem Lichte entstammenden OO
Segen in sich verwahrt, nicht segnen. Doch OO
leidet er dadurch auch keinen Mangel, da OO
er ununterbrochen im Segen anderer steht, OO
die zu segnen vermögen.
.Seien Sie mir heute als ein nunmehr um OO
das, was geschieht, einigermaßen durch OO
meine Worte Wissender, in feierlichster OO
Weise aus meinem Segen gesegnet!
228 Briefe an Einen und Viele
NEUNUNDZWANZIGSTER BRIEF
Waren mir schon Ihre letzten lieben Briefe OO
deutliche Anzeichen Ihrer ganz allmählich OO
wachsenden, aber unverkennbar immer OO
größeren Aufgeschlossenheit für geistige OO
Wahrnehmungen, ‒ selbst dort, wo Sie OO
noch mit Ihrem Irdischen zu ringen hatten OO
oder sich noch nicht mit Sicherheit ver‐ OO
trauen zu können meinten, ‒ so brachte OO
mir nun Ihr neuester Bericht eine Gewiß‐ OO
heit, die ich dennoch kaum jetzt schon zu OO
erwarten gewagt hätte. Aber nun ist ja nicht OO
mehr daran zu zweifeln, daß Ihr geistiges OO
Auge sehend wurde, und daß Sie im ersten OO
klar bewußten Erleben Ihres Ewigen stehen. OO
Es ist aber auch durchaus nicht verwun‐ OO
derlich, daß Sie, bei aller seelischen Be‐ OO
glückung, sich des Unvermögens bewußt OO
werden, dem Erlebten Ausdruck in der OO
Sprache zu schaffen, so daß Ihnen alles, OO
229 Briefe an Einen und Viele
was Sie mir berichten, nur „wie ein ganz OO
unzulängliches Stammeln” vorkommt. Das OO
ist noch jedem so gegangen, der zum ersten‐ OO
mal Gleiches wie Sie in sich erlebte, und OO
meistens muß es auch bei diesem Unver‐ OO
mögen, Ewiges in Worten darzustellen, OO
bleiben.
.Wir können uns im Bereiche irdischerOO
Dinge nur verständlich machen, indem wir OO
das, was wir sprachlich erkennbar darstellen OO
wollen, mit bereits Dargestelltem vergleiOO
chen. Eine solche Vergleichsmöglichkeit OO
auf der selben Ebene fehlt uns, sowie wir OO
Ewiges schildern wollen, und doch drängt OO
unser Erleben auch hier zum Wort, auch OO
wenn wir das Erlebte nur für uns selberOO
im Worte aufzeichnen wollen, und nur in OO
unserem Gedächtnis. Aus solcher Not her‐ OO
aus greifen wir dann doch nach Irdischem, OO
das uns bei aller Unzulänglichkeit dienen OO
muß, so gut es geht. Und es geht nur, wenn OO
230 Briefe an Einen und Viele
eben diese Unzulänglichkeit bewußt und OO
gewollt ignoriert wird: ‒ wenn man das OO
Inkommensurable der zum Vergleich her‐ OO
angezogenen Erlebensmöglichkeiten ab‐ OO
sichtlich übersieht.
.Alles Erleben des Ewigen ist eine dau‐ OO
ernde Lotung der Tiefe des ewigen AugenOO
blicks, der kein Hintereinander, kein Vor‐ OO
her und Nachher, sondern geistig-„räum‐ OO
lich” gegebenes, irdisch ganz undarstell‐ OO
bares In-einander ist, das nicht erst infolge OO
eines unermeßlichen Nacheinanderbeste‐ OO
hens „ewig” wird, sondern in sich, anfang‐ OO
los ‒ endlos, Unendlichkeit „bleibt”. Wer OO
den ewigen Augenblick: ‒ die ganze, in OO
ihrer Selbstbegrenzung dem Kreis ähn‐ OO
liche, unendliche Ewigkeit nicht in sich zu OO
jeder Sekunde zu erleben vermag, dem OO
kann man sie nicht schildern, denn alle OO
Schilderung geschieht in der irdischen ZeitOO
und wird nur als Zeitliches erfaßt. So ist OO
231 Briefe an Einen und Viele
denen, die nie in der Ewigkeit waren, OO
„Ewigkeit” zur Vorstellung einer unend‐ OO
lich langen Zeit geworden, und schließlich OO
kommt auch jeder, der von überzeitlichen OO
Dingen wirklich reden darf, in die Zwangs‐ OO
lage, diese Zeitvorstellung durch das glei‐ OO
che Wort zu bezeichnen, ja, das Unend‐ OO
liche für die Vorstellung zuweilen gleich‐ OO
sam „einzuteilen”, so daß aus der einen, OO
in Wirklichkeit selbstverständlich unteil‐ OO
baren Ewigkeit gar „Ewigkeiten” werden OO
können, ‒ Aeonen, ‒ als Verbildlichungen OO
unermeßlich langen Zeit-Raumes. Und je‐ OO
dem, der Ewiges noch nicht in sich selbst OO
erlebt, wird es unsagbar schwer, die irrige OO
Vorstellung in sich aufzugeben, als ob Ewig‐ OO
keit stete Gegenwart aller Zeit sei und ihr OO
Inbegriff einfach „die Fülle aller Zeiten” OO
ausmache.
.Sie sehen jetzt selbst, wie Ewiges allen OO
in der Zeit gegebenen Vergleichen aus‐ OO
232 Briefe an Einen und Viele
weicht, weil es ein wesentlich Anderes ist OO
und nur ewiger Anschauungsart zugänglich, OO
zu der Sie meine Bücher unvermerkt ge‐ OO
leitet haben. Aber wie viel „Skizze” von OO
allen Seiten her war nötig, um nach und OO
nach das Gefühl für geistig Räumliches in OO
Ihnen zu erwecken! ‒ Fern von jedem Wert‐ OO
vergleich, erinnern mich meine Abhand‐ OO
lungen über geistige Dinge immer an ge‐ OO
wisse Zeichnungen Rembrandts, auf denen OO
sich die gemeinte Darstellung erst aus un‐ OO
zähligen Strichen, die der Vorstellung im‐ OO
mer deutlicher zu folgen suchen, herausge‐ OO
staltet. Es ist aber nicht nur mir anders un‐ OO
möglich, Dinge der Ewigkeit für Andere in OO
den Bereich ahnenden Vorfühlens zu brin‐ OO
gen, sondern jedem, der die ewige Wirk‐ OO
lichkeit kennt! Denen, die sie kennen aber, OO
genügen die geringfügigsten Andeutungen OO
schon, um sich untereinander zu verstehen OO
und jeweils zu wissen, was gemeint ist. Sie OO
233 Briefe an Einen und Viele
haben mir aber weit mehr als nur „Andeu‐ OO
tungen” hingezeichnet, und ich muß Sie OO
eher warnen, nicht allzu deutlich werden OO
zu wollen, als daß ich in Ihrer Darstellung OO
etwas vermissen könnte...
.Bleiben Sie im Licht und seien Sie alle‐ OO
zeit gesegnet!
234 Briefe an Einen und Viele
DREISSIGSTER BRIEF
Ich „fordere” nicht! ‒ Ich bringe! Und OO
jeder kann aus dem, was ich gebracht habe, OO
das für ihn Willensbestimmende wählen. OO
Was Sie meine „Forderungen” nennen, OO
deren Erfüllung Sie jetzt so freudig Ihr OO
geistiges Erlebenkönnen danken, sind le‐ OO
diglich von mir aufgezeigte Notwendig‐ OO
keiten, die sich aus der Struktur des Lebens OO
im ewigen Geiste ergeben. So ist es uner‐ OO
läßliche Notwendigkeit, und hoch jeder OO
auch nur scheinbaren Willkür einer „For‐ OO
derung” entrückt, daß Sie erst dann zu OO
Gottes Wiege werden können: ‒ daß erst OO
dann Ihr lebendiger Gott sich in Ihnen OO
„gebären” kann, wenn Sie dahin gelangt OO
sein werden, nichts mehr aus sich selbstOO
bedeuten zu wollen. Jede Zubilligung, die OO
Sie sich selber noch machen zu dürfen glau‐ OO
ben, verrammelt das Tor der Seele mit OO
235 Briefe an Einen und Viele
Palisaden! Nicht das Geringste dürfen Sie OO
vor Ihrem Selbstbewußtsein festhalten wol‐ OO
len als ein Ihnen Gehörendes! Gott wohnt OO
nicht irgendwo zur Miete. ‒ Er geht nur OO
in Eigenes ein! ‒ So müssen Sie Ihrem le‐ OO
bendigen Gott alles zu eigen lassen, was OO
Sie bisher noch sich selbst reservieren zu OO
können meinten. Selbst Ihr BewußtseinOO
müssen Sie Gott geben, wenn Gott Ihnen OO
bewußt werden soll! ‒
.Hier wird nirgends und von keiner Stelle OO
her etwas „gefordert”, sondern nur gezeigt, OO
wie die Dinge liegen, damit nicht Unmög‐ OO
liches erhofft und dann Enttäuschung ge‐ OO
erntet werde. Auch im Irdischen halten Sie OO
sich, wenn Sie erfolgreich in Ihrem Tun OO
sein wollen, genau an die gegebenen Be‐ OO
dingungen, unter denen ein Vorgang mög‐ OO
lich ist. Hier wissen Sie um diese Be‐ OO
dingungen durch Ihre und vieler anderen OO
stets bestätigte Erfahrung. Im Ewigen aber OO
236 Briefe an Einen und Viele
können Sie solche Erfahrung erst machen, OO
wenn Sie erreicht haben, was Sie erreichen OO
wollen, und deshalb muß man Ihnen vom OO
Ewigen her zeigen, was nötig ist, damit Sie OO
zu der von Ihnen ersehnten Erfahrung geOO
langen. Sie sind ja jetzt auf dem besten OO
Wege dazu.
.Sehr schön sind Ihre Ausführungen über OO
die nun erlangte Erlebensgewißheit im OO
Ewigen, die Ihnen erst letzte Bestätigung OO
dafür gab, daß es schlechterdings keine OO
Möglichkeit geben kann, die Seele eines OO
der Erde Verstorbenen irdisch wahrzuneh‐ OO
men, da, wie Sie bereits erkennen, alle OO
Lebens-Äußerungen der irdisch Entkör‐ OO
perten außerhalb der Erfahrungsbereiche OO
erdkörperlicher Sinne liegen. Aber auch OO
Ihr nunmehr seine ersten Erfahrungen be‐ OO
ginnendes Bewußtwerden im Ewigen liegt OO
weitab von allem, was die tiergemeinsame OO
Seele und was Körpersinne erfahren kön‐ OO
237 Briefe an Einen und Viele
nen. Eben darum muß ich auf die leise OO
Warnung am Schluß meines letzten Briefes OO
doch noch einmal zurückkommen, und Sie OO
bitten, Ihren Drang, das geistig Erlebte um OO
der Deutlichkeit der Mitteilung willen in OO
irdische Erfahrungsreihen einzubeziehen, OO
nach Möglichkeit zu dämpfen. Ich weiß OO
auch dann, was Sie meinen, wenn Sie nur OO
die allernötigsten Andeutungen geben. Er‐ OO
leben im Ewigen kann nicht in die nur für OO
das zeitliche Erleben ausreichende Sprache OO
„übersetzt” werden, auch wenn man eine OO
erdenmenschliche Sprache um Tausende OO
und Abertausende von Worten und Be‐ OO
griffen vermehren wollte. Unsere irdischen OO
Sprachen sind in der Zeit entstanden um OO
Zeitliches zu bezeichnen, und können un‐ OO
möglich der ihnen ganz inkommensurablen OO
Art sich gefügig erweisen, in der Ewiges zu OO
Bewußtsein kommt. Der wiederholte ei‐ OO
genwillige Versuch, das Unmögliche „viel‐ OO
238 Briefe an Einen und Viele
leicht doch” möglich zu machen, kann OO
aber zu einer Lähmung Ihrer geistigen OO
Aufnahmeorgane führen, noch bevor sie OO
hinreichend entwickelt sind, um Sie das OO
Gefährliche Ihres Drängens nach irdischer OO
Verdeutlichung erkennen zu lassen. So be‐ OO
greiflich Ihr Wunsch ist, das innerlich nun OO
so stark zu Bewußtsein Gelangende in Wor‐ OO
ten der gehirnbedingten Sprache auszu‐ OO
drücken, so verhängnisvoll kann er für Sie OO
werden. Ich will Sie aber gewiß vor dem OO
was hier droht, bewahrt sehen.
.Führen Sie auch keine Selbstgespräche OO
in sich, in der Meinung, mit Gott zu reden! OO
Gott „spricht” erst dann in Ihnen, wenn OO
Sie in sich vollkommen still zu bleiben ver‐ OO
mögen. Gott „hört” nur, was ihm IhrOO
Stillesein sagt. ‒ Und niemals „spricht” OO
Gott in Ihnen in Worten einer irdischen OO
Sprache!
.Empfangen Sie allen Segen, den Sie OO
239 Briefe an Einen und Viele
brauchen, und gehen Sie freudig und OO
sicher, aber dennoch behutsam, den Ihnen OO
erst seit so kurzer Zeit nun geöffneten OO
Weg!
Gott kann nur soviel „geben
.wie er „nimmt”,
Denn aller Gabe Maß
.ist ihm bestimmt
Durch das, was der Begabte
.freudvoll gibt,
Der seines Gottes Gabe
.mehr als alle Habe
.liebt!
240 Briefe an Einen und Viele
SCHLUSSWORT
Strenge versage ich mir
.hier über Dinge zu richten,
Die meinem Rechtspruchrechte
.erdenhaft nicht unterstehen.
Allen Gewichtigen aber,
.wie allen windigen Wichten,
Weiß ich die Wägung sicher,
.der sie gewiß
.nicht entgehen...
Jeder muß selber dereinst sich
.auf unerbittlicher Waage,
Klar offenbaren vor Allen
.an seinem Selbstrichte-Tage!
*
242 Briefe an Einen und Viele
Es wäre gewiß möglich, diese Briefe um OO
viele andere zu vermehren, und es mag OO
nicht ausgeschlossen sein, daß ich eines OO
Tages dem vorliegenden Zyklus einen zwei‐ OO
ten folgen lasse. Fürs erste aber ist genugOO
gegeben! Wenn das, was vorliegt, in dem OO
dafür ausersehenen Leser den Wunsch er‐ OO
wecken kann, mehr in dieser Form Ge‐ OO
staltetes zu eigener Förderung dargeboten OO
zu erhalten, so ist damit der Aufgabe die‐ OO
ses Buches besser entsprochen, als wenn OO
ich den Inhalt so umfangreich hätte werden OO
lassen, daß notwendigerweise die leben‐ OO
dige Übersicht über das Ganze erschwert OO
worden wäre. Das ganz kleine Schriftchen: OO
In eigener Sache” hat in zahlreichen OO
Beweisen wieder aufs deutlichste gezeigt, OO
wie die Klärung, die von Worten aus‐ OO
gehen kann, nicht vom seitenmäßigen OO
Umfang einer Bekundung abhängig ist, OO
wohl aber von der Möglichkeit, das Ge‐ OO
243 Briefe an Einen und Viele
gebene in einem Blick innerlich umfassen OO
zu können.
.Absichtlich unerwähnt ließ ich in den OO
Briefkapiteln des vorliegenden Buches die OO
durch mein ewiges Sein allein bedingte OO
sprachliche Selbstdarstellung in den drei OO
Silben „Bô Yin Râ”, die vielen an mei‐ OO
nen Lehrschriften Vorübergehenden immer OO
noch „Pseudonym” heißt, und Gegenstand OO
beharrlichster Fehldeutung bleibt... Ich OO
hatte für die Reihenfolge der Briefe einen OO
Entwicklungsgang zur Richtschnur genom‐ OO
men, der mir mit allen seinen Zwischen‐ OO
spielen aus vielen Einzelfällen her bekannt OO
ist, wobei aber der Suchende jeweils schon OO
lange bevor er das erste Wort an mich rich‐ OO
tete, sich den konventionellen Fesseln ent‐ OO
wunden wußte, die andere an gewissen gar OO
zu niedrigen Blickpunkten festhalten, von OO
denen aus nur die grotesken Zerrgebilde OO
der „Froschperspektive” zu erlangen sind. OO
244 Briefe an Einen und Viele
Unmöglich konnte ich daher in dem von OO
mir gewählten Zusammenhang einen der OO
wenigen Briefe reproduzieren, die ich vor OO
vielen Jahren gelegentlich auch über die OO
mir äquivalenten drei Silben und ihre „tra‐ OO
genden” Buchstaben zu schreiben genötigt OO
war. Hier aber das im Buchverlauf absicht‐ OO
lich Unterlassene nicht zum Schluß doch OO
noch nachholen zu wollen, wäre kaum ver‐ OO
antwortbare Versäumnis. Andererseits aber OO
liegt kein Grund vor, für das, was diesbe‐ OO
züglich zu sagen ist, die Briefform beizu‐ OO
behalten, obwohl nichts anderes zur Er‐ OO
örterung gelangen kann, als was in den OO
oben erwähnten seltenen Briefen dargelegt OO
wurde.
Immer wieder muß ich gewahren, daß man OO
in bezug auf die Silbenformel, die meinem OO
ewigen Sein entspricht, das UngewohnteOO
eines Buchstabenbildes und seines laut‐ OO
245 Briefe an Einen und Viele
lichen Ausdrucks mit dem Begriff des OO
„Fremdländischen” verwechselt.
.Der angeblich „indische” Name, dem OO
man hier zu begegnen glaubt, würde aber, OO
‒ wenn die drei Silben so gemeint wären, ‒ OO
in keiner Weise einem sprachlichen Kanon OO
indischer Namensgestaltung entsprechen. OO
Ebensowenig ist etwa hier ChinesischesOO
gemeint. Ich bitte Indologen und Orienta‐ OO
listen, mir verzeihen zu wollen, daß ich OO
solche Selbstverständlichkeit überhaupt er‐ OO
wähne. Ich bin leider genötigt dazu!
.Wenn ich mir ein „Pseudonym” hätte OO
schaffen wollen, dann wäre ja nur Wahn‐ OO
sinn imstande gewesen, den Decknamen OO
aus Sprachbezirken herleiten zu wollen, OO
die zu meiner amtsnotorischen kurmain‐ OO
zisch-fränkischen Abstammung von bäuer‐ OO
lichen Winzern, Forstleuten und ländlichen OO
Handwerksmeistern, und meinen zu keiner OO
Zeit verdunkelten äußeren Lebenswegen, OO
246 Briefe an Einen und Viele
auch nicht die leiseste Beziehung haben! OO
Könnte aber auch eher ein abenteuerlicher, OO
kauziger Sonderling, der Jahr und Tag in OO
asiatischen Ländern den ihm von Hause aus OO
Nahen verschollen war, vielleicht auf die OO
romantische Idee kommen, sich hinter ein OO
exotisches Pseudonym zu verstecken, so OO
müßte er doch schon recht weltfremd ge‐ OO
worden sein, wenn er etwa zu glauben ver‐ OO
möchte, seine Maskerade werde heute in OO
Europa von einsichtigen Menschen noch OO
ernst genommen. Alles was ich je geschrie‐ OO
ben habe, wendet sich einzig und allein an OO
Menschen, denen ein Europäer, der sich OO
hinter einem asiatischen Decknamen ver‐ OO
birgt, nur an Stätten der Kurzweil: ‒ bei OO
Künstekundigen seltsamen Könnens oder OO
körperlicher Kraft und Kühnheit, ‒ noch OO
allenfalls erträglich ist. So geht es mir na‐ OO
türlich auch selbst, und ich weiß von mir OO
auf Andere zu schließen. Zudem habe ich OO
247 Briefe an Einen und Viele
nicht eine einzige Zeile im Namen der OO
meinem Ewigen äquivalenten Silbenfor‐ OO
mel ‒ oder auch nur ihrer „tragenden” OO
Buchstaben ‒ veröffentlicht, ohne eine OO
recht ansehnliche Zahl mir Nahestehender OO
genau über das geistig Gegebene orientiert OO
zu wissen, das mir die Pflicht auferlegte, OO
meinem bürgerlichen Familiennamen nicht OO
zuzuschreiben, was ihm nicht zukommt. OO
Es war jedoch nicht der mindeste GrundOO
vorhanden, der mich hätte veranlassen kön‐ OO
nen, ein „Pseudonym” zu verwenden, und OO
überdies waren mir durch verschiedene OO
Fügungen meines Lebens, lange bevor ich OO
selbst Bücher zu veröffentlichen hatte, mehr OO
als hinreichende Einblicke in die Praxis OO
verlegerischer und redaktioneller Urteils‐ OO
bildung zuteil geworden, als daß ich mich OO
‒ selbst wenn mir ein „Pseudonym” nötig OO
erschienen wäre ‒ auch nur der leisesten OO
Täuschung darüber hätte hingeben dürfen, OO
248 Briefe an Einen und Viele
daß nichts verkehrter sein könne, als es OO
von asiatischen Sprachen herzuholen. OO
.Mit Recht weigern sich in aller Welt alle OO
Urteilsfähigen, auf irgendeine törichte Mas‐ OO
kierung einzugehen, die nur ein kläglich OO
Urteilsloser als Förderung der Aufmerksam‐ OO
keit auf ihn und seine Sache werten könnte. OO
Über die drei Silben „Bô Yin Râ” äußerte OO
ich mich schon vor geraumer Zeit in einer OO
Verlags-Flugschrift dem Sinne nach dahin: OO
‒ daß es sich hier nicht etwa um drei OO
„Worte” handelt, aus deren „Bedeutung” OO
man irgend etwas herausgeheimnissen OO
könnte, trotzdem sie als Silben auch OO
Sprachwurzeln alter Sprachen entsprechen, OO
sondern, daß diese sieben Buchstaben den, OO
meinem substantiellen urgeistigen Sein OO
äquivalenten „Namen” bilden, weil ihre OO
Laut- und Zeichenwerte meiner ewigen geiOO
stigen Wesensart entsprechen, so, wie eine OO
249 Briefe an Einen und Viele
bestimmte, in Buchstaben bezeichenbare OO
Notengruppe einem bestimmten AkkordOO
entspricht. (Das „Y” in „Yin” ist als „Ü”‐ OO
Laut zu sprechen, verwandt dem althoch‐ OO
deutschen „Win”, und kann nicht durch OO
„J” ersetzt werden. Die Dachstriche über OO
„o” und „a” sind Dehnungsanweisungen.) OO
.War ich auch in meinem Ewigen immer OO
in dem bewußt, was die Formel der drei OO
Silben Bô Yin Râ meint, so mußte ich OO
dessen doch erst im Laufe der Zeit auch inOO
meinem Gehirnbewußtsein bewußt ge‐ OO
macht werden. Hiervon handelten an der OO
genannten Stelle einige Worte, in denen OO
ich darlegte, wie mir meine geistige Schu‐ OO
lung sehr entscheidend andere Begriffe OO
vom Wesen eines wahren „Namens” nahe‐ OO
brachte, als sie landläufig hier auf Erden OO
zu finden sind. Ich berichtete kurz davon, OO
daß ich durch meine seelische Erziehung OO
zum Bewußtsein der geheimnisvollen Wege OO
250 Briefe an Einen und Viele
gelangt war, die von einem „Namen” zu OO
einem neuen „Namen” führen, wobei ge‐ OO
wisse Buchstaben dieser „Namen” wie OO
geistige „Antennen” wirken, über die dem OO
auf solche Weise unsichtbar Geführten stets OO
neue geistige Hilfe zukommt. Und im wei‐ OO
teren bekannte ich, daß ich während meiner OO
geistgeleiteten Schulung selbst manche OO
solche „Namen” getragen hatte, die ich OO
erst in stets erneuter Selbstüberwindung OO
wieder überwinden lernen mußte, bevor ich OO
meines urewigen Namens auch in meinem OO
vergänglichen Irdischen geistig wahrhaft OO
würdig werden konnte, soweit das äußere OO
natürliche Entwicklung sukzessive zuließ. OO
.Lange genug war ich bereits den mir vor‐ OO
bezeichneten Weg der „Namen” entlang OO
geschritten und wußte wahrhaftig aus eige‐ OO
ner Erfahrung um der geistgeformten Na‐ OO
men kräfteweckende Natur, aber es schien OO
mir unmöglich, meinem mir damals seit OO
251 Briefe an Einen und Viele
Jahren schon auch irdisch in seiner SubOO
stanz bewußten urewigen Namen einOO
Äquivalent in Lauten und BuchstabenOO
zu schaffen, bis mir mein geistiger Erzieher OO
inmitten anderer, mir gleich ihm im Geiste OO
Vereinten, in einer gesegneten Nacht an OO
hellenischem Meer, Augen und Ohren da‐ OO
für öffnete, wie dies dennoch möglich, ‒ OO
ja notwendig sei... Von da an hatte ich OO
nun auch die irdische Lautformel und ihre OO
Zeichen für das, was im Ewigen substanOO
tiell mein „Name” ist: ‒ geistig in ewiger OO
Zeugung durch den Vater bestimmte KraftOO
form und diese Form ewig nach einmalig OO
gesetztem Impuls aus dem Vater bewegen‐ OO
der Wille.
.Das ist das wirkliche Geheimnis um den OO
angeblich „indischen” Namen, in dem man OO
aus gewohnter eigener Perspektive her ein OO
„fremdländisches” Pseudonym zu erken‐ OO
nen glaubt!
252 Briefe an Einen und Viele
Da aber nichts im ewigen Sein, und daher OO
auch nichts im irdischen Dasein isoliert in OO
sich selbst ruht, so ist auch das, was ich in OO
meinem ewigen Namen bin, dem die For‐ OO
mel: Bô Yin Râ ja nur irdischen Ausdruck OO
schafft, mit unendlich vielem in enger und OO
ferner Verbindung, wodurch denn auch in OO
mancher Deutung, die man dieser erden‐ OO
sinnlich faßbaren Formel gibt, ‒ sei es auf OO
Grund von sprachlichen, laut- und tonmäßi‐ OO
gen, oder aus den Buchstabenzeichen her‐ OO
stammenden Assoziationen, ‒ mehr WirkOO
lichkeitsentsprechung steckt, als die je‐ OO
weiligen „Entdecker” und zu den merk‐ OO
würdigsten Vergleichen greifenden „Deu‐ OO
ter” ahnen können.
.Daß es mir wider den guten Geschmack OO
geht, die auf Grund gegebener Assozia‐ OO
tionen möglichen Analysen der drei Silben OO
auch noch gar durch Hinweise selbst zu OO
fördern, ‒ wie es oft genug von mir ver‐ OO
253 Briefe an Einen und Viele
langt wurde, ‒ wird man wohl verstehen OO
lernen müssen. Keinem einzigen, der meine OO
Lehrschriften Befragenden könnte sein Weg OO
leichter gangbar werden, wenn er auch ge‐ OO
nauestens wüßte, welche Lande uralter re‐ OO
ligiöser Kultur mir zur Zeit der Vorberei‐ OO
tung auf mein irdisches Wirken seelisch‐ OO
geistig schon heimliche Heimat waren, und OO
ebensowenig würde es einem Suchenden OO
auch nur das geringste nützen, wenn er OO
alle ‒ mir selbst sehr gleichgültigen ‒ ge‐ OO
heimen Bedeutungen der Buchstaben in OO
den drei Silben, sowie ihre im Orient tra‐ OO
ditionellen Zahlwerte entdeckt hätte. Man OO
darf nicht von mir Erörterungen über OO
Dinge erwarten, denen ich selbst in mei‐ OO
ner eigenen Lebenssphäre bewußten Wil‐ OO
lens alle besondere Beachtung versage, weil OO
sie in der mir dargebotenen Zeit, inner‐ OO
halb der Welt, die mir Wirkungsbereich OO
ist, ohne Gegenwartsbedeutung sind.
254 Briefe an Einen und Viele
.Wer es nicht lassen kann, jeglichen Fähr‐ OO
ten nachzuspüren, die seinen Pfad zum OO
Lichte auf allen Höhenlagen von irgend‐ OO
einer Richtung her kreuzen, der wird OO
schwerlich in diesem Erdenleben dahin ge‐ OO
langen, wohin besonnenes Weiterschreiten OO
ihn gelangen lassen könnte. Auch die edel‐ OO
ste Wißbegier wird Verführung, wenn sie OO
vom eigenen Wege abziehen will, und ich OO
kann unmöglich dem Vorschub leisten, was OO
ich als den Suchenden hindernd erkenne. OO
Es gibt auch wirklich noch genug Aufgaben, OO
die mir näherliegen, als die Befriedigung OO
grübelnder Neugier!
.So schließe ich heute dieses Buch, wie OO
ich es geschrieben habe: ‒ seine, ihm vonOO
mir geistig erlesenen, zubestimmten LeOO
ser segnend aus dem ewigen Licht, ‒ in OO
meinem ewigen Namen
Signatur
255 Briefe an Einen und Viele
ENDE