MEHR LICHT
Verlagslogo
NOCHMALS DURCHGESEHENE,
TEILWEISE VERÄNDERTE AUTHENTISCHE
LETZTAUSGABE
KOBER'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG AG
BERN
3.Auflage
Unveränderter Nachdruck
der 1936 erschienenen Letztausgabe
© 1968 Kober'sche Verlagsbuchhandlung AG, Bern
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere die der Übersetzung
in fremde Sprachen und der Verbreitung in Rundfunk und
Fernsehen
Druck: Schüler AG, Biel (Schweiz)
UM DEN BEDINGUNGEN DES URHEBERRECHTES
ZU ENTSPRECHEN, SEI HIER VERMERKT, DASS
ICH IM BÜRGERLICHEN LEBEN DEN NAMEN
JOSEPH ANTON SCHNEIDERFRANKEN FÜHRE,
IN MEINEM EWIGEN SEIN HINGEGEN IMMER DER
WAR UND BLEIBE, DER DIESE BÜCHER ZEICHNET
BÔ YIN RÂ
INHALT Seite
Zu diesem Buch 5
Geleitwort 11
Denen, die des Schlafens müde wurden 21
Die Baumeister am Dome der Menschheit 59
Theosophie und Pseudotheosophie 99
Von den drei Stufen 149
Was es zu fassen gilt! 173
Das Mysterium der künstlerischen
Ausdrucksform
199
Westöstliche Magie 211
Das Licht des Geistes im Christentum 225
Das Geheimnis der alten Dombauhütten 251
Vom rechten Gottesdienst 271
Originalscan
Zu diesem Buch
Dieses Buch ist aus einer Sammlung ehe‐ OO
dem schon einzeln veröffentlichter Ab‐ OO
handlungen hervorgegangen, die in ersterOO
Form verbunden, bereits im Jahre 1921OO
herausgekommen war. Einzelne, den Sinn OO
schärfer bestimmende Veränderungen wur‐ OO
den durch den Neudruck endgültig er‐ OO
möglicht.
.Mittlerweile habe ich mit dem Buche OO
„Hortus conclusus” mein geistiges Lehr‐ OO
werk abgeschlossen, wobei ich auch demOO
Ganzen die symbolische Bezeichnung über‐ OO
ließ, die Name seines letzten Bandes wur‐ OO
de. Was ich in den zweiunddreißig orga‐ OO
nisch vereinten Lehrgaben dieses Ganzen OO
hinterlasse, ‒ und somit auch das hier vor‐ OO
liegende Buch, ‒ würde aber eine sehr OO
unzulängliche Betrachtungsweise erfahren, OO
wollte man es ausschließlich als „schrift‐ OO
stellerische Produktion” auffassen. Wenn OO
auch das ganze Lehrwerk nicht vorhanden OO
7 Mehr Licht
wäre, hätte ich ihm nicht seine sprachOO
liche Formung geschaffen, so ist doch seinOO
Inhalt mit mir selbst: ‒ mit meinem bleiOO
benden Sein aus dem ich lebe, ‒ identisch, OO
und nicht nur „Hervorbringung”, nicht OO
Werk irdischen Gestaltungsdranges! Bis OO
zu meinen Tagen sind unter allen Völkern OO
der Erde noch keine zehn Erdenmenschen OO
im zeitlichen Dasein gewesen, die sprach‐ OO
liche Identität ihres eigenen ewigen Seins OO
mit irdischem Empfindungsgute herzustelOO
len vermochten. Wer es konnte, der durfte OO
freilich jederzeit mit allem Rechte sagen: OO
„Himmel und Erde werden vergehen, OO
aber meine WORTE werden nicht ver‐ OO
gehen!” ‒ Auch was in den „Vor-” und OO
Nachworten” meiner Lehrtexte zu fin‐ OO
den ist, gehört noch zumeist zu diesen OO
„Worten” und darf nicht von dem, was es OO
umschließt, gesondert werden!
8 Mehr Licht
Wie man Edelsteine, die längst ihre end‐ OO
gültige Gestalt erhalten zu haben schie‐ OO
nen, zuweilen neu schleifen läßt, damit OO
sie mehr Licht widerzustrahlen vermö‐ OO
gen, so ist der Inhalt dieses vorliegenden OO
Buches aufs neue „geschliffen” worden, OO
und Keiner, der die vormalige Gestaltung OO
kannte, wird heute daran zweifeln kön‐ OO
nen, daß die neue Schleifung das vorhan‐ OO
dene kristallene Material zu der ihm wahr‐ OO
haftig entsprechenden, erhöhten Geltung OO
gebracht hat. Ich kann das Buch nur inOO
dieser ihm neu zuteil gewordenen GeOO
staltung innerhalb meines nun abge‐ OO
schlossenen Lehrwerkes gelten lassen. Das OO
betrifft insbesondere auch jene Kapitel, OO
die um der allseitigen Klärung willen, OO
neue Bezeichnungen erhalten mußten.
.Viele meiner Worte waren in Vorspann‐ OO
dienste genommen worden, wo sie keines‐ OO
falls angeschirrt werden wollten, so daß OO
9 Mehr Licht
es mir zur Pflicht wurde, sie hinfort vor OO
jeder Verkennung und irrigen Verwen‐ OO
dung zu schützen, obwohl solcher Schutz OO
‒ weiß der Himmel ‒ unnötig sein sollte, OO
da ich niemals den geringsten Zweifel OO
daran aufkommen ließ, daß ich keinerleiOO
menschlicher Institution diene und gei‐ OO
stig von keiner menschlichen Ideologie OO
abhängig bin. Es handelte sich in jedem OO
einzelnen der zweiunddreißig Abschnitte OO
meines geistigen Lehrwerkes ewigkeitsbe‐ OO
stimmt darum, mir selbst einen SprachOO
körper zu gestalten, in dem ich anderen OO
aufnehmbar werden könne. Mag auch OO
mein geistiges Leben im Laufe kommen‐ OO
der Jahrhunderte Unzähligen auf geistige OO
Weise zu ihrem Eigenbesitz werden, so OO
wird es doch jedem Einzelnen jeweils unOO
geteilt gehören: ‒ substantiell einver‐ OO
schmolzen seiner eigenen ewigen geisti‐ OO
gen Substanz.
10 Mehr Licht
GELEITWORT
Es gibt Zeiten der Menschheitsgeschichte, OO
in denen der Mensch der Erde sich gänz‐ OO
lich von seiner geistigen Urheimat ver‐ OO
lassen fühlt, ja diese Urheimat auch nur OO
noch ahnend zu erglauben nicht mehr OO
fähig ist.
.Hinwiederum aber gibt es andere Zei‐ OO
ten, in denen viele Sucher aus aller Mensch‐ OO
heit sich wieder hin zum Geistigen wen‐ OO
den, dunkel fühlend, daß auch der MenschOO
auf dieser Erde des Geistes Erbe für sich OO
erlangen könnte, aber nicht mehr desOO
Weges bewußt ist, der zum wesenhaften OO
Geiste führt. So sucht man und tastet im OO
Dunkel, ‒ zwar bemüht, diesen Weg zu OO
finden, aber auch jedem Irrweg blind ver‐ OO
trauend, wenn er nur seltsam und ge‐ OO
heimnisvoll erscheint.
.Hier gilt es „mehr Licht” in das ver‐ OO
13 Mehr Licht
wirrende Dunkel zu bringen, denn Un‐ OO
zählige irren planlos zu solchen Zeiten in OO
den Labyrinthen der Spekulation umher, OO
oder laufen vermeintlichen geistigen „Füh‐ OO
rern” nach, die ihre Anhänger nur zu sich OO
selbst und ihrer eigenen Torheit ver-führen. OO
Wir stehen inmitten einer solchen ZeitOO
des Suchens nach dem Geiste, auch wenn OO
zugleich noch allenthalben der brüske OO
Tiermensch billige Triumphe feiert.
.Es wäre unverantwortlich, wollte man OO
sagen, daß nur „Sensationsbedürfnis”, eitle OO
Neugier und hochmütiger Drang nach Er‐ OO
weiterung ihres Wissens alle Suchenden OO
leite, die da heute trotz aller Gegenströ‐ OO
mung dem Lichte des Geistes zustreben.
.Es wäre töricht, jene Suchenden gering‐ OO
zuschätzen, die in den Formen alter ReliOO
gionen den roten Faden zu finden hoffen, OO
14 Mehr Licht
der sie aus den dunklen Irrgängen philo‐ OO
sophischer Spekulation heraus, zu wahrer OO
Erkenntnis führen könne.
.Es gibt gar manche Möglichkeit, dem OO
Dunkel zu entrinnen, und wer ihm zu ent‐ OO
rinnen vermag, der soll nicht fragen, ob OO
es auch „noch andere” Wege gäbe, zum OO
freien Ausgang zu gelangen, wenn nur OO
sein Weg ihn wirklich zum Lichte leiten OO
konnte.
.Unter den Suchenden in heutiger Zeit OO
gibt es aber schon zu viele, die bereits OO
müde des Suchens sind, weil jeder Weg OO
der von ihnen eingeschlagen wurde, sich OO
als Irrweg erwies, und weil jeder vorgeb‐ OO
lich geistige „Führer”, dem sie blindlings OO
vertrauten, sich schließlich als ebenso unOO
wissend und des Weges unkundig zeigte, OO
wie die von ihm geführte Schar.
15 Mehr Licht
.Für diese so zahlreichen unter den Su‐ OO
chenden schreibe ich in erster Linie, als OO
einer, der nur von Dingen redet, die ihm OO
vertraut sind, wie sie nur selten einem OO
Erdenmenschen vertraut werden können. OO
Jene andere Art der Suchenden aber, die OO
bereits gefunden zu haben glaubt, wird OO
hier einen Prüfstein erhalten, der untrügOO
lich Echtes von Täuschendem scheidet.
Die einzelnen Abhandlungen dieses Bu‐ OO
ches sind für sich gesondert entstanden und OO
gesondert lesbar.
.Sie wurden jeweils geschrieben, um vie‐ OO
len Fragenden gemeinsame Antwort zu er‐ OO
teilen, da meine Zeit und Kraft schon da‐ OO
mals nicht ausgereicht haben würde, um OO
jede persönliche Frage auch gesondert zu OO
erörtern. Die Themen ergaben sich aus OO
16 Mehr Licht
den Fragestellungen. Es mußte daher auch OO
manches erwähnt werden, was ich ohneOO
wirklich begründete Anfrage gewiß nicht OO
der Erörterung für wert erachtet haben OO
würde. Auch die unvermeidbaren Wieder‐ OO
holungen sind durch die Art der Anfragen OO
gerechtfertigt.
.Aber alle Kapitel dieses Buches sind OO
dennoch, wie das nicht anders sein kann, OO
aufs engste im Geistigen verbunden, und OO
bilden in ihrer Gesamtheit eine Grundlage, OO
auf der jeder Einzelne in seiner Art mitOO
Sicherheit weiterbauen kann, stets aufOO
festen Fundamenten fußend.
.So dürfte es denn kaum einen Leser ge‐ OO
ben, der nicht aus dem hier vorliegenden OO
Buche reichsten Gewinn zöge: ‒ dem es OO
nicht wirklich „mehr Licht” zu bringen OO
imstande wäre. Allerdings wird sich der OO
17 Mehr Licht
nach Einsicht Verlangende darüber klar OO
werden müssen, daß wirkliche Einsicht in OO
die Geheimnisse geistigen, unzerstörbaren OO
Lebens nicht durch ein neues religiösesOO
oder philosophisches Lehrsystem zu er‐ OO
langen ist. Daher wird der Suchende in OO
meinen Schriften kaum je einem soge‐ OO
nannten „Lehrsatz” begegnen, der sich OO
systematisch einem anderen anschließen OO
möchte. Ich zeige vielmehr dem Suchen‐ OO
den das Geistige, dem er zustrebt, von den OO
verschiedensten Gesichtspunkten her in OO
immer wieder neuen Bildern, seinem Füh‐ OO
len vertrauend und sein eigenes Urteil an‐ OO
rufend, damit er aus dem so Vielfältigen OO
sich die innere Gewißheit selber verschaffe, OO
die jede Seele sich nur selbst zu gebenOO
vermag. Es liegt mir nicht das geringste OO
an der Zustimmung des Verstandes, die OO
ich etwa bei einem Aufnehmenden meiner OO
Worte finde. Ich will ihm lediglich die OO
18 Mehr Licht
innere Verfassung erreichen helfen, in der OO
allein ihm offenbar werden kann, was das OO
Dunkel um ihn her seiner Seele verbirgt! OO
.Es wäre total verkehrt, in meinem Lehr‐ OO
werk „Lehrsätze”, ‒ also: formgefaßte OO
und nur in dieser Formung allein gültige OO
Behauptungen aufspüren zu wollen. Man OO
wird nur dann zu der von mir in diese OO
Zeit gebrachten Lehre gelangen, wenn OO
man jedes der einzelnen Lehrstücke auf OO
die eigene Seele wirken läßt, indem man OO
in jedem zuerst nur mein ewiges geistigesOO
Sein zu empfinden sucht. Hat man dieses, OO
mein ewiges, wahres „Sein” endlich emp‐ OO
funden, so wird man auch aus ihm heraus OO
alle „Antwort” in sich selbst erlangen, OO
nach der man begehrt, und zugleich die OO
Gewißheit ihrer unumstößlichen Wahrheit OO
als Zeugnis ewiger Wirklichkeit.
.Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, daß OO
man in persönlicher Unterredung mitOO
19 Mehr Licht
mir vielleicht mehr Aufschlüsse erlangen OO
könne, als in den von mir gestalteten OO
Lehrschriften zu finden sind. Wer mit mir OO
spricht, der steht meiner körperlichenOO
vergänglichen Erscheinung gegenüber, ‒ OO
nicht mir, für den ihm ja alle Wahrneh‐ OO
mungsorgane fehlen! Ich kam ihm wohl OO
antworten über das Vehikel des mir zeit‐ OO
begrenzt dargebotenen Gehirns, aber es OO
ist ganz unmöglich, mir in seiner Gegen‐ OO
wart die Sprachgestaltung zu schaffen, OO
durch die ich substantiell in ihn einzu‐ OO
gehen vermag. ‒ Dazu gehört EinsamkeitOO
und absolute Isolation von SchwingungenOO
anderer Gehirne: ‒ unvorstellbar inten‐ OO
sive Konzentration!
20 Mehr Licht
DENEN, DIE DES SCHLAFENS
MÜDE WURDEN
Ein Präludium
Es geschehen Zeichen und Wunder in OO
unseren Tagen, und der Geist fährt wie ein OO
Sturmwind über die Erde hin, aber die OO
Menschen dieser Erde liegen im tiefen OO
Schlafe und sind nicht wachzurütteln.
.In ihren Träumen suchen sie das WunOO
der und verschlafen darüber des Wunders OO
Wirklichkeit.
.Aber selbst in ihren Träumen suchen sie OO
nur das Zeichen der Finsternis und wür‐ OO
den Schrecken und Angst erdulden, könn‐ OO
te das Zeichen des Lichtes sie im Traume OO
erreichen.
.So fabeln die einen, im Traume lallend, OO
von einer Begründung des ihnen liebge‐ OO
wordenen Glaubens durch ihre WissenOO
schaft, indes die andern allen GlaubenOO
durch ihr Wissen überwunden wähnen.
23 Mehr Licht
.Keiner aber ahnt, daß wache WirklichOO
keit, von seinen Träumen unberührt, we‐ OO
der gedankliches Wissen noch Glauben im OO
Sinne eines Fürwahrhaltens braucht, um OO
Wunder und Zeichen zu gebären.
.Keiner ahnt, daß Wunder und Zeichen OO
ihn umgeben, während er sich, im Traume OO
suchend, unruhig wild im Schlafe wälzt.
Wären zu allen Zeiten nicht wenigstens OO
einige Wenige gewesen, die gewaltsam OO
ihrem Schlafe sich entrissen, dann wäre OO
auch für die Anderen kein Erwecken mög‐ OO
lich, und in ihren Träumen müßten sie OO
dem Allbewußten entschwinden wie ein OO
Traum.
.So aber fanden Fürsten des Lichtes we‐ OO
nigstens einige wache Augen und Ohren, OO
24 Mehr Licht
denen sie des Lichtes Zeichen deuten, OO
denen sie das Wort des Lichtes künden OO
konnten, und diese wenigen Erwachten OO
sind die Einzigen, die euch auch heute, OO
an diesem eurem Tage, aus dem Schlafe OO
rütteln können, wenn ihr erwachen wollt, OO
und euer Schlaf nicht schon des Todes OO
bleierne Umhüllung ist.
Wer diese Worte liest, wenn auch in tie‐ OO
fem Traum befangen, der suche in sich OO
Erinnerung in seinen tiefsten Schächten! OO
Vielleicht wird dort, in trübem Dämmer‐ OO
licht, sich noch ein Kleinod finden, das OO
ihm als teurer Fund den reichen Schatz OO
gleichwie in ferner Ahnung zeigt, den OO
einst auch er besaß!
.Wer aber so in Schlaf gebunden ist, daß OO
er auch diesen letzten Schimmer der Er‐ OO
innerung an waches Vor-Sein nicht mehr OO
25 Mehr Licht
in sich finden kann, der lese diese Worte OO
nicht, denn ohne Macht, ihn heute seinem OO
Schlafe zu entreißen, könnten sie ihm nur OO
die liebsten, altgewohnten Träume stören, OO
die ihn ergötzen bis zu einem unerwünsch‐ OO
ten Tage, der ihn dann doch erkennen las‐ OO
sen muß, daß alles vordem so „Leibhaf‐ OO
tige” nur Traum und Irrung war.
.Soll ich euch mehr als leere Worte ge‐ OO
ben, dann muß ich manchem heißgelieb‐ OO
ten Traum ein Ende setzen.
.Soll ich euch wirklich aus dem SchlafeOO
lösen, dann darf mein Wort sich nicht vor OO
harter Rede scheuen.
.Soll ich euch heute zu euerem TageOO
erwecken, dann muß ich alle matten, OO
müden, schlafbeschwerten Worte eurer OO
erträumten Erlöser und Heilande mei‐ OO
den.
26 Mehr Licht
Auch ich war einst, ‒ wenn auch nur von OO
außen her, ‒ dieser traumgeborenen Hei‐ OO
lande träumender Schüler, bevor man OO
mich wachgerüttelt hatte und ich alsdann OO
erkannte, daß nur ein einziger „Hei‐ OO
land” uns von Urzeit an geboren ist, den OO
nie die süße Moderluft des Traumes ahnen OO
läßt.
.Wohl kamen euch Stimmen Rufender OO
in eure Wüsten, wohl wurde der eine HeiOO
land der wachen Wirklichkeit zu allen OO
Zeiten von einer „Jungfrau”, ohne Zeu‐ OO
gung, geboren, allein der tosende Ton des OO
Muschelhorns, das alle zu ihm rief, die OO
starker Künste Könner werden sollten, OO
war euch viel zu rauh und wild, und störte OO
eurer Träume Spiel.
.So habt ihr die Urweltklänge, die sein OO
Odem neu und wieder neu ertönen ließ, OO
zu einer sanften, süß-verführerischen OO
27 Mehr Licht
Schäfermelodie gewandelt, damit sie woh‐ OO
lig euch in neue Träume wiege.
.Hinter Jedem, den ihr „Heiland” und OO
„Erlöser” nennt, stand einer, der es wirkOO
lich war, weil jeder, der von euch so Be‐ OO
nannten in Wahrheit jenen einen, ewigenOO
Heiland in sich trug, und aus Schlaf und OO
Traum erwacht, „des Menschen Sohn” in OO
sich vollendet hatte! Doch eure phantasti‐ OO
schen Bilder dieser Großen, die ihr nun OO
im Träumen ehrt und lobt, sind WerkeOO
eurer Träume: ‒ wesenlos und Schatten OO
gleich. ‒
Ob ihr euch Gottesgläubige oder Gottes‐ OO
leugner nennt: ‒ in beiden Fällen redet OO
ihr von einem „Gotte”, den ihr selbst erOO
träumt, von einem „Gotte”, den ihr nichtOO
mehr träumen wollt.
28 Mehr Licht
.Ihr treibt den lächerlichsten Götzen‐ OO
dienst und träumt, den „einen”, wahren OO
Gott zu „kennen” und zu „ehren”. ‒ Ihr OO
leugnet euren Gott, und schafft euch neueOO
Götter, die nicht weniger Gebilde eurer OO
Träume sind. ‒ Nicht einer aus euch ahnt OO
in seiner Traumbenommenheit, daß aller OO
Streit, den ihr um Gott und Nicht-Gott OO
führt, nur wesenloses Nichts dem wesen‐ OO
losen Nichts entgegenstellt.
Aber so, wie hinter euren erträumten Er‐ OO
lösern und Heilanden ein wirklicher „Hei‐ OO
land” steht, so ist auch euer GottestraumOO
bedingt durch eine Wirklichkeit, die eurer OO
Träume Maß verachtet.
.Auch ich, der ich heute wachend zu OO
euch rede, lag voreinst in euren Gottes‐ OO
träumen, habe euren „Gott” geglaubt und OO
29 Mehr Licht
habe ihn geleugnet, bis ich, ‒ erwachend OO
in meinem Ewigen, ‒ sah, daß nie ein OO
Traum, dem unbewußten Traum des Er‐ OO
denmenschen gleich, die Größe des lebenOO
digen Gottes faßt.
.Mit Donnerworten möchte ich euch aus OO
dem Schlafe erwecken, um euch der laut‐ OO
losen Stille des ewig wachen Lebens der OO
Wirklichkeit zuzuführen, in der alleinOO
der „lebendige Gott” in euch geboren OO
werden kann!
.In euch, ‒ in dir und in dir, ‒ muß er OO
sich selbst im irdischen Bewußtsein geOO
bären können, damit er euch erfahrbar OO
sei! ‒
.Nicht im All und nicht außer dem All ist OO
er von dir für dich zu finden, bevor er OO
nicht in dir ‒ und in dir allein für dichOO
leibhaftig ‒ geboren wurde!
.Du lästerst deinen lebendigen Gott, ob OO
30 Mehr Licht
du nun den „Gott” deiner Träume glaubst, OO
oder ob du ihn träumend leugnest!
.Du lästerst das ewige Sein, das einzigOO
Wirkliche, das sich in dir zu deinem leOO
bendigen Gotte formen will und dessenOO
Form du bist, indes du dich im Traume OO
für „Das Werk seiner Hände” nimmst!
Vom Winde gejagten Vögeln gleich hat OO
eure Vorstellung von „Gott” eine Sphäre OO
erreicht, weit jenseits aller wachen WirkOO
lichkeit. Ihr habt euch träumend einen OO
„Gott” erdichtet, der nur ein intellekOO
tueller Fetisch ist. ‒ Der Wilde schafft OO
sich einen „Gott” aus einem Baumklotz, OO
den er mit dem Messer formt, bis er zu OO
seiner Seele spricht. Ihr aber schuft euch OO
euren „Gott” im Denken aus Gedanken! OO
‒ Er „muß” vermeintlich so sein wie ihr OO
31 Mehr Licht
ihn haben wollt, und wenn ihr, selbst im OO
Traum, entdeckt, daß niemals WirklichesOO
aus eurem Götzen redet, dann gebt ihr OO
doch die Vorstellung nicht auf, daß „Gott” OO
nur so, wie ihr ihn selbst gestaltet habt, OO
sein Dasein haben könnte, ‒ wäre er im OO
Dasein.
.Ihr wißt nicht, daß der lebendige Geist, OO
soll er des Erdenmenschen „Gott” sein, OO
den Menschen, der aus ihm hervorgeht, OO
braucht, „nach seinem Bilde” sich zu for‐ OO
men. Das ungeformte Meer des GeistesOO
wollt ihr fassen, und es entgleitet, indem OO
ihr es zu halten wähnt, euren Händen!
.Einst sagte euch einer: „Der Geist er‐ OO
forscht alles, auch die Tiefen der GottOO
heit! ‒ ” Ihr aber erdreistet euch in euren OO
Träumen, auch den Geist zu erforschen, ‒ OO
gebt ihm wünschenswerte Attribute, und OO
32 Mehr Licht
nennt ihn, eurer Weisheit froh, in aller OO
vermeintlichen Ehrfurcht ehrfurchtslos: OO
‒ euren „Gott”!
.Die ihn leugnen, bleiben dennoch ihrem OO
Wahn verhaftet, denn ihr Leugnen ist OO
Wahn, wie der anderen träumender GlauOO
be. Gedanken schaffen den Götzen, und OO
Gedanken zerstören den Gedachten, ohne OO
die Wirklichkeit auch nur von ferne zu OO
berühren.
Wahrlich, eine Wirklichkeit ist UrsacheOO
dieses Wähnens der Träumenden, aber sie OO
wäre nicht Wirklichkeit, könnte TraumOO
wahn sie jemals betasten.
.Unnahbar wie der Blitz, der von Wolke OO
zu Wolke überspringt, blendend wie die OO
Sonne am Mittag und sogleich wieder in OO
33 Mehr Licht
Nacht gehüllt, ist jenes Wirkliche ewigOO
lebendig, und wirkend sich selbst in sei‐ OO
ner gewaltigen Macht und Größe.
.Aber es ist unendlich ferne eurer Vor‐ OO
stellung vom „Geiste”, ‒ unendlich ferne OO
jeder Vorstellung von „Gott”, die hier auf OO
diesem Erdball „Religionen” schuf.
.Und doch: ‒ wenn je ein „Gott” den OO
Gläubigen erhört, mag dieser Gläubige OO
nun: Brahma, Allah, „Vater”, „Herr” und OO
„Heiland”, Christus oder Buddha rufen, OO
so ist es einzig jene Wirklichkeit, die ihm OO
Erhörung schafft. ‒
.Nur wirklich Erwachten wird sie offenOO
bar.
.Nur denen, die den Schlaf und seine OO
Träume für immer verlassen haben, gibt OO
sie sich zu erkennen.
34 Mehr Licht
.Nur wer erwacht, mit wachen SinnenOO
seinen Gott vernehmen kann, darf hoffen, OO
daß er in ihm selbst das Wort des LebensOO
spreche.
.Solange du noch glaubst, in deinen TräuOO
men der Gottheit zu begegnen, mußt du OO
es dulden, daß dich deine selbstgeschaf‐ OO
fenen Götzen äffen und du ihr Spielball OO
wirst.
Glaube nicht, diese Götzen seien machtOO
los, wie du selbst dir erscheinst! ‒
.Du selbst hast sie mit Macht begabt und OO
weißt es nicht!
.Noch ahnst du nicht, daß du mit Macht OO
begaben kannst, und daß gerade darin OO
deine Macht besteht, daß über Mächte du OO
35 Mehr Licht
gebieten kannst, die weitaus mächtigerOO
sind als du...
.So hast du dir Götzen erdacht, und den‐ OO
kend sie mit Macht begabt durch deinen OO
Glauben!
.Ihr spottet des Glaubens oder wollt ihn OO
durch Wissenschaft stützen, aber ihr wißt OO
noch nicht, daß euer Glaube mehr ist als OO
das, was ihr glaubt!
.Im Glauben ist euch eure höchste KraftOO
gegeben, weil ihr durch den GlaubenOO
Mächte euch zu Dienern machen könnt, OO
die urgewaltig wirken, wo sie durchOO
den Glauben frei von ihren Fesseln wer‐ OO
den.
.Ihr könnt diese Mächte zum DienenOO
zwingen durch den Glauben, und könnt OO
36 Mehr Licht
sie zwingen, euch zu quälen, ja euch zu OO
vernichten!
.Durch das, was ihr von eueren selbst‐ OO
erdachten Götzen glaubt, habt ihr sie OO
reich begabt mit Macht, ‒ und wahrlich, OO
diese Macht ward nicht zu eurem Segen, OO
denn ihr glaubt euch eure Götzen selbstOO
zu Kerkermeistern!
.In unserer Zeit ward euch oft gesagt, OO
daß Gedanken „Dinge” seien, „wirklich”, OO
wie die greifbare „Wirklichkeit” der Din‐ OO
ge dieser Erde, doch ich sage euch, eure OO
Gedanken sind wahrhaftig mehr als die OO
„Dinge” dieser Erde, ‒ sind Kräfte: ‒ OO
einzielige Bewußtheiten, denen nichts auf OO
dieser Erde zu vergleichen ist, ‒ erfüllt OO
mit gierigem Lebenswillen, dem ihr durch OO
euer Denken Nahrung schafft!
37 Mehr Licht
.Aus solchen Kräften habt ihr eure Göt‐ OO
zen gebildet und sie durch euren Glauben OO
mit der Macht begabt, euch Gutes oder OO
Böses anzutun nach ihrem Willen.
.Ihr sagt: „Wen Gott lieb hat, den züch‐ OO
tigt er,” ‒ und euer „Gott”, ‒ von euchOO
geschaffen aus einzieligen BewußtseinsOO
energien, ‒ ist durch euch selbst geOO
zwungen, euch zu quälen, je brennender OO
ihr das Vorstellungsbild, das ihn formte, OO
liebt...
.Ihr könnt aber den Gott eurer Träume, OO
den Milliarden seit ferner Vorzeit schufen, OO
nicht von heute auf morgen vernichten, OO
auch wenn ihr stolz verkündet: „Gott ist OO
tot!”
.Er wird euch immer wieder zeigen, daß OO
er noch am Leben ist, sich nährend von OO
38 Mehr Licht
Unzähligen, die ihn aufs neue erdenken, OO
und seiner Macht gewaltig, die ihm täglich OO
neuer Glaube gibt.
.Er spottet eurer Traumes-Übermen‐ OO
schen-Herrlichkeit und läßt euch ruhig OO
rufen: „Gott ist tot!” ‒ derweil sein Le‐ OO
ben auf Jahrtausende gesichert ist, durch OO
tausendjährig wiederholten Glauben.
.Nicht eher werdet ihr euch seiner Macht OO
entwinden, als bis für euch der Tag er‐ OO
scheint, der euch dem Schlaf und Traum OO
entreißt.
Aber noch seid ihr des Traumes Sklaven! OO
.Noch liebt ihr den Traum, der euch den OO
Tag verbirgt, und haltet ihn für waches OO
Leben.
39 Mehr Licht
.Ihr ahnt noch kaum, daß selbst die OO
Träume eurer Erdennächte näher sind OO
dem wirklich wachen Leben, als das, was OO
ihr die Wirklichkeit des lichten Tages OO
nennt...
.Noch liebt ihr allzusehr die Enge eurer OO
Träume, gleichwie der Vogel, der im Kä‐ OO
fig aus dem Ei entschlüpfte, nicht ent‐ OO
flieht, auch wenn die Türe seines Kerkers OO
offen steht.
.Der Vogel fühlt sich darin heimisch, OO
weil er nur die Stäbe seines Bauers, die OO
ihm die Freiheit rauben, kennt und liebt, OO
und ebenso fühlt ihr euch nur heimisch OO
in eurem Wissen von den Dingen, die ihr OO
gut zu wissen glaubt.
.Es ist euch un-heim-lich, aus den Ker‐ OO
kerwänden dieses Wissens hinaus zu flie‐ OO
40 Mehr Licht
hen in jene freie, wache Welt der WirkOO
lichkeit, die jenseits allen Wissens ist, ‒ OO
die nur erfährt, wer selber in ihr: wirklichOO
wird, und also zu sich selber kommt, be‐ OO
freit von aller Qual des Wissen-Wollens. OO
.Redet euch dann aber wahrhaftig einmal OO
einer, der davon reden kann, von dieser OO
Welt der Wirklichkeit, die ihn umgibt, ob‐ OO
wohl er selbst auch noch das Traumreich OO
kennt, in dem ihr lebt, ‒ sofort seid ihr OO
bereit, mit tausend Fragen ihn zu über‐ OO
fallen, deren Antwort euer Wissen mehren OO
soll, doch selten nur will einer alles WissenOO
seinen Träumen schenken, und wirklichOO
werden in der von ihm vielleicht schon ge‐ OO
ahnten Welt der Wirklichkeit...
.Hier aber liegt der Schlüssel in tiefem OO
Schachte verborgen, seit Ewigkeit gehütet OO
von den „Müttern”!
41 Mehr Licht
.Wer nicht hinabsteigt zu ihnen, wird OO
ihn nicht erlangen.
.Wer nicht das Wissen seines Traumes OO
seinem Traume überläßt, und mutig auf OO
sich selbst verzichtend, sich ins UngeOO
wußte, niemals seinem Wissen Unterwor‐ OO
fene wenden will, der wird, in seinenOO
Träumen vermeintlich wissend, ewig suOO
chen können, ohne je zu finden, was er OO
sucht.
.Er liebt seinen Traum zu sehr, als daß OO
ihm jemals ein machtvoller Wille zum Er‐ OO
wachen erwachsen könnte.
.Euer Wissen-Wollen ist es, das euch OO
vom Erkennen ferne hält! ‒ Euer WissenOO
Wollen ist es, das euch nicht erwachenOO
läßt! ‒
42 Mehr Licht
.Euer Wissen-Wollen ist es, das euch zu OO
Sklaven eurer Götzen macht, wie immer OO
ihr sie auch mit Namen nennen mögt!
.Solange ihr aber einem selbstgeschaffe‐ OO
nen Götzen ausGedankentrieben” un‐ OO
terworfen seid, auch wenn ihr ihn „den OO
einen, wahren Gott” zu nennen pflegt, OO
kann niemals lebendiger Geist sich selbst OO
in euch zu eurem „lebendigen Gott” ge‐ OO
bären.
Bevor der „lebendige Gott” in dir gebo‐ OO
ren ist, mußt du notwendigerweise ein OO
„gottloser Götzendiener deiner Traum‐ OO
welt” sein.
.Bevor der „lebendige Gott” in dir ge‐ OO
boren ist, bist du lebendig tot, und ahnst OO
noch nicht in deinen kühnsten Träumen, OO
43 Mehr Licht
was dein Leben in Wahrheit ist, ‒ dein OO
Leben, das du, träumend, längst zu ken‐ OO
nen glaubst.
.Bevor der „lebendige Gott” in dir ge‐ OO
boren ist, muß das „Wissen” deiner OO
Traumwelt dich am Gängelbande führen, OO
und alles, was dir wahrer scheint als frü‐ OO
heres Bedünken, ist nur neuer Irrtum, OO
neuer Traum, ‒ nur gültig für die Welt OO
deines Traumes innerhalb ihrer Bereiche.
.Dein Wille zum Erwachenwollen nur OO
kann dich aus deinen Träumen reißen, OO
und denen, die bereits erwachten, helfen, OO
dich aus deinem Schlafe zu befreien.
.Nur in erwachten Seelen kann der „le‐ OO
bendige Gott” sich selbst aus „Geist und OO
Wasser” gebären. (Zu „wissen”, was die‐ OO
ses Wort besagt, wird nicht von dir ver‐ OO
44 Mehr Licht
langt. Wenn du es jedoch erfahren willst, OO
wirst du zuvor erwachen müssen!)
Noch möchtest du nur erwachen, allein OO
du willst noch deine Träume weiter träu‐ OO
men!
.Noch bindet dich die Traumwelt, die OO
dich seit der Jugendzeit umgab.
.Noch fesseln dich der Andern Träume OO
allzusehr, und du wagst es nicht, deine OO
eigenen Wege zu beschreiten, denn dich OO
schreckt die Einsamkeit, durch die du OO
unermüdlich wandern mußt, wenn du die OO
neuen Gefährten der Welt der WirklichOO
heit dereinst erreichen willst.
.Doch all diese Hemmnisse wirst du OO
überwinden müssen, willst du jemals zur OO
Klarheit des wachen Tages gelangen.
45 Mehr Licht
.Ich rate dir: fasse noch heute, während OO
du diese Worte liest, den festen Willen, OO
dich nicht mehr länger dem gemeinsamen OO
Schlafe deiner Schlaf- und Traumgenossen OO
hinzugeben!
.Ich rate dir: fasse heute noch den festen OO
Willen, alles aufzubieten, um im Lichte OO
meiner Lehre deine Träume als solche zu OO
erkennen!
.Ich rate dir: überlasse dein ganzes bis‐ OO
heriges „Wissen” in Ruhe der TraumOO
welt, die es dir gab, gebrauche es ruhig OO
weiter, soweit du auch weiter mit Träu‐ OO
menden verbunden bleibst, doch erwarte OO
nicht mehr von ihm die Lösung der letzten OO
Fragen, die das Menschenherz bewegen! OO
Und ich rate dir ferner: mißtraue jedem OO
in frommen Formeln sich genügenden OO
Massenglauben, wie dich gar mancher in OO
46 Mehr Licht
deiner Traumwelt noch immer erreichte, OO
‒ besonders wenn er dich durch ÄngstiOO
gung gewinnen will! Mißtraue mehr noch OO
denen, die da allen Glaubenswahn der OO
Träumenden in einem alles vermischen‐ OO
den neuen Glaubenswahn vereinigen wol‐ OO
len!
.Mißtraue jenen, die durch neue vor‐ OO
gebliche „Wissenschaft” den alten Glau‐ OO
ben ihrer Träume übertünchen!
.Suche dich loszureißen von jeder Vor‐ OO
stellung, die andere Träumende in deine OO
Träume brachten, auf deine Frage nach OO
den letzten Dingen!
.Wohl steckt in jedem Glaubenswahn OO
ein Körnchen Wahrheit, wie auch den OO
Träumen deiner Erdennächte oft ein OO
äußerliches Geschehen oder ein körper‐ OO
47 Mehr Licht
licher Zustand ihre Auslösung schafft, aber OO
gerade wegen dieser wenigen wahnver‐ OO
hüllten Wahrheit kann dir jeder Glau‐ OO
benswahn der Traumwelt, in der du seit‐ OO
her dich „wachend” glaubst, zum Ver‐ OO
hängnis werden und dich verleiten, WahnOO
um der Wahrheit willen für wahr zu OO
nehmen!
.Hüte dich, was du nun zu erlangen OO
strebst: ‒ die Wahrheit des lichten TaOO
ges der Wirklichkeit, ‒ durch dein DenOO
ken erschließen, oder nach den dir be‐ OO
kannten Denkgesetzen überprüfen zu OO
wollen!
.Was du nun erlangen willst, steht überOO
dem Denken, und du kannst erst, wennOO
du es erlangtest, dein Denken zu ihm er‐ OO
heben!
48 Mehr Licht
.Was du nun erlangen willst, mußt du OO
selber werden: es kann dir niemals durch OO
die Formen deiner seitherigen Versuche, OO
die Wahrheit zu erfassen, sich erschließen. OO
Dein erstes Beginnen muß darauf gerich‐ OO
tet sein, eine weite Leere in dir zu schaf‐ OO
fen, damit das Neue, das dich erfüllen soll, OO
auch Raum in dir finde.
.Erwarte nicht, daß sich von heute auf OO
morgen das Neue zeigen werde!
.Es sind Jahre, ‒ vielleicht Jahrzehnte, OO
‒ vielleicht ‒ durch deine Art bedingt: OO
‒ noch längere Zeiten nötig, bis du so be‐ OO
reitet bist, daß man dich aus dem Schlafe OO
reißen kann, ohne dich zu gefährden.
.Nur dein beharrlicher Mut kann dich OO
führen am Anfang deines Weges.
49 Mehr Licht
.Wenn du aber ernsthaft bestrebt bist, OO
dich aus den Fesseln deiner Träume und OO
der Traumwelt der Andern zu lösen, dann OO
werden dir, schon nach weniger Zeit, die OO
Dinge, die du jetzt noch träumend zu er‐ OO
kennen meinst, bald diese, bald jene anOO
dere Seite zeigen und dich so belehren, OO
daß du bereits auf dem rechten Wege bist. OO
.Glaube nicht, daß plötzlich die er‐ OO
träumten Wunder, die man in deiner bis‐ OO
herigen Traumwelt für Zeichen der Er‐ OO
weckung hält, dein Leben erfüllen werden! OO
.Es werden Zeichen und Wunder auf OO
deinem neuen Lebenswege geschehen, OO
aber ich zweifle sehr daran, daß du sie OO
bemerken wirst, bevor sich „das dritte OO
Auge” auf deiner Stirne geöffnet haben OO
wird...
50 Mehr Licht
.Es ist auch nicht nötig, daß du sie vor‐ OO
dem bemerkst.
.Gar mancher war dem Erwachen nahe OO
und fiel zurück in Schlaf und Traum, weil OO
er dem geheimnisreichen Wunderweben OO
über seinem Wege noch nicht gewachsen OO
war und sich betäuben ließ durch wunder‐ OO
same übermächtige Stimmen.
Je nüchterner und von Romantik freier OO
du deine Straße wandelst, desto besser! OO
.Du sollst nichts erwarten und nichts er‐ OO
streben, außer dem Einen: ‒ aus deinem OO
Schlafe, ‒ aus der Traumwelt der An‐ OO
dern, ‒ erwachen zu wollen!
.Je stärker und konzentrierter dich in OO
stetem Gleichmut nur dieser eine Wunsch OO
51 Mehr Licht
beseelt, desto eher ist Hoffnung vorhan‐ OO
den, daß man dir helfen kann, und man OO
muß dir helfen, denn niemals würdest du OO
allein das Werk vollbringen, auf welcher OO
hohen Stufe irdischen Erkennens du auch OO
immer als Mensch der Traumwelt dieser OO
Erde stehen magst.
.Halte es nicht für „Ungerechtigkeit”, OO
daß du erreichen sollst, was andere nochOO
nicht erreichen!
.Ich spreche zu dir, als zu einem, der OO
dem Erwachen nahe kommen kann in OO
diesen Tagen, ‒ auch wenn er um sich OO
her nur Träumende gewahrt in ihren be‐ OO
drückenden angstbedrängten Träumen. OO
Kannst du noch nicht erwachen, dann OO
werden dir meine Worte ohnehin unver‐ OO
ständlich sein und vorerst unverstehbar OO
bleiben. Du wirst dann erst zu spätererOO
52 Mehr Licht
Zeit, ‒ vielleicht erst nach Jahrtausen‐ OO
den, ‒ in anderer Daseinsform einen ähn‐ OO
lichen Weckruf hören und ihn dann auch OO
verstehen können!
Was in der Traumwelt dieser Erde als OO
„ewige Gerechtigkeit” gesucht, und allzu‐ OO
oft nur, nicht gefunden wird, ist eine OO
bloße Forderung traumgerechter Gebun‐ OO
denheit.
.In jener Welt der Wirklichkeit, die OO
euch wie mich umgibt und die ihr nie‐ OO
mals sehen könnt, solange ihr im SchlafeOO
träumend sucht, herrscht eine unleugbar OO
gesicherte Gerechtigkeit, die aber euren OO
Augen erst faßbar wird, wenn ihr zu WirkOO
lichkeiten wurdet in der Welt der Wirk‐ OO
lichkeit!
53 Mehr Licht
.Dann erst werdet ihr sehen, daß Vieles, OO
was ihr jetzt in eurem Traum als „Gött‐ OO
liche Gerechtigkeit” erwartet, in schauer‐ OO
licher Weise ungerecht zu nennen wäre, OO
würde es sich so, wie ihr es hofft, erfül‐ OO
len...
.Und Vieles, was euch heute als schreien‐ OO
des Unrecht in der „Weltordnung” er‐ OO
scheint, wird dann seine unerschütterbare OO
Gerechtigkeit euch zeigen, denn nichtOO
erst nach dem Tode des Erdenleibes be‐ OO
ginnen die Wirkungen in die Strandreiche OO
der geistigen Welt: ‒ die letzten und unOO
erbittlichsten Folgen erdgezeugter Im‐ OO
pulse!
Sucht nicht vorweg zu erhaschen, was OO
euch gerechterweise erst dann zu eigen OO
werden kann, wenn ihr den „Preis” dafür OO
54 Mehr Licht
entrichtet habt in jahrelanger treuer OO
Ergebenheit!
.Jede Erfüllung in der Welt der WirkOO
lichkeit kann nur als Folge genau be‐ OO
stimmter, erfüllter Gesetze euch gegeben OO
werden.
.Hier läßt sich nichts umgehen und OO
nichts auf billigere Weise „erhandeln”! OO
‒ Die euch das Erstrebte erschleichenOO
helfen wollen, sind eure erbärmlichsten OO
Feinde, viel grausamer noch, als jeder OO
ehrliche Feind, der euch auf eurem ge‐ OO
raden Wege jemals begegnen kann. ‒
.Traut keinem Wort, das euch schnellOO
und ohne harte Zucht zu Erkennern zu OO
machen verspricht!
.Traut keinem Lehrer, der euch „Me‐ OO
55 Mehr Licht
thoden” lehrt, durch die ihr mit den OO
Mitteln eurer Traumwelt euch zu Geister‐ OO
sehern bilden sollt!
.Traut nicht den Kundgebungen, die OO
man von weiblichen wie männlichen Som‐ OO
nambulen und „Medien” in den Anfällen OO
ihrer Nervenkrisen erhalten kann!
.Traut keiner Lehre, die das höchste OO
Vorrecht des Menschen abhängig macht OO
von der Art seiner leiblichen Speise oder OO
von fakirhaften „Übungen”.
.Alles das führt euch nur zu neuen Träu‐ OO
men und senkt euch noch tiefer in den OO
Schlaf, dem ihr entrinnen wollt!
Wer wirklich erwachen will, der glaubeOO
an sich selbst!
56 Mehr Licht
.Wer wahrhaft, als ein „Auferstandener” OO
die Welt der Wirklichkeit betreten will, OO
der prüfe, allein mit sich, in seinem HerOO
zen meiner Worte Wahrheit, und handle OO
dann beharrlich nach der Lehre, die ich OO
ihm verkünde!
.So wird er Herr seines ewigen Schick‐ OO
sals werden!
.So werden sich ihm die Pforten der OO
Tempel lichten Erkennens öffnen, die ihm OO
heute noch verschlossen sind, weil nur der OO
in sich selbst Erwachte in sich selber die OO
Schlüssel zu ihnen findet.
.Geistige Helfer werden ihm jederzeit OO
geistig nahe sein, so oft er ihre Hilfe OO
braucht!
.Sie werden ihm aber immer nur dort OO
57 Mehr Licht
allein zu helfen vermögen, wo es um OO
sein geistiges Erwachen geht, und um OO
die durch sein Erwachen bedingte, ewig‐ OO
gültige Selbstformung seiner Seele.
.Unnütz und sinnwidrig wäre hingegen OO
jedes Vertrauen auf geistige Hilfe, wo OO
immer des Erdenmenschen eigene Kräfte OO
ausreichen und von ihm gebraucht werden OO
wollen, um sich in Tat und Wirken entfal‐ OO
ten zu lernen.
.Den, der des Schlafens müde geworden, OO
sich seiner eigenen Kräfte erinnert, wird OO
man am ehesten im Geiste zum Erwachen OO
bringen können!
58 Mehr Licht
DIE BAUMEISTER
AM DOME DER MENSCHHEIT
Es gibt auf dieser Erde eine kleine An‐ OO
zahl rein geistig verbundener Männer, ‒ OO
einen im Ewigen statuierten Konvent, ‒ OO
der schon Jahrtausende hindurch in stiller OO
Verborgenheit wirkt und doch auf geistiOO
gen Wegen ‒ ohne das gesprochene oder OO
geschriebene Wort ‒ alle Menschen zu er‐ OO
reichen vermag, deren innere Seelenkul‐ OO
tur durch eigene Arbeit an sich selbst so‐ OO
weit gefördert wurde, daß die Strahlen OO
geistigen Lichtes, die von dieser, nur ausOO
dem ewigen Geiste her wirkenden verbor‐ OO
genen Gemeinsamkeit ausgehen, ihre Her‐ OO
zen erfüllen können.
.Dem Menschen der westlichen Welt mag OO
das verwunderlich und aller Zweifel wert OO
erscheinen, während der Orientale ‒ dem OO
auch ihm verborgenen geophysikalisch be‐ OO
stimmten metaphysischen Kraftfelde des OO
geistigen Wirkens dieser Gemeinsamkeit OO
räumlich näher ‒ eher an dem Dasein der OO
61 Mehr Licht
Sonne zu zweifeln geneigt wäre, als daß er OO
zweifeln könnte an dem, was jeder Unter‐ OO
richtete dort über das Wirken jener Weni‐ OO
gen weiß und des öfteren auch selbst er‐ OO
fahren hat.
.Auch im Abendlande hüteten Menschen OO
in stiller Verborgenheit ‒ schon seit den OO
Tagen der Edda ‒ inneres Wissen um sol‐ OO
che geistige Wirklichkeit. Wenn sie auch OO
nicht überall so klar zutage trat, wie in der OO
Sage vom heiligen Gral und seiner Ritter‐ OO
schaft, so war doch das ganze abendländi‐ OO
sche Mittelalter erfüllt von hoher Kunde OO
aus einem erhabenen Kreise Gottesverein‐ OO
ter, so daß dieser Kunde Spuren in Sage, OO
Volksglaube und Poesie allenthalben auf‐ OO
zufinden sind.
.In neuerer Zeit war es ein ausschließlich OO
religiös eingestellter Kreis mystische Tra‐ OO
dition Erforschender, der von den „weisenOO
62 Mehr Licht
Männern des Ostens” wußte, und seit OO
einem halben Jahrhundert sprechen soge‐ OO
nannte „theosophische” Bücher von „MaOO
hâtmas” und deren Gemeinschaft in einer OO
weißen Loge”, wenn auch die Wenigen OO
die man unter diesen Namen zu kennen OO
meint, sehr ferne den Lehren solcher Bü‐ OO
cher stehen, und weder eine FreimaurerOO
loge oder einen ähnlichen Zirkel, nochOO
eine geheime Gesellschaft bilden, sondern OO
eine rein geistige Gemeinsamkeit sind, ‒ OO
mit keiner anderen Menschenvereinigung OO
irgendwie vergleichbar.
.Gerade der Kunde von „theosophi‐ OO
scher” Seite aber verdanken die Glieder OO
dieser geistigen Gemeinsamkeit einen my‐ OO
steriösen Ruf, den sie niemals selbst ver‐ OO
ursacht haben, und in dem sie nur ein ver‐ OO
ächtliches, phantastisches Zerrbild ihrer OO
selbst zu erkennen vermögen.
63 Mehr Licht
.Man hat aus ihnen eine Art von ZaubeOO
rern gemacht, oder man stellte sie als OO
Halbgötter dar, angefüllt mit einem natur‐ OO
wissenschaftlichen „Wissen”, das ihnen in OO
Wirklichkeit ganz gleichgültig ist, ‒ man OO
begabte sie großzügig mit göttergleicher OO
Allwissenheit, in Bezug auf die Gescheh‐ OO
nisse der Erde, und verschrieb ihnen eine OO
fast unumschränkte Macht über Geist und OO
Materie.
.Man glaubte sich zu alledem berechtigt, OO
denn es hatten sich zu Beginn der Bewe‐ OO
gung, die zum erstenmal im Abendlande OO
von „Mahâtmas” als bestaunenswerten OO
Übermenschen sprach, gewisse Dinge zu‐ OO
getragen, seltsam genug, um von Unwissen‐ OO
den auf „Halbgötter” zurückgeführt zu OO
werden, und man glaubt in hypnotischer OO
Gebundenheit, die Urheber jener Begeb‐ OO
nisse und die „weisen Männer des OstensOO
seien identisch miteinander.
64 Mehr Licht
Die wirklichen „Mahâtmas”, wenn man OO
mit diesem in Indien als Ehrentitel viel‐ OO
gebrauchten und abgegriffenen Worte OO
noch weiterhin auch Angehörige des Krei‐ OO
ses im ewigen Urlichte Leuchtender die OO
sich in einem Erdenmenschendasein offen‐ OO
baren, bezeichnen will, haben aber nie‐ OO
mals „geistige Bewegungen” ins Leben OO
gerufen, oder Vereinigungen zu gründen OO
versucht, indem sie mit FakirkünstenOO
und vorgeblicher wissenschaftlicher AllOO
wissenheit auf die Menschen einzuwirken OO
suchten.
.Sie betrachten das ungestüme WissenOO
wollen westlicher Wissenschaft als eine Art OO
geistigerVivisektion” und sehen den OO
Wissenstrieb des Menschen nur dort in ge‐ OO
ordneten Bahnen, wo er den Umkreis sei‐ OO
ner durch das erdenmenschliche Dasein OO
normalerweise bedingten Erfahrungswelt OO
nicht überschreitet.
65 Mehr Licht
.Ihr geistigesWissen” ist ganz andererOO
Art: ‒ ist eine absolute Gewißheit derOO
Seele in geistigen Dingen, und hat mit OO
wissenschaftlicher Erkenntnis nicht dasOO
allermindeste zu tun.
.Zwar ist es ihnen erdenmenschlich er‐ OO
wünscht, daß, wer zu ihnen gehört, auch OO
einen verstandesmäßigen Einblick hat in OO
die irdischen Gebiete, die mit dem Ver‐ OO
stande zu fassen sind: ‒ sie erwarten also, OO
daß jeder der Ihrigen einigermaßen über OO
die Allgemeinbildung seiner Zeit und sei‐ OO
nes Volkes verfüge ‒ aber dem strengenOO
Sinn ihrer rein geistig bestimmten Ge‐ OO
setze nach könnte auch jeder Hirte, der OO
nicht einmal seinen Namen zu schreiben OO
vermag und fern aller Kultur aufwuchs, OO
einer der Ihrigen sein, vorausgesetzt, daß OO
er dazu geboren ist, denn der „Meister” OO
wird nicht „gemacht”, so wenig, wie man OO
66 Mehr Licht
aus einem künstlerisch Unbegabten ein OO
künstlerisches Genie machen kann.
Es erübrigt sich eigentlich, zu betonen, OO
daß ein „Meister” des hehren Kreises, den OO
die groteske „Theosophie” der letzten OO
Jahrzehnte als „Weiße Loge” bezeichnete, OO
‒ ein wirklicher „Mahâtma”, ‒ in des OO
Wortes wahrer Bedeutung: ein „GroßOO
beseelter”, oder: eine „Große Seele”, ‒ OO
an jedem Orte der Erde geboren werdenOO
kann, nicht etwa nur in Indien, China OO
oder Tibet, und daß es an sich völlig gleich‐ OO
gültig ist, ob er in früheren oder in späOO
teren Lebensjahren in Konnex mit dem OO
Zentralpunkt „aller Brüder auf Erden” OO
kommt, ob er als Jüngling oder als GreisOO
die Spiralen der geistigen Schulung durch‐ OO
läuft, die ihn eines Tages erwachen läßt OO
als legitimen Nachfolger und Erben einesOO
67 Mehr Licht
dahingegangenen Meisters, der auch wei‐ OO
terhin bei der Erde bleibt, dergestalt, daß OO
er nun sich mit dem Geiste seines Nach‐ OO
folgers vereinigt und ihm so seine bereits OO
vollendete Meisterschaft überträgt.
.Erst dann ist der zum Meister GeboreneOO
auch de facto „Meister”, erst dann ist er OO
sich seines Priestertums „nach der Ord‐ OO
nung des Melchisedek” bewußt. ‒
.Im Laufe seiner Entwicklungsjahre hatte OO
er vorher die verschiedensten Phasen ok‐ OO
kult-geistiger Möglichkeiten zu durchlau‐ OO
fen, so wie das Kind im Mutterleib alle OO
Stadien der Lebewesen durchläuft, die OO
unterhalb der Stufe des irdischen Men‐ OO
schen liegen.
.Auf diese Weise stand der noch Un‐ OO
vollendete auch einmal an einem Ent‐ OO
68 Mehr Licht
scheidungspunkte, der es ihm freistellte, OO
zum Fakir oder zum geistigen Meister zu OO
reifen. ‒
.Er hatte Kräfte in sich entdeckt, die es OO
ihm bald leicht gemacht haben würden, OO
die unerhörtesten scheinbaren „Wunder” OO
zu vollbringen, und die Versuchung, auf OO
der Stufe des Fakirs zu verharren, war OO
groß für ihn. Dadurch, daß er die Kraft OO
besaß, dieser Versuchung zu widerstehen, OO
bezeigte er sich als einer der überaus sel‐ OO
tenen, wirklich Erwählten, aber er hatte OO
damit auch auf die okkulten Fakirkräfte OO
seiner Natur ein unverletzbares SiegelOO
gedrückt, durch das sie für alle Zeiten geOO
bunden bleiben, falls nicht der im sub‐ OO
stantiellen, reinen Geiste verharrende, ur‐ OO
heilige „Älteste” der Brüder auf ErdenOO
dem späteren Meister geistig erlaubt, die‐ OO
ses Siegel zu entfernen, was aber nur in OO
69 Mehr Licht
vielen Jahrtausenden vielleicht einmal ge‐ OO
schieht, und nur im Dienste einer Mission, OO
die auf gar keine andere Weise zu erfüllen OO
wäre.
.Um aber durch die Beihilfe eines wirk‐ OO
lichen Meisters eine „Bewegung” ins Le‐ OO
ben zu rufen, wie sie von der Begründerin OO
der „Theosophischen” Gesellschaft unter OO
Berufung auf ihre vermeintlichen „Mei‐ OO
ster” ausging: ‒ um die von jedem Fakir OO
und jedem Zauberer-Lama verlachten al‐ OO
bernen spiritistischen Tassen- und Brief‐ OO
kunststückchen ausführen zu können, die OO
sich in der Nähe dieser abnormen Frau an‐ OO
geblich abspielten, wird diese Erlaubnis OO
natürlich nie und nimmer gegeben! Ich OO
hoffe, man wird meine Ironie verstehen! ‒ OO
.Es ist fast unbegreiflich, daß ernsthafte OO
Männer von den berichteten Phänomenen OO
70 Mehr Licht
völlig überwältigt, allen Ernstes zu dem OO
Glauben gelangen konnten, eine nicht nur OO
ethisch hochstehende, sondern auch ganz OO
im geistigen Leben des Kosmos wurzelnde, OO
rein geistige Gemeinschaft gäbe sich zu OO
derlei Firlefanz her, nur um ihre „Souve‐ OO
ränität über die Naturgesetze” auf solche OO
triviale Weise zu zeigen.
Die Kräfte, über die ein geborener und OO
in seinem Irdischen zur Vollendung ge‐ OO
langter Leuchtender des Urlichts auf die‐ OO
ser Erde verfügt, ‒ ein wirklicher „Mei‐ OO
ster” der geistigen „weißen Loge”, ‒ OO
wenn wir diese nun einmal geläufig ge‐ OO
wordene Bezeichnung, trotzdem sie rein OO
willkürlich ist, als Notbehelf beibehalten OO
wollen ‒ würden sich schwerlich eignen, OO
um damit äußere Phänomene zu bewir‐ OO
ken, durch die er in Konkurrenz mit dem OO
71 Mehr Licht
erstbesten entwickelten Fakir zu treten OO
vermöchte.
.Im äußeren Leben auf dieser Erde ist OO
jeder wirkliche geistige Meister den gleiOO
chen Naturgesetzen unterstellt, wie alle OO
übrigen Menschen, und hat längst frei‐ OO
willig darauf verzichtet, die Kräfte zu ge‐ OO
brauchen, durch die er als erklärter oder OO
geheimer Fakir in den Ruf eines Wunder‐ OO
täters hätte gelangen müssen.
.Um den Preis dieses Verzichtes hat er OO
allerdings eine Kraft erlangt, die, wie die OO
Königin in einem Bienenstock, unzählige OO
andere Kräfte unter sich vereinigt, die OO
alle durch sie nur dem Willen des MeiOO
sters dienen, und allen anderen zum VerOO
derben gereichen müßten.
.Diese hohe Kraft und die ihr unterge‐ OO
ordneten Kräfte wirken zwar zurück bis OO
in die äußere physisch-sinnliche Erschei‐ OO
72 Mehr Licht
nungswelt, obwohl ihr Ursprung hier OO
nicht mehr wahrgenommen wird, allein OO
die Wirkungsebene, auf der diese Kräfte OO
durch einen wahren geistigen Meister inOO
Tätigkeit gesetzt werden können, ist allen OO
verschlossen, die nicht wie er als Leuch‐ OO
tende des Urlichts geboren und in jahre‐ OO
langer Schulung vollendet wurden.
.Nur unbewußt reicht jeder Menschen‐ OO
geist auf dieser Erde in jene hohe Sphäre OO
hinein, und so ergibt sich die Möglichkeit, OO
von dorther alle Menschen zu erreichen. OO
Während aber bei den meisten Menschen OO
eine Inspiration in jener Sphäre völlig OO
wirkungslos bleibt, weil ihre höheren OO
geistigen Organe in einer Art Totenstarre OO
verharren, gibt es doch auch in jedem OO
Zeitalter eine große Anzahl, bei denen die OO
73 Mehr Licht
geistigen Organe höherer Art bereits in OO
Tätigkeit sind, auch wenn diese Tätigkeit OO
von dem Gehirnbewußtsein des irdischen OO
Menschen noch nicht registriert wird.
.Diese Vorgeschrittenen, die durch eigeOO
ne Arbeit an sich selbst bereits eine Art OO
spontaner, unwillkürlicher Tätigkeit ihrer OO
höheren geistigen Organe erzielten, bil‐ OO
den, ‒ obwohl auch sie es in ihrem irdi‐ OO
schen Gehirnbewußtsein nicht wissen, ‒ OO
die eigentliche Gemeinde derer, die den OO
geistigen Einfluß der „Meister”, der im OO
Urlicht Leuchtenden, erfahren.
.Bewußt wird dieser Einfluß erst dann, OO
wenn die höheren geistigen Organe eines OO
solchen Menschen genügend entfaltet sind OO
und wenn der Wille, aus der Latenz er‐ OO
wacht, die Inspirationen, die er aus seinem OO
höheren Geistesbereich empfängt, stets so OO
74 Mehr Licht
ehrlich durchzuführen bestrebt ist, daß OO
die Gefahren, die einen Unvorbereiteten OO
beim Erwachen der höheren geistigen Or‐ OO
gane bedrohen, bei ihm als ausgeschaltet OO
gelten können.
.Es ist nur ein Schutz, den die Natur den OO
Hilflosen gewährt, da ja Menschen nicht OO
mit völlig erwachten höheren Geistes‐ OO
organen zur Welt kommen, wenn sie die OO
Bedingung stellt, daß diesem Erwachen OO
erst eine jahrelange ausdauernde Arbeit OO
an sich selbst vorausgehen muß, und daß OO
der zum Erwachen Dringende nicht wirk‐ OO
lich zum Erwachen kommt, bevor er die OO
Prüfungen bestand, die seine moralische OO
Widerstandskraft gewährleisten.
.Wäre das nicht, dann würden die höhe‐ OO
ren geistigen Organe des Menschen, die OO
seine höchste Glückseligkeit bedingen, OO
75 Mehr Licht
ihm nur dazu dienen, in absoluter Ver‐ OO
zweiflung und Hoffnungslosigkeit sichOO
selbst geistig zu vernichten, ohne daß der OO
Verzweifelnde auch nur ahnen würde, woOO
zu er sie gebrauchte.
Man glaube aber auch hinwiederum nicht, OO
daß jene, die zwar noch nicht „erwachten” OO
und dennoch schon den geistigen Einfluß OO
der „Meister” empfangen, diesen Einfluß OO
in gar keiner Weise empfinden könnten. OO
.Wohl wird er empfunden, aber man OO
ahnt seine Ursache nicht und deutet zu‐ OO
meist auf eine platt rationalistische Art, OO
oder befangen in abergläubische oder reli‐ OO
giös gefärbte Vorstellungen, was man le‐ OO
diglich dem Einfluß der „älteren Brüder” OO
auf hochgeistiger Ebene zu danken hat.
76 Mehr Licht
.Dieser Einfluß besteht nicht, wie man OO
meinen könnte, in der Eingebung beson‐ OO
derer Ideen aus der Erkenntniswelt der OO
geistigen Meister, wenn auch ein solcher OO
Einfluß bei höher entwickelten Indivi‐ OO
duen nicht absolut ausgeschlossen ist, son‐ OO
dern er erstreckt sich zumeist lediglich auf OO
eine Kräftezuleitung, ‒ auf geistig verOO
anlaßte Hilfe, ‒ die den betreffenden OO
Menschen in den Stand setzt, durch seine OO
geistigen höheren Organe solcher Dinge OO
innezuwerden, die in der Richtung seiner OO
eigenen höheren Impulse liegen.
Es wurde gesagt, daß die Meister „jedes OO
Volk und jeden Einzelnen” geistig zu er‐ OO
reichen wissen, aber wenn auch schon OO
ganze Völker unter ihrem lange dauernden OO
Einfluß standen, so geschah dies nur, weil OO
diese Völker auffallend viele Einzelne her‐ OO
77 Mehr Licht
vorgebracht hatten, die in den Einflußbe‐ OO
reich der Meister des Lichtes auf hoher OO
geistiger Ebene zu gelangen vermochten. OO
Man kennt auf seiten dieser rein geistiOO
gen Gemeinsamkeit weder Vorrechte noch OO
Vorurteile in Bezug auf „Volk”, „NationOO
oder „Rasse”, insoferne es sich um Auf‐ OO
nahmefähige geistigen Lichtes handelt. OO
Man hat es immer nur mit den EinzelnenOO
zu tun, aus denen alle diese irdisch ge‐ OO
trennten Menschenkomplexe gebildet OO
sind. Die Zugehörigkeit zu Rassen und OO
Völkern oder zu deren Parteien ist auf OO
jener hohen geistigen Ebene, auf der die OO
Leuchtenden im Urlicht wirken, nicht nur OO
durchaus belanglos, sondern auch in kei‐ OO
ner Weise mehr wirksam oder auch nur OO
erkennbar! Hier herrscht wirklich eine, OO
‒ allerdings rein geistige, ‒ „allgemeineOO
Bruderschaft” derer, die in diesen gehei‐ OO
ligten Bereich gelangen konnten. Alles OO
78 Mehr Licht
Destruktive bleibt ihm schon aus eigenerOO
Abneigung fern und wäre ihm niemalsOO
assimilierbar.
Jedoch gibt es in diesen hohen geistigen OO
Sphären nur insoweit „Freiheit”, als sie OO
durch die Einordnung in die BindungenOO
des kosmischen Gesetzes sich erringen OO
läßt, während es niemals eine „GleichOO
heit” gab noch geben wird, denn in die‐ OO
sen Regionen herrscht allein das Gesetz OO
der Hierarchie, ein Gesetz, das jedem OO
Einzelnen mit unerbittlicher Notwendig‐ OO
keit die ihm vorbehaltene Stelle anweist. OO
Der gotische Dom ist das vollkommenste OO
Abbild dieser hierarchischen, kosmischen OO
Ordnung! Während die Mauersteine nach OO
Tausenden zählen, verringert sich schon OO
die Anzahl der Steine, die zu PfeilernOO
brauchbar sind, und der Fialen des TurOO
79 Mehr Licht
mes werden weniger und noch weniger, OO
bis zuletzt ein einziger Stein die KreuzOO
blume bildet.
.So verschiedenwertig aber alle diese OO
Steine auch sein mögen, so sind sie doch OO
alle zur Harmonie des Ganzen von glei‐ OO
cher Notwendigkeit, und hierin alleinOO
kann man einen Ausdruck der „Gleich‐ OO
heit” sehen. Es herrscht eine absoluteOO
Unterordnung, von der Kreuzblume und OO
den weithin sichtbaren Fialen des Tur‐ OO
mes an bis zu den verstecktesten Stei‐ OO
nen der Fundamente, die keine andere OO
Aufgabe haben, als das ganze Gebäude zu OO
tragen.
.Nicht anders ist es in der geistigen Welt, OO
deren ewige Harmonie nur durch die un‐ OO
beirrbare Wirkung des hierarchischen Ge‐ OO
setzes gesichert ist.
80 Mehr Licht
.Wenn wir das Bild des gotischen Domes OO
im anderen Sinne beibehalten wollen, dann OO
ist die verborgene geistige Aufgabe der OO
Leuchtenden im Urlicht, als Meister des OO
Tempelbaues, gewissermaßen: ‒ geistige OO
Hilfeleistung bei der „SteinmetzarbeitOO
der einzelnen an sich selbst arbeitenden OO
„Steine” die Hilfe brauchen bei ihrer OO
Selbstformung. ‒ Es wäre jedoch nutzlos, OO
daß sich ein geistiger, lebendiger „Stein” OO
beklagen würde, weshalb er nicht zu einem OO
Pfeilerstein oder einer Turmfiale werden OO
könne, während er vielleicht nicht zu ent‐ OO
behren ist als einer der vielen Mauer‐ OO
steine, die das Gewölbe des Domes nach OO
außen stützen.
Das „Wissen” des wirklichen Meisters der OO
kosmischen Baukunst, dem die ewigen OO
Baupläne vorliegen, ist ein absolut sicheres OO
81 Mehr Licht
Seelenwissen, kein Erschließen und kein OO
Errechnen, kein Wissen im Sinne einer OO
irdischen Wissenschaft.
.Ein Beispiel möge das verdeutlichen. ‒ OO
Jeder Mensch mit gesunden Augen weiß, OO
daß er bei geöffneten Augenlidern zu se‐ OO
hen vermag.
.Der Vorgang, den wir „Sehen” nen‐ OO
nen, ist aber, wissenschaftlich betrachtet, OO
äußerst komplizierter Art, und es gehört OO
eine Menge Denkarbeit dazu, ihn soweit OO
zu begreifen, wie er gedanklich erfaß‐ OO
bar ist.
.Die Meister halten es in diesem Falle OO
mit dem allernaivsten Menschen oder dem OO
Kinde...
.Sie wollen nicht mehr und nicht weniger OO
als sehen können, und es genügt ihnen zu OO
„wissen”, daß sie sehen.
82 Mehr Licht
.Die irdisch-wissenschaftliche UntersuOO
chung dieses Vorganges ist für ihre über‐ OO
materielle Welt in jeder Weise belanglos, OO
aber sie wäre darüber hinaus noch aus‐ OO
gesprochen schädlich und in höchstem OO
Grade verwerflich, denn da hier Tätigkeit OO
und Untersuchung der Tätigkeit nicht wie OO
im irdisch-wissenschaftlichen Prozeß des OO
Erkennens zu trennen sind, so würde OO
durch die Untersuchung die TätigkeitOO
selbst unmöglich gemacht.
.Mit anderen Worten: auf rein geistigem, OO
überweltlichen Gebiet läßt sich nur beiOO
vollkommenster Naivität absolut sichereOO
Erfahrung gewinnen, und sehr vieles, was OO
irdischer Wissenschaft so wichtig erscheint, OO
daß sich gläubig-fromme Wissenschafter zu OO
der Hoffnung verstiegen, es müsse wohl OO
im „Jenseits” auf alle ihre Fragen „restOO
lose Aufklärung” geben, wird auf geiOO
83 Mehr Licht
stiger Ebene nicht nur als wissensunwert, OO
sondern als verderblich betrachtet.
.Man sieht dort in jeder analytischen OO
Wissens-Sehnsucht nichts anderes als dasOO
Unheil, das den Menschen aus dem „PaOO
radiese” jagte: ‒ man sieht darin einen OO
Ausdruck der Unvernunft, die nicht bes‐ OO
ser handelt, als ein Mensch, der ein Uhr‐ OO
werk, um seinen geheimen Mechanismus OO
zu ergründen, in scharfe Säuren legen OO
würde, damit es, in Atome aufgelöst, ihm OO
Aufschluß gäbe.
.Man weiß in jenen Sphären, daß jedes OO
analytische Wissen-Wollen zur entgegenOO
gesetzten Richtung führt, gegenüber dem OO
kosmischen Gesetz, das aus Kräftepunkten OO
im Chaos Formen werden läßt, deren wirk‐ OO
liche Erklärung sich erst in höchsten gei‐ OO
stigen Formen findet. Man weiß dort, daß OO
84 Mehr Licht
jede höhere Form die niedere durchleuch‐ OO
tet, daß aber alles Schließen vom Niederen OO
aufs Höhere, auch wenn es in gewissen OO
Grenzen befriedigende Resultate zu ge‐ OO
währen scheint, dennoch ein trüglichesOO
Erschließen darstellt.
.Dies ist auch der Grund, weshalb es OO
keinem wirklichen geistigen Meister ein‐ OO
fallen wird, dem Alltagsgeschehen seiner OO
Zeit, die für seine Zeitbegriffe stets nur OO
ein winziges Zeit-Atom bedeuten kann, OO
mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als für OO
sein persönliches irdisches Leben gerade OO
unumgänglich nötig ist.
Atavistische okkulte Überbleibsel, wie OO
„Hellsehen” und ähnliches, sind bei sei‐ OO
ner von Geburt an gegebenen Artung von OO
vornherein ausgeschlossen.
85 Mehr Licht
.Es gibt kein untrüglicheres Zeichen für OO
einen „falschen” Meister, mag er auch gu‐ OO
ten Glaubens sich für einen geistigen Mei‐ OO
ster halten, als wenn man etwa von ihm OO
weiß, daß er „Hellseher” ist.
.Jeder Hellseher sieht nur, bestenfalls, OO
verborgene Dinge, die in den Bereich OO
der unsichtbaren physischen Welt fallen. OO
Glaubt er Geistiges zu sehen, dann ist er OO
lediglich den Spiegelungen irdisch ent‐ OO
standener Vorstellungsbilder erlegen, die OO
wie eine Fata Morgana von tausend und OO
aber tausend Bildern, die physische, nor‐ OO
malerweise unsichtbare Aura dieses Pla‐ OO
neten erfüllen.
.Es gab auch noch niemals einen wirk‐ OO
lichen echten geistigen „Meister”, der in OO
irgendeiner Hinsicht etwa „allwissendOO
gewesen wäre! Alles, was abergläubische OO
86 Mehr Licht
Schwärmer oder gewissenlose Betrüger in OO
dieser Hinsicht zu jeder Zeit zu verbreiten OO
wußten, gehört in den Bereich der Fabel. OO
.Würde ein wirklicher geistiger Meister OO
in Dingen des irdischen Lebens unge‐ OO
wöhnlichen Scharfsinn bekunden, so läge OO
das lediglich begründet in seiner persönOO
lichen menschlichen Begabung, denn nie‐ OO
mals würde er in diesen Dingen okkulte OO
Hilfe in Anspruch nehmen können, ohne OO
das bindende Gesetz zu durchbrechen, OO
mit dessen absoluter Anerkennung aus OO
freiem Willen er steht und fällt. ‒
Auch ein geistiger „Meister” kann, soweit OO
sein Irdisches in Frage kommt, noch „falOO
len”, aber auch er nur kann als Irdischer OO
die einzige „Sünde” begehen, für die es OO
keine Vergebung” gibt ‒ „die SündeOO
87 Mehr Licht
gegen den heiligen Geist”, ‒ die in sei‐ OO
nem Falle widerstrebendes, überhebliches OO
Ignorieren Dessen in ihm ist, was durch OO
ihn sich offenbaren will. Er verschwindet OO
dann aus der geistigen Welt, lautlos, wie OO
ein erloschener Stern versinkt im Welt‐ OO
raum. Sein Name ist ausgetilgt aus dem OO
„Buche des Lammes”, das „sieben Siegel” OO
trägt.
.Gewiß kann das Ewige eines solchen OO
Verbrechers im Geistigen niemals mit sei‐ OO
nem geistigen Selbstmord vernichtet wer‐ OO
den, aber sein Individualbewußtsein löst OO
sich in Jahrtausende dauerndem Zerset‐ OO
zungsprozeß allmählich auf im allgemei‐ OO
nen planetarischen Bewußtsein, und sein OO
letztes individuelles Wissen um sich selbst OO
sagt ihm nur, daß er sich selbst verurteiltOO
hat, in qualvolle Nacht zu versinken.
.Er ist „Luzifer”, der gestürzte Leuch‐ OO
88 Mehr Licht
ter, der vor dem Throne des Ewigen stand, OO
und es ist wahrlich keine „Erfindung OO
herrschsüchtiger Priester”, daß es, so‐ OO
lange die Erde Menschen tragen wird, OO
eine „Hölle” gibt, daß dieser Planet um‐ OO
geben ist von einem Heer von „Teufeln”, OO
die nichts anderes sind, als gefallene „GotOO
tessöhne”, die nach ihrem Fall nicht Ruhe OO
finden können, bis der Abgrund des Chaos OO
den letzten Funken ihres Bewußtseins OO
verschlingt.
.„Der Teufel aber geht umher wie ein OO
brüllender Löwe und sucht, wen er ver‐ OO
schlingen könne.” ‒
.Unter lebenden Menschen auf dieser OO
Erde haben sich diese Gefallenen Helfers‐ OO
helfer verschafft, indem sie ihre Jünger OO
mit allen Fakirkünsten vertraut machten, OO
denen sie selbst einst abgeschworen hatten. OO
89 Mehr Licht
.Sie erhalten sie in dem Wahn, sie seien OO
nichtgefallen”, sondern über ihre ehe‐ OO
maligen Brüder emporgestiegen, sie wüß‐ OO
ten jetzt, daß deren selbstauferlegte Bin‐ OO
dung an ewige Gesetze frommer Trug sei. OO
Alles, was auf Erden als teuflisch, böseOO
und gemein gilt, erklären sie ihren Schü‐ OO
lern als erlaubt, und so erhalten sie bis OO
auf den heutigen Tag im Innern Asiens ein OO
satanisches Zerrbild der geistigen Gemein‐ OO
schaft des Lichtes, ‒ einen Pfuhl schauder‐ OO
hafter Greuel, dessen giftige Miasmen alle OO
niedrig stehenden Menschenrassen ver‐ OO
seuchen, die aber auch auf der westlichen OO
Erdhälfte nicht wenige unbewußte Opfer OO
fordern. Hierher gehören auch die über OO
ganz Asien und andere Erdteile verbreite‐ OO
ten Geheim-Bünde, Bruderschaften und OO
geheimen Sekten, denen der Mensch aus OO
religiösen Gründen als ein NichtseinsolOO
lendes gilt, die aber charakteristischer‐ OO
90 Mehr Licht
weise in erster Linie die Ausrottung des OO
weißen Menschen anstreben.
Ich weiß wohl, daß sich so mancher Leser OO
noch mehr gegen diese Mitteilungen sträu‐ OO
ben wird, als gegen das, was ich von OO
der nun einmal so bezeichneten „weißenOO
Loge” sagte.
.Er wird hier den „Aberglauben alter OO
Religionen” in neuem Gewande wittern. OO
.Aber die Lehrer der alten Religionen, OO
die Priester der alten Kulte, waren zum OO
großen Teil „Wissende”, und so verhält OO
sich die Sache umgekehrt, indem jene al‐ OO
ten Darstellungen ein mehr oder weniger OO
verschleiertes Wissen um die WirklichkeitOO
bergen.
91 Mehr Licht
.Ich trage hier nicht Phantasien vor und OO
erzähle keine Märchen! Ich spreche nur OO
von Tatsachen, die nicht dadurch aus der OO
Welt zu schaffen sind, daß man ihre Tat‐ OO
sächlichkeit leugnet.
.Des wirklichen geistigen Meisters unbe‐ OO
streitbares Vorrecht gegenüber anderen OO
Menschen ist eine absolute ErfahrungsOO
sicherheit in rein geistigen Dingen und OO
seine Macht, auf hoher geistiger Ebene BeOO
dingungen zu schaffen, durch die in nie‐ OO
deren geistigen Sphären bis herab zu der OO
unsichtbaren physischen Aura dieses Pla‐ OO
neten nach Möglichkeit Unheil verhütetOO
wird.
.Der Kampf gegen seine ehemaligen Brü‐ OO
der, die in ihrem „Falle” alles mit sich OO
reißen möchten, was sie erreichen können, OO
ist eine seiner vornehmsten Aufgaben.
92 Mehr Licht
.Da aber dieser Kampf niemals angreiOO
fend, sondern stets nur durch VerhindeOO
rung der Anschläge geführt werden kann, OO
wird die Aufgabe in demselben Maße er‐ OO
leichtert, in dem es gelingt, Menschen auf OO
die Gefahr aufmerksam zu machen.
.Die Menschen der heutigen Zeit würden OO
aber niemals die Gefahren, die sie unsicht‐ OO
bar umdrohen, ernst zu nehmen vermö‐ OO
gen, solange der ganze geistige „Meister” OO
Begriff derart ungeklärt und problematisch OO
bleibt, wie das bis jetzt der Fall war.
.Solange dem gesunden Menschenver‐ OO
stand noch zugemutet wird, an „Meister” OO
zu glauben, die auf dieser Erde leben und OO
gleichzeitig als Halbgötter über dem Le‐ OO
ben des Menschen stehen, solange man OO
noch an „Mahâtmas” glauben soll, die je‐ OO
93 Mehr Licht
den indischen Fakir noch an Trivialität OO
ihrer Produktionen überbieten, solange OO
man gar in der Bruderschaft der Leuch‐ OO
tenden eine „Große Schule der Natur‐ OO
wissenschaft” sehen soll (die natürlich un‐ OO
endlich „mehr” weiß als alle Vertreter der OO
Naturwissenschaft an unseren Hochschu‐ OO
len!), solange kann man es keinem ernst‐ OO
haft Denkenden übelnehmen, wenn er nur OO
ein mitleidiges Lächeln für die Kunde von OO
einer solchen Gemeinschaft bereit hat.
.„Geheimnisvoll am lichten Tag” bleibt OO
trotzdem Vieles, was den vollendeten ech‐ OO
ten geistigen Meister angeht, und man hat OO
nicht nötig, seine Existenz mit bedenk‐ OO
lichen mysteriösen Schleiern zu drapieren. OO
Im äußeren Leben ist er ein Mensch wieOO
jeder andere und darf niemals seine rein OO
94 Mehr Licht
geistigen Möglichkeiten zur Erhöhung sei‐ OO
nes äußeren menschlichen Lebens miß‐ OO
brauchen.
.Er ist auch keineswegs etwa infolge sei‐ OO
ner Geistigkeit ein menschliches „GenieOO
oder gar ein „Heiliger”.
.In seinem äußeren Menschenleben wer‐ OO
den ihn nur sehr geübte Augen zu erken‐ OO
nen vermögen.
.Hier ist er ein Mensch und nichts weiter! OO
.Erst auf geistiger Ebene beginnt seine OO
„Meisterschaft”, und daß er, als ein irdi‐ OO
scher Mensch, es vermag, gleichzeitig inOO
beiden Regionen bewußt zu sein und auch OO
in der geistigen Welt handelnd aufzu‐ OO
treten, das dankt er dieser Meisterschaft, OO
die ihm angeboren ist, und seinem mensch‐ OO
95 Mehr Licht
lich gefestigten Willen, der ihn vom einem OO
gewissen Tage an befähigte, die Spiralen OO
geistiger Schulung bis zur Vollendung auf OO
geistigem Gebiete zu durchlaufen, trotz OO
aller äußeren und inneren Gefahren und OO
Hindernisse.
.Geheimnisvoll im äußeren Leben, ‒ OO
und zwar auch für die Beteiligten selbst, ‒ OO
bleibt die ständige geistige VerbindungOO
zwischen einzelnen Meistern, mögen sie OO
auch an den entgegengesetzten Enden der OO
Welt leben, und die Verbindung allerOO
Meister mit ihrem verborgenen irdischenOO
Zentralpunkt im Innern Asiens. Aber kein OO
wirklicher Meister würde hier jemals den OO
Schleier lüften, auch wenn es ihm möglich OO
wäre, und alle die schönen Erklärungen OO
okkultistischer Bücher, alles Heranziehen OO
des Allerweltsbegriffes „Telepathie” kön‐ OO
nen niemals die „Methode” einem Men‐ OO
96 Mehr Licht
schen begreiflich machen, der sie nicht OO
selbst auszuüben imstande ist. Einem sol‐ OO
chen aber genügt es völlig, daß er sie aus‐ OO
üben kann, und er wird niemals in Ver‐ OO
suchung kommen, sie, und sei es auch nur OO
für sich selbst, „wissenschaftlich” erklären OO
zu wollen.
.Allen anderen aber möge es genügen, OO
zu wissen, daß ein wirkliches Glied der OO
„weißen Loge”: ‒ also ein wirklicher OO
Leuchtender des Urlichtes ‒ auch durchOO
Wort und Schrift niemals etwas in Bezug OO
auf rein geistige Dinge lehren wird, ohne OO
völlige Übereinstimmung mit seinen Brü‐ OO
dern und mit seinem wie ihrer aller geisti‐ OO
gen Oberhaupt im ewigen Urlicht.
.Nur für geistige Dinge besitzt ein OO
geistiger „Meister” absolute Gewißheit! OO
In allen anderen Angelegenheiten und OO
97 Mehr Licht
menschlichen Wissenszweigen hängt seine OO
Glaubwürdigkeit lediglich von seiner Er‐ OO
fahrung und seinem alltäglicherweise er‐ OO
lernten Wissen und Können ab. ‒
.Möchten diese Erläuterungen dazu die‐ OO
nen, in den geistigen Augen der Menschen OO
meiner Zeit einen „blinden Punkt” aus‐ OO
zutilgen, der die Ursache ist, daß jedes OO
Weltbild lückenhaft bleiben muß, wie sehr OO
es auch im übrigen logisch gefügt und har‐ OO
monisch vollendet erscheinen mag!
.Möge einigen, die „das Licht” zu suchenOO
unternehmen, das Vertrauen erleichtert OO
werden, daß ihr Weg behütet ist ‒ „vonOO
den Meistern des lichten Tages”, den Bau‐ OO
meistern am Dome der Menschheit, denen OO
der Meister aller Meister die Maßeinheit OO
des „Ecksteins” zu eigen gab, der alle gei‐ OO
stige „Maßgerechtigkeit” in sich enthält! OO
98 Mehr Licht
THEOSOPHIE
UND PSEUDOTHEOSOPHIE
ZUR GESCHICHTE
EINER WORT ‒ ENTWERTUNG
Wenn es den Menschen der westlichen OO
Welt in ihrer Gesamtheit einmal möglichOO
würde, die mancherlei Narkosen abzu‐ OO
schütteln, die ihnen jede dauernde, klare OO
Selbstbesinnung rauben, dann müßte ein OO
Schauder des Entsetzens sie ergreifen bei OO
der Erkenntnis der grauenvollen Finster‐ OO
nis, die sie umgibt in Bezug auf geistigesOO
Wissen.
.Zwar herrscht auf dieser Erdhälfte an‐ OO
geblich das „Christentum” und seine An‐ OO
hänger fußen auf den Schriften der vier OO
Autoren, die man die „Evangelisten” nennt, OO
die Bringer der „frohen Botschaft” und OO
des Lichtes zur Erleuchtung der „Hei‐ OO
den”...
.Nun lassen aber die Schreiber dieser OO
„Evangelien” ihren hohen Meister also OO
sprechen zu seinen Jüngern:
101 Mehr Licht
.Euch ist es gegeben die Geheimnisse OO
des Reiches der Himmel zu erkennen, den OO
anderen wird alles nur in Gleichnissen, OO
damit sie sehen und doch nicht sehen, OO
hören und nicht verstehen!”
.Ein hartes und furchtbares Wort, wenn OO
alle Menschen ‒ wie man so gerne meint OO
‒ „vor Gott gleich” wären, wenn „die OO
andern” demnach etwa ein Anrecht hät‐ OO
ten, in gleicher Weise „die Geheimnisse OO
des Reiches Gottes” zu ergründen?! ‒
.Aber die heiligen Bücher, auf denen OO
alle christliche Lehre sich aufbaut, wissen OO
nichts von dieser „Gleichheit vor Gott”. OO
‒ Sie unterscheiden mit Schärfe und OO
Deutlichkeit: „Kinder dieser Welt” und OO
„Kinder des Lichtes”. ‒
.Sie lassen ihren Meister davor warnen, OO
102 Mehr Licht
daß man „das Heilige den Hunden” vor‐ OO
werfe und „Perlen vor die Schweine” OO
schütte... Vergleiche, die gewiß deutlich OO
genug sind, um ihn nicht in der Meinung OO
befangen zu zeigen, alle Menschen seien OO
„vor Gott gleich”!
.Die alten Berichte über sein Leben und OO
Sterben lassen ihn schweigen auf die Frage OO
des Pilatus: wer er sei; doch denen, die OO
erkannt hatten, was „Fleisch und Blut OO
nicht offenbaren” konnte, gibt er in Ho‐ OO
heit die Bestätigung und spricht zu ihnen: OO
.„Ihr nennt mich Meister, und ihr habt OO
recht, denn ich bin es!”
Wo sind nun aber in den vier Schriften, OO
die man die „Evangelien” nennt, die Worte OO
zu finden, die dieser Meister allein zu seiOO
103 Mehr Licht
nen Vertrauten, zu den von ihm AuserleOO
senen, gesprochen hätte??
.Es finden sich zwar Worte, die auf OO
eine den Jüngern allein bekannte Lehre OO
schließen lassen, aber die Lehre selbst OO
wird man vergeblich suchen.
.Die Kirche Roms ist gewiß nicht im OO
Unrecht, wenn sie die Lehre des Meisters OO
von Nazareth nicht nur auf dem „SchriftOO
wort”, sondern auch auf der „TraditionOO
begründet sehen will, allein: ‒ ist diese OO
„Tradition” nicht längst verschüttet und OO
entstellt, ‒ auch wenn wirklich vielleicht OO
noch da und dort die letzten Spuren ihres OO
Daseins bis in diese Tage reichen?
Man sagt, der Meister der Evangelien OO
habe keinerlei schriftliche AufzeichnungOO
gemacht und hinterlassen.
104 Mehr Licht
.Es steht jedermann frei, mir Glauben zu OO
schenken oder nicht, wenn ich sage, daß OO
auf diesem kleinen Planeten Menschen OO
leben, die mit aller jede sonstige GewißOO
heit übersteigenden Sicherheit wissen, OO
daß der Meister von Nazareth AufzeichOO
nungen seiner geheimen Lehren hinter‐ OO
ließ: ‒ daß die letzten davon noch bis zur OO
Zeit der Christenverfolgungen existierten OO
und in Rom von getreuen späteren Jün‐ OO
gern vernichtet wurden, um sie nicht in OO
die Hände der „Heiden” gelangen zu las‐ OO
sen, ‒ sowie, daß im „Johannes”-EvanOO
gelium große Teile dieser eigenhändi‐ OO
gen Schriften auszugsweise wiedergegebenOO
sind, soweit sie in verhüllter Sprache spre‐ OO
chen und als mündliche Worte in den Text OO
verarbeitet werden konnten.
.Die dieses wissen, wissen auch, daß die OO
eigenhändigen Schriften des Meisters in OO
105 Mehr Licht
mancher Abschrift verbreitet waren, und OO
daß Auszüge daraus sich auch noch in an‐ OO
deren Schriften fanden, außer dem auf OO
uns gelangten Evangelium, das den Namen OO
„Johannes” trägt.
Damit erschöpft sich das Wissen dieser OO
Wenigen, soweit es sich auf den Meister OO
der Evangelien bezieht, durchaus nicht; OO
aber auch sie sind, wie die ersten seiner OO
Jünger, einem Gesetze verpflichtet, das OO
sie als Geheimnis wahren läßt, was nicht OO
allen gegeben werden kann. ‒ Auch reden OO
sie zu „den andern” nur in „Gleichnissen” OO
und verhüllenden Symbolen. ‒
.Sie sind die mit jeder Generation er‐ OO
neuerten Bewahrer eines heiligen Schat‐ OO
zes, der durch sie auf diesem Planeten OO
erhalten bleibt: ‒ die wahrhaften „Ritter OO
106 Mehr Licht
des heiligen Gral” der Sage, ‒ Aus‐ OO
übende eines geistigen Dienstes zu dem OO
nur sehr wenige Menschen in jeder Ge‐ OO
neration befähigt sind, da nur sehr wenige OO
jeweils dazu geboren werden.
.Man muß aber „dazu geboren” sein, OO
wie ein Mensch dazu geboren sein mußte, OO
Mozart, ein anderer, Beethoven zu sein, OO
und ein Mensch, auch nicht durch allen OO
Fleiß der Welt etwa ihresgleichen „wer‐ OO
den” könnte.
.Die hier nun gemeinten Männer ‒ un‐ OO
ter denen in Jahrtausenden nur selten OO
einer europäischen Blutes zu finden war ‒ OO
sind zu jeder Zeit die einzigen, die jenes OO
geheime „Wissen” in höherem oder auch OO
geringerem Grade besitzen, das der Mei‐ OO
ster der Evangelien besaß, und er besaß OO
es nur, weil er einer aus ihnen war. Er OO
107 Mehr Licht
wußte aber auch, daß es einen „Andern” OO
gab, dem er, in gleicher Weise wie seine OO
geistigen Brüder, alles verdankte, und OO
von dem er ehrfürchtig selbst bekannte, OO
daß dieser „größer” sei als er, der von OO
ihm sprach. ‒
.Er konnte den Seinen bei ihm „Woh‐ OO
nungen” bereiten, und er hat sie bereitet, OO
ja er selbst lebt in seiner geistigen FormOO
noch heute unter denen, die seines „Va‐ OO
ters” Söhne sind, denn diese, dem ewigen OO
Geiste eingeborenen Menschen sind auch OO
nach dem Vorgang, den man den Tod OO
des Körpers nennt, im freien Besitz ihrer OO
Kräfte und nicht, wie „die andern”, den OO
Gesetzen des Planeten unterworfen.
.Sie sind die einzigen wahren geistigen OO
Meister” auf dieser Erde, die LeuchtenOO
den des Urlichtes, die lebendigen Träger OO
108 Mehr Licht
des ewigen „Christos”-Geistes, die Trans‐ OO
formatoren ewiger, göttlicher Weisheit in OO
erdenmenschliches Erfassungsvermögen... OO
.Wem das unglaublich erscheint, oder wer OO
seinen frommen Kirchenglauben dadurch OO
in Gefahr sieht, der möge es bezweifeln; OO
er wird aber an der ihm unbekannten OO
Tatsache nichts zu ändern vermögen.
.Die Tausende aus allen „christlichen” OO
Glaubensgemeinschaften, die in ihrer in‐ OO
neren Seelenkultur über das eifernde Kir‐ OO
chentum hinausgelangten und die wirk‐ OO
liche Gegenwart ihres Meisters zu fühlen OO
glauben, huldigen keinem Wahn!
Man hüte sich aber, wie ich schon sagte, OO
vor der Annahme, die Leuchtenden des OO
Urlichtes, unter denen der Meister vonOO
109 Mehr Licht
Nazareth noch heute in seiner GeistesOO
form auf dieser Erde lebt, seien etwa OO
gleichzusetzen mit den „Meistern”, von OO
denen gewisse, „theosophisch” genannte OO
Schriften zu erzählen wissen, oder gar mit OO
der schon erwähnten „Großen Schule der OO
Naturwissenschaft”, die in Amerika kre‐ OO
iert wurde und den Stempel der Unecht‐ OO
heit, neben allen hochtönenden, moralisch OO
tuenden Erklärungen ihres mittlerweile OO
entlarvten Erfinders für jeden Sehenden OO
an der Stirne trägt!
.„Es werden falsche Christi und falscheOO
Propheten kommen, die Zeichen und OO
Wunder tun, daß sie auch die AuserwählOO
ten verführten, so es möglich wäre.” ‒
.„Die Kinder dieser Welt sind aber OO
in ihrer Art klüger, als die Kinder des OO
Lichtes.” ‒
110 Mehr Licht
Die „Söhne des Lichtes” die wirklichen OO
Vertreter der „Theo-Sophia” auf dieser OO
Erde, sind wahrhaft „Wissende”, aber die‐ OO
ses Wissen ist anderer Art als das Wissen OO
irgendeiner Wissenschaft.
.Allem berechtigten Zweifel entgegen OO
muß ich bekennen, daß es ein solches ge‐ OO
heimes „Wissen” für sehr Wenige auf die‐ OO
ser Erde gibt!
.Es ist ein „Wissen”, das auf GewißheitOO
durch Betätigung gegründet ist und zu OO
dem keiner kommt, der nicht von GeburtOO
an die Fähigkeit mitbringt, es praktischOO
auszuüben, denn es ist kein Wissen „vonOO
etwas, kein Wissen „über” etwas, sondern OO
besteht nur in einer permanenten Tat: ‒ OO
in einem bewußten, lebendigen EinswerOO
den mit dem Gegenstand des WissensOO
selbst.
111 Mehr Licht
.Der indische Weise Patânjali sagt dem OO
Sinne nach etwa: „So wie Wasser die FormOO
eines Gefäßes, in das man es schüttet, es OO
ausfüllend, annimmt, so nimmt der Geist OO
des Yogi die Form des Dinges an, das er OO
wissend durchdringen will!” (Daß er nicht OO
etwa die „Yogis” an Straßen und Tempel‐ OO
pforten meint, versteht sich von selbst!) OO
.Der Zustand derer, die dieses „Wissen” OO
sich erwirken können, läßt sich bezeich‐ OO
nen mit den Worten: „durch SelbstverOO
wandlung wissen”.
.Es gibt außer diesem geistigen „Wissen” OO
eine „Lehre”, die nicht in Worten „ge‐ OO
lehrt” werden kann, ‒ die niemals in OO
einem Buche niedergeschrieben werden OO
konnte, weil auch sie einzig der Selbster‐ OO
fahrung zugänglich ist, ‒ und die seit den OO
112 Mehr Licht
ältesten Tagen des zum Menschentum er‐ OO
wachten Menschentieres, von Meistern, OO
die „durch Selbstverwandlung wissend” OO
waren, durch geistige Übertragung wei‐ OO
tergegeben wurde.
.Auch zum Empfang dieser geheimen OO
Lehre” muß man von Natur aus geeignet OO
sein, aber es sind immerhin doch mehrOO
Menschen zum Empfang dieser Art von OO
Belehrung geeignet, als zum Wissen durch OO
Selbstverwandlung geboren.
.Es gibt ein innerstes, geheimes Reich OO
des Geistes und geistiger Gewalten, in der OO
geistigen Region unseres Planeten, dem OO
alle, die auf Erden leben, ihr Bestes dan‐ OO
ken!
.Es gibt ein ewiges Vorleben vor dem OO
Eintritt des Menschengeistes in diese Welt OO
113 Mehr Licht
der Sichtbarkeit, und es gibt ein ewiges OO
Fortleben nach dem „Tode” des Erden‐ OO
körpers!
.Es gibt geistige „Wunder”, die jedes OO
orientalische Märchen noch in den Schatten OO
stellen und doch Wirklichkeiten sind!
.Aber, was über alle diese Dinge in Wor‐ OO
ten menschlicher Sprache gesagt werden OO
kann, und was durch eine erhabene Hier‐ OO
archie geistiger Wesenheiten vom „Ur‐ OO
licht” herab bis zu den „Leuchtenden” OO
auf Erden und durch sie in die Kanäle OO
menschlicher Sprachen floß, ist unsagbarOO
wenig gegenüber dem, was der „durchOO
Selbstverwandlung Wissende” seiner ErOO
fahrung verdankt, der von sich sagen OO
darf, wie der Meister der Evangelien: OO
„Alles, was der Vater hat, ist mein!” ‒ OO
„Ich aber, und der Vater ‒ sind Eins!” OO
114 Mehr Licht
Die Gemeinsamkeit der Wenigen, die OO
„durch Selbstverwandlung wissend” sind, OO
ist die Darstellung des ewigen „ChristosOO
auf dieser Erde, und der Meister der OO
Evangelien ist einer der höchsten Söhne OO
dieser geistigen Gemeinsamkeit der Leuch‐ OO
tenden des Urlichtes, die allein den „Va‐ OO
ter” kennen und also tun können, wie der OO
„Vater” sie lehrt.
.Die Kirchlichen seiner Zeit nannten OO
den geistigen Meister aus Nazareth einen OO
„Fresser und Weinsäufer”, denn sie konn‐ OO
ten es nicht verstehen, daß ein Mensch, OO
der „aus Gott” sei, also mit den „Sün‐ OO
dern” lebe, ohne die Gaben dieser Erde OO
zu mißachten.
.Sie wußten nichts davon, daß in ihm OO
„Das Reich der Himmel”, in dem er gei‐ OO
stig lebte, ‒ nahe herbei gekommen war, OO
115 Mehr Licht
mitten in dieses Leben der Erde, und die OO
Erkenntnis des Kephas-Petrus war ihnen OO
fremd: „Herr, zu wem sollten wir gehen? OO
Du hast Worte des Lebens!”
.Aber der „Gottessohn” der Evangelien OO
dachte niemals daran, seine menschliche OO
Persönlichkeit als die einzige Trägerin OO
dieser Sohnschaft auf der Erde zu be‐ OO
trachten.
.Erst seine späteren Ausleger haben seine OO
Worte derart mißverstanden, und in ihremOO
Sinne gedreht und verdeutelt. ‒
.Unzählig sind die Irrtümer, die aus der OO
Nichterkenntnis des Christos-MysteriumsOO
stammen, und mancher irrigen Lehre hätte OO
man leichtlich wehren können, verstünde OO
man das Wort: „Ich bin die Tür; so jemand OO
durch mich eingeht, der wird selig wer‐ OO
den.” ‒
116 Mehr Licht
.So aber wird der „Stein, der zum Eck‐ OO
stein gesetzt ist, von den Bauleuten ver‐ OO
worfen” und die Menschen suchen auf OO
falschen Wegen, da ihnen der Weg, der OO
Wahrheit” ist und „Leben”, nicht gang‐ OO
bar erscheint.
In unseren Tagen erschien es der Welt als OO
ein Gebot der Gerechtigkeit, daß das Weib OO
dem Manne gleichgestellt werde, und die OO
Mahnung eines echten geistigen Schülers OO
seines Meisters, ‒ eines Schülers, der sein OO
Wissen durch „geistige Übertragung” er‐ OO
halten hatte, ‒ das Weib solle „schwei‐ OO
gen”: ‒ es solle nicht lehren in der Ge‐ OO
meinde, da es weder durch „geistige Über‐ OO
tragung” noch „durch Selbstverwandlung” OO
wissend werden kann, wurde als „veraltete OO
und unwürdige Auffassung vom Wesen des OO
Weibes” verlacht und verächtlich befunden. OO
117 Mehr Licht
.Mit dem ganzen Vollgewicht seiner ver‐ OO
pflichtenden Erkenntnisbürde muß aber OO
jeder, dem durch „geistige Übertragung” OO
oder durch Selbstverwandlung „Wissen” OO
ward, trotz aller in heiliger Ehrfurcht vor OO
dem „Wesen des Weibes” begründeten OO
Verehrung der Frau, die Worte des Paulus OO
bestätigen, die auch heute noch zu Recht OO
bestehen und ihre Gültigkeit auch in Jahr‐ OO
tausenden niemals verlieren können!
.Man hat nicht umsonst in Indien das OO
Linga und den Phallos im alten Hellas OO
zu allerheiligsten geistigen Symbolen er‐ OO
hoben, ‒ und selbst die Menschen, die OO
auch nur wenig über das exoterische Wis‐ OO
sen der alten asiatischen Kulte hinaus zum OO
höheren Verstehen kamen, haben doch er‐ OO
kannt, daß man gewisse geheime, hohe OO
geistige Kräfte nur dann besitzen kann, OO
wenn man als Erdenmensch ‒ in natura ‒ OO
118 Mehr Licht
besitzt, was diese Symbole darstellen. OO
Zwitterbildungen waren noch immer, OO
selbst von den äußerlichsten „Mysterien” OO
ausgeschlossen, und das Weib hatte stets OO
nur zu den Vorstufen allgemeiner BelehOO
rung Zutritt, während nur der Mann zum OO
„Eingeweihten” werden konnte, obwohl OO
man auch Frauen wahrlich jederzeit gerne OO
gab, was sie zu tragen vermochten. (De‐ OO
generierte Mysterienverbände, die bereits OO
Frauen aufnahmen, konnten das nur, weil OO
das wirkliche Mysterium von ihnen ent‐ OO
weiht, und ihnen daher längst entzogen OO
worden war!) Alle höchsten Mysterien in OO
des Wortes erhabenstem Sinne, ‒ in wel‐ OO
cher Form sie auch in der bisherigen OO
Menschheitsgeschichte aufgetreten sein OO
mögen, ‒ sind im Grunde reine, geistigeOO
Sexualmysterien, und „Kundalini”, die OO
geistgewandelte Zeugungskraft, ist nicht OO
umsonst den Indern heilig als die höchste OO
119 Mehr Licht
der Yogikräfte, ‒ wenn auch die solcher OO
Wandlung Kundigen nicht unter den Yogis OO
zu suchen sind, die der Reisende sieht.
.Alle geistige Kraftbetätigung braucht OO
korrelative körperliche Organe, um über‐ OO
haupt in diesem Erdenleben in Erschei‐ OO
nung treten zu können.
.Ein weiblicher geistiger „Meister” ist OO
ein Widerspruch in sich selbst, weil eine OO
Frau die körperlich-geistige VoraussetOO
zung nicht mitbringen kann, die sie das OO
Wissen-Können” eines geistigen Mei‐ OO
sters praktisch erwirken lassen würde, ‒ OO
denn das verlangt die ausgeprägte und un‐ OO
versehrte männliche sexuelle Artung! ‒ OO
.Die Frau kann als Somnambule, als OO
Seherin geboren sein, aber niemals kann OO
aus ihr eine „Initiierte” werden.
120 Mehr Licht
.Ihre geistig höchste Stufe erreicht die OO
Frau ausnahmslos erst in nachirdischenOO
Zuständen durch ihre Verschmelzung: ihre OO
Einswerdung mit einem männlich-pola‐ OO
ren, in Göttlichkeit verklärten Menschen‐ OO
geiste, der sie in sich selbst, in geheimnis‐ OO
voller Vereinung, ‒ wie in einem Taber‐ OO
nakel geborgen, in Liebe eingehüllt, ‒ OO
durch die Unendlichkeit der geistigen OO
Sphären trägt.
.Man betrachte nur einmal die mancher‐ OO
lei Männertypen der Evangelien, von dem OO
Meister angefangen bis zum entferntesten OO
seiner Jünger, und vergleiche mit allen OO
diesen Männern und ihrem machtvollen OO
Wort, ‒ nachdem sie zur Reife gelangten, OO
‒ die Frauengestalten, die in den Evan‐ OO
gelien geschildert werden, um zu begrei‐ OO
fen, in welcher Stellung allein die Frau OO
einen Platz finden kann, wenn das ChriOO
121 Mehr Licht
stos-Mysterium des Mannes ihr Dasein OO
wirksam berühren soll.
.Die beiden Pole des Geschlechtes sind OO
ewiger Natur und reichen bis ins Innerste OO
des Urlichtes hinauf.
.Niemals war eine Frau, wie populäre OO
Afterweisheit orakelt, „in einer früheren OO
Inkarnation” ein Mann, niemals könnteOO
sie „in einer späteren Inkarnation” zum OO
Manne werden!
.Was heute auf Erden „Mann” ist, war OO
immer, auch vor Ewigkeiten, männlichOO
polarer Art in ursprünglicher Geistnatur, OO
und was heute auf Erden als „Weib” lebt, OO
war ewig weiblich-geistiger Artung aus OO
dem weiblichen Sein in der Gottheit her, OO
die da „Mann” ist und „Weib”!
122 Mehr Licht
.Die absurde Annahme, die Polarität der OO
Geschlechter sei nur im Physischen be‐ OO
gründet und könne wechseln, verrät eine OO
absolute Unkenntnis der primären Ge‐ OO
setze des Geistes, in dem alle polare Ge‐ OO
schlechtlichkeit, auch die in der ganzen OO
nichtmenschlichen physischen Welt sich OO
auswirkende, von Ewigkeiten her geOO
geben ist.
.Daß manche Frauen „lieber Männer OO
sein” möchten, liegt nur in ihrer weibOO
lichen Geistesnatur begründet.
.Wären sie jemals Männer „gewesen”, OO
so wäre dieser Wunsch ihnen fremd.
.Das, was überdies in normalen Fällen OO
allein „reinkarniert”, sind lediglich die OO
nicht saturierten niederen Seelenkräfte, OO
die im Seelenkomplex neuer Menschen OO
123 Mehr Licht
immer wieder auftreten, bis der Impuls, OO
durch den sie in einem früheren Men‐ OO
schen geformt wurden, endgültig er‐ OO
schöpft ist.
.Sie können freilich von Männern auf OO
Frauen und von Frauen auf Männer über‐ OO
tragen werden, aber ohne die bestimmte OO
Sexualität ihrer jeweiligen Träger zu ver‐ OO
ändern.
.Jeder Mensch jedoch ist eine völlig einOO
zigartige Emanation des mit Individualisie‐ OO
rungswillen „geladenen” ewigen Geistes, OO
männlicher oder weiblich-polarer Span‐ OO
nung, ‒ obgleich im Manne auch Weib‐ OO
liches und im Weibe Männliches lebt, ‒ OO
und ein Mensch, der hier auf Erden seinen OO
Lebensweg vollendet hat, kehrt unter nor‐ OO
malen Umständen niemals als ein späterer OO
Mensch auf die Erde zurück.
124 Mehr Licht
.Die Fälle abnormaler Art, in denen tat‐ OO
sächlich „Reinkarnation” in dem plumpen OO
Sinne exoterischer Lehre eintreten kann: OO
Selbstmord, Tod im frühen KindesalOO
ter oder auf gänzlich vertierter geistiger OO
Stufe ‒ sind für die Regel kaum von Be‐ OO
lang und müssen jedenfalls hier insofern OO
außer betracht bleiben, als auch bei ihnen OO
niemals eine Änderung der von Ewigkeit OO
her gegebenen Geschlechtspolarität ein‐ OO
treten kann.
Was man heute „Theosophie” zu nennen OO
beliebt, sagt über diese Dinge freilich anOO
deres aus, und die gläubigen Bekenner mo‐ OO
derner „Geheimlehren” werden in mei‐ OO
nen Worten einen Angriff auf ihr liebstes OO
Dogma sehen.
.Aber ‒ ‒ wer ‒ hat diese „Geheim‐ OO
125 Mehr Licht
lehren” der Welt in so reicher Fülle ge‐ OO
geben??
.Gehen nicht alle diese Lehren, geht OO
nicht alle diese angebliche „Entschleie‐ OO
rung” geheimer Weisheit, die seit nahezu OO
einem halben Jahrhundert so manche Ge‐ OO
müter bannte, von einer Frau aus?
.Einer allerdings in gewissem Sinne „ge‐ OO
nialen” Frau, die manches an echter Weis‐ OO
heit zu erfassen wußte, von dem, was ihr OO
durch ihre somnambule Veranlagung zu‐ OO
kam, die aber leider auch genötigt war, OO
sich von männlichen KräftebeherrschernOO
aufs ärgste seelisch mißbrauchen zu lassen, OO
weil sie solchen Kräften, als Frau, einfach OO
nicht gewachsen sein konnte, und die man OO
schließlich, von autoritativer Seite her, in OO
die Irre führen lassen mußte, weil sie OO
sonst, ohne die Tragweite ihres Handelns OO
126 Mehr Licht
zu ahnen, zu einer „Gefahr für die Welt” OO
geworden wäre.
.Es war leider eine Frau, deren Ehrgeiz OO
hier zu geben suchte, was nur einer derer OO
hätte geben können, die „durch Selbst‐ OO
verwandlung wissend” sind, was aber ein OO
solcher niemals in der von ihr gewünsch‐ OO
ten Form gegeben haben würde.
Man sagt nun: „Sie war ja nur ein Werk‐ OO
zeug in der Hand ihrer „Meister”, denen OO
sie hingebend diente!”
.Gewiß! ‒ Das ist leider nur allzu wahr, OO
und eben darum wurde ihre, in einer Mi‐ OO
schung von Überheblichkeit und blindem OO
Vertrauen dargebotene Gabe ‒ ein Danaer‐ OO
geschenk! OO
127 Mehr Licht
.In ihren Schriften finden sich Bruch‐ OO
stücke wirklicher, ewiger Weisheit, ara‐ OO
beskenhaft durchschlungen mit dem Aber‐ OO
glauben aller Jahrhunderte und aller Zo‐ OO
nen.
.In ihren Schriften finden sich Ahnungen OO
höchster Erkenntnis, umwallt von einem OO
Nebelbrodem scheinbaren „Wissens”, das OO
aus Grüften düsterster menschlicher Ver‐ OO
irrung stammt, von denen, die es ihr ga‐ OO
ben, für „heilig” gehalten, weil es nur OO
unter Preisgabe des Heiligsten, das der OO
Menschengeist besitzt, zustande kam.
.In ihren Schriften finden sich Spuren OO
uralter Geisteswege, überwuchert von ‒ OO
parodierten ‒ Erklärungsversuchen, die OO
man ihr gab, um sie zu narren.
.Die Quellen ihrer Inspirationen sind OO
128 Mehr Licht
äußerst verschiedenwertig, und dem ent‐ OO
spricht bei ihr das jeweils Gegebene.
Die unglückliche Frau mußte ja, ‒ wie OO
wenn sie eine Art lebender „Telefunken‐ OO
station” gewesen wäre, ‒ infolge ihrer OO
abnormen somnambul-medialen Veranla‐ OO
gung alles aufnehmen, was sie aus aller OO
Welt und darüber hinaus erreichte.
.Es fehlte ihr, als Frau, die niemals die OO
erforderliche Gegenprobe auszuführen im‐ OO
stande sein konnte, jede Möglichkeit ei‐ OO
gener sicherer Kontrolle der Quellen.
.Vertrauensvoll glaubte sie an die „über‐ OO
ragende Weisheit”, die ihr unter anderem OO
von einer Seite übermittelt wurde, die OO
noch heute ein absonderliches Vergnügen OO
daran findet, „das Wissen der Westlichen” OO
129 Mehr Licht
zu parodieren, ‒ die noch heute bei „spi‐ OO
ritistischen Sitzungen” und wo sie sonst OO
eines medial veranlagten Europäers hab‐ OO
haft werden kann, zu diesem Zwecke alle OO
okkulten Künste spielen läßt, ‒ was frei‐ OO
lich denen, die dieses Gebiet menschlicher OO
Betätigung nicht aus über-sinnlicher Er‐ OO
fahrung kennen, recht wunderlich und OO
unglaubhaft erscheinen mag, obwohl sie OO
vielleicht selbst schon, geistigerweise, Op‐ OO
fer derartiger Menschen wurden, ohne es OO
zu ahnen.
.In völliger Passivität verfiel sie den Be‐ OO
einflussungen einer anderen, über ganz OO
Asien verbreiteten und am tiefstem in ein‐ OO
zelnen Gegenden Tibets wurzelnden Ge‐ OO
heimsekte, deren religiöse Pflicht es ist, OO
alle ihr reichlich bekannten okkulten Mit‐ OO
tel aufzubieten, um Europäer zu schädigen OO
und, wenn möglich, zu vernichten.
130 Mehr Licht
.Daneben gingen Einflüsse edler Schwär‐ OO
mer, die sie aus jenen Banden zu rettenOO
suchten, aber selbst nur Talmi statt GoldOO
zu geben hatten, und die noch überdies OO
bedenklich an ihr handelten, indem sie OO
ihr Beeinflussungsobjekt gerne in dem OO
Glauben ließen, gewisse andere Manifesta‐ OO
tionen physischer Art, die diesem sehr im‐ OO
ponierten, rührten ebenfalls von ihnenOO
her, die dann unbedenklich solche Mani‐ OO
festationen für ihre Zwecke benutzten.
Die gequälte Frau war nur allzu geneigt, OO
in kritikloser Eitelkeit alle Manifestatio‐ OO
nen auf die denkbar höchste und edelsteOO
Quelle, deren Vorhandensein sie auf som‐ OO
nambule Weise in Erfahrung gebracht OO
hatte, ‒ mit der sie aber nie in BerührungOO
kam, ‒ zu beziehen.
131 Mehr Licht
.Es war oft ein wahrer Hexensabbat der OO
verschiedenwertigsten okkulten Einflüsse OO
auf das erregbare Gemüt dieser beklagens‐ OO
werten Frau konzentriert, und hätte Herr OO
Hodgson etwas von den wirklichen Vor‐ OO
gängen um sie geahnt, dann wären die OO
Proceedings of the Society for PsychicalOO
Research” um einige Nummern reicher, OO
die in der ganzen Welt an Interessantheit OO
kaum ihresgleichen fänden. So aber konnte OO
er nur ihre äußeren TäuschungsversucheOO
aufdecken. (Siehe genannte Berichte!)
.Nun sagte ich aber schon, daß man noch OO
außerdem von autoritativer Seite her geOO
nötigt war, auf eine indirekte Weise alle OO
Mitteilungen an jene Frau verwirren zuOO
lassen, die sich auf gewisse Dinge bezo‐ OO
gen, deren Geheimhaltung für jeden da‐ OO
von Wissenden strengste Pflicht ist, will OO
er nicht, daß dem schauerlichen Reich‐ OO
132 Mehr Licht
tum an Zerstörungs-Erfindungen, über OO
den die westliche „Kultur”-Menschheit OO
verfügt, noch die entsetzlichsten okkult‐ OO
geistigen Spreng- und Auflösungskräfte OO
beigefügt werden. ‒
.(Wie Feuer und Elektrizität als wohl‐ OO
tätige Diener des Menschen fungieren, OO
aber auch alles dem Menschen Wertvolle OO
vernichten können, so wirken jene Kräfte OO
in der Hand verantwortungsvoller BerufeOO
ner zum Segen der Menschheit, während OO
sie allen anderen, auch wenn dies gegen OO
ihren Willen ist, zu VernichtungskräftenOO
werden.)
.Man wird begreifen, daß aus allen die‐ OO
sen Einflüssen und Gegeneinflüssen nichts OO
anderes resultieren konnte, als das mit den OO
wunderlichsten Schlingpflanzen durchwo‐ OO
bene Urwald-Dickicht, das in den Schrif‐ OO
133 Mehr Licht
ten und den Berichten über das Leben der OO
merkwürdigen Frau sich weithin ausbreitet. OO
Aus den seltsamen Orchideen und betäu‐ OO
bend duftenden Dschungelblumen dieses OO
tropischen Urwaldes sind nun aber die OO
Kränze gewunden, die man seit den OO
Erdentagen dieser seherischen, unglück‐ OO
lichen Somnambule in Ehrfurcht auf den OO
Altären des Tempels der „Meister” opfern OO
zu müssen meinte...
.Auf den Lehren dieser, für äußere Au‐ OO
gen so abenteuerlich mysteriösen Frau OO
baut sich schlechthin alles auf, was seit OO
ihrer Zeit den Namen „Theosophie” für OO
sich usurpierte.
.Männer, die durch ihre eigene som‐ OO
nambule Veranlagung sich zu dieser Frau, OO
134 Mehr Licht
zu ihren Schriften oder den Berichten OO
über ihr Leben hingezogen fühlten, unter‐ OO
lagen den gleichen Einflüssen wie sie, OO
und „bestätigten” nun in ‒ wie sie es OO
nannten ‒ „geisteswissenschaftlicher For‐ OO
schung” ‒ was ihre in unterweltlichen OO
Feuerbränden glühende Prophetin ver‐ OO
kündet hatte.
.Frauen hochsensitiver Veranlagung und OO
erfüllt von reinster Begeisterung, lebten OO
sich derart in die Vorstellungswelt ihrer OO
berühmten Vorgängerin ein, daß sie bald OO
alles „sehen” lernten wie Frau HelenaOO
Petrowna Blavatskij es gesehen wissen OO
wollte, und daß jeder leise Zweifel an OO
irgendeiner Behauptung, die durch ihre OO
Autorität gestützt war, ihnen wie ein Ver‐ OO
brechen gegen alle geistige Wahrheit er‐ OO
schien.
135 Mehr Licht
.So wurde schließlich ein Boden ge‐ OO
schaffen, auf dem die verschiedensten gei‐ OO
stigen Parasiten nur allzu üppig gedei‐ OO
hen konnten, und ihre Entzündungsherde OO
durften sich ungehindert immer weiter OO
ausbreiten, denn es war ja nur allzu leicht, OO
jede noch so abstruse Lehre entweder OO
durch die in den Schriften der „Dienerin OO
der Meister” aufgefundenen Aussprüche OO
zu stützen, oder aber sie als neuestes Er‐ OO
gebnis der „geisteswissenschaftlichen For‐ OO
schung” auszugeben.
Besonders die letzte Methode tat immer OO
ihre Wirkung, denn „geisteswissenschaft‐ OO
liche Forschung” ‒ das klang dem an OO
die exakt-wissenschaftlichen Forschungs‐ OO
methoden der Naturwissenschaft gewohn‐ OO
ten Abendländer so vertrauenerweckend, OO
daß er sich ohne weiteres von beson‐ OO
136 Mehr Licht
ders geschickten Begriffs-Jongleuren „For‐ OO
schungsergebnisse” vorführen ließ, die OO
nur, ‒ bestenfalls, ‒ in der SelbsthypnoseOO
der „Geistesforscher” zustande gekommen OO
waren, und nun den Anlaß zu verhängnis‐ OO
vollen, durch mancherlei Nebenmittel ge‐ OO
förderten Kollektivhypnosen boten...
.Jeder, der die Geschichte der anglo‐ OO
indischen „theosophischen” Bewegung OO
und ihrer Auswirkungen auch nur einiger‐ OO
maßen kennt, wird unschwer Beispiele OO
finden, auf die sich meine Worte bezie‐ OO
hen.
.Daß sich diese Bewegung auch in IndienOO
ausbreiten konnte, spricht nicht sehr zu‐ OO
gunsten der Urteilskraft moderner, halb‐ OO
europäisierter Inder. Allerdings läßt sich OO
das Urteilsvermögen vieler Europäer ge‐ OO
wiß nicht höher einschätzen, die jedem OO
137 Mehr Licht
Phantasten, ja jedem geschäftstüchtigen OO
weltbereisenden asiatischen Gaukler, in OO
Scharen nachlaufen, wenn der vermeint‐ OO
liche „Seher”, „Meister”, „Yogi” oder OO
wie immer er sich nennen mag, nur einen OO
exotischen Kaftan oder Ähnliches trägt, OO
und etwa gar noch möglichst dunkler OO
Hautfarbe ist. ‒
.Wer es vermag, die Schriften der BeOO
gründerin dieser Bewegung nicht nur mit OO
gläubigem Staunen und ehrfurchtsvoller OO
Befangenheit zu lesen, ‒ wer es wagt, OO
diese Schriften auch einmal kritisch durch‐ OO
zuprüfen und wer die Berichte über das OO
Leben der Verfasserin ebenso kritisch zu OO
betrachten unternimmt, der wird gar bald OO
imstande sein, alles, was ich über die OO
Quellen ihrer Inspiration sagte, selbst be‐ OO
stätigt zu sehen. Er wird auch bald ent‐ OO
decken, daß ein seinerzeit Aufsehen er‐ OO
138 Mehr Licht
regender Versuch, die unglückliche Frau OO
als das Opfer europäischer Okkultisten OO
darzustellen, auf völliger Unfähigkeit be‐ OO
ruhte, die Dinge, wie sie wirklich lagen, OO
durchdringen zu können.
.Ich glaube nicht, daß ich bei halbwegs OO
Urteilsfähigen noch genötigt bin, Rechen‐ OO
schaft abzulegen über die Quelle meinesOO
Wissens in dieser Sache.
.Nach allem, was ich bis jetzt darlege, OO
mag man mir zwar den Glauben versagen, OO
wenn man dazu nach Überprüfung dessen, OO
was sich leicht überprüfen läßt, noch OO
den zweifelhaften Mut finden sollte, aber OO
daß ich, meiner Verantwortung wohl be‐ OO
wußt, aus einer absoluten Wissensgewiß‐ OO
heit spreche, dürfte wohl auch denen OO
nicht ganz entgangen sein, die es für ihre OO
139 Mehr Licht
Zwecke lieber gesehen hätten, diese Worte OO
wären niemals geschrieben worden.
.Auch ich hätte sie lieber nicht geschrie‐ OO
ben und mein Wissen still für mich be‐ OO
halten, wenn ich nicht zu ihrer Nieder‐ OO
schrift verpflichtet wäre.
.Ich spreche in völliger Übereinstim‐ OO
mung mit denen, die Frau Blavatskij zwar OO
auf somnambule Weise ahnte, mit denen OO
sie in Verbindung zu sein glaubte, mit OO
denen sie aber niemals in irgendeinerOO
okkultenoder auch nur der äußerOO
lichsten Verbindung war.
.Unsere Kenntnis der Dinge gründet sich OO
nicht auf irgendwelche äußeren Beobach‐ OO
tungen, sondern ergibt sich aus einer Wahr‐ OO
nehmungsart, vor der es keine Schleier OO
und Hüllen geben kann, so dicht sie auch OO
140 Mehr Licht
selbst unseren äußeren Augen gezogen OO
erscheinen mögen.
.Im Namen derer, die „durch Selbstver‐ OO
wandlung wissend” sind und deren stille, OO
verborgene geistige Gemeinschaft schon OO
viele Jahrtausende überdauert hat, erkläre OO
ich, daß Frau Helena Petrowna BlavatskijOO
irrte, als sie glaubte, jemals mit einem OO
aus uns in direkte okkulte oder äußereOO
Berührung gekommen zu sein, und daß OO
sie keine Ahnung hatte, wer ihre Inspira‐ OO
toren in Wirklichkeit waren, die Inspira‐ OO
toren der Lehren, die sie selbst mit dem OO
Namen „Theosophie” zu belegen für gut OO
fand, durch die willkürliche Benennung OO
der von ihr gegründeten Gesellschaft, die OO
vor dieser Umtaufe eine sehr wesentlich OO
andere Bezeichnung getragen hatte und OO
sich offen: „spiritistisch” nannte.
141 Mehr Licht
Die von ihr verkündeten Lehren sind ein OO
Mixtum compositum der heterogensten OO
Vorstellungen aller Zeiten und Völker, OO
vermehrt durch persönliche Zutaten der OO
Herausgeberin und ihrer äußerlich helfen‐ OO
den englischen und anderen westlichen OO
Freunde, und haben mit wahrer „Theo‐ OO
sophie”, so wie das Wort seit manchem OO
Jahrhundert verstanden wurde, seit es OO
durch den Apostel Paulus Verbreitung OO
fand, so wenig gemeinsam, daß es eine OO
Begriffsfälschung darstellt, sie mit die‐ OO
sem Namen zu bezeichnen.
.Echte „Theosophie” vermag es wohl, OO
sich in die verschiedensten religiösen Ge‐ OO
wänder zu hüllen, aber niemals kann ein OO
zusammengeflickter Mantel aus den Über‐ OO
resten der Priestergewänder aller Reli‐ OO
gionen seinen Träger mit „Theo-Sophia”: OO
‒ mit Gottes-Wissen oder Gottes-Erken‐ OO
nen ‒ begaben.
142 Mehr Licht
.Man mag Lao-tse, die großen indischen OO
und tibetischen Religionslehrer, den Apo‐ OO
stel Paulus und den Verfasser des „JoOO
hannes”-Evangeliums ebenso als Verkün‐ OO
der wahrer „Theosophie” bezeichnen, wie OO
die weisheitstrunkenen echten alten mos‐ OO
limischen „Sufi” im alten Persien, oder OO
den „letzten indischen Propheten” RaOO
makrischna, ‒ die mystischen Philoso‐ OO
phen Tauler und Meister Eckhard, oder OO
den noch lange nicht verstandenen geistig OO
erbheimischen Jakob Böhme, ‒ aber es OO
geht nicht an, die Niederschläge der ok‐ OO
kulten Besessenheit, die in der „Geheim‐ OO
lehre” der Frau Blavatskij vorliegen, als OO
„Theosophie” zu deklarieren.
.Das wirkliche Verdienst dieser aben‐ OO
teuerlichen Frau bestand darin, daß sie OO
der Welt des Westens Hinweise gab auf OO
die Existenz einer Weisheitsquelle im OO
„innersten Osten”, die sie, wie Moses das OO
143 Mehr Licht
gelobte Land, zwar ahnend erschaute, de‐ OO
ren Wasser aber ihre ungestüm heischen‐ OO
den Lippen niemals netzten.
Wie man dieser reinen Quelle, die „von OO
hohen Bergen fließt”, wirklich nahe kom‐ OO
men kann, habe ich in meinen Schriften OO
stets wieder zu zeigen unternommen.
.Wer diese Quelle erreichen will, muß OO
in seinem eigenen Innern suchen und OO
hier den „Höhenweg” ersteigen.
.Er bleibe ruhig in seiner, ihm von OO
Jugend an vertrauten Glaubensform und OO
übersetze sich das, was ich in meinen OO
Schriften gebe, in dieser Glaubensform alt‐ OO
begründete Begriffe, wohl bedenkend, daß OO
ich in erster Linie für Menschen schreibe, OO
die in den herrschenden Glaubensformen OO
144 Mehr Licht
kein Genügen fanden und dennoch ihren OO
lebendigen Gott zu erringen trachten.
.Wer weitere Belehrung zu brauchen OO
glaubt, und auch zwischen den Zeilen zu OO
lesen versteht, der durchforsche nur nüch‐ OO
ternen Sinnes die Schriften der oben ge‐ OO
nannten mystischen Philosophen zu de‐ OO
nen noch Angelus Silesius und Thomas âOO
Kempis mit Fug und Recht zu zählen sind. OO
.Er wähle sich aus, was zu seiner SeeleOO
spricht, wo immer er es finden mag, aber OO
er vermeide den Irrtum, als sei „das WisOO
sen der Seele”: ‒ die wirkliche „Theo‐ OO
sophie” aller Völker und Zeiten! ‒ ein OO
„Wissen” im Sinne einer „Wissenschaft”. OO
Als bedürfe dieses „Wissen der ewigen OO
Seele” einer Förderung durch äußeren OO
Gesellschaftsverband oder könne jemals OO
durch das Studium dickleibiger Folianten OO
errungen werden. ‒ Es würde aber auch OO
145 Mehr Licht
eine Lebensarbeit bedeuten, wollte sich OO
jemand die Aufgabe stellen, jedes in OO
der Welt vorhandene schriftliche Zeugnis OO
wahrhaft geistiger Lebendiger kennenzuOO
lernen, und ein in solcher Art verbrauch‐ OO
tes Leben würde dabei noch weitab führen OO
von dem Wege der Seele zum Licht. Alle, OO
die solchem Erspüren ihr Leben gewidmet OO
hatten, sind noch immer zuletzt in tiefster OO
Seelennot von dieser Erde abgeschieden. OO
.„Wer suchet, der wird finden, und wer OO
anklopft, dem wird aufgetan”: ‒ aber nur OO
stete Beharrlichkeit beim Suchen und OO
Anklopfen im eigenen Innern führt zum OO
Ziele, das der Meister der Evangelien sei‐ OO
nen Auserwählten zeigte, als er sagte:
.Wer an mich glaubt, der glaubt nicht OO
an mich, sondern an den, der mich geOO
sandt hat!”
146 Mehr Licht
.„Denn ich habe nicht von mir selbst ge‐ OO
redet, sondern der Vater, der mich geOO
sandt hat, der hat mir das Gebot gegeben, OO
was ich reden und was ich lehren soll. OO
Und ich weiß, daß sein Gebot das ewige OO
Leben ist. Darum, was ich rede, rede ich OO
so, wie es mir der Vater gesagt hat!”
.In diesen Worten spricht er für Jeden, OO
der den „Vater” kennt, mag er in Indien, OO
China, Tibet, oder aber nun im modernen OO
Europa sich in seinem Irdischen offen‐ OO
baren. Die Worte eines Jeden, der lehrt, OO
wie es ihm der „Vater” geboten hat, füh‐ OO
ren hin zu wahrer „Theo-Sophia”, die OO
identisch ist mit dem urgegebenen, ge‐ OO
heimnisvollen geistigen „ChristentumOO
aus dem ewigen „Christos” im Urlichte, OO
dessen erhabenster Tempel auf Erden OO
lange bevor der Meister von Nazareth als OO
ein ihm Eingefügter die ewige Liebe er‐ OO
147 Mehr Licht
leben lehrte, im „innersten Osten” allein OO
gefunden ward. Hier wird er bestehen OO
bleiben bis zum Ende der Tage auf dieser OO
Erde, und, mit ihm für alle Zeiten die OO
ewig Verordneten, die ihm eingefügt sind OO
als „Priester nach der Ordnung des MelOO
chisedek”: ‒ der Ordnung, die das OO
Ewige sich selbst im Zeitlichen setzt!
.Nur diesen unsagbar wenigen Erden‐ OO
menschen, deren ewiges Geistiges aus der OO
„Sóphia”: ‒ der Weisheit! ‒ Gottes, als OO
dem ewigen weiblichen Pole des substan‐ OO
tiellen Geistes, die Bewußtseinsgestaltung OO
dazu empfing, ist es nach dieser Ordnung OO
jemals möglich, auch ihren irdischen Mit‐ OO
menschen die Erkenntnis und das Wissen OO
um die Sóphia in Gott zu vermitteln!
148 Mehr Licht
VON DEN DREI STUFEN
Umgeben von einer Welt, die sich nur phyOO
sischen Sinnen offenbart, ‒ dem Außen‐ OO
körper nach selbst ein Teil dieser Welt, ‒ OO
erschöpft sich dennoch des Menschen Da‐ OO
sein keineswegs in dieser Welt Leben.
.Tief dringt der forschende Gedanke in OO
das innere Wirken und Weben dieser Welt, OO
aber weit Tieferes dieses Wirkens und OO
Webens bleibt ihm unerschlossen.
.Geheimnisvolle Kräfte schaffen im In‐ OO
nersten dieser Welt Gestaltung, ‒ wenigen OO
nur erkennbar. Aber immer wieder lassen OO
sich Menschen verführen durch den Wahn, OO
diese Kräfte „meistern” zu können, indes OO
diese Kräfte allein ihren eingewobenen OO
Gesetzen dienstbar sind, und jeden früher OO
oder später vernichten müssen, der sich OO
töricht vermißt, sie aus ihrer Bahn lenken OO
zu wollen.
151 Mehr Licht
.Dieses okkulte Reich der Natur, von OO
dem ich hier rede, hat noch keinem, der OO
es betrat, letztlich Gewinn gebracht.
.Wie eine Fliege im Netze einer Spinne OO
gefangen und ausgesaugt wird, so wird OO
Jeder gefangen, umsponnen und ausge‐ OO
sogen, wagt er sich allzu weit vor in dieses OO
Reich.
.Und wie ein großes gefangenes Insekt OO
an dem Netz einer Spinne rütteln wird, OO
so auch rüttelt der also Vermessene an OO
dem Gewebe okkulter Kräfte der Natur, OO
und seine Anhänger stehen staunend und OO
sagen: „Seht doch, wie er die okkulten OO
Kräfte zu bemeistern weiß!”
.Sie ahnen nicht, daß er nur die Fäden OO
bewegt, die ihn gefangen halten und bald OO
völlig fesseln werden, um ihn zu verder‐ OO
152 Mehr Licht
ben... Dem Untergang geweiht, verlockt OO
er noch andere auf den Weg der VernichOO
tung.
.Nicht in dieser, den Sinnen faßbaren OO
Natur, und nicht in den okkulten Kräften OO
im Innersten dieser Natur aber erschöpft OO
sich das Dasein des Menschen, obwohl er OO
selbst nur als Wirkung jener okkulten OO
Kräfte in Erscheinung treten kann, ‒ ob‐ OO
wohl er selbst sich darstellt als okkulte OO
Kraft.
.Zwar ist der Mensch der Erde selbstOO
eine dieser okkulten Kräfte der Natur, OO
aber er ist zugleich noch anderes!
.Wohl weiß ich zu verstehen, wenn gesagt OO
wird: „Es gibt nichts Übernatürliches!” OO
‒ „Auch das Unbegreiflichste, das unseren OO
153 Mehr Licht
irdischen Sinnen begegnen kann, ist noch OO
innerhalb der Natur!” ‒ und wenn man OO
so die Einheit allen Lebens für eigenes OO
Verstehen und Deuten wahren möchte.
.Aber mit solchen Worten täuschen wir OO
uns dennoch selbst; denn es gibt wahrOO
lich etwas, das von gänzlich anderer Be‐ OO
schaffenheit ist, als alles, was wir gemein‐ OO
hin, und selbst im weitesten Sinne, als OO
„Die Natur” betrachten!
.Es gibt wahrlich etwas, das nicht innerOO
halb der von uns als „gesetzmäßig be‐ OO
dingt” erkannten Abläufe des Geschehens OO
liegt, ‒ das gänzlich anderen Bedingun‐ OO
gen gehorcht, als alles, was wir als phy‐ OO
sische „Natur” erkennen!
.Wollen wir dieses so völlig Andersartige OO
auch im Sinne der Alltagsrede zur „Na‐ OO
154 Mehr Licht
tur” rechnen, so verwirren wir nur in unOO
serer Vorstellung, was in WirklichkeitOO
klar geschieden ist, trotz der allem überOO
geordneten Einheit.
.Begünstigt wird diese Verwirrung durch OO
die Nichterkenntnis der, dem allgemeinen OO
Erkenntnisvermögen „okkulten”, ewigen OO
Urseinskräfte der Natur, die das einzig OO
Wirkliche sind in der äußeren Erschei‐ OO
nungen ewigem Wechsel.
.Nur sehr wenige auf dieser Erde ahnen, OO
welcher Wirkungen diese Kräfte fähig sind, OO
wie so gar vieles, das man als „übernatür‐ OO
lich” bezeichnete, klargeprägte Wirkung OO
dieser Kräfte ist.
.So bleibt es denn wohlbegründet, wenn OO
auch geheimnisvollstes Geschehen als nochOO
innerhalb derNaturverankert be‐ OO
155 Mehr Licht
trachtet wird, aber es gibt, weit über dieOO
geheimnisvollsten Vorgänge innerhalbOO
der okkulten physischenNaturhinaus, OO
Regionen des Geschehens, die völlig un‐ OO
erkannt bleiben, solange man sie in kon‐ OO
tinuierlichem Zusammenhang mit jenen OO
Möglichkeiten des Geschehens glaubt, die OO
uns als naturgesetzlich begründet er‐ OO
scheinen. ‒
Zwei Worte stehen mir zur Bezeichnung OO
dieser höheren Regionen zur Wahl: „SeeleOO
und „Geist”.
.In neuerer Zeit gibt es gar viele, die OO
dem Worte „Seele” höheren Rang an‐ OO
weisen, aber ich glaube, daß schon die OO
Genesis dieses Wortes innerhalb der deut‐ OO
schen Sprache mir ein Recht geben dürfte, OO
es als Bezeichnung jenes „flutenden” lich‐ OO
156 Mehr Licht
ten Zwischenreiches zu wählen, das zwischen OO
dem, was man die physische „Na‐ OO
tur” zu nennen pflegt, und dem urgrün‐ OO
digen, wesenhaften Reiche höchster Kraft OO
und Weisheit, das ich das Reich des OO
Geistes nenne, mitteninne liegt.
.Das Reich der Seele gleicht einem „flu‐ OO
tenden Meere” geheimnisvoller, vom Rei‐ OO
che des Geistes überstrahlter Kräfte, die OO
alles übersteigen, was in der Region der OO
okkulten Kräfte der physischen „Natur” OO
zu finden ist, und die durchaus unabOO
hängig von jenen Gesetzen wirken, durch OO
die sich das Wirken der okkulten Kräfte OO
der physischen „Natur” bestimmt sieht. OO
.Auch in dieser Region der Seele ist der OO
Mensch, gleichwie in der physischen „Na‐ OO
tur”, in seinem Eigentum. Auch hier ist OO
er selbst ein Teil des unermeßlichen Gan‐ OO
157 Mehr Licht
zen, und seine Eigenseele ist ein Komplex OO
aus Myriaden dieser Kräfte des „Meeres” OO
der Seele.
.Hier hat er jedoch ein Recht, sich Kräfte OO
untertan zu machen! Hier ist es Gebot für OO
ihn, die Kräfte meistern, zu lernen! ‒
Zwischenliegend, zwischen den Kräften OO
der physischen „Natur” und denen des OO
reinen Geistes, ist das Reich der „SeeleOO
beider Influenz erreichbar. Seine Kräfte OO
sind jedoch nicht etwa den Kräften der OO
physischen „Natur” unterworfen!
.Beruf des Menschen ist es, sich selbst, OO
soweit er Niederem zugehört, dem OO
heren in ihm zu Dienste zu geben. Nur OO
so kann er sich zu ewiger GestaltungOO
schaffen, als individuelle Wesenheit.
158 Mehr Licht
.Darum muß er auch noch über dasOO
Reich der Seele hinaus zu seinem Ursein, OO
im Geiste, das er einst verließ, zurück OO
gelangen.
.Hier erst ist er wirklich in seiner „Hei‐ OO
mat”, und von hier aus erst vermag er es, OO
sich ewig zu erhalten.
.Hier hat die hohe Gemeinschaft des OO
Geistes, aus der ich rede, ihren Tempel, OO
und von hier aus kommt jedem die Füh‐ OO
rung, der ernstlich durch sein Tun nach OO
ihr verlangt.
Brüder im Geiste, sind wir, die seit Ur‐ OO
zeittagen, aus dem reinen Geiste geboren, OO
in der Menschheit wirkten, hier vereinigt OO
in Alleinheit: aber „Bruder im Geiste” OO
ward uns allezeit nur der, den wir durchOO
159 Mehr Licht
des UrlichtesWortbereitet fanden, OO
ehe er geboren wurde, sodaß wir ihn, war OO
er im irdischen Erlebensvermögen durch OO
uns vollendet, dann in unsere Mitte führ‐ OO
ren durften.
.Torheit hat zu allen Zeiten sich ver‐ OO
messen, auf Schleichwegen uns zu errei‐ OO
chen, aber der unübersteigbare Wall ewiger OO
Gesetze des reinen, wesenhaften Geistes, OO
läßt keinen auch nur von ferne unseren OO
Tempel schauen, der sich in selbstgefälli‐ OO
ger Überheblichkeit etwa berufen glauben OO
sollte, den Weg zum Geiste zu finden, OO
ohne den einzigen Weg zu gehen, den der OO
Geist seit Urzeittagen allen, die ihn suchen, OO
selbst bereitet hat.
.Keiner kommt zum Vater, außerOO
durch mich!” ‒ So durfte daher vor Zei‐ OO
ten einer der Unseren sprechen, der wahr‐ OO
160 Mehr Licht
haft „Weg” geworden war ‒ doch man OO
verstand ihn nicht und machte aus ihm, OO
‒ der Vorstellungswelt seiner Zeit ent‐ OO
sprechend, ‒ einen menschgewordenen OO
Gott.
.Er aber war wahrhaft „Gottessohn”, ge‐ OO
nau so wie seine geistigen Brüder ausOO
dem reinen Geiste geboren, und verhehlte OO
nicht, daß in seines Vaters Hause „vieleOO
Wohnungen sind. ‒
.Er wehrte und sprach: „Was nennst du OO
mich gut? ‒ Gott allein ist gut!”
.Nicht er trägt Schuld, wenn eine Lehre OO
sich um seinen Namen rankt, die, ‒ alter OO
Götterlehren Frucht, ‒ aus ihm den OO
Menschengott dieses kleinen Planeten OO
schuf.
161 Mehr Licht
Wohl war er strahlender vom Urlicht OO
durchglüht, als jener indische Königs‐ OO
sohn, den die Welt als Gautama, den OO
Buddha, kennt, denn in dem Buddha lebte OO
nur ein Mensch, der Licht erlangte, nicht OO
einer, der im Lichte des Geistes geborenOO
war. ‒
.Nicht selbst zum „Wege” geworden war OO
dieser Buddha! Nicht vom Geiste als Weg OO
bereitet! Nur seine unermeßliche Liebe OO
zu aller Kreatur ließ ihn einen Weg erOO
graben, der zur Erleuchtung, zu geistigem OO
Lichte, aber nicht zur wirklichen WiederOO
erlangung geistiger Gotteinheit führt, OO
wenn dieser Weg auch zuletzt, in gewissen OO
Abzweigungen, dahin führen kann, aber OO
dann nicht mehr der historisch bekannte OO
Weg des Buddha ist, sondern uralten anOO
deren Wegmarken folgt.
162 Mehr Licht
.Man ist geneigt in unseren Tagen, die OO
merklichen Unterschiede zu verwischen, OO
die von der Lehre dieses Weisen scharf die OO
lebendige Geistesmacht des Meisters aus OO
Nazareth trennen.
.Man wird erst erkennen lernen müssen, OO
wer dieser Meister wirklich war, der von OO
sich sagen durfte, daß er „der Weg, dieOO
Wahrheit und das Leben” sei. ‒
.Man wird erst verstehen lernen müssen OO
weshalb er berechtigt war, zu sagen: „Wer OO
nicht mit mir ist, der ist wider mich, und OO
wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut”. OO
.Ich rede jedoch hier von der historischOO
gegebenen Erscheinung jenes Mannes, von OO
dem die Evangelien künden, ‒ nicht von OO
der Gestalt des Kultes, die der Glaube OO
Vieler mit ihm identisch glaubt!
163 Mehr Licht
.Ich rede ebenso nur von dem Manne, OO
der als Gautama, der Buddha, die Lande OO
Indiens als Lehrender durchzog.
Scharf von diesen menschlichen PersönOO
lichkeiten zu trennen ist die erhabene OO
göttliche Wesenheit, die bei den nörd‐ OO
lichen Buddhisten als höchster himmli‐ OO
scher „Buddha”, bei den Christen als OO
„Christus”, im Sinne einer „Person in der OO
Gottheit”, Anbetung und Verehrung findet. OO
.Die theologische Vermischung einer OO
menschlichen Erscheinung auf dieser Erde OO
mit der höchsten Selbstdarstellung desOO
ewigen Urlichts: ‒ des ewigen Geistes, OO
als individuelle höchste Geisteswesenheit, OO
trägt nicht zum wenigsten Schuld daran, OO
daß man weder in Wahrheit erkennt, OO
wer der Meister aus Nazareth war, noch OO
164 Mehr Licht
zur hohen Erkenntnis des „Logos”, des OO
Wortes”, das „Gott” ist, der individuaOO
lisierten Selbstaussprache des ewigen UrOO
lichtes gelangt.
.Diese höchste individualisierte Selbst‐ OO
darstellung des Geistes ist aber der ewigeOO
Ausgangspunkt aller geistigen HierarOO
chien, bis herab zu den wenigen geistig Er‐ OO
wachten dieser Erde, in denen diese Hie‐ OO
rarchien ihre letzte Auswirkung finden, ‒ OO
die sie sich selbst bereiten, um die Verei‐ OO
nigung des Menschengeistes mit eben die‐ OO
sem ewigen Ausgangspunkt im Bewußtsein OO
des Erdenmenschen wieder herzustellen. OO
Erstes und Letztes ist so in theologischer OO
Lehre vermischt ‒ nur wenigen erkennbar. OO
Auf jener Höhe, zu der Gautama, der OO
Buddha, dringen konnte, hat das GebetOO
165 Mehr Licht
kein logisch erweisbares Recht mehr, aber OO
‒ es gibt einen weitaus höheren Zustand, OO
den selbst der höchste Aufstieg des Buddha OO
nicht erreichte, der nicht erstiegen, der OO
nur mit Geistesflügeln „erflogen” werden OO
kann, und in diesem Zustand, gotteinig im OO
reinen Geiste, wird das Gebet erst wahr‐ OO
haft Ausdruck innigster Vereinigung desOO
individuellen ewigen GeistesmenschenOO
mit dem Urlicht, aus dem er lebt.
.Hier erst wird offenbar, was das Wort OO
des Meisters von Nazareth besagen will: OO
„Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so OO
werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch OO
aufgetan.”
.Und weiter: „Um was immer ihr den OO
Vater in meinem Namen bitten werdet, OO
das wird er euch geben.”
166 Mehr Licht
.Er aber, der allen, die an ihn glaubten OO
und sein Wort lebten, ewiges Leben ver‐ OO
hieß, wußte gar wohl, daß mehr dazu ge‐ OO
höre, als was „Natur”, ‒ was „Fleisch und OO
Blut” offenbart, ‒ um ihn zu verstehen. OO
.Er spricht von denen, die „draußen” OO
sind, die „mit sehenden Augen sehen und OO
doch nicht erkennen, mit hörenden Ohren OO
hören, und doch nicht verstehen”.
.Es wird aber allezeit solche geben, die OO
„draußen” sind...
.Wer noch die okkulten Kräfte innerster OO
physischer „Natur” zu beherrschen strebt, OO
wer sich als Lehrender gebärdet, ohne zu OO
ahnen, woher ihm seine vermeintliche OO
Weisheit kommt, wer noch im tiefen Dun‐ OO
kel steckt und dennoch anderen als Leuchte OO
167 Mehr Licht
gelten möchte, wer seines Denkens Mei‐ OO
nung wie ein Götzenbild verehrt, wer OO
jenen einen Weg zum Geiste, der ihm OO
gangbar wäre, nicht betreten mag, dem OO
können wir, so tief wir ihn in seinem Wahn OO
bedauern, nicht des Geistes Hilfe senden. OO
.Wer da in „blinder Nichterkenntnis” OO
glaubt, im Reiche der Seele geborgen zu OO
sein, ohne die Kräfte dieses Reiches wahrOO
haft zu bemeistern: ‒ auch der wird ver‐ OO
geblich nach „Geisteshilfe” rufen.
.Erst wer den okkulten Kräften der irdi‐ OO
schen „Natur” sich entwindet, die Kräfte OO
der Seele zu meistern weiß, und alsdann OO
höher strebt, dem Reiche des reinen GeiOO
stes zu, dem gewährt der Geist seine Hilfe, OO
weil sie dann erst aufgenommen werden OO
kann, ‒ und nur, wem der Geist zu hel‐ OO
fen gebietet, dem dürfen wir, aus des Gei‐ OO
stes Kräften, Hilfe bringen.
.Er wird befreit von allem niederen OO
168 Mehr Licht
Herrschaftsverlangen, und im reinen GeiOO
ste, davon er vor Ewigkeiten ausgegangen, OO
wird er wieder erneut das ihm ehedem OO
eigene Bewußtsein erlangen.
.Lebendig geworden im reinen GeisteOO
wird er der Liebe leben, wissend, daßOO
nichts Bestand im Geiste hat, das derOO
Liebe unwert ist, ‒ nichts, das seinen OO
Haß erregen könnte. ‒
Schmähsüchtige Ohnmacht hat schon vor OO
Tausenden von Jahren vergeblich versucht, OO
die Gemeinschaft im reinen Geiste, von OO
der meine Worte zeugen, mit giftigem OO
Geifer zu besudeln, aber noch immer fiel OO
solcher ekle Auswurf auf den zurück, der OO
uns zu beschmutzen gedachte.
.Es leben mit uns im reinen Geiste dieOO
Ewiglebenden, denen einst solches blinde, OO
169 Mehr Licht
geifernde Wüten galt, aber vergeblich OO
würde man in allen Reichen der kosmi‐ OO
schen physischen „Natur”, im Reiche der OO
Seele, im Reiche des reinen Geistes, auch OO
nur eine letzte Spur ihrer einstigen, un‐ OO
säglich törichten Widersacher zu finden OO
suchen.
.Nichts Unreines kann das ewige LebenOO
im reinen Geiste erlangen!
.„Denn draußen sind die Hunde und OO
die Zauberer und die Hurer und die Tot‐ OO
schläger und alle, die lieb haben und tunOO
die Lüge.”
.„Selig aber, die zum Abendmahl des OO
Lammes berufen sind!”
.Also steht es geschrieben seit zwei Jahr‐ OO
tausenden, und der das einst schrieb, der OO
170 Mehr Licht
wußte wohl, von wannen ihm der Ruf zum OO
Schreiben kam, sodaß zu wissen nottut, OO
daß wenig von dem, was man ihm zu‐ OO
schreibt, wirklich von ihm geschrieben ist. OO
.Er sprach, wie so mancher andere Be‐ OO
rufene, von den gleichen Dingen, von de‐ OO
nen ich heute in anderen Bildern rede. OO
.Die Gemeinschaft des Geistes, die sich OO
ihm offenbarte, hat sich zu jeder Zeit der OO
zeitgerechten Symbole bedient.
.Verschieden in allen Völkern und Reli‐ OO
gionen sind die Formen ihrer Offenbarung, OO
aber wer sie auch nur in einer Form erOO
reichte, der hat sicheren Boden unter OO
den Füßen! ‒ Er geht den Weg, den der OO
Geist bereitet hat, wie immer er diesenOO
Weg zum Geiste auch benennen mag. OO
Sind doch von geistig dazu Berufenen, OO
selbst in den so streng durch den Koran OO
171 Mehr Licht
bestimmten Formen des Islam zu ver‐ OO
schiedenen Zeiten immer wieder die OO
innersten Offenbarungen substantiellen OO
ewigen Geistes wahrlich ebenso vernom‐ OO
men worden, wie sie der indische ‒ echOO
te ‒ Yogi oder der antike Myste im al‐ OO
ten Hellas vernahm!
172 Mehr Licht
WAS ES ZU FASSEN GILT!
Alle Religionen der Welt rufen den Men‐ OO
schen in irgendeiner Art zur Umkehr, zum OO
Wiedersuchen und Wiederfinden seiner OO
geistigen Urheimat auf, wie verschieden OO
auch die Vorstellung von dieser „UrheiOO
mat im Geiste” sein mag, wie verschieden OO
der Weg, der beschritten werden soll.
.Allen Religionen gemeinsam ist die Er‐ OO
kenntnis, daß diese Urheimat im Geiste OO
nicht den gleichen Zustand aufweist, in OO
dem sich der Mensch hier auf der Erde OO
findet, und daß dieser nun wieder neueOO
Zustand nur erreicht werden könne durch OO
irgendwelche Veredelung des Tuns, durch OO
Unterordnung niederer Impulse unter die OO
höheren und höchsten, die im Menschen OO
gefunden werden.
.In fast allen Religionen ist die Vorstel‐ OO
lung einer individualisierten SelbstdarOO
175 Mehr Licht
stellung des ewigen Urlichtes als Spur OO
einer tiefen Wirklichkeitserkenntnis zu OO
finden. Nur im Taoismus, dem Shintoismus OO
und im Glauben der südlichen Buddhisten, OO
der „Hînayâna”-Schule, findet sich diese OO
Erkenntnis nicht, aber es ist dennoch irrig, OO
diese Religionen schlechthin „atheistisch” OO
zu nennen, nur weil ihre Vorstellungen OO
vom Göttlichen sich nicht über das unge‐ OO
formte Meer göttlichen Seinsgrundes zu OO
erheben wissen.
.Der Buddhismus des Nordens, die Schule OO
des „Mahâyâna”, der „großen Überfahrt” OO
im Gegensatz zur „kleinen Überfahrt”, OO
dem „Hînayâna”, zeigt dagegen die Vor‐ OO
stellung einer individualisierten Selbst‐ OO
darstellung des ewigen Urlichtes in rein‐ OO
ster Ausprägung in seinem himmlischen OO
Ur-Buddha, „Adibuddha”, auch wenn die OO
einzelnen Lehrmeinungen die Reinheit OO
176 Mehr Licht
dieser Vorstellung sehr verwischen. Es OO
ist möglich, daß diese Vorstellung gnoOO
stischen Ursprungs ist, und erst in recht OO
später Zeit über Persien und Turke‐ OO
stan nach Nepal und Tibet gelangte, um OO
von da aus ihre weitere Ausbreitung zu OO
finden.
.Gnostischer Erkenntnis entstammt der OO
„Logos”-Begriff. Hier aber, in dem „Wort”, OO
das aus Gott ist, und Gott ist, steht nichts OO
anderes vor uns, als die SelbstausspracheOO
des ewigen, unfaßbaren Urlichts in einer OO
individualisierten geistigen Gestaltung, OO
und diese Erkenntnis geistiger Wirklich‐ OO
keit gelangte in die Lehre des ChristenOO
tums, wo sie völlig der durchaus anders OO
gearteten „Gottessohnschaft” des Meisters OO
von Nazareth vermischt wurde, so daß der OO
„Gesalbte”, der Christos der Evangelien, OO
nun schon seit fast zweitausend Jahren OO
177 Mehr Licht
als: „menschgewordener” Logos aufgefaßt OO
und angebetet wird.
Im Grunde zeigt aber die gnostisch-alexan‐ OO
drinische Logos-Lehre nur in aller Klarheit OO
die Erkenntnis einer Wirklichkeit, die OO
allen ‒ wie man zu sagen pflegt: „persön‐ OO
lichen” Gottesvorstellungen ihre volle BeOO
rechtigung gibt, ‒ ‒ vorausgesetzt, daß OO
sie nicht in anthropomorphe UngeistigOO
keit ausarten, die dann dazu führt, einen OO
„persönlichen Gott” über den Wolken zu OO
erträumen, der nichts weiter ist, als ein OO
mit göttlichen Machtvollkommenheiten OO
ausgestatteter „irdisch-allzuirdischer” Po‐ OO
tentat.
.Landläufige christliche Gottesauffassung OO
ist leider nicht allzuweit entfernt von sol‐ OO
cher Vorstellung.
178 Mehr Licht
.Es gibt dann nur zwiefache Möglichkeit OO
für den Menschen, diesem himmlischen OO
„König” zu nahen.
.Entweder man fürchtet, sein Ohr nichtOO
zu finden, wenn man persönlich, ohne Für‐ OO
sprache, vor ihn treten wolle, und sieht OO
sich so nun in guter, alter, höfischer Art OO
nach geistigen Vermittlern der Beziehung OO
um, oder ‒ man verschmäht in stolzer OO
Selbsteinschätzung jede Vermittlung, und OO
glaubt sich berechtigt, allein und ohneOO
„Fürsprech”, die Beziehung anzuknüpfen. OO
.Beiden Auffassungen eignet eine unsäg‐ OO
lich enge, irdisch gebundene Vorstellung OO
göttlichen Wesens, ‒ auch wenn man OO
glaubt, seinen Gott in durchaus „vergei‐ OO
stigter” Weise zu empfinden.
.Was so empfunden wird: ‒ der „Gott”, OO
179 Mehr Licht
mit dem man auf eine dieser beiden Arten OO
in Beziehung treten zu können glaubt, ist OO
stets ein erträumter Gott!
Wie kleinräumig und dabei: wie überhebOO
lich und vermessen ist doch eine Vorstel‐ OO
lung vom ewigen Ursprung allen Seins, OO
die es fertigbringt, die Gunst ihres Gottes OO
durch Fürsprache erlangen zu wollen, oder OO
aber dazu verleiten kann, direkte Zwie‐ OO
sprache mit dem Urlicht zu suchen, ohne OO
zu bedenken, daß dieses Urlicht, wie nicht OO
minder seine ewige Selbstaussprache in OO
individualisierter Form, so alle menschOO
liche Fassungskraft übersteigt, wie die OO
größte der Feuersonnen des physischen OO
Weltalls ein glimmendes Fünklein im OO
Herdfeuer überstrahlt!
.Wäre nicht vom ewigen, allesumfassen‐ OO
180 Mehr Licht
den Geiste aus dem Urlicht allen Seins einOO
gangbarer Weg bereitet, dann könnte OO
wahrlich kein Menschengeist jemals zu sei‐ OO
nem ewigen Ursprung zurückgelangen.
.Dieser „Weg” ist aber der gleiche, den OO
der Geistesmensch einstmals durchlaufen OO
hat, bevor er sich dem Menschentiere der OO
Erde einte.
.Unbeschreitbar wäre er dem Menschen OO
dieser Erde, wenn einst alle Geistesmen‐ OO
schen gemeinsam „gefallen” wären.
.So aber ist es immer nur eine geringe OO
Zahl, die diesem „Falle” erliegt, auch wenn OO
es sich um Myriaden handelt, die nun im OO
Laufe der Jahrtausende, auf diesem und OO
anderen Planeten, das Leben des Tieres OO
teilen müssen zu ihrer Zeit.
181 Mehr Licht
.Einige aber, die nicht in des Tieres kör‐ OO
perliche Erscheinung fielen, leben seit Ur‐ OO
zeittagen, von göttlicher Liebe und ErOO
barmen durchglüht, freiwillig in unsichtOO
barer Gestaltung hier auf dieser Erde, um OO
den gefallenen Brüdern den Weg zurück OO
zum Urlicht offen zu halten, geleitet von OO
einem der urgezeugten GeistesmenschenOO
der Urwelt des reinen Geistes, der niemals OO
seinen Urort im „Worte” das da „GottOO
ist, verließ.
Diese Wenigen wußten schon seit unvor‐ OO
denklichen Zeiten, Menschengeister, noch OO
ehe sie im Menschentiere geboren werden OO
mußten, so zu bereiten, daß sie, einmal OO
geboren, jenen Zustand erreichen konn‐ OO
ten, der für den Menschengeist die Brücke OO
bildet, auf der er hinüberzuschreiten ver‐ OO
mag zu den ersten Landzungen jener se‐ OO
182 Mehr Licht
ligen Überwelt des Geistes, aus der erOO
selbst sich durch seinen Fall einst verOO
bannte.
.Die so Bereiteten unter den Menschen OO
dieser Erde, sind hier durch das Ewige, OO
das in ihnen sich selbst offenbart, dieOO
Leuchtenden des Urlichtes” geworden, OO
jene Wenigen, die man, um einen nun ein‐ OO
mal vorhandenen Ausdruck zu gebrauchen, OO
auch: ‒ die „älteren Brüder der Mensch‐ OO
heit” nennen mag, ‒ „älter”, weil sie OO
schon vor tausenden von Jahren, im Men‐ OO
schentiere der Erde geboren worden OO
ren, hätten sie nicht aus freier Entschlie‐ OO
ßung, obwohl auch sie zu jenen Geistes‐ OO
menschen gehören, die dem Falle erlegen OO
waren und sich nun dem Tiere einen OO
mußten, ihren wenigen nichtgefallenenOO
Brüdern, die hier in geistiger Gestaltung OO
leben, sich dargeboten, um gleichsam zu OO
183 Mehr Licht
menschlichen Sammellinsen der Strahlen OO
des Urlichtes bereitet zu werden.
.Diese Bereitung aber bedingte auch, daß OO
sie schon seit Jahrtausenden ihren nicht‐ OO
gefallenen, in Erbarmen und Liebe bei OO
den Menschen der Erde in geistiger Ge‐ OO
staltung verharrenden Brüdern, bei deren OO
Erleuchtungs- und Erlösungswerk dienenOO
mußten, und auf diese Weise schon gar OO
lange vor ihrer Geburt im Tiere, auf dieser OO
Erde helfend wirkten.
.Nicht jedem aus ihnen ist auf dieser OO
Erde, sobald er einmal im Tiermenschen OO
in Erscheinung tritt, die gleiche Aufgabe OO
gestellt.
.Jeder aber ist seinem besonderen Rufe OO
verpflichtet, und hört allein auf ihn, ei‐ OO
nerlei ob ihn dabei das Leben auf dieser OO
184 Mehr Licht
Erde zu Ehre, Glanz und Reichtum führt, OO
oder zu Armut, Niedrigkeit, Marter und OO
Verachtung.
.Entzieht er sich dem, was ihm das ir‐ OO
dische Leben nun einmal bringen muß, so OO
fällt er tiefer als er je gefallen war, und OO
es macht keinen Unterschied, welchenOO
Formen der Schicksalsgestaltung er sich OO
entzog, ‒ seien sie irdisch erfreulichster, OO
oder unerfreulichster Natur ‒ denn nie OO
kann einer hier seinem Rufe, allen Anfor‐ OO
derungen gemäß genügen, ohne der Art des OO
Lebens zu entsprechen, die ihm in weiser OO
Lenkung widerfährt, damit er dem Rufe OO
folgen könne, der speziell an ihn erging. OO
Diese denkbar subtilste Vereinung im OO
Geiste Lebendiger wirkt auf Erden mit OO
einer Art „magnetischer” äußerlich un‐ OO
185 Mehr Licht
wahrnehmbarer, rein geistiger Gewalt auf OO
alle Menschengeister, die bereits des Auf‐ OO
stiegs fähig sind, und zieht sie empor in OO
einen geistigen Zustand, der dem ihrer OO
Glieder gleicht, doch mit dem einen Un‐ OO
terschied, daß ein also zum Erwachen ge‐ OO
langter Geistesmensch nur zum WeiterOO
schreiten sich erhebt, und zu dem HilfsOO
werk, das die geistige Gemeinschaft der OO
Leuchtenden ohne Unterlaß selbst voll‐ OO
bringt, weder verpflichtet noch befähigtOO
ist, denn dieses bedingt, wie ich schon OO
sagte, eine Vorbereitung von JahrtauOO
senden.
.Ein so durch die unsichtbare Hilfe der OO
geistgeordneten Helfer Erwachter aber OO
wird nach dem Tode des Menschentieres, OO
mit dem er auf Erden vereinigt lebte, all‐ OO
sogleich fähig werden, den nächsthöheOO
ren Geisteszustand zu erreichen, in dem OO
jene Nichtgefallenen in geistiger GestalOO
186 Mehr Licht
tung leben, deren eigenstes Werk die OO
Gemeinsamkeit im reinen Geiste darstellt, OO
die hier auf Erden in tiermenschlicher OO
Erscheinung lebt, ‒ da sie ununterbro‐ OO
chen, im Irdischen wirkend, von ihnen OO
geistige Impulse erhält, ohne die ein OO
Erdenmensch niemals zum Offenbarer des OO
in ihm sich offenbarenden Ewigen wer‐ OO
den könnte.
.Hier gibt es nun einige Wenige, die der OO
Erde „gestorben” sind im Tiere, und die, OO
sobald sie diesen höheren Zustand erOO
reichten, gleich jenen Nichtgefallenen, ausOO
Liebe und Erbarmen bei den MenschenOO
der Erde unsichtbar verbleiben, das Hilfs‐ OO
und Erlösungswerk jener Nichtgefallenen OO
fördernd, soweit das durch eine Art Akku‐ OO
mulation des Willens möglich wird.
.Fast alle aber, außer diesen Wenigen, OO
die der Buddhismus des Nordens als „BodOO
187 Mehr Licht
dhisatras des Erbarmens”, die ältere OO
christliche Kirche aber als ihre „HeiliOO
gen”, „Engel” und „Erzengel” kennt, ‒ OO
(auch die späteren „Vierzehn Nothelfer” OO
gehören hierher!) ‒ streben von diesem OO
höheren Zustand des Geistes aus wiederOO
weiter empor, und so durchläuft der Men‐ OO
schengeist in nicht mehr irdisch zu be‐ OO
messenden Zeiten, allmählich jeden, stets OO
höheren Zustand der Hierarchien des Gei‐ OO
stes, bis er zu jener höchsten Urwesen‐ OO
heit im Geiste gelangt, ‒ zur Selbstaus‐ OO
sprache des Urlichts, ‒ zum „Worte”, OO
das „Gott” ist, zurück, um in ihm, ewigOO
vereint, sein höchstes individuelles GeiOO
stesmenschentum für alle Ewigkeiten zuOO
finden, schon lange vorher mit seinem OO
geistesmenschlichen erotischen Gegenpol OO
vereint, als „Mann und Weib” im Geiste. OO
.Auf solche Weise findet der einst „ge‐ OO
188 Mehr Licht
fallene” Geistesmensch vom Tiere der OO
Erde zurück in seine Urheimat im ewiOO
gen, reinen Geiste, in die „Welt” der SeOO
ligkeit und Klarheit die gänzlich anOO
dersartiges „Leben” kennt, als es auch OO
in den geheimnisvollsten Regionen der OO
Allnatur, zu der diese Erde gehört, zu OO
finden ist!
Nicht „ferne” dieser physischen Allnatur OO
ist die Welt des reinen Geistes, und das OO
Meer der Seelenkräfte, dem der Men‐ OO
schengeist die Möglichkeit seiner indiviOO
duellen Formung dankt! Dennoch klafft OO
aber eine Kluft zwischen allem, was zuOO
dieser physischen Allnatur gehört, und OO
der Welt des reinen Geistes, die nieOO
mals überbrückbar wäre, hätten nicht OO
jene Nichtgefallenen, die in geistiger Ge‐ OO
staltung bei den gefallenen Menschen‐ OO
189 Mehr Licht
geistern verblieben, seit Urzeittagen die OO
einzige „Brücke” gebildet und erhalten, OO
auf der die Rückkehr zum Leben im ewi‐ OO
gen Geiste möglich ist.
.Erst nach vollendeter Rückkehr, vereiOO
nigt mit demWortedasGottist, OO
schaut der Geistesmensch die Gottheit, OO
wie sie ewig ist und wirkt „von AnOO
gesicht zu Angesicht”, aber nicht vonOO
außen her, sondern in sich selbst.
.Erst dann „erkennt” er, wie auch er OO
„erkannt wird”!
Aber schon am ersten Anfang dieses un‐ OO
ermeßlichen Weges kann sein „lebenOO
diger Gott” sich in ihm gebären, in OO
menschlich empfindbarer Form.
.Der „lebendige Gott” des erwachenden OO
190 Mehr Licht
oder erwachten Menschen auf dieser Erde OO
ist gleichsam ein unfaßbares FünkleinOO
aus dem ewigen Strahlenlichte des „Wor‐ OO
tes” das da „Gott” ist von Ewigkeit zu OO
Ewigkeit, und das selbst das Urlicht in OO
seiner Selbstaussprache als Urwort ist, ‒ OO
so wie es „gleichzeitig” sich selbst als ewiOO
geGottheit” erfaßt.
.Um letzter Klarheit willen, sei hier der OO
Vergleich erlaubt mit einer der Kräfte OO
des physischen Universums, die der Mensch OO
sich dienstbar zu machen wußte: OO
.So wie elektrische Kraft ein haardünnes OO
Fädchen zum Glühen und Leuchten brin‐ OO
gen kann, wie aber der Strom der gleiOO
chen Kraft, der eine große Stadt versor‐ OO
gen soll, in seiner ganzen Stärke geOO
braucht, diesen Kohlenfaden im AugenOO
blick vernichten würde, so würde auch OO
das Fassungsvermögen des irdischen Men‐ OO
schen im Augenblick vernichtet sein, OO
191 Mehr Licht
könnte es unbereitet dem StrahlenglanzeOO
des ewigenWortes” und damit dem UrOO
lichte selber nahen, ‒ während erden‐ OO
menschliche Fassungskraft es wohl vermag, OO
jene unendlich zarte Durchströmung zu OO
ertragen, die im Innersten des seelischen OO
Innern jenen „Abglanz des Vaters”: ‒ OO
jenen leuchtenden Stern erzeugt, in dem OO
ihm allein sein „lebendiger Gott” auf die‐ OO
ser Erde erfaßbar werden kann, will er OO
des Erdgeborenen Bewußtsein nicht zer‐ OO
stören durch seines Glanzes Fülle.
.Beschreitet dann der endlich Erwachte OO
den einzigen Weg, der wirklich zurück in OO
die Urheimat des Geistesmenschen führt, OO
so leuchtet ihm dieser Stern voran und OO
wird mit jedem errungenen höheren Zu‐ OO
stand lichter und strahlenreicher, bis er OO
zuletzt, im unnennbaren Glanze des ewi‐ OO
gen „Wortes”: ‒ im sich selbst gebärenden OO
192 Mehr Licht
ewigen Urlicht, ‒ sich mit ihm selber fürOO
alle Ewigkeiten eint.
Das ist, nach menschlichem Vermögen dar‐ OO
gestellt, der Weg, der den Geistesmen‐ OO
schen nach seinem Falle wieder aufwärts OO
führt!
.Das ist, was es zu fassen gilt, will man OO
den Weg zum wesenhaften Geiste, denOO
einzigen gangbaren Weg für den Men‐ OO
schengeist, in seiner Wirklichkeit erken‐ OO
nen, den Weg, den im Grunde alle geistig OO
befruchteten Religionen auf dieser Erde OO
erahnen, und nach ihrer Weise finden OO
lehren wollen.
.Wer da etwa glaubt, daß er andere Wege OO
zum Geiste zeigen könne, der betrügt sich OO
selbst, ‒ und wenn er auch aus bester Ab‐ OO
193 Mehr Licht
sicht handeln sollte, so führt er dennoch OO
nur sich selbst und alle die ihm folgen, OO
qualvoller seelischer Wirrsal zu, hier schon, OO
und durch Aeonen nach dem Erdentode: OO
‒ wenn nicht zu völliger Bewußtseinsauf‐ OO
lösung, ‒ zum ewigen „geistigen Tode”, OO
von dem es kein Erstehen mehr gibt... OO
.Unbeirrbar wirken die „Gesetze” des OO
ewigen geistigen Reiches und keine Macht OO
und Weisheit des Himmels und der Erde OO
kann sie jemals beugen, denn nichts an‐ OO
deres findet in ihnen seinen Ausdruck, als OO
der ewige Wille des Urlichtes selbst, dem OO
alles was ist, entstrahlt.
Du siehst die Sternenheere der Nacht und OO
du kannst nicht fassen, was sie erhält, und OO
dennoch ist dieses ganze Weltenall mit OO
seinen zahllosen Sonnensystemen nur das OO
194 Mehr Licht
geringste Zeugnis einer Kraft und ihres OO
eingewobenen Willens, einer Kraft, der OO
auch du dein Dasein dankst, und deren OO
höhere Offenbarung dir, bis in ihr ureigen‐ OO
stes Wesen, werden kann, wenn du den OO
Weg, den Liebe und Erbarmen offenhal‐ OO
ten beschreiten magst!
.Kein Auge hat es gesehen, kein OhrOO
gehört, was Gott denen bereitet hat, dieOO
ihn lieben!” Nichts physisch IrdischesOO
kann das Ewige erfassen!
.Möchten dich meine Worte alles GöttOO
liche lieben lehren!
.Erst wenn du Göttliches, soweit du in OO
der Betrachtung das vermagst, erkennst, OO
wirst du es lieben! Sonst liebst du nur OO
einen Fetisch, den du dir selbst geschaffenOO
hast in deiner Vorstellung.
.Erst wenn du die aufwärts ziehende OO
Kraft des Göttlichen meditierend in dir OO
empfindest, wirst du auch die ewige LiebeOO
195 Mehr Licht
in dir erkennen, durch die du alles, was OO
zu deiner geistigen Rettung dient, voll‐ OO
bringen kannst!
.Dann erst wirst du jene unvergleich‐ OO
liche Kraft, die alle Kräfte meistert, auch OO
selbst gebrauchen lernen: ‒ die Liebe, OO
losgelöst von jedem Gegenstand der Liebe! OO
.Diese göttlich lebendige, schwingende OO
Urkraft aus der geistigen „Welt”, durch OO
die allein das Leben des Menschen auf OO
dieser Erde erlöst werden kann aus aller OO
Gebundenheit!
.Diese höchste Kraft, durch die du aus OO
der Haftung dich befreien kannst, in der OO
dich die unsichtbaren Gewalten der phy‐ OO
sischen Allnatur in der du lebst, gefangen OO
halten, ‒ sie, die tief unter dir stehen, OO
und dennoch derzeit mächtiger sind als OO
196 Mehr Licht
du, bevor dich die Liebe an sich zum un‐ OO
besiegbaren Herrn deines Lebens macht! OO
.Dann wirst du verstehen lernen, was OO
das Wort besagen will:
.Gott ist die Liebe, und wer in derOO
Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und GottOO
in ihm!”
197 Mehr Licht
DAS MYSTERIUM
DER KÜNSTLERISCHEN
AUSDRUCKSFORM
Es gab eine Zeit ‒ und vielleicht mag sie OO
für viele heute noch nicht zu Ende sein ‒ OO
da man „Leib” und „Seele” stets fein OO
säuberlich geschieden betrachtet wissen OO
wollte, und sich fast seelisch schämte, mit OO
einem Leibe behaftet zu sein, sobald man OO
für sich den Anspruch erhob, zu den geiOO
stig gerichteten Menschen zu gehören.
.Wer der Seele sich erinnerte, der glaubte OO
beinahe, des Körpers nicht mehr zu beOO
dürfen, hielt ihn bestenfalls für ein lästiOO
ges Bleigewicht, das nur die Seele niederOO
ziehen könne, ‒ für ein vielleicht not‐ OO
wendiges, aber greuliches Übel: ‒ ein OO
widerwärtiges Hindernis aller seelischenOO
Entfaltung.
.Man suchte den Körper nach Möglich‐ OO
keit „abzutöten”, wähnend, dadurch die OO
Seele „frei” zu machen, ‒ und ahnte nicht, OO
201 Mehr Licht
daß die Seele für den Menschen dieser OO
Erde eine gähnende Leere, ein inhalts‐ OO
loses Sprechen, eine Uhr ohne Zifferblatt, OO
eine Werkstatt mit tausend surrenden, OO
aber leerlaufenden Rädern, ein ungemünz‐ OO
ter und unhebbarer Reichtum wäre, ohneOO
den Inhalt ihres Erlebens, das ihr, hierOO
auf dieser Erde, durch den Körper ver‐ OO
mittelt wird.
.Man wußte nicht, daß wir keinen einzi‐ OO
gen Gedanken fassen können, der nicht OO
im Erdenkörper seine analoge BeziehungOO
hat, seinen eigentlichen Inhalt irdisch sinOO
nenfällig dargestellt findet: daß all unsere OO
Vorstellungsbilder, ‒ selbst die kompli‐ OO
ziertesten, im Körper vorgebildet sind, OO
und daß uns keine Empfindung bewußt OO
zu werden vermag, ohne Beziehung auf OO
die Empfindungsfähigkeit des Körpers und OO
seiner Organe. ‒
202 Mehr Licht
Aber auch heute noch sind die Wenigen OO
zu zählen, die wissen, daß bei jeglichem OO
erdbewußten seelischen Wahrnehmen, bei OO
jeglichem Denken, etwas mehr in Tätigkeit OO
gesetzt wird, als nur das Gehirn: ‒ daß viel‐ OO
mehr jedes Atom unseres Körpers uns dieOO
nen muß zu seelischer Wahrnehmung, so‐ OO
lange wir diesem Körper in einer phyOO
sisch körperlichen Erscheinungswelt ver‐ OO
haftet sind, ‒ und daß der Reichtum der OO
Seele, wie seine Gebrauchsmöglichkeit, OO
uns hier auf Erden nur durch die MitOO
arbeit des irdischen Körpers erreichbarOO
ist.
.Was wir „fühlen” und „empfinden” OO
nennen, ist in gewisser Weise Äußerung OO
der gleichen Kraft, durch die wir auch zu OO
„denken” vermögen, und unser Fühlen OO
und Empfinden läßt sich zu gleicher, OO
wenn nicht weit größerer Schärfe der EinOO
203 Mehr Licht
stellung, tatsächlich aber zu weit höheOO
rer Sicherheit emporentwickeln, als das OO
Denken.
.Die Vorgänge, die da in Betracht kom‐ OO
men, sind dem blitzschnellen Aussenden OO
bewußter und halbbewußter Fragen ver‐ OO
gleichbar, auf die meist mit der gleichen OO
Schnelligkeit die Beantwortung erfolgt, OO
und die Antwort kommt uns stets, ‒ ohne OO
daß wir es ahnen, ‒ vom Körper her, auch OO
wenn wir glauben, ohne ihn fertig werden OO
zu können und ihn undankbarerweise verOO
achten zu dürfen meinen...
.Bei jedem Gedanken, bei jedem Emp‐ OO
findungsanreiz, und handle es sich um Ge‐ OO
danken noch so abstrakter, um Empfin‐ OO
dungen noch so sublimer Art, senden wir OO
mit Hilfe unseres Gehirns gleichsam einen OO
Kundschafter aus in jene Teile des Kör‐ OO
204 Mehr Licht
pers, ‒ ob wir sie nun kennen oder nicht, OO
‒ in denen das Analogon zu jenen ge‐ OO
danklichen oder empfindungsmäßig zu fas‐ OO
senden Verhältnissen physisch-körperlichOO
dargestellt ist, die uns im Moment beschäf‐ OO
tigen. Und fast in gleicher Sekunde kehrt OO
der Bote zurück und berichtet uns ‒ wie‐ OO
der in der Transformation durch das Ge‐ OO
hirn, ‒ von dem, was er gefunden hat.
.Es ist nicht ganz leicht, diesen Vorgang OO
zu verstehen. Aber unsere ganze Wahr‐ OO
nehmung der physisch gegebenen Welt OO
wird nur auf solche Art erreicht, und die OO
ganze äußere Welt wäre uns ein Chaos, ‒ OO
hätte weder Maß noch Grenze und bliebe OO
uns seelisch unerfaßbar, ‒ ohne diese OO
Mithilfe des Körpers ‒ nicht etwa nur OO
des Gehirnes allein, ‒ obwohl gewiß das OO
Gehirn die zentrale Regierungsstelle des OO
205 Mehr Licht
Körpers ist, und nichts Körperliches zum OO
Bewußtsein unserer Seele dringen kann, OO
ohne diese Zentralstelle durchlaufen zu OO
haben um in ihr für unsere seelische Wahr‐ OO
nehmung empfindungsfähige Gestaltung OO
zu erhalten.
Auch alles künstlerische Künden derOO
Seele ist nur möglich auf dieser Erde durch OO
die Mitarbeit des Körpers.
.Die künstlerische Ausdrucksform kann OO
‒ in jeglichem Einzelfall ‒ nur dann zu OO
einer Sprache der Seele werden, wenn OO
bewußt oder unbewußt Rhythmen in ihr OO
und durch sie zum Schwingen gebracht OO
werden, die irgendwo im Körper analogeOO
Rhythmen zum Mitschwingen bringen.
.Selbst die äußere Wiedergabe der OO
206 Mehr Licht
menschlichen Gestalt und der Dinge, die OO
sie umgeben, in der bildenden Kunst, ist OO
seelisch nur faßbar durch die Auslösung OO
gewisser Beziehungs-Bewußtheiten imOO
Körper des Beschauers, auch wenn er le‐ OO
diglich durch das Auge, und mit Hilfe des OO
Gehirns, des Geschauten habhaft zu wer‐ OO
den glaubt.
.Wer aber das eigentlich Wesentliche in OO
aller Kunst erfassen will, der wird stets OO
mehr mit dem Körper aufzunehmen ge‐ OO
nötigt sein, als er weiß und zugeben OO
möchte.
.Wohl wird Musik primär durch das OhrOO
empfangen, aber der Prozeß des BewußtOO
werdens ist komplizierter als mancher OO
Hörende ahnt! ‒ Das Ohr ist nur AufOO
nahmeapparat für die Schallwellen. Um OO
diese aber zu deuten, ist es genötigt, den OO
207 Mehr Licht
empfangenen rhythmischen und klang‐ OO
lichen Anstoß durch den ganzen KörperOO
zu leiten, bis er jeweils jene Stellen im OO
Körper erreicht, die ihm analog sind: ‒ OO
die gleiche Beziehungsintervalle, gleiche OO
Schwingungseinheiten, gleiche Rhythmen OO
aufweisen, und so wie ein Echo die AntOO
wort zurücksenden zum Mechanismus des OO
Ohres, das die Antwort sogleich dem GeOO
hirn vermittelt, in dem sie allein sich OO
zu jener Sprache verdichten kann, die OO
der Seele faßbar ist.
.Ein Gleiches geschieht in Bezug auf das OO
Auge, sobald es sich um die Wahrneh‐ OO
mung eines künstlerischen Bauwerkes, ei‐ OO
nes Werkes der Plastik oder der Malerei OO
handelt, während oft alle Sinne zugleichOO
beansprucht werden, insonderheit aber OO
immer das Gehör, sobald es sich um das, OO
wenn auch im stillen Lesen erfolgende OO
208 Mehr Licht
Aufnehmen eines Werkes der DichtkunstOO
handelt.
.Es ist immer der gleiche Vorgang!
.„Geheimnisvoll am lichten Tag...”
.Alles Wirken „künstlerischer AusdrucksOO
formen” ist: ‒ Zeichen-Magie, bedingt OO
durch das Finden der gleichen Kräftedia‐ OO
gramme, wie sie der Körper physisch-real OO
in sich zur Darstellung bringt.
.Das gilt sowohl von dem schöpferischen OO
Gestalten, als auch vom empfindungsbe‐ OO
wegten seelischen Erfassen eines jeglichen OO
Werkes jeglicher Kunst, wenn auch für OO
den Gestalter künstlerischer Ausdrucks‐ OO
form ebenso wie für den durch sie Ange‐ OO
sprochenen geheimnisvoll bleibt, was bei‐ OO
der Erleben erregt.
209 Mehr Licht
WESTÖSTLICHE MAGIE
Die paar wenigen wirklichen, wie die OO
zahllosen bloß vermeintlichen, oder sich OO
selbst anmaßend so nennenden „Kabba‐ OO
listen” meist seltsamerweise antisemiti‐ OO
scher Färbung, denen die Lenker des „feu‐ OO
rigen Wagens” dieses Buch in die Hände OO
spielen, werden wohl nicht etwa vermu‐ OO
ten wollen, daß hier ein verborgener Trak‐ OO
tat althebräischer Mystik ans Licht gezo‐ OO
gen werde, ‒ und den Neuling, der kaum OO
weiß, was er sich unter Kabbalistik vor‐ OO
stellen soll, möchte ich hier zu allererst OO
doch auf jene in allen Kultursprachen er‐ OO
schienenen sachlichen Werke verweisen, OO
die von der Mystik des Judentums ‒ eben OO
der Kabbalah ‒ handeln, damit er sich dort OO
einige Kenntnis des in Rede stehenden OO
Gebietes erwerbe. Nötig ist ihm das nicht, OO
wenn ihn die Bereiche, die ich hier be‐ OO
treten muß, nicht sonderlich interessieren! OO
213 Mehr Licht
.Ich bin nicht in der Lage, hier etwa auf OO
die verschiedenen grundlegenden hebrä‐ OO
ischen Texte einzugehen, aus deren inne‐ OO
rer Kraft sich die Mystik und magische OO
Praktik des streng orthodoxen östlichen OO
Judentums nähren, und ich sehe auch dazu OO
keinen Anlaß, nachdem solche Untersu‐ OO
chungen von berufener Seite längst vor‐ OO
liegen.
.Im Besitz sicheren Wissens über die ver‐ OO
gessenen nichtjüdischen Urquellen dieser OO
Texte, wende ich mich vielmehr eben die‐ OO
sen Quellen zu, um aus ihren Tiefen her‐ OO
aus das eigentlich Wesentliche kabbalisti‐ OO
scher Erkenntnis zu erläutern.
Auf die Gefahr hin, Kabbalisten jüdischenOO
Blutes, ganz gegen meinen Willen, viel‐ OO
leicht zu verletzen, bin ich zu der grund‐ OO
legenden Feststellung gezwungen, daß dasOO
214 Mehr Licht
ganze mystische System der Kabbalah OO
nichtjüdischen Ursprungs ist: ‒ daß es OO
vielmehr in den Traditionen einer indi‐ OO
schen Geheimlehre wurzelt, die in die frü‐ OO
hesten Zeiten indischer Weisheit zurück‐ OO
reicht, und daß die Anhänger dieser Ge‐ OO
heimlehre heute noch auf ihre Art „Kabba‐ OO
lah” praktizieren, ohne von der jüdischenOO
Kabbalah eine Ahnung zu haben, oder auch OO
nur ihren Namen zu kennen!
.Näheres hierüber mitzuteilen, ist nicht OO
meine Absicht, aber der wirklich wissende OO
Kabbalist wird mir schwerlich den Glauben OO
versagen können, wenn er dieses Buch in OO
allen seinen Abschnitten unvoreingenom‐ OO
men und auch „zwischen den Zeilen” le‐ OO
send, in ruhiger Lektüre beendet hat. OO
Der Neuling aber möge sich vorerst mei‐ OO
ner Führung anvertrauen, bis auch er im‐ OO
stande ist, die von mir vertretene Fest‐ OO
215 Mehr Licht
stellung, soweit er es vermag, zu überprü‐ OO
fen!
.Diese Worte sollen die tiefen Wahr‐ OO
heiten der Kabbalah nur bestätigen, aber OO
der von Ehrfurcht durchdrungene Freund OO
der Kabbalah möge es mir verzeihen, wenn OO
ich hier, aller Polemik ferne, doch nur die OO
Grundprinzipien des ganzen Systems in OO
ihrem hohen Werte betrachtet wissen will, OO
und keineswegs zugleich den ihm liebge‐ OO
wordenen geheimtuerischen vulgären ForOO
meln Beachtung schenke, die vielleicht OO
ihm selbst heilig und aller Verehrung wert OO
erscheinen. Wirkliche Kabbalah kann nie‐ OO
mals Angelegenheit des „profanum vul‐ OO
gus” werden, sondern bleibt immer nur OO
geheime Lehre für unsagbar Wenige!
.Zweck dieser kurzen Erläuterung ist es, OO
das Studium der Kabbalah bei denen zu OO
216 Mehr Licht
vertiefen, die auch heute noch den ech‐ OO
ten Kern der alten Lehren erahnen, und OO
Fernerstehende die urtiefe Weisheit achOO
ten zu lehren, die vom weiten Osten her OO
im Gewande mittelalterlicher jüdischer OO
Mystik herübergewandert ist bis in die OO
westliche Welt: ‒ eine Weisheit, die den OO
überragendsten Geistern des Mittelalters OO
und der Renaissance zu denken gab, ‒ eine OO
Weisheit, die von Wenigen nur erkannt, OO
dennoch von Vielen in stupider Über‐ OO
heblichkeit gelästert wurde, und die auch OO
heute noch, wenn auch nur in AuserleOO
senen, da und dort, ‒ besonders in nörd‐ OO
lichen Ländern, ‒ lebendig ist, hoher Ver‐ OO
ehrung und des Einsatzes eines mühseligen OO
Forscherlebens durchaus wert befunden. OO
Auch in der Kabbalah handelt es sich, OO
wie in aller praktischen Mystik, in ersterOO
217 Mehr Licht
Linie um das Hinfinden zu dem höchsten OO
Geistigen, aus dem alles Leben stammt: ‒ OO
um die Vereinung der Seele mit ihrem OO
verlassenen Lebensquell: um eine „UnioOO
mystica”: ‒ die Verschmelzung des geOO
trennt Individuellen mit dem ewigen UrOO
Individuum, das allein allen individuellen OO
Daseins gemeinsamer Seinsgrund ist.
.Daneben aber geht eine rein magischeOO
Betätigung: ‒ eine Kraftäußerung im Ge‐ OO
biete der phänomenalen Welt, ‒ zu der OO
dem strenge geschulten wirklichen Kab‐ OO
balisten die Fähigkeit wird, durch ein Le‐ OO
ben im Geiste kabbalistischer Disziplin, ‒ OO
eine Fähigkeit, deren Erreichung jedoch OO
nicht Selbstzweck ist, sondern die sich OO
ganz von selbst einstellt, sobald der Stre‐ OO
bende die Bedingungen schafft, die ihn OO
geeignet machen, zuvor jene oben ge‐ OO
nannte Unio mystica zu erlangen.
218 Mehr Licht
.Das ganze System ist eine vornehme alte OO
Abart der in Indien wurzelnden YogaOO
Schulung.
Diese spezielle Yoga-Praxis, die wir auf OO
der westlichen Erdhälfte in hebraisierter OO
Form als „Kabbalah” kennen, wird heute OO
noch, wie vor Jahrtausenden, an einigen OO
Stellen Zentralasiens eifrig geübt, wenn OO
auch kein Globetrotter jemals davon er‐ OO
fährt. Auch jahrzehntelanger Aufenthalt OO
in Indien wird schwerlich einem Europäer OO
so viel geistigen Kredit bei den dortigen OO
Wissenden schaffen, daß sie ihm auchOO
nur ein Weniges ihres strenge gehüteten OO
und selbst den Gelehrten zumeist unerOO
reichbaren mystischen Wissens offenba‐ OO
ren, obwohl keine Nacht vergeht, in der OO
nicht die darauf gegründete magische OO
Praktik feierlich, in streng vor aller Ent‐ OO
219 Mehr Licht
weihung geschützten Tempeln, ausgeübt OO
würde.
.Es dürfte fast überflüssig sein, zu beto‐ OO
nen, daß die indischen, tibetanischen und OO
chinesischen „Kabbalisten” in hingebend‐ OO
ster geistiger Verbindung mit der hohen OO
Geistesgemeinschaft stehen, als deren gei‐ OO
stigem, ewigkeitsbestimmten Glied mir OO
das Wissen über diese Dinge ward, die kaum OO
jemals vorher einem Europäer enthüllt OO
wurden, mochte er auch alle Länder, die OO
hier in Betracht kommen, aus eigener An‐ OO
schauung kennen und fließend ihre Spra‐ OO
chen sprechen.
.Wenn hier von westöstlicher Magie ge‐ OO
sprochen wird, so möge man aber stets OO
dessen eingedenk bleiben, daß die mittel‐ OO
alterliche jüdische Kabbalah eine Art OO
Übersetzung” und Umbildung jener UrOO
Kabbalah” darstellt, die, ohne diesen OO
220 Mehr Licht
Namen ‒ aber in allem Wesentlichen idenOO
tisch, noch heute im Innern Asiens lebenOO
dig ist. Von den wirkenden PrinzipienOO
in dieser reinen und nur verschwindend OO
Wenigen zugänglichen Yoga-Praktik kün‐ OO
det, in anderer Sprache, dieses ganze OO
Buch, und die so überaus seltenen wirkOO
lichen „Kabbalisten” des Westens, denen OO
es in die Hand fallen mag, werden gar bald OO
herauszufinden wissen, weshalb ich hier OO
ausdrücklich auf den indischen UrsprungOO
der erst vom Mittelalter an auch hebrai‐ OO
sierten „Kabbalah” hinzuweisen, allen An‐ OO
laß finde.
.Unter „Kabbalah” verstehe ich aller‐ OO
dings beileibe nicht die in gewissen Krei‐ OO
sen der europäischen und amerikanischen OO
Großstädte von zerstörten Existenzen aus‐ OO
geübte abergläubische Pseudomagie, die OO
diesen Namen unverantwortlicherweise OO
221 Mehr Licht
dreist usurpiert, sondern das tiefste geiOO
stige Erkennen, wie es nur noch im öst‐ OO
lichen orthodoxen Judentum, und auch da OO
nur vereinzelt, zu finden ist, ‒ von dem OO
jene nichtjüdischen, ja zumeist aller jü‐ OO
dischen Geistigkeit gänzlich fremden After‐ OO
kabbalisten, die in närrischen Beschwö‐ OO
rungsformeln Kabbalistik auszuüben glau‐ OO
ben, und sich als Freibeuter jüdischer Weis‐ OO
heit fühlen, nur ein lächerliches ZerrbildOO
schufen.
.Die ehrfurchtgebietenden erleuchteten OO
Geister des mittelalterlichen und nachfol‐ OO
genden orthodoxen Judentums, die so in‐ OO
brünstig danach strebten, das von ihnen OO
als volkseigen geglaubte geheime Wissen OO
der Kabbalah der bloßen Spekulation wie OO
dem Aberglauben düsterer Vulgärmagie OO
unerreichbar werden zu lassen, hätten OO
wahrlich nicht befürchtet, daß sich nach OO
222 Mehr Licht
Jahrhunderten so zahlreiche extrem ju‐ OO
denfeindliche Nichtjuden finden könnten OO
‒ nicht des Hebräischen kundig und ah‐ OO
nungslos gegenüber jüdischer Frömmig‐ OO
keit, ‒ um das ihnen vielfach nur in frag‐ OO
würdigster Übersetzung bekannte kabba‐ OO
listische Sprach- und Gedankengut zu ei‐ OO
nem abstrusen, allem jüdischen Fühlen OO
und Denken fremden Zaubertreiben zu OO
mißbrauchen! Es ist aber hier auch ent‐ OO
schieden zu warnen vor einer weitverbrei‐ OO
teten ängstlichen Überschätzung alles des‐ OO
sen, was mit Kabbalistik zusammenhängt, OO
und insonderheit vor der törichten Mei‐ OO
nung, man müsse von allen diesen Dingen OO
„wissen”, wolle man nicht als Ignorant an OO
Geheimnissen vorübergehen, die zu er‐ OO
kunden so vielen Menschen als höchste OO
Lebensaufgabe galt. Um wirklich zu den OO
höchsten Erkenntnissen zu gelangen, die OO
sich in den absichtlich vieldeutig gestal‐ OO
223 Mehr Licht
teten schnörkelreichen Bildern kabbali‐ OO
stischer Schriften verbergen, gehört, wie OO
ich schon sagte, ein ihrer Erforschung ge‐ OO
widmetes Menschenleben. Leichtfertiges OO
Lustwandeln in diesen Vorstellungsgebie‐ OO
ten führt jedoch nur zu einem wider‐ OO
lichen Vulgärokkultismus, dem in unzäh‐ OO
ligen billigen Traktätchen von verantwor‐ OO
tungslosen Verschacherern kabbalistischer OO
Weisheit immer noch neue Nahrung an‐ OO
geboten wird.
224 Mehr Licht
DAS LICHT DES GEISTES
IM CHRISTENTUM
In allen großen Religionssystemen, die je OO
durch Erleuchtete der Welt gegeben wur‐ OO
den, lassen sich Spuren geistigen LichtesOO
finden, aber es ist hier nicht meine Ab‐ OO
sicht, alle Religionen auf solche Geistes‐ OO
bekundung hin zu untersuchen, denn man OO
müßte Folianten füllen, wollte man auch OO
nur die wichtigsten religiösen Lehren und OO
das Leben der Gläubigen, die nach ihnen OO
handeln, gerecht und billig von diesem OO
Gesichtspunkt her betrachten.
.Wir wollen uns hier allein auf das ChriOO
stentum beschränken, das, ‒ von vielen OO
als einzige Wahrheit angesehen, von weit OO
mehreren nur geachtet, oder aber gar geOO
haßt und befehdet, ‒ für den Menschen OO
der westlichen Erdhälfte doch unstreitig OO
die wichtigste Religionsform darstellt.
.Schon höre ich aber die Frage: welchesOO
227 Mehr Licht
„Christentum” ich wohl meine, ‒ und OO
der Bekenner des älteren Systems, ‒ OO
also etwa der griechisch orthodoxe oder OO
der römische Katholik, ‒ ist ebenso OO
geneigt nur seine Auffassung allein als OO
„richtig” gelten zu lassen, wie der auf OO
irgendeiner der zahllosen jüngeren An‐ OO
schauungen Fußende bereit ist, in den OO
älteren Glaubensformen und ihrer Aus‐ OO
drucksgestaltung nur „törichten Aber‐ OO
glauben” zu sehen. Der Haß zwischen OO
Christen und Christen, auf Grund wider‐ OO
streitender Meinungen, ist ein viel ärgererOO
Feind des Christentums, als alle ätzend an‐ OO
fressende Kritik sämtlicher Virtuosen der OO
Verhöhnung seiner Lehren!
.Unsägliches Unheil kam durch den Wi‐ OO
derstreit gläubiger Meinungen schon über OO
Menschen und Völker, und noch immer OO
ist des Unheils kein Ende, das im Na‐ OO
men christlicher Gläubigkeit in engerenOO
228 Mehr Licht
Kreisen Tag für Tag heraufbeschworen OO
wird.
.Aber was hier von Oberflächlichen dem OO
Christentum zu Lasten gerechnet werden OO
mag, hat an sich mit dieser Religionsform OO
nichts zu schaffen.
.Es ist Ausfluß menschlicher Enge, OO
menschlicher Parteilichkeit und Recht‐ OO
haberei, entspringt mißleitetem mensch‐ OO
lichen Machtbedürfnis: ‒ der Sucht, über OO
andere zu herrschen bis in die letzten ge‐ OO
heimsten Tiefen ihrer Geistigkeit, und ‒ OO
nicht zuletzt ‒ dem verzeihlichen Wahn, OO
allein die „Wahrheit” zu „besitzen”, und OO
sie den andern, auch gegen ihren Willen, OO
aufzwingen zu müssen, um „ihre Seelen OO
zu erretten”.
229 Mehr Licht
Nicht von diesen Irrpfaden des christ‐ OO
lichen Glaubenslebens und dem auf sol‐ OO
chen Irrgängen üblichen Handeln will ich OO
hier reden.
.Was hier zu sagen wäre, ist nur allzu be‐ OO
kannt, und stets wird auch die wahnwit‐ OO
zigste Irrung ihre scharfsinnigen und von OO
vermeintlich „echter” Glaubensglut in OO
ihrer Art erfüllten Verteidiger finden.
.Das Christentum ist noch viel zu jungOO
auf dieser Erde, als daß es schon in seinenOO
göttlichen Tiefen erkannt sein könnte, OO
und die da glauben, es habe sich selbst OO
„überlebt” und durch die Sünden seiner OO
„Kirchen” ad absurdum geführt, irren OO
sehr, denn sie haben nur die bis jetzt geOO
übte Art seiner Auswirkung im Auge und OO
ahnen nicht, daß dereinst eine Zeit kom‐ OO
men wird, die fast das Meiste, was man bis OO
230 Mehr Licht
heute „Christentum” nennt, nur mit OO
Scham im Herzen betrachten kann, so, OO
wie der gereifte Mann die brutalen Tor‐ OO
heiten und überheblichen Ansprüche sei‐ OO
ner Jünglingszeit betrachtet.
Man möge diese Worte aber nicht etwa OO
mißdeuten!
.Ich bin wahrhaftig weit entfernt davon, OO
zu behaupten, daß bisher nichts von wah‐ OO
rem Christentum in der Welt zu finden ge‐ OO
wesen wäre, ‒ aber ich darf auch nicht OO
unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der OO
echte Kern des Christentums für die weitOO
aus Meisten, die sich „Christen” nannten OO
und nennen, bis zum heutigen Tage noch OO
in zahllosen, mehr oder weniger harten OO
Schalen steckt, und daß man die köstlicheOO
Süße dieses innersten Kernes noch nicht OO
231 Mehr Licht
verkostet hat, auch wenn man zuzeiten OO
durch die Risse der Schalen hindurch OO
schon ein Weniges seiner saftreichen Fülle OO
aufzufangen wußte.
.Man weiß noch nicht, und man will es OO
vielfach nicht wissen, daß dieser innerste OO
Kern des Christentums wesentliche GeiOO
steswirklichkeit ist, und daß erst alleOO
Schalen” als an sich unwesentlich er‐ OO
kannt werden müssen, bevor man das göttOO
liche Mysterium des Christentums von OO
ihnen befreien und in seiner Reinheit er‐ OO
schauen kann, ‒ bevor man diesem aller‐ OO
innersten Kern das Tabernakel zu bauen OO
vermag, in dem er für alle Zeiten der OO
Verehrung der Menschheit sich darbieten OO
kann, für Formen der Verehrung, die sei‐ OO
ner würdig sind. ‒
232 Mehr Licht
Es mag dem gläubigen Gemüte vertraut OO
und wohltätig erscheinen, wenn immer OO
wieder an die ersten Anfänge des Chri‐ OO
stentums erinnert wird, ‒ aber man ver‐ OO
gißt dabei, daß das Samenkorn etwas an‐ OO
deres ist als der Keim, und der KeimOO
etwas anderes als die zur Vollgestalt rei‐ OO
fende Pflanze, diese aber hinwiederum OO
etwas anderes als die Blüte, und die BlüteOO
ein anderes als die zur Reife entwickelte OO
Frucht.
.Wer eine sich entfaltende Pflanze stets OO
wieder zurückschneiden wollte, damit sie OO
in ihrer Form nie die schlichte Einfach‐ OO
heit des Keimes überschreite, der würde OO
gewiß nicht als guter Gärtner gelten.
.Das Christentum aber ist bis auf den OO
heutigen Tag noch immer einer in ihrerOO
Entfaltung begriffenen Pflanze vergleich‐ OO
233 Mehr Licht
bar, und es ist nicht die Aufgabe seiner OO
Bekenner, jeden, wenn auch vielleicht OO
allzu üppig erscheinenden Blatttrieb an OO
der Wurzelstaude wegzuschneiden, son‐ OO
dern der Pflanze freies Wachstum zu ver‐ OO
statten, ihre Formenwelt sich entfaltenOO
zu lassen und keiner Form zu wehren, die OO
sich aus den Wurzelkräften, wenn auch OO
unter Aneignung der Säfte des gegebenenOO
Bodens, bilden mag.
.Hier sind „Reinigungsbestrebungen” OO
sehr wenig angebracht, denn die Pflanze, OO
um bei diesem Bilde zu bleiben, kann OO
sich nicht aus sich selbst ernähren; sie OO
muß sich „fremde” Stoffe assimilieren, OO
muß die ihr ursprünglich fremden Säfte OO
in sich aufnehmen, um sie in sich selbstOO
zu verwandeln. ‒
.Die Formen, die allzu üppig um den OO
234 Mehr Licht
Wurzelknoten herum ins Kraut schießen, OO
welken ganz von selbst, wenn einmal OO
ihre Aufgabe erfüllt ist, den sprossenden OO
Trieb zu schützen, und neue FormenOO
bilden sich, die den Verlust der ersten OO
Schutzblätter völlig vergessen machen, OO
weil auch sie, nun zum WesensbestandOO
teil der Pflanze bestimmt, alle bleibendeOO
Charakteristik ihrer Eigenart aufweisen. OO
Man hat an der Pflanze Christentum, inOO
bester Absicht, zu viel „herumgeschnit‐ OO
ten”, und man setzt stets von neuem das OO
Messer an, so daß es begreiflich sein OO
dürfte, daß die Pflanze in ihrem naturge‐ OO
mäßen Wachstum zurückbleiben mußte.
.Ein Wunder aber könnte man es fast OO
nennen, daß die Pflanze trotz all dieser OO
herben Behandlung noch am Leben ist! ‒ OO
235 Mehr Licht
.Man gehe ihr nicht stets wieder erneutOO
an ihres Lebens Mark, erfreue sich viel‐ OO
mehr all ihrer älteren und neuerenOO
Triebe, und stelle ihr Wachstum in die OO
Hände des ewigen Gärtners, der weiß, OO
was ihr frommt, und man wird in abseh‐ OO
barer Zeit schon alle schädlichen Aus‐ OO
wüchse verschwinden, die krafterfüllten OO
Keime aber zu hoher Schönheit sich ent‐ OO
wickeln sehen.
Es sei mir verziehen, daß ich hier in ver‐ OO
schiedenen Bildern reden muß, aber wer OO
gewillt ist, mich zu verstehen, der wird OO
aus diesen Bildern leicht enträtseln, was OO
ich zu sagen habe, und ich bin nicht ge‐ OO
nötigt, nach der einen oder der anderen OO
Seite hin, gläubige Seelen zu verletzen.
.Ich rede keiner der bestehenden christ‐ OO
236 Mehr Licht
lichen Glaubensformen das Wort und sehe OO
in jeder göttliche Geisteskräfte am Werke, OO
nur gehemmt durch gutgemeinte, aber OO
auf allzu enge Parteilichkeit eingestellte OO
Glaubensmeinung, gehemmt durch all‐ OO
zu ängstliche Besorgnis, Liebgewordenes OO
preisgeben zu müssen, oder scheinbar OO
Überwundenes dennoch als in seiner Art OO
nicht verwerflich anerkennen zu sollen.
Man vergesse aber doch nicht, daß jedeOO
urgültige Wahrheit in ihrer Auswirkung OO
gar mannigfache Formen verträgt!
.Man werde sich doch endlich des UrOO
wesentlichen am Christentum voll bewußt OO
und überlasse die jeweilige Bildung seiner OO
Betätigungsform ehrfürchtig achtend der OO
menschlichen Verschiedenartigkeit seiner OO
Bekenner!
237 Mehr Licht
.Die Lebensbedingungen des Adlers sind OO
andere, als die der Nachtigall, aber ein OO
jedes Lebewesen dieser Erde atmet die OO
gleiche lebenspendende Luft, die den OO
Erdball umgibt, und so auch sind die Be‐ OO
dürfnisse der menschlichen Seele gar OO
mannigfaltig, obwohl sie allüberall dasOO
göttliche Licht des Geistes benötigt, soll OO
sie gedeihen und leben.
Im Christentum, so wie es sich bis heute, OO
geschichtlich bedingt, aber stets aus einer OO
ewigen geistigen Quelle genährt, ent‐ OO
faltet hat, sind trotz aller vorher aufge‐ OO
zeigten „menschlich-allzumenschlichen” OO
Unvollkommenheiten, ‒ ja aller frühe‐ OO
ren Fürchterlichkeiten, ‒ tiefste GeistesOO
kräfte am Werke und die überragende OO
Sonderstellung, die dieser Religionsform OO
von ihren gläubigen Anhängern zuteil wird, OO
238 Mehr Licht
gründet sich durchaus auf reale Gegeben‐ OO
heiten, wenn auch die AuswirkungsforOO
men, die das Christentum bis heute zeigte, OO
noch nicht die Berechtigung zu solcher OO
Sonderstellung erkennen lassen.
.Uralte, urgründig im Ewigen wurOO
zelnde Weisheitslehren sind in seinen OO
Glaubenssätzen verborgen, ‒ nur selten OO
von Seltenen in ihrer ganzen Bedeutung OO
erkannt, von den weitaus meisten seiner OO
Bekenner noch nicht einmal dunkel erOO
ahnt.
.Gar vieles erscheint da der fatalen Gei‐ OO
stestrockenheit unserer Tage als Petrefakt OO
alten „heidnischen” Aberglaubens, was OO
einst durch sonnenklare, im Lichte des OO
Geistes glühende Erkenner, christlicher OO
Lehre einverleibt, aber von neuerem Puri‐ OO
tanertum, als anscheinend „wesensfremd” OO
wieder herausgeschnitten wurde.
.Hohe Eingeweihte alter, um die Wirk‐ OO
239 Mehr Licht
lichkeit des Ewigen wissender Mysterien OO
haben einst in weiser, überragender Ein‐ OO
sicht den Tempel dieser Lehre erbaut, ‒ OO
und so rein und herzenseinfältig auch die OO
Absicht Späterer war, die an den FormenOO
dieses Tempels Anstoß nahmen, so kamen OO
sie doch an kosmischem Erkennen nichtOO
von ferne Jenen gleich, die einst Grund‐ OO
und Aufriß dieses Tempelbaues schufen. OO
.In bester Absicht, und auch im Grunde OO
durch manches Geschehen wohlberechtigtOO
zur Kritik, haben diese Späteren am Bau OO
gesündigt ohne es zu ahnen. Die Ge‐ OO
schichte zeigt nur allzudeutlich, daß weOO
sentliche Steine des Baues entfernt wur‐ OO
den, so daß dem steten Abbröckeln des OO
Mauerwerks kaum mehr Einhalt zu tun ist. OO
.Nur ein erneutes tiefes Eindringen in OO
die ewigen Mysterien, denen das Christen‐ OO
240 Mehr Licht
tum lebendige Darstellungsform zu schaf‐ OO
fen berufen ist, kann diese folgenschwere OO
Unterbrechung seiner Entfaltung beenden, OO
kann gegenseitiges Verstehen und Duldung OO
schaffen, und kann seine einzelnen Be‐ OO
kenntnisarten zu gegenseitiger Befruch‐ OO
tung und Erneuerung wachrufen.
Gegensätzliche Auffassungsarten mögen in OO
Ruhe so lange bestehen bleiben, wie sie OO
vonnöten sind, und man maße sich nicht OO
hier ein Richteramt an, wo höchste gei‐ OO
stige Leitung allein das Gegensätzliche OO
zu seiner Zeit zu vereinen fähig ist.
.Die wahren Helfer in den heutigen Nö‐ OO
ten des Christentums sind vor allem jene OO
deutschen Geisteskünder, die man als OO
„mittelalterliche Mystiker” zu kennen OO
meint: ‒ die wirklichen „Theosophen” im OO
241 Mehr Licht
paulinischen Sinne, ‒ die wahrhaftigen OO
Geisteskundigen, wie Eckehard, Tauler, OO
der dem Namen nach unbekannte FrankOO
furter Deutschordensherr, dem wir das OO
Büchlein vom vollkommenen Leben”, OO
die „Theologia deutsch” verdanken, der OO
Domherr Thomas a Kempis, der seinen OO
Mitgläubigen die „Nachfolge ChristiOO
schenkte und ‒ für die, denen seine kos‐ OO
mischen Gesichte nicht allzu grandios und OO
erdrückend sind, der Görlitzer Seher JakobOO
Böhme. ‒ Obwohl er vor allem Dichter ist, OO
darf auch Angelus Silesius an dieser Stelle OO
nicht vergessen werden.
Ein weites Wirkungsfeld eröffnet sich je‐ OO
doch auch einer neueren Theologie, ohne OO
deren zielbewußte Hilfe die entstandenen OO
Schäden kaum zu heilen sind.
242 Mehr Licht
.In erster Linie gilt es da, den Knäuel OO
der dogmatischen Verwirrung aufzulösen, OO
der durch die religionsgeschichtliche, also OO
rein zeitlich, bedingte Gleichsetzung des OO
Meisters von Nazareth mit der Selbst‐ OO
aussprache des ewigen Urlichtes, ‒ dem OO
Logos ‒ entstanden ist.
.Hier ist eine wirkliche Re-formation, OO
eine wirkliche Reinigung der Begriffe, OO
brennend nötig. ‒
.Die Darstellung der SelbstausspracheOO
Gottes, des Logos, des ewigen „Wortes, OO
das bei Gott ist und Gott ist” und die OO
reinlich davon zu trennende Darstellung OO
der geist-menschlichen Potenz, die uns in OO
dem Meister der Evangelien entgegen‐ OO
tritt, ‒ das alles theologisch derart be‐ OO
gründet, daß jedes ältere Dogma dadurch OO
nicht aufgehoben, sondern im wahrhaftig‐ OO
243 Mehr Licht
sten Sinne verklärt würde, ‒ diese Tat OO
harrt noch des Mutigen, der sie wagt, des OO
Kundigen, der sie zu wagen imstande ist, OO
und der Segen, der aus dieser Tat erblü‐ OO
hen könnte, wäre unermeßlich.
Die uralte Weisheitslehre, deren Künder OO
in unseren Tagen zu sein, ich verpflichtet OO
bin, steht in keinerlei Gegensatz zu dem OO
ewigen Wesenskern des Christentums, so OO
gegensätzlich dem oberflächlichen Blick OO
auch manches in dieser durch mich ver‐ OO
tretenen Lehre fürs erste erscheinen mag. OO
.Wer begriffen hat, aus welcher QuelleOO
diese Lehre stammt, dem muß schon der OO
bloße Gedanke absurd erscheinen, daß OO
hier ein Gegensatz obwalten könnte.
.Es ist jedoch nicht meine Aufgabe, der OO
244 Mehr Licht
Sachwalter irgend eines Religions-SystemsOO
der Menschheit zu sein, und sei es auch OO
das erhabene Lehrgebäude des ChristenOO
tums.
.Ich habe nur die hohen ewigen Werte OO
aufzuzeigen, deren Zeuge jedes der großen OO
geistig befruchteten Religions-Systeme der OO
Erde ist.
.Das schließt nicht aus, daß ich, ‒ von OO
christlichen, uralten deutschen Stämmen OO
und Geschlechtern entsprossenen Eltern OO
geboren und im Christentum unterrichtet, OO
‒ alle meine Voreltern in diesem Glauben OO
einst geborgen wissend, ‒ mir selbst die OO
Pflicht setze, zu einer echten VertiefungOO
christlicher Lebensauffassung, vom Stand‐ OO
punkt der mir möglichen inneren Wesens‐ OO
schau her, das meinige beizutragen.
245 Mehr Licht
.Schon gibt es nicht Wenige, und nicht OO
wenige Seelenhirten der beiden hauptsäch‐ OO
lichen christlichen Konfessionen, denen OO
meine Lehren Führer wurden bei ihren OO
suchenden Wanderungen durch die Wun‐ OO
derwelt christlicher Lehre. Ich habe kei‐ OO
nen Grund, daran zu zweifeln, daß immerOO
mehrere, die guten Willens sind, sich das, OO
was ich oft in anderer Form zu sagen habe, OO
in „christliche” Sprache übersetzt, zu ei‐ OO
gen machen werden, um so ihrer eigenen OO
Glaubensmeinung untrügliche Stütze zu OO
geben.
Es ist keineswegs nötig, ja es wäre im höchOO
sten Grade verderblich, neue christliche, OO
oder sonstige geistige Gemeinschaften be‐ OO
gründen zu wollen.
.Wir haben der Kirchengemeinden und OO
246 Mehr Licht
Konventikel wahrlich schon mehr als ge‐ OO
nug!
.Ein Jeder aber, der in irgendeiner die‐ OO
ser Gemeinden verankert ist, und der über‐ OO
zeugt zu sein glaubt, daß die christlicheOO
Form der Gottesgemeinschaft mehr zu sei‐ OO
nem Herzen spricht als Anderes, sei auf OO
seine Weise bemüht, durch sein eigenesOO
Leben, seine eigene vertiefte Erkenntnis OO
und Gläubigkeit, der Enthüllung des ewi‐ OO
gen göttlich-geistigen Wesenskernes des OO
Christentums zu dienen.
.Er suche aber auch jene Anderen zu OO
verstehen und erziehe sich zur EhrfurchtOO
vor ihrer Geistesführung, die in anderenOO
Formen als er, dem Wesenskern des Chri‐ OO
stentums zu nahen suchen.
.Und ferne sei ihm jede pharisäischeOO
Selbstgerechtigkeit, die ihrer Verehrung OO
christlicher Lehre nicht besser Ausdruck OO
247 Mehr Licht
geben zu können meint, als indem sie den OO
in nicht-christlicher Form die Wahrheit OO
Suchenden verständnislos, oder gar mit OO
Haß begegnet!
.In den Einöden Innerasiens leben auchOO
heute Männer, denen kein Europäer außer OO
dem, der hier spricht, sich an wirklicher OO
Einsicht in das, was das Wesen des Chri‐ OO
stentums ausmacht, auch nur formell ver‐ OO
gleichen darf, und denen trotzdem nichts OO
ferner liegt, als sich einem „christlich” ge‐ OO
meinten Glaubenskreise anzuschließen.
.„Viele werden kommen vom Morgen OO
und vom Abend, und mit Abraham, Isaak OO
und Jakob im Himmelreich zu Tische OO
sitzen.”
.Ist es noch nötig, zu sagen, daß nur lä‐ OO
cherlicher Hochmut und blinde Anmaßung OO
sich vermessen können, zu glauben, die OO
Absichten des göttlichen Geistes hinsicht‐ OO
248 Mehr Licht
lich der Zukunft des Christentums, vor‐ OO
witzig bestimmen zu dürfen?! ‒
.Allüberall hat „der Herr der Ernte OO
seine Arbeiter in seinen Weinberg ge‐ OO
sandt”, und jede fruchtbringende Rebe OO
wird von ihnen gefunden und sorglichstOO
gehütet werden.
.Die gleiche geistige Sonne wird die OO
Früchte aller Reben zur Reife gelangen OO
lassen, zu geistig gesetzter Zeit!
249 Mehr Licht
DAS GEHEIMNIS
DER ALTEN DOMBAUHÜTTEN
Hier ist nun zu erforderlicher Erhellung OO
die Rede von den geistigen Dombauhütten, OO
die zu allen Zeiten „Arbeiter” suchten, OO
Abeiter, die mitzuhelfen gesonnen waren, OO
an dem großen geistigen „Bau” jenes er‐ OO
habenen Gottestempels, von dem allein OO
die Leuchtenden des Urlichtes auf dieser OO
Erde, die fern allen Machtgelüsten und OO
persönlichen Ehrgeizbestrebungen nur OO
dem Ewigen im Menschen dienen, Plan OO
und Ausmaße kennen. „Arbeiter” am Bau OO
dieses Menschheitsdomes kann jeglicher OO
Erdenmensch sein, insoferne er willens ist, OO
an sich selber geistig zu arbeiten, bis er OO
der rein geistigen Form entspricht, der er OO
zu entsprechen vermag.
.In mancherlei äußerer Gemeinschaft, OO
und nach mancherlei seltsamer Satzung, OO
haben sich seit ältester Zeit die zu Emp‐ OO
fang der Lehre und zum Werk BereitenOO
zusammengefunden, und die symboli‐ OO
253 Mehr Licht
sche „Geschichte” solcher Vereinigungen OO
geistig Suchender tischt wahrlich keine OO
Märchen auf, wenn sie die Frühesten ihrer OO
Art schon unter den ersten menschgewor‐ OO
denen Menschentieren dieser Erde, den OO
ersten wirklichen „Menschen” sucht, ja OO
sie kommt weit näher der Wahrheit über OO
den Ursprung der hier gemeinten gemein‐ OO
samen Bestrebungen, als alle rationalisti‐ OO
sche moderne Forschung nach frühesten OO
Quellen, die doch nur aus Niederschriften OO
recht später Chronisten fließen.
.Die Tempelbauten des alten ÄgyptenOO
wurden ebenso von wirklichen Kennern OO
des Geistigen im Menschen für die EntOO
faltung der Seele errichtet, wie der ParOO
thenon, und, in christlicher Zeit, so man‐ OO
che weltberühmte Kathedrale. ‒ Alle OO
diese äußeren Tempelbauten zeigen in OO
sichtbaren Formen seelische Symbole aus OO
dem ewigen unsichtbaren Tempelbau, der OO
254 Mehr Licht
um der Entfaltung der Seele willen bauen OO
lehrte. Nicht umsonst entstammen der al‐ OO
ten Baukunst die Symbole für geistige OO
Dinge, die als zu heilig galten, um in die Re‐ OO
deweise des Alltags einzugehen. KünstlerOO
der Baukunst hatten selbst die Symbole OO
geschaffen! Auch die Schöpfer der großen OO
Baukunstwerke des antiken und mittel‐ OO
alterlichen Morgenlandes waren ebenso OO
wie die Baumeister des alten Mexiko, tra‐ OO
ditionelle geistige Schüler dieser, „des OO
Bauens und der Zierde Kundigen”, davon OO
heute noch zahllose Bauten und Ruinen OO
deutlich zeugen.
Doch der Ursprung der Impulse zu gegen‐ OO
seitiger geistiger Hilfe ist etwas anderes, OO
als der Ursprung der vielerlei Namen, un‐ OO
ter denen man sich vereinigte. ‒ Die Na‐ OO
men wechselten, aber die selbstgestellte OO
255 Mehr Licht
Aufgabe, einander zu Gott zu führen, blieb OO
im Wesentlichen die gleiche.
.Freilich darf man nicht glauben, je‐ OO
mals etwa geistig vollendeten „Wissen‐ OO
den” ewiger Weisheit in irgend einer der OO
mancherlei geistig gerichteten Werkstätten OO
zu begegnen!
.Heute gar sind diese geistigen Arbeits‐ OO
gemeinschaften bestenfalls nur noch Auf‐ OO
bewahrungsstätten des Arbeitsgerätes, der OO
Aufrisse und der Bauschablonen: ‒ VerOO
wahrungsorte der uralten, heiligen SymOO
bole, deren Deutung den Mysten erst wirk‐ OO
lich zur Annahme der Lehre befähigt, OO
während sie jedoch gegenwärtig unter den OO
etwa noch zu gegenseitiger Belehrung Ver‐ OO
sammelten niemand mehr deuten kann, OO
niemand mehr zu deuten wagt, ‒ es sei OO
denn, auf eine spießbürgerlich-huma‐ OO
256 Mehr Licht
nistisch-rationale Weise, oder gar in irgend OO
einem töricht phantastischen Sinn.
.Trotzdem bleibt jede wirkliche geistige OO
Dombauhütte ein heiliger Ort, und es OO
wird nichts von allem je verloren gehen, OO
was man ahnungslos in ihr für spätere Zei‐ OO
ten gemächlich verwahrt, ‒ mögen auch OO
da und dort womöglich, durch Menschen, OO
die in Verfolgungswahn handeln, symbo‐ OO
lische Requisiten äußerlich demoliert wer‐ OO
den, ‒ mögen auch heutige Verwahrer OO
selbst nur aus Pietät noch achten, was sie OO
nicht mehr geistig zu gebrauchen wissen! OO
. Es werden wieder wirkliche, des Werk‐ OO
zeugs kundige, geistig erleuchtete „Er‐ OO
bauer” erstehen, wenn es ‒ „an der ZeitOO
ist, und sie werden den heutigen Hütern OO
der alten Lehrschätze einstens gewiß zu OO
danken wissen, wenn diese Verwahrer we‐ OO
257 Mehr Licht
nigstens nicht zerstreuten, was ihnen: ‒ OO
als des heiligsten Handwerks UnkundigenOO
‒ nichts mehr zu „bedeuten” schien. OO
Möglich ist es, daß diese neuen Seelen‐ OO
kundigen noch den Namen ihrer Vor‐ OO
gänger durch die Jahrhunderte kommen‐ OO
der Geschlechter führen, aber BedingungOO
zu gegenseitiger werkgerechter geistiger OO
„Erbauung” ist das nicht, so wenig es in OO
früheren Jahrhunderten jemals Bedingung OO
war. Die Namen, die man sich, als Ge‐ OO
meinschaft, in neueren Zeiten gab, oder OO
gar irgendwelcher Namen Mißbrauch, ha‐ OO
ben nicht das Geringste mit der gemein‐ OO
ten Sache selbst zu tun!
.Auch ist es nicht unbedingt nötig, daß OO
jeder wahrhafte geistgeleitete „Steinmetz” OO
an Gottes Tempelbau, einer Arbeitsgemein‐ OO
schaft äußerlich angegliedert ist, ja es läßt OO
258 Mehr Licht
sich verstehen, daß mancher sich nur den OO
Leuchtenden des Urlichtes, als den HüternOO
des geistigen Bauplanes, zur „Arbeit” OO
unterstellt, der erst dann sich zu denOO
Hütern des Werkzeugs gesellen würde, OO
wenn er wieder solche unter ihnen fände, OO
die das Werkzeug auch selbst zu gebrauOO
chen wüßten. ‒
Was ist nun dieses geistige „Werkzeug”, OO
‒ was die geistige „Arbeit am Stein”, ‒ OO
und was der geistige „Tempelbau?” ‒
.Es sei der Versuch gewagt, zum Heil OO
der erhabensten Kunst: ‒ der Kunst der OO
Selbstgestaltung ‒ allen Fähigen AntwortOO
zu geben, soweit es angängig ist, ohne OO
Kunstgeheimnisse, die schwer errungenOO
werden müssen und Mysterien des Tempel‐ OO
planes, die nur der Geheiligte erfaßt, UnOO
259 Mehr Licht
mündigen zu verraten, eingedenk des OO
Wortes: „Werfet das Heilige nicht den OO
Hunden vor und die Perlen nicht vor die OO
Säue!” (Auch außerchristliche Gemein‐ OO
schaften der Antike und des Orients haben OO
alle mit strengsten Strafen bedacht, die OO
jemals versuchten, den hier erteilten Rat OO
zu mißachten.)
Beim Bau des erhabenen Domes, den es OO
geistig zu errichten gilt, ist jeder, der daran OO
arbeitet, Arbeiter, Werkzeug und BauOO
stein zugleich.
.Arbeiter” durch seinen freien Willen, OO
wird er zum „Werkzeug” durch die er‐ OO
worbene „Kunst”: ‒ durch Deutung derOO
Symbole, die ihm ihre Anwendung zeigen, OO
‒ und zum „Baustein” endlich durch dieOO
Arbeit an sich selbst, mittels der bau‐ OO
260 Mehr Licht
gerechten Zubereitung im rechten Ge‐ OO
brauch des dargebotenen Werkzeugs. OO
.Nur aus kunstgerecht nach geistiger An‐ OO
weisung der bauleitenden „Steinmetzen” OO
behauenen Steinen kann der Dom der OO
Menschheit nach dem ewigen, aus der Lie‐ OO
be, die Gott ist, gegebenen Bauplan er‐ OO
stehen.
.Jeder, der an diesem hochheiligen Tem‐ OO
pel Gottes „bauen” hilft so gut er es ver‐ OO
mag, will sich selbst als tragenden BauOO
stein seinem Gefüge einverleiben, den OO
Weisungen Derer entsprechend, die selbst, OO
durch eigenen Willens Auswirkung, zu ra‐ OO
genden Säulen behauen, als Monolithen, OO
das hohe Gewölbe des Tempels zu tragen OO
haben.
.Um Baustein zu werden, muß jeder, OO
der danach strebt, das Handwerk erlernen, OO
261 Mehr Licht
muß Unterweisung erhalten von einem, OO
der bereits das Handwerk kennt, damit er OO
fähig wird, das Handwerkszeug gebrauOO
chen zu können und damit sich selbst nach OO
Vorschrift geistiger Planung zu bearbeiten. OO
.Noch ist er ein rauher, unregelmäßig ge‐ OO
formter, dem Steinbruch entnommener OO
Stein. Er wird sich durch eigene ArbeitOO
behauen und schleifen müssen, auf daß er OO
zum maßgerechten an seine Stelle passen‐ OO
den Baustein werde.
.Ist er es geworden, so wird er willig sich OO
an seiner ihm vorbehaltenen Stelle einOO
fügen lassen in den heiligen geistigen OO
Tempelbau.
Doch, damit ist er für sich selbst noch nichtOO
am Ende des Werkes.
262 Mehr Licht
.Noch ist er innerlich dunkel, ‒ aber er OO
soll als Baustein leuchtend werden, denn OO
der Dom, den es zu bauen gilt, ist aufer‐ OO
baut aus innerlich leuchtenden Steinen, OO
damit er in den unermeßlichen Weiten der OO
Ewigkeit mit seinem geistigen Lichte er‐ OO
strahle.
.Nun beginnt für den Mysten die innereOO
Arbeit, zu der ihn die altgeheiligten SymOO
bole der geistigen Dombauhütte leiten, die OO
er schon zu Anfang kennen lernte, und die OO
er auch jetzt, nachdem er Baustein wurde, OO
dem das Handwerkszeug nichts mehr nützt, OO
in sich behält als untrügliche Räte.
.Trotzdem könnte er, aus sich selbst her‐ OO
aus und allein auf sich beschränkt, nur OO
schwerlich, und erst nach unermeßlichen OO
Zeiten, zu eigenem Lichte kommen.
263 Mehr Licht
.Er bedarf der Aufnahme jener Strahlen, OO
die von den anderen „Steinen” ausgehen, OO
die gleich ihm sich einstens formten, aber OO
schon leuchtend wurden, ‒ und vor allem OO
braucht er das Licht jener Säulen-MonoOO
lithen, die im Innern des Tempels stehen. OO
.Ohne seine eigene innere Arbeit, zu OO
der ihn die in seinem Innersten erkannOO
ten Symbole leiten, würde er aber nie‐ OO
mals tauglich werden, dieses Licht, das OO
ihn allenthalben umstrahlt, auch aufzuOO
nehmen, und es könnte geschehen, daß OO
die hohen Dombaumeister in ihm einen OO
toten” Stein erkennen müßten: ‒ daß OO
sie ihn also aus dem Gefüge des Baues zu OO
entfernen, und einen anderen Stein anOO
seine Stelle zu setzen hätten. ‒
.Bringt er sich aber durch eigene innere OO
Arbeit soweit, daß das Licht, das ihn rings‐ OO
264 Mehr Licht
um überstrahlt, auch ihn im Innern leuchOO
tend werden lassen kann, dann wird er OO
für alle ewigen Zeiten in seinem eigenenOO
Lichte strahlen, allen kommenden GeOO
schlechtern leuchtend, am Ziele seinerOO
mühereichen Arbeit angelangt.
.Mit anderen Worten gesagt: Einer der OO
ehedem in die Nacht der Nichterkenntnis OO
tierhaften Daseins gefallenen Menschen‐ OO
geister hat sich selbst im Lichte der Ewig‐ OO
keit wiedergefunden, seiner selbst nun OO
bewußt als eines ewig Lebenden!
Der hier gemeinte geistige Dombau ist OO
wahrhaftig noch nicht vollendet, und wird OO
nicht eher vollendet sein, als bis auch der OO
letzte der erdgebundenen Menschengei‐ OO
ster, die zurück zu ihrer Urheimat streben, OO
seinen Weg heimgefunden hat ins Licht. OO
265 Mehr Licht
.Auch heute werden daher neue ArOO
beiter am Dombau, werden neue „Bau‐ OO
steine” gebraucht.
.Wer des redlichen Willens ist, sich OO
selbst in harter Arbeit zum „Baustein” zu OO
behauen, den wird man im Ewigen finOO
den, er wird geistig gelehrt und geleitet OO
werden, und geistig wird er andere Sym‐ OO
bole entdecken und enthüllen lernen, da OO
der Ort der Verwahrung der alten UrOO
Symbole ja leider heute der Kundigen OO
entbehrt, und die äußere ZugehörigkeitOO
zu einer Arbeitsgemeinschaft den Suchen‐ OO
den ja doch nicht zum werkgerechten OO
Kundigen geistiger Baukunst zu vollenden OO
vermöchte.
.Gehört der geistig Strebende aber etwa OO
zu den formellen Hütern des Schatzes der OO
alten Werkstätten in unseren Tagen, dann OO
266 Mehr Licht
möge er wissen, daß all das, was er nur OO
aus Pietät noch ehrt, und als traditionellesOO
Gebrauchtum kennt, ohne es in seinem OO
Innersten zu „verstehen”, tiefgeistigeOO
Weisheit verhüllt in sich birgt, und daß OO
er das tiefste Geheimnis der geistigen Bau‐ OO
kunst sich selbst mit Hilfe der ihm an‐ OO
vertrauten heiligen Symbole zu eigen ge‐ OO
ben kann, auch wenn keiner seiner Berater OO
es ihm je zu enthüllen vermöchte.
.Wehe aber den heutigen Hütern derOO
Werkzeuge und der uralten Symbole, OO
wenn sie die Bauhütte: ‒ die Stätte ihrer OO
Verwahrung, ‒ nicht heilig zu halten wis‐ OO
sen! Wehe ihnen, wenn sie nicht mehr OO
aufbauen, sondern einreißen lehren, was OO
ihre großen Vorfahren zum Heile der OO
Seelen gestaltet haben!
.Noch ist die Weisheit ältester Kulte, OO
267 Mehr Licht
noch ist das tiefste Geisteswissen, dessen OO
je die Menschheit sich rühmen konnte, OO
innerhalb der Dombauhütten in verhüll‐ OO
ten Gefäßen verwahrt. Wer nicht zu deuOO
ten weiß, was er zu behüten hat, der sollte OO
es zum mindesten vor Entweihung zu be‐ OO
wahren wissen.
Die Welt wird dereinst wieder wahre Kun‐ OO
dige geistiger Wahrheit an der Arbeit OO
sehen, und es wird ein Weistum endlich OO
erbaut werden, das dann wirklich, inmitten OO
des Dunkels und falscher Lichter, wie ein OO
Leuchtturm der Ewigkeit steht!
.Dann aber werden wahrlich nicht alle, OO
die heute noch unerprobterweise Zutritt OO
zu manchem Mysterium alter Urväter‐ OO
zeiten finden, den erhabenen ewigkeits‐ OO
gezeugten Symbolen nahen dürfen!
268 Mehr Licht
.Man wird strengere Prüfung brauchen, OO
wenn man die Spreu vom Weizen sondern OO
will: ‒ wenn die geistige Atmosphäre ge‐ OO
schaffen werden soll, die wahrhaft geiOO
stiger Arbeit am Dombau vonnöten ist!
.Möchten die kommenden wahrhaften OO
Strebenden allmählich wieder die VorbeOO
dingungen finden, die der Erneuerung ur‐ OO
alten Wirklichkeitserkennens allein günstig OO
sind!
.Es möge sich aber Jeder selber prüfen, OO
mag er den geistigen Dombauhütten ferne‐ OO
stehen oder nicht, ob er sich ihrem erha‐ OO
benen ursprünglichen und durch Jahr‐ OO
tausende hindurch heilig gehaltenen EndOO
ziel nicht widmen dürfe, ‒ ob er nicht einOO
Arbeiter an sich selbst, ein Baustein amOO
leuchtenden geistigen Tempel der MenschOO
heit werden könnte?!
269 Mehr Licht
.Wer immer sich fähig fühlt, sich selbstOO
aus einem rohen Steinblock zu einem ge‐ OO
rechtsam behauenen Baustein des TempelsOO
der Menschheit zu bearbeiten, der wird OO
von innen heraus seine geistige Leitung OO
finden, auch wenn ihm kein äußerer Füh‐ OO
rer beratend zur Seite steht.
.Noch ist es gewiß nicht an der Zeit, daß OO
allen die geistige Einsicht werde, die OO
einstmals die alten Dombauhütten, deren OO
Werke die alten Kathedralen der Christen‐ OO
heit sind, den strenge Geprüften gaben, ‒ OO
aber denen, die sich im Herzen würdig OO
darauf vorbereiten, wird mit geistgege‐ OO
bener Notwendigkeit dennoch dereinst der OO
flammende Stern erneut erscheinen, der OO
vordem über der „Krippe” stand, in der OO
das Licht der Ewigkeit, zwischen den ar‐ OO
men Tieren dieser Erde, wieder zu den OO
Menschen kam.
270 Mehr Licht
VOM RECHTEN GOTTESDIENST
Unzählige Arten der Gottesverehrung hat OO
der Menschengeist im Laufe der Jahr‐ OO
tausende ersonnen und je nach seiner Vor‐ OO
stellung von „Gott” fand hier jede mensch‐ OO
liche Empfindungsmöglichkeit ihren Aus‐ OO
druck, von wildester Rohheit bis zur er‐ OO
habensten Geistigkeit.
.Allen diesen Arten der Gottesverehrung OO
lag und liegt aber der anthropomorphe Ge‐ OO
danke zugrunde, als ob „Gott” des DienOO
stes der Menschen bedürfe, ‒ als ob die‐ OO
ser Gott vom Menschen erwarte, daß er OO
ihn bediene, ‒ wie das tote Götterbild OO
den Dienst des Menschen braucht, soll es OO
das Leben in Phantasie und UnterbeOO
wußtsein seines Dieners nicht verlieren. OO
.Wohl sind die höheren Arten solchen OO
Gottesdienstes dazu angetan, das Gemüt OO
des Menschen zu befruchten und zu er‐ OO
273 Mehr Licht
heben, oft tiefste Schächte urgeistigen OO
Empfindens aufzureißen, in Kultusformen OO
Symbole erhabenster Erkenntnis zu schaf‐ OO
fen, und dennoch ist das alles nur ‒ OO
Menschendienst, nur aus dem Bedürfnis OO
des Menschen heraus entstanden, seinem OO
eigenen Geiste Anregung zur ErhebungOO
zu bringen, sich selbst in kultischen For‐ OO
men das eigene Verhältnis zum erträum‐ OO
ten, erahnten, geglaubten oder schon er‐ OO
kannten Weltgrund deutlich zu machen. OO
.All das mag dem Menschen stärksteOO
Förderung werden auf seinem Wege in OO
die geistige Welt, aber es bleibt Dienst anOO
der eigenen Seele, wird nur fälschlich als OO
Gottes-Dienst” bezeichnet, ist nicht der OO
„rechte Gottesdienst”, von dem ich hier OO
rede.
274 Mehr Licht
Dieser rechte Gottesdienst ist kein BeOO
dienen der Gottheit, kein Kult, in der Mei‐ OO
nung zelebriert, damit der Gottheit schulOO
digen Tribut zu entrichten, sondern ein OO
freiwilliges Darbieten aller Kräfte und OO
Fähigkeiten des Menschen, damit sie DieOO
ner des göttlichen Willens werden, auf OO
daß sie bedingungslos sich der LenkungOO
des lebendigen Gottes in des MenschenOO
eigener ewiger Geistigkeit unterordnen, OO
‒ eine Erlösung aus dem Chaos wilder OO
Wünsche, ein Kristallisationsprozeß, bei OO
dem jedes Kräfteatom sich der ewigen kos‐ OO
mischen Gestaltungskraft überläßt, um so OO
an seine geordnete Stelle zu gelangen.
.Mag der Mensch auch in äußeren Kulten OO
seine Erhebung suchen, mag auch die Seele OO
tief innerlich berührt durch kultische OO
Handlung sein, so wird doch wirkliche VerOO
einung der Seele mit der Gottheit nur ge‐ OO
275 Mehr Licht
funden durch solche Hingabe aller KräfteOO
des Menschen in ihre Hand.
Hier wird eine „Dienstbarkeit” gefordert, OO
die allein zu höchster Freiheit zu führen OO
vermag, ein Dienen, das zum HerrschenOO
lernen in sich selber leiten soll, ein Unter‐ OO
ordnen, um alles Niedere dem Höchsten OO
anzugleichen, damit es im Rhythmus die‐ OO
ses Höchsten zu schwingen vermag, und OO
so erhalten bleibe durch alle Äonen ewigen OO
Lebens. ‒
.Dieses Erhalten der Individualität, der OO
Bewußtseinsfülle, über den Tod des Kör‐ OO
pers hinaus, aber durch ihn nicht berührt, OO
durch alle Ewigkeiten hindurch, ‒ dieses OO
In-Gleichklang-Setzen aller Kräfte mit OO
dem ewigen Gottesfunken, um den herum OO
sich alles Bewußtsein geordnet kristalli‐ OO
276 Mehr Licht
sieren soll, ist ja dem Wissenden der End‐ OO
zweck allen richtigen geistigen Strebens OO
des Menschen auf dieser Erde.
.Was nützen alle okkulten Künste und OO
seien es auch die erstaunlichsten Fakir‐ OO
leistungen, da sich alles das doch nur auf OO
diese physische Erscheinungswelt bezieht, OO
die uns als solche verläßt, sobald das Ge‐ OO
hirn des menschlich-tierischen Körpers OO
nicht mehr als Empfindungstransformator OO
zur Verfügung steht?
.Was nützt alle hellseherische Begabung, OO
da sie doch bestenfalls nur die sonst un‐ OO
wahrnehmbaren Bilder der astralen terre‐ OO
strischen, gemeinhin physisch unsichtbaren OO
Aura” dieses Planeten erkennen läßt, OO
und den Hellseher nur gröblicher TäuOO
schung unterwirft, wenn er zu der Mei‐ OO
nung verleitet wird, was er sieht, sei be‐ OO
277 Mehr Licht
reits den Welten des reinen Geistes nahe, OO
oder gar diesen Welten innewohnend?
.Was nützt alles verstandesmäßige Er‐ OO
kennen, alles Wissen über die Welten des OO
Geistes, wenn doch alles das mit dem Fort‐ OO
fall der Gehirnfunktionen lautlos in Nichts OO
zerstäubt und nie mehr im seelischen Be‐ OO
wußtsein gefunden werden kann, falls die‐ OO
ses seelische Bewußtsein nicht vorher, OO
noch während es das Gehirn zur Verfügung OO
hatte, den ewigen Willen zur EinigungOO
mit seinem lebendigen Gott, seinem gött‐ OO
lichen Geistesfunken im innersten Innen, OO
erreichte?
Diese Einigung aller Seelenkräfte, alOO
ler Empfindungsmöglichkeiten, auch der OO
durch den Körper allein gegebenen, im OO
allerinnersten „Ich”, ‒ in der höchsten OO
278 Mehr Licht
Region inneren Fühlens, die allein die OO
Gottheit erreicht und sie eben nur imOO
Menschen selbst, als den in ihm lebenOO
digen Gott erreichen kann, ‒ ist die einOO
zige geistige Aufgabe des Menschen, die OO
sich wirklich aller Anstrengung wert er‐ OO
weist.
.„Das Himmelreich leidet Gewalt, und OO
nur die Gewalt brauchen, reißen es an OO
sich!”
.Wahrlich, es braucht „Gewalt”, alle OO
störenden Einreden des nur auf die phyOO
sische Welt und auf die aus ihr abgelei‐ OO
teten Spekulationen beschränkten VerOO
standes abzuweisen, damit die innereOO
Stille zustande kommt, die uns das UrbildOO
unseres „Ich” empfinden läßt, unsern leOO
bendigen Gott, der uns jeden Augenblick OO
unseres Seins stets neu nach seinem Bilde OO
schafft, ‒ dessen ewigen Schaffens AusOO
279 Mehr Licht
druck wir geistig sind, ‒ dem wir völlig OO
uns angleichen sollen, damit wir aus seiOO
nem Bewußtsein heraus, durch alle Ewi‐ OO
keit hindurch, uns selbst in BewußtseinsOO
identität zu erhalten fähig werden!
Nicht eine verkrampfte Anstrengung des OO
Willens ist hier gemeint, nicht eine er‐ OO
quälte „Konzentration”, sondern ein stets OO
waches, energisches Abweisen aller lauten OO
Vordringlichkeit des Intellekts, ein Bän‐ OO
digen seiner anmaßlichen Ansprüche, auch OO
in einer Region das große Wort zu führen, OO
die ihm niemals zugänglich ist! ‒ Diese OO
Zurückweisung aber ist unumgänglich nö‐ OO
tig, damit das große Lassenkönnen mög‐ OO
lich werde, das, ‒ als Vorausbedingung, OO
‒ erreicht sein muß, sollen alle unsere OO
Empfindungskräfte zu willigen Dienern OO
unseres inneren Gottes werden, aus dem OO
280 Mehr Licht
wir leben und sind, ‒ soll der ewigeOO
Mensch im Erdmenschen aus seinem Grabe OO
erstehen, aus dem Geiste neu geboren: ‒ OO
Bild und Gleichnis seinesVaters” der OO
in ihm in seinem „Himmel” ist.
.Wohl aber kann uns bei solchem Stre‐ OO
ben der Intellekt „wie ein Zugtier” vor‐ OO
wärts bringen, sobald wir ihn gebändigtOO
haben! Es ist auch gewiß verstattet, das OO
geistig Erfühlte, nachdem es erfühlt ward, OO
auch auf intellektuelle Weise zu beOO
trachten: ‒ sich gleichsam ein Gedanken‐ OO
gebäude nach logischer Folge aufzurich‐ OO
ten, als geordnete „Schatzkammer”, in OO
der wir die Kleinodien unseres inneren OO
Fühlens zu verwahren wissen. Ja ohneOO
ein solches selbst erbaute Schatzhaus wäre OO
unser inneres Erleben, wäre der Schatz OO
unseres geistigen Erfühlens sehr in Gefahr, OO
uns im Leben des Alltags wieder verlorenOO
zu gehen, verstreut zu werden in alle OO
281 Mehr Licht
Winde, statt uns stets in geordneter Weise OO
zur Verfügung zu stehen.
.Aber niemals darf der Intellekt die OO
Führung erhalten, wenn wir uns im Früh‐ OO
rot ferner Ahnung auf den Weg des Su‐ OO
chens begeben, des Suchens nach dem, was OO
unser Aller bleibender unzerstörbarer Le‐ OO
benskern, unser Aller innerste Heimat, un‐ OO
ser Aller unbegreiflichstes Wunder: ‒ das OO
„Juwel in der Lotosblume” ist.
Der Verstand ist ein guter Pfadfinder OO
wenn es gilt, die Wegspuren zu entdecken, OO
die zur Erkenntnis jener Dinge führen, OO
die in der physischen Welt der Sinne ihre OO
letzte Auswirkung zeigen, und hier soll OO
man ihm wahrhaftig vertrauen, soll ihm OO
alle Gelegenheit geben, sich zu entfalten, OO
denn auch der Verstand ist göttlichen Ur‐ OO
282 Mehr Licht
sprungs und wohltätig wirkend an seinem, OO
ihm vorbehaltenen Ort.
.Wollen wir aber zu Gott gelangen, so OO
dürfen wir nicht außen suchen, ‒ auch OO
nicht in jenem Außen, das den meisten OO
schon als ein „Innen” erscheint, weil kei‐ OO
ner ihrer Sinne es mehr zu fassen im‐ OO
stande ist.
.Auch wenn der Menschengeist in den OO
höchsten geistigen Regionen Ewigkeiten OO
hindurch nach Gott suchen wollte, würde OO
er niemals Gott begegnen, denn so, wie in OO
der ganzen physischen Natur niemals Na‐ OO
turkraft an sich zu finden ist, und dennoch OO
in jedem Atom dieser Sichtbarkeit erkannt OO
wird, so äußert sich Gottheit nur in den OO
aus ihr gezeugten Geisteswesenheiten, ‒ OO
in jeder individuell gesondert auf die nurOO
in ihr allein erstrebte Weise der Offen‐ OO
283 Mehr Licht
barung, ‒ und kann niemals, auch nicht OO
in einer der höchsten Geisteswelten, isoOO
liert und für sich bestehend gefunden OO
werden.
.Wir müssen Gott in uns selbst entdecken, OO
in seinem ewigen, zeugenden Leben, und OO
damit wir Gott in uns selbst entdecken OO
können, ohne uns selbst einen Götzen aus OO
uns zu schaffen, und so einer argen TäuOO
schung zu erliegen, müssen wir hier der OO
Führung Jener vertrauen, die bereits im OO
Bewußtsein Gottes leben, die ihre Kräfte OO
Gott zu Dienern gaben und sich dem ewigen OO
Urbild einten, das sie zeugt.
Es wäre freilich törichter Glaube, wollte OO
man erwarten, hier in diesem durch völlig OO
andersartige Gesetze bestimmten Leben OO
der Erde den höchsten gottgeeinten GeiOO
284 Mehr Licht
steswesen als sichtbaren Gestaltungen zu OO
begegnen. Auch wird die Menschenseele, OO
die sich hier ihrem lebendigen Gotte einte, OO
und ihrer Kräfte Herrscher ward aus Gott, OO
dem sie diese Kräfte zum Dienste weihte, OO
niemals, solange sie mit dem Körper des OO
Menschentieres verbunden bleibt, von irOO
dischen Banden frei, und kann, selbst inOO
höchster Vollendung, nur die niedersteOO
Stufe göttlicher Geisteseinung erreichen. OO
Selbst der Gottgeeinte, aus dem sich ein OO
Leuchtender des Urlichtes den Offenbarer OO
schafft, wäre aus sich allein unfähig, die OO
ihm erschlossenen höheren Stufen zu er‐ OO
steigen!
.Zwar leben auch Geisteswesenheiten in OO
der geistigen Region dieses Planeten, die OO
auf weitaus höherer Stufe stehen, als sie OO
ihnen in physischer Verkörperung zugäng‐ OO
lich wäre, aber sie sind entweder längst OO
vom irdischen Körper befreit, oder waren OO
285 Mehr Licht
niemals an ihn gebunden, weil sie nicht OO
dem Falle der Geister erlegen waren.
.Sie können uns aber nur von innen herOO
fühlbar, können nach ewigen Gesetzen nur OO
der gänzlich gottgeeinten Seele eines Men‐ OO
schen unter gewissen seltenen Umständen OO
schaubar und hörbar werden.
.Äußerst selten nur sind die wenigen OO
Fälle, in denen ein irdischer, sinnengebun‐ OO
dener Mensch diese Geistigen wahrzuneh‐ OO
men imstande war, ‒ zahllos aber sind OO
hier die Täuschungsmöglichkeiten, zahl‐ OO
los die Berichte solcher Menschen, die GeOO
bilde der Täuschung sahen und nicht an‐ OO
ders glauben konnten, als daß ihren Sinnen OO
sich ein Geistiger offenbart habe.
.Kaum auszurotten ist der Wahn, daß OO
„Hellsehern” diese hohen Geisteswesen OO
sichtbar werden könnten, und Tausende OO
286 Mehr Licht
wollen das Hellsehen „lernen”, weil sie OO
meinen, wenn sie es könnten, wären sie OO
imstande, Geistiges mit inneren Sinnen OO
wahrzunehmen.
.Man kann aber weder Hellsehen „ler‐ OO
nen”, noch hat je ein Hellseher anderesOO
erschaut, als was in der niederastralen, OO
keineswes „geistigen” Aura der Erde an OO
täuschenden Gebilden und täuschungs‐ OO
lustigen Wesen keineswegs geistiger Art OO
zu finden ist.
.Wohl gibt es Methoden, die Kräfte der OO
plastischen Phantasie des Menschen so OO
zu überreizen, daß sie ihn alles als schein‐ OO
bare Wirklichkeit sehen und hören lassen, OO
was er sehen und hören will. Wohl kön‐ OO
nen einem derart betrogenen Menschen OO
„innere Aufschlüsse” werden, in denen OO
Wahres und Falsches sich in grotesker Mi‐ OO
287 Mehr Licht
schung mengt. Wohl kann er grandiose OO
Phantasiegebilde Anderer, oder selbstge‐ OO
schaffene Trugbilder als scheinbare „Wirk‐ OO
lichkeit” erblicken. Doch wer sollte hier OO
im Zweifel sein, daß ein solcher Mensch OO
noch viel bedauernswerter ist, als der wirkOO
liche Hellseher, der seine fragwürdige OO
„Gabe” stets von Geburt an mit auf die OO
Erde bringt, und der doch wenigstens ein OO
tatsächlich erdenhaftWirkliches” wahr‐ OO
nimmt, wenn er auch fälschlich glaubt, OO
daß die Welten des Geistes ihm erschlossen OO
seien!
Es ist eine gänzlich verkehrte Einstellung OO
der Wünsche, wenn ein Mensch dem Gei‐ OO
stigen zuzustreben glaubt, und dabei hofft, OO
recht bald mehr oder weniger sinnenfälligeOO
Beweise des Daseins geistiger Welten zu OO
erlangen.
288 Mehr Licht
.Ganz davon abgesehen, daß es ihn nie‐ OO
mals weiter bringen würde, wenn auch OO
sämtliche „Welten” des reinen wesen‐ OO
haften Geistes gar seinem physischen Auge OO
erschlossen wären, ‒ daß auch hundert‐ OO
jährige, stete Zwiesprache mit den höch‐ OO
sten geistigen Wesenheiten doch ihn immer OO
auf der gleichen Stufe verharren lassen OO
würde, auf der er den Austausch begonnen OO
hätte, ‒ darf er auch niemals glauben, daß OO
er dereinst, im Tode körperfrei geworden, OO
Geistiges sofort auf allen geistigen Stufen OO
erkennen könne.
.Hier erkennt sich nur, was gleicherOO
Artung ist, und selbst ganz gottgeeinte OO
menschliche Geisteswesen können in gei‐ OO
tigen Welten nur empor bis zu jenen Stu‐ OO
fen dringen, die ihrer eigenen Geistigkeit OO
entsprechen.
.Wo es notwendig ist, steigen Wesen‐ OO
289 Mehr Licht
heiten von höherer geistiger Stufe herab, OO
um belehrend Kunde zu bringen von dem, OO
was ihnen erschlossen ist, wie das bei der OO
Schaffung des irdischen Geeinten eines im OO
Urlichte Leuchtenden unvermeidbar wird, OO
‒ denn höhere Geistigkeit kann wohl die OO
Sphäre niederer Stufen zeitweilig ent‐ OO
sagend betreten, während die Geistigen OO
auf solcher niederen Stufe sich selbst zerOO
stören würden, falls dies möglich wäre, OO
wollten sie versuchen, in Sphären des Gei‐ OO
stes vorzudringen, zu deren Betreten sieOO
noch nicht bereitet sind. (Die niederen OO
mentalen Einflüsse die jeder Erdenmensch OO
erfahren kann, stammen nicht aus geiOO
stigen, sondern aus den Regionen der un‐ OO
sichtbaren physischen Welt!) Es herrschen OO
allerwärts strengste geistige Gesetze, de‐ OO
nen sich willig beugt, was wahrhaft des OO
ewigen Geistes ist.
290 Mehr Licht
.Weise hat das ewige Urlicht, das in allem OO
Geistigen leuchtet, seine Strahlen schüt‐ OO
zend umhüllt für alles, was nicht in solcher OO
Weise sich dem Geiste geeint findet, daß OO
es auch des göttlichen Geistes wesenhaftes OO
Licht zu ertragen imstande ist!
Was sollte es auch dem Menschen der Erde OO
nützen, könnte er Geistiges erschauen, so‐ OO
lange er nicht in sich selbst dem Geiste OO
absolut geeinigt wurde?
.Es würde ihm nur zu namenloser Qual, OO
und keine Höllenpein, die teuflische Tier‐ OO
menschenwollust je ersann, ist derart grau‐ OO
sam, daß ihre Martern jenen Peinen glei‐ OO
chen würden, die ein menschliches Be‐ OO
wußtsein empfinden müßte, das Geistiges OO
zu schauen fähig wäre, bevor es selbst, OO
dem Geiste auch substantiell geeint, des OO
Geistes Leben zu teilen imstande ist.
291 Mehr Licht
.Es bleibt nur Eines, das not tut: ‒ Alle OO
Kräfte der Seele, alle Empfindungsfähig‐ OO
keit des Körpers, jeden Impuls und jede OO
Regung, dem Geiste, ‒ dem lebendigenOO
Gott in uns, ‒ willig und ohne VorbehaltOO
zum Dienste an uns darzubieten, damit OO
es dem ewigen, göttlichen Geiste möglichOO
ist, allmählich sich mit unserem menschOO
lichen Bewußtsein zu vereinen und uns OO
aus sich heraus wieder diese Kräfte, Im‐ OO
pulse, Regungen und Empfindungsfähig‐ OO
keiten zu willfährigen Dienern zu geben, OO
‒ nachdem wir bereitet wurden, sie aus OO
dem ewig uns zeugenden leuchtenden Kern OO
unseres Seins heraus zu beherrschen.
.Das ist der „rechte Gottesdienst”, den OO
Jeder vollbringen muß, der sein irdisch‐ OO
menschliches Bewußtsein mit hinüber‐ OO
nehmen will, nicht nur für scheinbar end‐ OO
lose Zeiten, sondern für alle Ewigkeit!
.„Wirket, solange es Tag ist, denn es OO
292 Mehr Licht
kommt die Nacht, da niemand wirken OO
kann!”
Hier in diesem Erdenleben ist es dem Men‐ OO
schen möglich, zu „wirken”. ‒ Nach dem OO
Verlassen der physischen Welt aber findet OO
er sich in dem Zustand, den er sich selberOO
schuf, und muß passiv verharren, bis sich OO
ohne sein Zutun, vielleicht in kürzerer OO
Zeit, vielleicht auch erst nach Jahrtausen‐ OO
den, ‒ in irdischer Weise zu sprechen, ‒ OO
sein Seelisches derart geläutert hat, daß OO
es substantiell gottgeeinten Geisteswesen‐ OO
heiten gelingt, in ihm das Bewußtsein OO
vom wesenhaften Innewohnen seines gött‐ OO
lichen Wesenskernes, seines lebendigen OO
Gottes, zu erwecken. Erst dann kann in OO
ihm die Willensumkehr erfolgen, durch OO
die er alle Kräfte seinem „lebendigen OO
Gott” zum Dienste überläßt, wodurch OO
293 Mehr Licht
dann erst die Vereinung seines Bewußt‐ OO
seins mit dem ewigen Bewußtsein des OO
göttlichen Geistes in ihm herbeizuführen OO
ist, die auch kein „Gnadenakt” der Gott‐ OO
heit jemals anders herbeizuführen vermag! OO
.Dann aber ist sein erdenmenschlichesOO
Bewußtsein ihm längst entschwunden, wie OO
ein Traum, der sich selbst entschwand.
.Er ist zwar „gerettet”, aber sein Leben OO
auf dieser Erde mit all seinem Trachten, OO
seinem Glück und seiner Mühsal ist auf OO
ewig ihm unerinnerbar geworden, er hat OO
den Preis des Siegers, die ErweiterungOO
des Bewußtseins Dessen, der die äußerOO
sten Reiche göttlicher SelbstoffenbarungOO
durchlaufen hat, für sich nicht erlangt! OO
.Zwar wird auch er, ‒ dann dem gött‐ OO
lichen Geiste Darstellungsform geworden OO
294 Mehr Licht
und mit seinem ihm gleichgearteten männ‐ OO
lichen oder weiblichen geistigen Gegen‐ OO
pol vereint, ‒ in der Fülle unendlichen OO
Glückes das Leben des reinen Geistes le‐ OO
ben, doch ungleich höher ist die Art der OO
Selbstempfindung jener ewig Geistigen, OO
die in all ihrem unendlichen Glück auch OO
des Bewußtseins der tiefsten Tiefe noch OO
fähig bleiben, in die sie, dem Erdenmen‐ OO
schentiere einst verbunden, hinabgetaucht OO
waren.
.Wie der Mensch der Ebene, in seiner OO
ganzen Seele erschüttert und beglückt vor OO
den Wundern der Bergwelt, steht, von dem OO
Gebirgsbewohner zuweilen kaum in seiner OO
Andacht verstanden, so ermißt erst derOO
Geist, der auch aller Tiefen noch bewußt OO
sich erinnern kann, die ganze Höhe seines OO
Glückes, und je höher die Stufen werden, OO
die er, wenn auch erst in Äonen, erreichen OO
295 Mehr Licht
soll, desto weniger möchte er die ErOO
innerungsmöglichkeit an seine tiefste OO
Stufe missen.
Da Geistiges niemals in seinem Wesen OO
veränderlich ist, so handelt es sich bei dem OO
Aufstieg der Seele auch niemals um eine OO
Veränderung ihres göttlich-geistigen, ewig OO
sie zeugenden Wesenskernes.
.Der „lebendige Gott” in des Menschen OO
innerstem Innen, dem er hier schon auf OO
dieser Erde sich im Bewußtsein zu einen OO
vermag, ist der Gleiche, auf jeder geistigen OO
Stufe, die je erreicht wird, durch alle OO
Ewigkeit hindurch.
.Nur der Zustand der Seele, der Zustand OO
menschlich-seelischen Bewußtseins erwei‐ OO
tert sich, um stets höhere geistige Bewußt‐ OO
296 Mehr Licht
heit zu erlangen, um stets weitere Un‐ OO
ermeßlichkeiten geistigen Seins empfindenOO
zu können.
.Würde es sich nur darum handeln, irOO
gendein Individualbewußtsein seelischer OO
Art um den geistigen, zeugenden Wesens‐ OO
kern herum zu bilden, dann wäre jedes OO
Trachten nach der Einung des Bewußt‐ OO
seins mit dem Geiste, hier während dieses OO
irdischen Lebens, völlig überflüssig, denn OO
die Einung kann, mit Ausnahme der Fälle OO
gänzlicher Bewußtseinsauflösung, nach OO
ewigen, dem göttlichen Leben inhärenten OO
Gesetzen noch erfolgen, auch wenn sie OO
erst in Äonen erfolgt.
.Der Weckruf aller wirklichen Geistes‐ OO
lehrer der Menschheit erging zu allen Zei‐ OO
ten deshalb, weil es das höchste Glück der OO
Seele in aller Ewigkeit ausmacht, ihr irOO
disches Bewußtsein und damit die FähigOO
297 Mehr Licht
keit des Erinnerns in sich zu erhalten, OO
und weil unsägliches Leid der Seele, das OO
zur Auslösung kommen kann, nachdem OO
sie den Erdenkörper verlassen hat, durch OO
ihre Geisteseinung während des irdischen OO
Lebens vermeidbar wird.
.Die Menschheit zu jeder Zeit durch ihre OO
berufenen Sprecher auf diese Bahn verOO
mehrten Glückes hinzuleiten, ist Aufgabe OO
Derer, aus deren Mitte heraus ich diese OO
Lehren künde und jedes Wort dieses Bu‐ OO
ches soll seine Leser nichts anderes lehren, OO
als diese Art des „rechten Gottesdienstes”. OO
Möge keiner, der diese Worte liest, aus OO
diesem Leben irdischer Mühsal scheiden, OO
bevor sein Bewußtsein geeinigt wurdeOO
seinemlebendigen Gott”!
298 Mehr Licht
.Möge keiner in jene „Nacht” der UnOO
möglichkeit eigenen Wirkens gelangen, OO
aus der es kein Entrinnen gibt, ehe die OO
Schuld des Harrenden „bis auf den letzten OO
Heller” beglichen ist!
.Noch ist es „Tag” und hilfreiche Hände OO
sind am Werke, Allen geistige Hilfe zu‐ OO
zuleiten, die danach verlangen. ‒ Es be‐ OO
darf keiner Sonderschulung, diese Hilfe OO
herbeizuziehen, und keiner persönlichenOO
Einzel-Belehrung, sie sich zu eigen zu OO
machen.
.Wer Ohren hat zu hören, der höre!” OO
ENDE
299 Mehr Licht