Einige Texte
(nicht überprüfbar)
Hr. Werner Erni, früher auch für den "Kober Verlag" tätig, zeigt auf seiner Homepage einige Texte des Meisters, die heute unauffindbar wären. Mit seiner freundlichen Genehmigung finden sie sich auch hier wieder.
Goldregen (langweiliges Paradies)
Brauchen wir eine neue Religion? (Deutsche Wesensart)
      aus der Zeitschrift „Der Türmer”, Januar 1922
Das Mysterium der künstlerischen Ausdrucksform (Körper/ewige Seele)
      eine etwas andere Fassung des gleichlautenden Kapitels im Buch „Mehr Licht”
Geistige Baukunst (die ewige Seele als Baustein am ewigen Tempel der Menschheit)
      aus der Zeitschrift „Die Säule”, Januar 1927
Ein verschütteter Tempel (Freie Maurerei)
Wahrheit (Bô Yin Râ`s Beitrag zur E.B.D.A.R.)
Was ist die E.B.D.A.R.?
      von Hr. Erni unter Benützung eines Briefes von Bô Yin Râ vom 05.05.1933
Der Goldregen
(langweiliges Paradies)
Vor alten Zeiten stand es einmal so schlecht in der Welt, dass alle Menschen stöhnten und voll Wehklage waren.
Alles war grau und trüb, und die Freude kannte man nur noch vom Hörensagen.
Da beteten die Menschen zu ihrem großen Gotte Re‐Nai‐Schu, dass er sich ihrer unerträglichen Leiden erbarmen möge. Aber Re‐Nai‐Schu hörte sie wohl nicht.
So beteten sie denn weiter, vierzig Monate und drei Tage …
Als es aber an jenem Tage Abend geworden war und alle wieder voll Trauer ihren Schlaf suchen wollten, siehe, da erhob sich am Rande des Himmels ein kleines Wölkchen von der Farbe einer Zitrone.
Es stieg höher und höher und nahm zu an Grösse, so dass es den ganzen Himmel überdeckte.
Zugleich kam eine geheimnisvolle Freude über alle Menschen und sie glaubten, dass Re‐Nai‐Schu jetzt wohl erscheinen würde.
Re‐Nai‐Schu erschien nicht, sondern die Wolke löste sich auf in winzige Tröpflein, die wie ein Licht- und Feuerregen zur Erde fielen.
Wo aber dieser Regen fiel, da ward alles leuchtend.
Die Bäume des Waldes wurden golden und die Felder und Wiesen glänzten und flimmerten von Gold.
Die Bettler in ihren Lumpen erstrahlten wie Könige im goldbrokatenen reichen Krönungsgewand.
Das Wunderbarste aber war, dass von allen Menschen alles Leid zur Stunde floh, so dass Jauchzen und frohes Leben fortan die Erde erfüllte.
Dies währte nun an die dreihundert und neunzig Jahre. Damals jedoch standen einige auf und sagten:
„Uns genügt nicht, zu besitzen und glücklich zu sein. Wir sehen wohl, dass dieses heilige Gold nicht nur Schönheit allen gibt, sondern auch alles auf geheimnisvolle Weise nährt und am Leben erhält, — allein wir wollen wissen, weshalb alles so ist.”
Eines Tages sprachen diese Grübler untereinander und einer machte den Vorschlag und sagte:
„Wir wollen von dem Golde nehmen, es in den Schmelztiegel tun und es peinigen im Feuer, bis uns seine Wesenheit kund werden wird.” Und sie taten also …
— Da entstand am Himmel alsobald eine große, undurchdringliche Finsternis und die Erde bebte, dass die Grundmauern der Tempel zerrissen wurden.
Als aber das Beben vorüber war, da lag die Welt grau und trübe und die Menschen fühlten sich elend, wie nie zuvor.
Alle Schönheit war von der Erde geflohen. Jammer und Not herrschten wieder und werden weiter herrschen, wenn nicht Re‐Nai‐Schu einen neuen Goldregen schickt.
Vorher aber werden die Menschen wohl wieder vierzig Monate darum bitten müssen…
Wer weiss aber, ob Re‐Nai‐Schu einen neuen Goldregen schicken wird, bevor nicht jene gestorben sind, die keine Ruhe finden im Glück, solange sie nicht wissen, warum das Glück die Menschen glücklich macht. —

Brauchen wir eine neue Religion?
(Deutsche Wesensart)
aus der Zeitschrift „Der Türmer”, Januar 1922
An diesem Artikel wurden einige kleine, redaktionelle Änderungen und kleine Kürzungen vorgenommen, damit der in der damaligen Zeit und für die damalige Zeit geschriebene Text besser in die heutige Zeit passt. (Änderungen sind kursiv gesetzt) WE
Unter den Lesern dieser Zeitschrift sind meines Wissens nicht wenige, denen mein Autorenname bereits durch meine Bücher bekannt geworden ist.
Wenn mir nun der verdienstvolle Herausgeber die Möglichkeit bietet, auch von dieser Stelle her an der Erneuerung und Vertiefung seelischen Lebens mitzuwirken, so bedeutet das für mich eine nicht geringe Freude.
Schon lange war es meine Absicht, vor einem religiös ernst gestimmten und verstehenden Kreise, wie ich ihn gerade unter den Lesern dieser Blätter zu finden glaube, die Frage zu erörtern, die ich dieser kleinen Abhandlung als Überschrift gab; und ihre Erörterung dürfte denn auch denen nicht ganz unwichtig sein, für die eine solche Frage, aus tiefstem inneren Fühlen heraus, von vorneherein beantwortet ist.
Ich sehe Bestrebungen in dieser Zeit am Werke, die zwar von den edelsten Motiven her geleitet sein mögen, deren Auswirkung mir aber gerade für die Deutschen verhängnisvoll zu sein scheint; und es wird mir die Pflicht, von meiner durch keinerlei konfessionelle Bindung bedingten seelischen Einschau her vor einer Gefahr zu warnen, die viele bedroht.
Die Welle geistiger Erneuerung, die schon lange vor dem Kriege einzelne Schichten der Deutschen ergriffen hatte, wächst zusehends zu einer mächtigen Woge an, von der sich nun auch gar manche tragen lassen, die vorher in den stagnierenden Wassern religiöser Gleichgültigkeit ihr Behagen fanden.
Die aufrüttelnden Erlebnisse des Krieges (Anm.: 1914/18), das unsägliche Leid und die äußerste Not der Kriegsjahre, die ja im Grunde trotz aller „Friedens”-Verträge noch nicht beendet sind, mögen immerhin das Ihrige dazu beigetragen haben, dass die Seelen sich mehr und mehr auf Inneres und Allerinnerstes besinnen; aber es wäre doch eine arge Täuschung, wollte man alles Streben nach religiöser Vertiefung lediglich aus diesen Momenten heraus erklärbar finden und somit allem Suchen nach geistigen Gütern in dieser Zeit nur eine vorübergehende Bedeutung zuerkennen.
Ich sehe weitaus Tieferes hier am Werke, und es dürfte weit eher erlaubt sein, das schwere Erleben, das der Krieg so vielen brachte, als ein zwar schmerzendes, aber letztlich doch zur Gesundung führendes Heilverfahren ewiger, leitender Mächte anzusehen ….
Vielleicht war man doch, bevor diese harten Tage kamen, oft allzusehr geneigt, zu übersehen, dass die weltgeschichtliche Aufgabe eines Volkes nur dann zu lösen ist, wenn jeder einzelne, der ein Glied dieses Volkes bildet, durch eigene seelische Vertiefung so gefestigt wurde, dass der ganze Volkskörper aus seinen tiefsten Wurzeln heraus jene überschüssige Gesundheit erlangen kann, die der Welt einst Heilung bringen können.
Das dunkle innere Ahnen, dass dem so sei, lässt heute die neue Sehnsucht nach religiöser Vertiefung in vielen keimen und wachsen.
Wird diese Sehnsucht zur Tat und tritt sie gestaltend ins Leben des Alltags ein, nicht nur für Sonn- und Feiertage reserviert, — so kann sie wahrhaftig die Deutschen zu jenem Aufstieg führen, den seine erleuchtendsten Geister ihm wieder und wieder prophetisch zeigen zu müssen glaubten, und nach dem es heute mehr als je verlangt.
Sie werden dann einem Aufstieg entgegengehen, den keine Erniedrigung mehr bedroht. —
Noch aber besteht die Gefahr, dass diese Sehnsucht sich verwirren lässt und auf irre Wege führt..
Man fühlt die Notwendigkeit neuer, vertiefter Religiosität und lässt sich nun gar vielfach verleiten, statt dessen nach einer neuen Religion zu suchen.
Selbst bis in tiefgläubige Kreise christlicher Frömmigkeit hinein trägt moderne Zweifelsucht ihre Unheilsaat und möchte Seelen beirren in ihrem Vertrauen an die ewige Lebenskraft dessen, dem gerade deutsche Art ihr bestes dankt.
Historische und philologische Kritik wurden, als die ungeeignetsten Instrumente, angesetzt, um einen Boden zu unterwühlen, der nur mit den subtilen, seismographisch empfindsamen Organen der Seele untersucht werden darf, will man seine überzeitlichen Quelladern finden, die wahrlich tiefer liegen als die lose Krume, die oft gutgläubiger wissenschaftlicher Forschungseifer zu untersuchen vermag.
Nun steht man verwirrt auf dem an manchen Stellen arg verwüsteten Lande, das einst der Seele blühender Garten war, und wagt es fast nicht mehr, daran zu glauben, dass neues Leben ihm entsprießen könne.
Zugleich aber finden sich eilfertig gar manche Karrenführer ein, die Erdreich aus fremden Zonen bringen mit der oft durchaus ehrlich gemeinten Versicherung, dass erst diese fremde Erdkrume, die sie von fernher holten, an ihrem Ursprungsort nur deshalb fruchtbar war, weil sie aus den gleichen tiefen Quelladern ihre Kraft empfing, aus der auch die Blumen der Seele ihre Nahrung zogen, die aus dem Boden sprossten, den sie jetzt verschütten möchten.
Diese allem seelischen Leben gemeinsame Quelladern gilt es aufzusuchen, wenn man wahrhaft zu einer Verwurzelung mit dem ewigen Seinsgrund gelangen will, und sie sind dort aufzusuchen, wo sie seit Jahrhunderten sich für die deutsche Seele wirksam zeigten, die deutsche Seele, deren schönstes Vorrecht ihrer Eigenart darin besteht, dass sie nichts eigentlich „Fremdes” auf dieser Erde kennt, dass sie zu jeder anderen seelischen Eigenart Zugänge findet, die aber nur allzu leicht bereit sind, völlig zu vergessen, dass sie alles fremde Saatgut nur auf eigenem Boden zu eigener Ernte heranreifen sehen kann.
Mit anderen Worten: Es bedarf durchaus keiner anderen Religion, um den tiefsten Quellgrund allen Seins der Seele zu erschließen, sondern es braucht nur die glühende Inbrunst der Seele selbst, und sie wird von der Stelle aus, an der sie eingewurzelt ist, ihre Wurzelfasern immer tiefer in das ewige Herz des Seins zu versenken vermögen, weit sicherer, als wenn sie sich selbst erst in anderen Boden verpflanzen wollte, mag dieser Boden ihr auch erfüllter erscheinen von geheimer Kraft, als der, aus dem sie selbst ihres einstigen Keimens Nahrung zog.
Deutscher Seelenart ward das Christentum zum eigenen Blütengarten, und christliche Glaubensglut ward zur deutschen Frömmigkeit.
Noch haben zu allen Zeiten nur einzelne Deutsche den Mut gehabt, bis zu den innersten Mysterien vorzudringen, die sich in dieser deutschen Frömmigkeit, diesem deutschen Christusglauben, dieser deutschen Christusliebe bergen. Es ist hier mehr Mysterium verborgen, als die meisten ahnen mögen!
Kein echter Mysterienkult der alten Zeiten, so ehrwürdig er auch sein mag, reicht völlig an dieses Mysterium deutscher Frömmigkeit heran, und selbst die weiseste Erkenntnis alten indischen Denkens führt kaum zu den Vorhallen dieses Heiligtums, ja das meiste all solch erdachter Weisheit schuf nur Wolkenträumen phantastische Brücken aus luftigem Gespinst, Brücken, die niemals in Wirklichkeit eines Menschen Fuß betreten könnte.
Alle letzte Erkenntnis aber gilt einer Wirklichkeit, vor der alles Denken und Träumen jeglichen Wert verliert und ihn nur wiedergewinnen kann, nachdem es diese Wirklichkeit zu seinem Ausgangspunkt zu machen vermag.
Das Mysterium deutscher Frömmigkeit ist nichts anderes, als die für die deutsche Seeleneigenart deutbarste Darstellung dieser kosmischen Wirklicheit auf unserer Erde, und in der Sage vom heiligen Gral ist sie am deutsamsten geworden.
Kein Symbol, sondern ein Abbild irdisch verankerter geistiger Wirklichkeit ist hier gegeben.
„Suchet, und ihr werdet finden!” Suchet und ihr werdet gefunden werden.
Aber suchet nicht etwa in alten und neuen fremden Kulten, sondern lasst erst alles, was ihr in anderen Zeiten und Völker heiliger Lehre findet, nur zu Erhellung des eigenen Weges dienen!
Euer Christenglaube ist das gegebene Feld des Suchens und Findens für euch!
Euer Christenglaube ist kein Ideengebilde und kein Märchenwahn.
Euer Christenglaube entspricht einer Wirklichkeit, die man wohl auch mit anderen Namen nennen kann, als die euch vertraut geworden sind, zu der ihr aber am ehesten ohne Irrweg hinfinden werdet, wenn ihr auch alles, was andere Darstellung dieser gleichen Wirklicheit zu sagen hat, in die euch vertraute Sprache übersetzen lernt.
Wehe denen, die den Glauben an diese Wirklichkeit als „Wahn” verlachen!
Wenn sie euch aber sagen: „Das Christentum hat heute aufgehört, eine wahre Lebensmacht zu sein; wir müssen nach anderer Offenbarung Ausschau halten!”, dann findet den Mut zu einer Antwort, die lauten möge:
Nicht das Christentum ist tot, sondern wir, die wir uns Christen nennen, standen nicht genug in seinem Leben!”
Wahrlich, das Christentum ist noch gar jung, und viele Jahrhunderte mögen noch vergehen, ehe es seine volle Entfaltung dereinst erreicht!
Ich glaube, dass deutscher Frömmigkeit bei seiner allmählichen Entfaltung eine Weltaufgabe winkt.
Es wird das Wesen des Christentums sein, das der Welt einst „Heilung” bringen kann. Das Christentum in seiner seelisch geheimnisvollsten Darstellung. Es wird die Frömmigkeit der Deutschen sein, die ihrem Wesen sein kosmisches Gepräge gibt, die alles Tun des deutschen Menschen durchdringen und veredeln muss, genährt aus Tiefen, die kein Forscherauge je erspäht, die nur der Inbrunst der Seele sich eröffnen und ihr die Kräfte ewigen Lebens spenden.
Die Arbeit des Alltags wird dann zum Gottesdienst werden, und den Hierarchien der Ewigkeit wird ein wahrhaft würdiges Ebenbild in der Gliederung menschlicher Weltaufgaben erstehen.
Weder müde Weltflucht, noch raffgieriges Wühlen nach den Schätzen, die Rost und Motten verzehren, wird der Menschheit Gedeihen bringen.
Nicht mit Mordmaschinen wird die Freiheit der Völker jemals zu sichern sein.
Nur aus der Wiedergeburt der Seele kann Heil erwachsen, und hier wird deutsche Seeleneigenart allen Völkern der Erde noch zum Segen werden!
Unterschrift
Das Mysterium der künstlerischen Ausdrucksform
(Körper/ewige Seele)
etwas andere Fassung als im Buch „Mehr Licht” 
Es gab eine Zeit — und vielleicht mag sie noch nicht zu Ende sein — da man „Körper” und „Seele” fein säuberlich zu scheiden suchte.
Wer der Seele dienen wollte, der glaubte beinahe, des Körpers nicht zu bedürfen, hielt ihn bestenfalls für ein lästiges Bleigewicht, das nur die Seele niederziehen könne, für ein vielleicht notwendiges, aber gräuliches Übel, ein widerwärtiges Hindernis aller seelischen Entfaltung. —
Man suchte den Körper nach Möglichkeit „abzutöten” um die Seele frei zu machen, und ahnte nicht, dass „die Seele” eine gähnende Leere, ein inhaltloses Unendliches, bestimmungs- und grenzenlos wäre, ohne den Reichtum, den ihr der Körper gibt.
Man wusste nicht, dass wir keinen einzigen Gedanken denken können, der nicht im Körper seine analoge Beziehung, seinen eigentlichen Inhalt, real ausgedrückt fände, dass all unsere Vorstellungsbilder, selbst die kompliziertesten, im Körper vor-gebildet sind. —
Aber auch heute sind noch die Wenigen zu zählen, die da wissen, dass beim Denken etwas mehr in Tätigkeit gesetzt wird, als nur das Gehirn
Der Vorgang jeglichen Denkens, — und was wir „fühlen” und „empfinden” nennen, ist nur eine besondere Abart des Denkens, die zu genau der gleichen Schärfe und Sicherheit emporentwickelt werden kann, — ist dem blitzschnellen aussenden bewusster und unbewusster Fragen vergleichbar, auf die meist mit der gleichen Schnelligkeit die Antwort erfolgt.
Bei jedem Gedanken, und sei er noch so abstrakter, noch so sublimer Art, sendet unser Gehirn gleichsam einen Kundschafter aus in jene Teile des Körpers, die der Art des Gedankens entsprechen, und fast im gleichen Moment kehrt der Bote zurück und berichtet von seinen Findungen.
Es ist nicht leicht, diesen Vorgang im Rahmen einer kurzen Abhandlung zu erklären.
Beispiele mögen zum eigenen Forschen anleiten, aber auch da können nur die einfachsten Fälle herangezogen werden.
Nehmen wir an, ein Mensch denke über den „Standpunkt” nach, den er in irgend einer Frage einzunehmen willens sei.
Er kann den Begriff „Standpunkt” unmöglich denken, ohne einen Strom vom Gehirn bis zu den Ganglienknoten seiner Füße zu senden, mag er sich dessen bewusst sein oder nicht, und in den Füßen, nicht im Gehirn, empfindet  er, was der Begriff „Standpunkt” besagt. Das Gehirn empfängt nur die Botschaft und stellt die bewusste Empfindung fest.
Ein anderes Beispiel!
Man denkt: ich weiss etwas vom „Hörensagen”.
Hier werden gleich zwei Ströme ausgesandt, einer zum Ohr und einer zum Mund, und beider Botschaft bei der Rückkehr veranlasst erst das Bewusstwerden des eigentlichen Wortinhalts. —
Ähnlich geht es bei Worten wie: „Handreichung”, „Fortschritt”, „Niederlage”‚ etc. etc.
Je stärker die betreffende Körperstelle reagiert, je besser die Verbindungsdrähte, die sensorischen Nerven, Frage und Botschaft leiten, desto intensiver wird der Inhalt des Wortes gefühlt, desto sicherer wird der Gedanke „verstanden”.
Ich habe hier absichtlich nur die allereinfachsten Beispiele gewählt und man könnte ein ganzes Wörterbuch mit der Aufzählung ähnlicher Beispiele füllen.
Hier enthält noch das gedachte Wort selbst schon den Hinweis auf einen Körperteil oder eine körperliche Funktion.
Der Vorgang ist aber der gleiche, wenn wir etwa das Wort: „Gewölbe” denken. Blitzschnell erfüllt der ausgesandte Strom das Innere der Schädeldecke, während er bei dem Worte: „Kuppel”, das Äußere des Schädels umfasst und seine Botschaft zurückbringt. —
Je mehr sich die Begriffe dann dem Abstrakten nähern, um schließlich scheinbar völlig abstrakt zu werden, desto schwieriger wird zuerst das Auffinden der entsprechenden Analogien des Körpers für die Ströme, die das Gehirn aussendet, und eine neue Begriffsbildung, die ihrem Urheber nur deshalb gelang, weil die von seinem Gehirn ausgesandten Ströme im Körper Verhältniswerte vorfanden, die noch nie von den Strömen eines anderen Gehirnes gefunden wurden, bleibt solange bei Anderen unverstanden, bis auch die Ströme, die ihre Gehirne aussenden, die in Frage stehenden Verhältniswerte im eigenen Körper finden. —
So haben wir den ganzen Reichtum unseres Fühlen- und Denkenkönnens vom Körper empfangen, und längst bevor der Mund des Kindes Worte einer willkürlichen Verständigungskonvention stammeln lernt, ist das kleine Menschenwesen voller „Sprache”.
Es gibt gewisse, uralte Lehren, die nur Wenigen zugänglich sind, und die mit aller Sicherheit verkünden, dass des Menschengeistes zeitweilige Verbindung mit dem Körper lediglich erfolge, um dem Geiste zur „Individualisierung” zu verhelfen, um ihm Vortellungsinhalt zu geben, und ihn „zu Wort” kommen zu lassen....
Doch ich will hier nur von Dingen reden, die Allen zugänglich und sicher erfahrbar sind, und meine Erörterungen sollen uns weiter führen zum Verständnis der künstlerischen Ausdrucksform, der Wirkungsmittel des bildenden Künstlers.
Mag auch beim Maler in erster Linie an das Auge gedacht werden, während man im Bildhauer ein besonders ausgeprägtes Tastempfinden vermutet, so bildet doch für beide Kunstarten das, was man „den Tastsinn des Auges” genannt hat, die gemeinsame Rezeptionsbasis.
Aber innerlich „erfasst”, künstlerisch „verstanden” wird das Aufgenommene wieder nur mit Hilfe des Denkmechanismus, mit Hilfe der Ströme die das Gehirn in die verschiedenen Teile des Körpers sendet, um sich dort seine Antworten zu holen. —
Das Gleiche gilt für den Beschauer des vom Künstler geschaffenen Kunstwerkes, sofern er überhaupt willens ist, es nachzuerleben.
Der Künstler suggeriert durch die von ihm geschaffenen Ausdrucksformen dem Beschauer, was er selbst innerlich erlebte.
Verhält sich der Beschauer nicht passiv, ist er in andere Betätigung seines körperlich-geistigen Denkvermögens verwickelt, dann wird die Suggestion nicht bemerkt, wie stark sie auch sei.
Ergibt er sich aber der Suggestion, so wird sie um so intensiver wirken, je besser die Ströme vom Gehirn zu den einzelnen Körperstellen bei ihm „eingearbeitet” und, je mehr des Künstlers Schaffenserlebnis gerade von solchen körperlichen „Antwortpunkten” angeregt war, die auch im Beschauer bereits gewohnheitsmäßig, oder doch leicht gefunden werden. —
Alles was das Auge des Künstlers dem Gehirn vermittelt, löst dort als Bildgedanke seine Ströme aus und sendet sie nach jenen körperlichen „Antwortpunkten”, die seiner Art entsprechen, und erst die Antwort bringt dem Gehirn das „Verstehen” des aufgenommenen Bildes. —
Nehmen wir an, es werden etwa Tannenzweige in ihren äußersten Verästelungen wahrgenommen.
Sofort geht ein Strom vom Gehirn zur Hand und wieder zum Gehirn zurück, denn die fragliche Form wird uns nur verständlich im Gefühl der ausgespreizten Hand. —
Die Wahrnehmung eines Laubbaumes von beiläufiger Kugelform wird zur Folge haben, dass der Strom, der vom Gehirn ausgeht, sofort den ganzen Kopf umfasst und so das Verständnis dem Gehirn zurückbringt.
Tragendes Gebälk wird mit Hilfe unserer Schultern, unserer Arme verstanden, die Pfeiler einer Brücke verstehen wir als unsere gespreizten Beine, die Brücke selbst wird durch die Empfindung des gekrümmten Rückens verständlich.
Bei einem Kirchturm verstehen wir das Fundament durch unsere Füße, alles Übrige durch Beine und Rumpf in straff aufrechter Haltung, und den obersten Teil durch die Empfindung des Kopfes, wobei das Dach durch die Empfindung unserer Schädeldecke uns zum Verständnis kommt.
Dass die Fenster eines Gebäudes durch unsere Augen, die Türen durch den Mund verstehbar werden, haben Karikaturisten und phantastische Zeichner schon zur Genüge ausgenützt …
Auch alle Farbenempfindungen sind nur durch Beihilfe des Körpers möglich, doch sind hier die körperlichen „Antwortpunkte” mit dem Aufnahmeapparat selbst identisch.
Für jede außen wahrnehmbare oder vorstellungsmögliche Farbe findet sich das körperliche Analogon im Auge selbst.
Wird also eine Farbe wahrgenommen, so gelangt die Wahrnehmung zuerst vom Auge ins Gehirn, setzt dort Ströme in Bewegung, die in das körperliche Auge zurückfluten und sich die in ihm enthaltenen Analogiepunkte suchen, um mit der Antwort ins Gehirn zurückzukehren, wo dann erst die Farbe bewusst „verstanden” wird.
„Farbenblindheit” ist nichts anderes, als die partielle oder absolute Unfähigkeit eines Auges zur verlangten Antwortfunktion.
Es würde ins Uferlose führen, wollte man die stete Rückwirkung des Körpers auf den Geist in allen ihren einzelnen Phasen, von dem Erlebnis des Schaffensanstosses beim Künstler bis zum Kunsterlebnis des Betrachters aufzuzeigen versuchen.
Ob sich der Künstler den Formen und Farben der Natur nahe hält, oder ob er ein Kunstwerk aus völlig naturfremden Formen und Farben schafft, stets wird das Gehirn im Körper nach den Analogien, nach den Antwortpunkten suchen und ein „Verständnis” des Werkes ist nur möglich, wenn die entsprechenden Antwortpunkte gefunden werden.
Dass auch die Tonkunst uns nicht ohne Hilfe des Körpers zugänglich ist, bedarf wohl nach allem Gesagten kaum mehr der Erwähnung. Jede Tonvibration, jedes Intervall, jeder Rhythmus ist im Körper vor-gebildet und nur die Auffindung des „Antwortpunktes” im Körper bringt das „Verständnis”. —
Die vorliegenden Erörterungen wollen nichts weniger als erschöpfend sein. Sie können kaum mehr, als kurze Hinweise geben, denn der Stoff ist unübersehbar.
Es genügt, wenn es mir gelungen sein sollte, Künstler und Kunstgenießende zu einem größeren Verständnis der Funktion zu führen, die der Körper sowohl beim Vorgang der künstlerischen Konzeption und des Schaffens, wie beim Nacherleben eines Kunstwerkes ausübt.
Geistige Baukunst
(die ewige Seele als Baustein
am ewigen Tempel der Menschheit)

aus der Zeitschrift „Die Säule”, Januar 1927
Nicht von ungefähr ward dem Menschen schon in ältesten Zeiten aus der irdischen Baukunst ein fast überreiches Symbol geistiger Selbstgestaltung!
Nicht von ungefähr waren die „des Bauens und der Zierde Kundigen” einst wissende Priester der Gottheit, — und wahrlich nicht von ungefähr lassen heute noch Tempelruinen und hohe Dome Kundige verborgenes Weistum ahnen! — —
Hier geht es um Allertiefstes, und nur wer erfaßt hat, dass alles Hohe, so es sicher stehen soll, in der Tiefe gründen muß, — nur wer seine eigene Tiefe nicht fürchtet, — wird hier belehrt aus uralter Lehre, — erschreckend für den, der unreinen Herzens kommt, — trostreich Allen, die in Lauterkeit nach Licht verlangen. — — —
So ist es denn auch in diesen neueren Tagen gewiss kein kindisches Unterfangen, aus der Baukunst das Symbol zu heben, und allgemach aus ihren alten Werken deuten zu lernen, was annoch dunkel erscheint, so dies nur nüchternen Sinnes und frei von Deutesucht geschieht. —
Wahrlich, es war den Alten kein müßiges Spiel, den Symbolreichtum der Baukunst dienstbar zu machen dem geistigen Tempelbau, der aus dieser Erdenmenschheit höchsten Seelenkräften erstehen, und alles wahrhaft Menschgewordene dereinst auf Erden einen soll! — — —
Denen, die in sich selber die Tiefe erreichten, allwo ihr Dasein gründet, werden aufs neue heute wieder durch wissende Werkmeister die so lange verschütteten, nun gereinigten, wiedergefundenen Wege gewiesen, die zu den Werkhütten geistiger Baukunst führen.
Nicht jeder aber ist berufen, diese Wege zu beschreiten, und es ward auch wahrhaftig nicht etwa von Männern, aus der Macht des Mannes, angeordnet, dass diese, — auch nicht jedem Manne offenen Wege, niemals von einer Frau betreten werden können, — was allen Anschein einer Geringerwertung der Frau verliert, wenn man bedenkt, dass auf diesen Wegen Kräfte zu geistiger Wirkung kommen müssen, die physisch und psychisch nur dem Manne angeboren sind und ihn allein zum Manne machen.
Es wäre eben so töricht, hier von einer schicksalsmäßigen „Bevorzugung” des Mannes reden zu wollen, wie es töricht wäre, wollte der Mann dem Weibe seine Mutterwürde neiden und sich im ungerechten Nachteil wähnen, weil er — auch als Vater — niemals in jener engen Vereinung mit dem werdenden Leben steht wie das Weib. — —
So aber, wie der Mann nur durch das Weib zum Vater werden kann, und wie das Kind dann beider Art und Wesen in sich eint, — so kann auch der Frau nur durch den berufenen Mann ihr Anteil an dem reinen Segen geistiger Kunstausübung in den Werkhütten geistiger Baukunst werden, und was der Mann allhier in werkgerechter Arbeit sich erwirbt, wird gleicherweise zum Miteigentum der Frau, die mit ihm in wahrer geistgegründeter Ehe dieses Erdenleben teilt, — obwohl er erworbenes Kunstgeheimnis nie vor ihr offenbaren darf und kann, da hier „Erklärung”: — Geistverwirrung wäre, könnte sie gegeben werden.
Nur weil hier niemals Werk in Worten darzustellen ist, verpflichtet sich der Mann, der solches Werk vollbringt, zum absoluten Schweigen über seine Kunst, — und nicht nur etwa vor der Frau allein, sondern auch vor jedem Manne, der nicht am gleichen Werke in der gleichen Weise wirkt. — —
Es würde nur Heiligstes entweiht, und dennoch würde kein Begriff von dem vermittelt, was hier verborgen bleiben muß, da es sich niemals anders fassen läßt, als in der eigenen Ausübung, die lange, ernste Schulung fordert. —
So kann denn das, was wirklich hier „Geheimnis” ist, auch selbst durch den, der sich mit untilgbarer Schuld beladen wollte, keinesfalls „verraten” werden, denn was ein solcher etwa sagen könnte, wären Worte, die nur wirre Vorstellungen wecken würden, ohne irgend einen Einblick aufzutun. —
Wer aber auch nur seine erste Schulung in der Werk-Kunst wirklich mit Erfolg bestand, so dass ihm schon ein Weniges zu sicherer Erfahrung wurde, der ist in sich schon so gewandelt, dass es ihm unmöglich wird, nur den Gedanken auszudenken, dass hier einer einem Andern, der nicht selbst die gleichen Wege wandelt, irgend etwas Wesentliches jemals offenbaren könnte, denn er weiß bereits, wie hier allein ein „Wissen” zu erlangen ist.
Alles, was jemals über diese Dinge an „Enthüllungen” geboten wurde, ist barer Unsinn, oder aber nur Enthüllung kindlich simpler, pietätvoll festgehaltener Gebräuche solcher Zirkel, die längst, — wie sie auch selbst gestehen, — gerade das verloren haben, was dem Gebrauchtum, das sie üben, einst Bedeutung gab.
Ich zweifle nicht daran, dass einst auch sie die Wege finden werden, die nun wieder gangbar wurden, um bei den werkvertrauten Wissenden die alte Werk-Kunst zu erlernen, die allein erst ihrem Namen dann erneut Berechtigung verleihen kann.
Dies alles mußte ich vorerst erwähnen, weil es deutlichste Erwähnung fordert, will man nicht die üppige Phantastik weiter wuchern lassen, die aus frivol verstreuten Samen allerorten blüht und, ungehindert, giftigunheilvolle Früchte zeitigt.
Nun aber will ich hier zu Frauen und zu Männern reden, die vielleicht in stiller Ahnung zu ermessen wissen, was es heißen will, dass Werkeskundige erneut in dieser Zeit erstanden sind, die jetzt auf dem so lange schon verlassenen Werkplatz weiterbauen, auf dem in alten Zeiten kunstgeübte Maurer nach den Rissen hoher Wissender die ersten Säulen setzten zu der Erdenmenschheit höchstem Weihetempel. — — —
Ich will zu Menschen reden hier, die wohl den Bau des allgemeinen Tempels fördern wollen, auch wenn sie nicht sich selbst gerufen hören, auf dem Werkplatz, tätig und der Kunst beflissen, mitzubauen!
Es ist nicht nötig, dass sich jeder, der den Tempelbau in seiner unermeßlichen Bedeutung zu bewerten weiß, auch selbst zur Arbeit meldet, und jeder, der ihn fördern will, kann ihm in bester Weise dienen, wenn er zu seinem Teil die Arbeit an sich selbst zu leisten sucht, die wahrlich mancherlei von ihm verlangt, denn hier ist gleichsam jede Menschenseele „roher Stein”, der erst behauen werden muß, um einst dem Tempel eingefügt zu werden, und auch die Bauenden sind „Steinmetz, Stein und Meißelfür sich selbst...
In jedem einzelnen der „Steine” muß der Tempel vorgebildet werden, der nur erstehen kann, wenn er, in strengster „Maßgerechtigkeit”, nach Maß und Winkel aufgerichtet wird. —
Die Menschheit ist — um hier im Gleichnis zu verbleiben — wie ein großer Steinbruch, angelegt für diesen Tempelbau, den erst in fernsten Erdentagen einst die Kuppel überwölben wird ...
Nicht jeder Stein, der aus dem Steinbruch kommt, ist aber gleicher Art und gleicher Form und gleicher Größe! Doch jeder trägt verborgen in sich selbst die Werkform, die ihm werden kann, und erst wenn er nach dieser Werkform zubehauen wurde, kann sich entscheiden, wo er einzubauen ist. — —
— Hier haben Jene zu entscheiden, die vormaleinst des Baues Risse gaben und auch heute wieder wachen über dem von ihnen selbst erneuerten Maurerwerk...
Die Bauenden, die werkgerecht „des Bauens und der Zierde” hohe Kunst erlernten, sind nur die treuen Diener nach dem Willen Derer, die sie bauen lehrten und zur Werkarbeit bestimmten.
Soll der Tempelbau nicht in sich selbst zusammenstürzen, so muß in seinen Mauern jeder Stein nach Schwere, Form und Größe seine baugerechte Stätte finden, die durch des Tempels planbewusste Baumeister allein gewiesen wird.
So darf hier jeder „rohe Stein”, der durch die Arbeit an sich selbst die ihm gemäße Formung sich erwirbt, wahrhaftig sicher sein, dass er zu seiner Zeit im Tempelbau an jene Stelle kommt, die ihm allein nur: — an-gemessen ist.
Das gilt nicht minder von den Bauenden, wie von den vielen Andern, die zwar nicht am Bau ein zugewiesen Werk verrichten müssen, aber sich in aller Stille aus dem „rohen Stein” hervor zu formen wussten.
Es wird sich aber jeder bei den Bauenden stets Rat erbitten können, wie er am besten seine Formung sich erwerben soll, denn wahrlich wissen diese werkgerechten Maurer ihm zu helfen!
Jeder, der guten Willens ist, und das Seinige beizutragen sucht um den Tempelbau zu fördern, gehört im Geiste auf reingeistige Weise der Bauhütte an, auch wenn er nicht als Kunstbeflissener mit Hammer, Kelle und Senkblei an der Arbeit steht. — —
Von solcher Zugehörigkeit im Reich des wesenhaften reinen Geistes, wird auch in gleicher Art die Frau umschlossen, sofern sie ihren Willen dem der Bauenden bewußt vereint, auch wenn sie nicht in einer wahren Ehe hier auf Erden eines echten Maurers Erdenleben teilen kann.
Es wird ihr dann vom Geiste her zuteil, was sie benötigt, um sich selbst zum werkgerechten Stein zu formen, und geistig fließen ihr die Segenskräfte zu, die aus der Werkarbeit der Bauenden entströmen. —
Wenn ich einst sagte, dass da jegliche „Gemeinde” nur den Leichenzug ihres toten Glaubens bilde, — so muß ich nun hier in erneuter Bekräftigung dieser Worte auch aufs Deutlichste betonen, wie die Vieleinheit in maurerischer Bruderschaft das denkbar ausgeprägteste Gegenbeispiel zu aller „Gemeinde”-Formung bildet! — —
Von der Welt des wesenhaften, reinen Geistes her betrachtet ist die Anhäufung von Menschenseelen zur „Gemeinde” nur verzeihliche Folge erdenhafter Ängste, und bedingt durch tiertriebhafte Sicherungsinstinkte, — oft nicht mehr ganz der Würde des zum reinen Geiste Strebenden vereinbar, ja für manchen gar ein arges Hindernis, — während die Brudereinung, die einst Urmaurer hier auf Erden zur Erscheinung brachten, und die in diesen Tagen neu erstand, vom ewigen Geiste her gefordert wird, als ihm gemäße Art der geistig-menschlichen Gemeinsamkeit. — — —
Entsteht „Gemeinde” immer dort, wo atavistisch eingefleischter Herdentrieb die Einzelnen zusammendrängt, so bildet die freie Einung werkwissend bauender, wahrer Maurer — und auch der ihnen geistgeeinten Förderer des Tempelbaues — gleichsam eine geistig berechtigte Ritterschaft, — den einzigen „Adel”, der vor dem Königtum des Geistes gilt, und ewig gelten wird. — — —
Es gilt aber hier auch die Sprichwortwahrheit, dass „Adel verpflichtet”, — und wer solche innerste Verpflichtung noch nicht in sich fühlt, der bleibe lieber der Werkhütte fern, — ja er bleibe ihr auch geistig fern, und wähne nicht, als Förderer sei er aller Pflicht entbunden!
Es ist besser für ihn: er wird erst nach dieser Erdenzeit zu seiner kubisch-winkelrechten Form gestaltet, — in jener Zeit, da er sich selbst nicht mehr gestalten kann, da ihm das Werkzeug fehlt, — — als wenn ihn hier bereits in seinem Erdenleben, die Baumeister des Tempels wieder aus dem Mauerwerk entfernen müßten, als einen „toten” unbrauchbaren Stein — — — —
Der Tempel duldet nur, was leuchtend werden will, denn was hier scheinbar in der Zeitlichkeit geschieht, ist ewigliches Werk der Ewigkeit, und was der Mensch davon vorerst gewahrt, ist nur das Wenige, das er in zeitlich-irdischer Beschränkung fassen kann. — —
Will nun ein Mensch des Tempels „Maßgerechtigkeit” erkennen, so wie der „Eckstein” sie gebietet, der, den Kundigen bekannt, im Fundamente ruht, so wird er jenes hehre Bauglied suchen müssen, das nach Außen Ausdruck Allerinnerstem verleiht.
Wenn dieser Mensch sich selbst bereits berechtigt hat zum Finden, so wird sein Suchen ihn zur Säule führen, die, fest auf dieser Erde Boden stehend, — ragend — tragend — sich erhebt um aufzunehmen, was von oben sich auf sie herniedersenkt, — Last und erhabene Krönung zugleich!
Das innerste Mysterium des Tempels zeigt sich hier der Vorahnung von ferne, — auch wenn es erst dann zu erleben ist, wenn der Mensch, als „Baustein” eingefügt, mit seinem ganzen Sein ein Teil des Tempels wurde, — auf ewig leuchtend im lebendigen Licht! — — —
Ein verschütteter Tempel
(Freie Maurerei)
— Älter als jede der bekannten Religionen, — alt wie die ältesten Zeichen menschlicher Kultur, die auf diesem Erdball aufzufinden sind, ist die ursprüngliche Freie Maurerei: die Priestergemeinde derer, die des „Bauens” kundig, die der „Kunst” mächtig sind, auch wenn sie jeweils sich unter anderem Namen verborgen hielt.
Die Hiram‑Legende heutiger Logen könnte ein jüngeres Datum ihrer Begründung vermuten lassen und die heutige Bezeichnung des Bruderbundes würde ihm gar nur ein Alter von zweihundert Jahren zugestehen, aber in Wahrheit reicht die echte alte Maurerei in jene Erdenzeit zurück, da die ersten der Leuchtenden des Urlichtes auf dieser Erde wirkten und sich ihre Helfer schufen unter denen, die zu ihrer Zeit die Erde trug...
Nichts anderes waren die allerersten wahren „Maurer” als solche Helfer jener Wenigen, die den in das „Tier” gefallenen Geistesmenschen wieder zu retten suchten und um diese Rettung durchzuführen sich eine Helferschar erzogen, die auf Erden weitergab, was sie an Geistigem empfangen hatte.
Selbst „Künstler” im Sinne reinster Erkenntnis der Gesetze, die sich in aller „Kunst” der Erde widerspiegeln, hatten die ersten Leuchtenden kein besseres Mittel zur Verfügung, wollten sie sich Helfer schaffen, als die dafür tauglichen Menschen mit den Gesetzen der Kunst, die zugleich faßbarste Form der Gesetze des Geistes sind, vertraut zu machen.
So kommt es, dass die ältesten Werke der Kunst auf dieser Erde dem Kundigen heute noch zeigen können, dass ihre Schöpfer auch der Gesetze des Geistes vollbewußt geschaffen hatten, dass sie wahrhaft geheimer Weisheit ergebene priesterliche Künstler waren. — —
Die Tempelbauten und Paläste Babylons, die Burgen der minoischen Zeit, die Pyramiden Ägyptens und seine Tempel kündigen solche Künstlerschaft nicht minder als der Parthenon. Die lichten Tempel der Griechen und Römer, die Basiliken der Christenheit und später ihre hohen Dome, ja noch die ganze Kunst der Renaissance, bilden ihres Wirkens Zeugnis.
Da ist nichts zu finden, das nicht zum mindesten doch ihre Spuren noch zeigen würde, und Vieles, das ihre geistige Erkenntnis in Maß und Rhythmus wahrhaft herrlich heute noch bezeugt. — — —
Erst nach der letzten Kunstperiode geriet die uralte Priesterkunst der Wissenden und wahrhaften freien Maurer fast völlig in Verfall.
Aus ihren Bauhütten rettete sich — dem Äußeren nach noch bis auf unsere Zeit — was eben noch zu retten war...
Viel war es wahrlich nicht mehr. — — —
Im Altertum waren diese Priesterkünstler, diese freien Maurer, vielfach noch weit in geschichtliche Zeit hinein, auch die offiziellen Priester der jeweilig gepflegten höchsten Kulte, ja selbst noch in christlicher Zeit verbanden viele aus ihnen ihre Kunst dem Priestertum.
Stets aber wurden sie auch wieder von Zeit zu Zeit durch Unberufene, die sich in ihre Reihen schlichen und das Priestertum nur als Mittel: Macht und Willkür auszuüben, wählten, aus dem dann herrschenden Priesterkreis verdrängt, schieden auch freiwillig, angewidert von dem, was sie um sich her gewahrten, aus der Priesterschaft aus, so dass sie für ihre Umwelt nur noch als freie Künstler galten.
Im Geheimen aber übten sie, die wahrlich ihrer Priesterschaft Bewussten, nach wie vor den Dienst am Heiligtum nach ältestem Gebrauch. —
Dies wiederholte sich schon immer wieder innerhalb der Kulte der alten Welt, bis schließlich dann das erstarkende Christentum einen besseren Schutz zu gewähren schien.
Je mehr aber die nun zur Herrschaft gelangte Hierarchie, die ihren ganzen Aufbau der freien Maurerei verdankte, der Scheiterhaufen Flammen lodern ließ, desto mehr mußte die geheime Künstler‑Priesterschaft der freien Maurer nach Symbolen und Formen suchen, die es ihr möglich machen konnten, ihre heiligen Riten auszuüben, ohne dies Tun als priesterliche Übung zu verraten. —
So kam denn allmählich alles das als Form und Gebrauchtum in die „Logen”, was man zwar heute noch bewahrt, was aber schon Jene nicht mehr sachlich zu deuten wussten, die aus den Resten der alten Werkmaurerei vor zweihundert Jahren das neue symbolische Maurertum erstehen ließen.
Nur auf diese Art war man leidlich sicher, nicht sein wahres priesterliches Wirken zu verraten.
Nur so ward älteste geheime Weisheit mitteilbar, ohne als das erkannt zu werden, was Unverstand und enger Zelotismus mit Folter und Henkerbeil zu vernichten strebten.
Man barg sich in die Form der Zünfte, die ja Zunftlegenden und geheime Kennzeichen besaßen, die manche sonderliche Seltsamkeit sich wahrten, auf die der hohen Herren herrschender Priesterschaft sonst so listiges Auge lächelnd niederblickte, und so war man — gerettet. — — —
Urälteste freie Maurerei war jedoch anders geartet:
Hier soll sie nun, ohne der Wandlungen in der Zeiten Lauf zu achten, in ihrer echten Form ans Licht gehoben werden.
Soweit ich mich etwa erst später entstandener Worte bediene, geschieht dies nur zur Verdeutlichung.
Auch vergesse man nicht, was ich schon vordem sagte: — dass die Schöpfer der Form der römischen Priesterhierarchie des Christentums, sowie die Schöpfer ursprünglichen kirchlichen Kultes noch wirkliche freie Maurer, Künstler der königlichen Kunst, Priester der höchsten Weisheit waren, die sich in jedem Kult, den sie durchdringen kann mit ihrem Licht, zu verherrlichen weiß.
Man wolle aber wahrlich vergessen, was alles sich heute „freie Maurer” nennt, — und wolle ebenso der törichten Forschung hier entraten, die nur von außen her der Loge Geschichte zu verstehen sucht.
Nur wer auf Allerinnerstes in diesen Dingen sich verläßt, wird nicht verlassen sein!
Der Tempel aller freien Maurer aller Zeiten ist zu tief im Geistigen gegründet, als dass die äußere Geschichte seines Baues jemals seine Fundamente offenbaren könnte....
Uroberste Instanz der Loge seit ihrem Bestehen in der Welt der Sichtbarkeit: ihr Ausgangsort, waren stets jene hohen Brüder der Lichtgemeinschaft der „Leuchtenden”, die einst ihre Kunst jenen ersten Helfern lehrten und so sie zu freien Maurern am geistigen Tempel bereiteten.
Höchste Leitung lag in eines Leuchtenden Hand, der sich zu solcher Leitung berufen fand durch seine hohen Brüder.
Eines unsichtbaren Reiches ewiger König, — Hoherpriester in Ewigkeit, — der Kunst Kundiger, — „Pontifex maximus” — Brückenbauer und auch Fährmann zugleich, — war dieser Leuchtende das Licht der Loge.
Von ihm gingen alle hohen Weihen aus!
Er gab Vollmacht zur Weihe, gab Gesetz und Norm, er band und löste!
Von ihm aus wurden Ströme lebendigen Wassers durch die Loge in die Welt geleitet.
Wie aber war die Loge auferbaut?:
Hier, O Neuling und wenn du auch aller „Geschichte” Durchforscher sein magst, wirst du „anderes” hören, als was die bisher dir zugängliche Kunde zu berichten wusste....
Die urälteste Loge priesterlicher Künstler, die Ur‑Loge aller freien Maurer, umfaßte nicht mehr und nicht weniger als sieben wohlgeordnete Grade.
Wer durch Art, Begabung und Tat als würdig gelten mochte, der Loge Glied zu werden, der fand für sich den ersten Grad bereit: den Grad der Neophyten oder Katechumenen. Du kannst ihn noch erkennen in dem Lehrlingsgrad der „Blauen” Logen.
Hatte er sich in diesem Grade dann wohl bewährt und zuletzt eine strenge Prüfung gut bestanden, so gab man ihm den zweiten Grad: den Grad eines bereits Belehrten, eines Gläubigen oder Mitarbeiters. Die Benennung des Grades kommt hier nicht in Betracht, da sie vielfach wechselt. Die heutige Zeit nennt ihn den „Gesellengrad”.
Auch hier bewährt befunden und strenger Prüfung standhaltend, fand er den dritten Grad: den Grad des Mysten. Du findest ihn wieder in dem Meistergrade der heutigen Maurerei. Diese drei Grade bildeten den Konvent der Laienbrüder.
Viele Glieder der freien Maurerei blieben im Grade des Laienbruders ihr Leben lang, viele wurden aber auch für reif befunden, höher emporzusteigen zu den Priestergraden.
Der vierte Grad war bereits der eines Priesters und ihm folgten die beiden höheren: der fünfte und sechste Grad, zu deren Weihe man nur nach langjähriger strenger Prüfung endlich gelangen konnte.
Für jeden höheren Grad wurde eine strengere Prüfung, eine längere Bewährungszeit gefordert.
Die strenge Auslese bewirkte, dass die Zahl der Inhaber eines Grades sich mit jedem höheren Grad bedeutend verringerte.
War der Laienkonvent noch sehr zahlreich, so standen ihm dagegen verhältnismäßig weniger Priester gegenüber und die höchsten Priestergrade wurden nur von sehr wenigen erlangt: am seltensten der „sechste” Grad. — — —
Von ihm aus führte dann ein seltener Weg von Zeit zu Zeit einen besonders würdigen Inhaber dieses Grades auch empor zum höchsten, dem siebenten Grad, den stets nur ein einziger unter den Lebenden hier auf Erden innehaben kann, — dem Grad des Patriarchen, des Vaters der „Väter”, mit welch letzterem Namen alle Priester‑Grade bezeichnet wurden.
Er stand nun in steter Verbindung mit dem hohen Leuchtenden, der die Loge aus der Gemeinschaft der Lichtgeeinten leitete durch ihn.
Von diesem Leuchtenden allein konnte er seine Weihe empfangen und ihm nur war er geistig verpflichtet.
Dieser eine des siebenten Grades ward stets von allen Brüdern der Erde hoch geehrt, und von ihm aus gingen die Strahlen geistigen Lichtes, die ihm der Leuchtende, der Meister der „Weißen Loge” sandte, weithin über die ganze Erde, soweit irgendwo die Loge wirkte.
Er allein konnte die Weihe für den sechsten Grad erteilen.
Der durch ihn geweihte Inhaber des sechsten Grades aber erhielt durch ihn die Vollmacht, die Weihe des fünften und des vierten Grades zu erteilen, während sodann dem vierten Grad die Befugnis wurde, die drei ersten oder Laiengrade zu verleihen.
So war das ganze Gebäude dieser Hierarchie priesterlicher Künstler und wahrhaft freier Maurer am geistigen Tempelbau der Menschheit in sich selbst gefestigt und jeder Baustein konnte sicher auf dem anderen ruhen.
Freiwillige Unterordnung der niederen Grade war durch die Wahrnehmung begründet, dass der höhere Grad auch tatsächlich höhere Einsicht in den Plan des Tempelbaues besaß und die Gesetze der Kunst vollkommener verstand.
Jedes Höherschreiten war auf das Sicherste jeweils durch einen „Kanon” geregelt, so dass nur der wirklich Erprobte die Beförderung erlangen konnte.
Für die drei unteren oder Laiengrade kannte diesen Kanon nur der vierte Grad.
Für den vierten und fünften war er nur dem sechsten Grad bekannt.
Den Kanon für den sechsten Grad aber kannte nur der Inhaber des höchsten, des siebenten Grades, der wieder nur durch den Leuchtenden des Urlichtes, der durch ihn die Loge leitete, die hohe Weihe seines Grades empfing.
Für jeden Grad bestand ein besonderer Tempeldienst und besondere Kunstverpflichtung oder Arbeitszuteilung.
Um jede irrtümliche Auffassung dieser Darstellung zu vermeiden, betone ich nochmals, dass die von mir hier gebrauchten Namen und Bezeichnungen nur der Verständlichung dienen sollen, denn es ist die Sache selbst, deren Aufbau gezeigt werden soll, während die Namen stetigem Wechsel je nach der Zeit und der Örtlichkeit des Wirkens unterlagen.
So wirkte denn die ursprüngliche freie Maurerei unter vielen Namen segensreich von Uranfang an, bis sie in den letzten Bauhütten dann ihr Ende fand, und die wenigen ihrer Anhänger, die noch etwas von ihrer einstigen Würde ahnten, dazu trieb, einen „neuen” Anfang zu suchen.
Was aber dazumal begonnen wurde, hat nicht zu einer wahrhaftigen Erneuerung des Tempels geführt und konnte nicht dazu führen, da die Grundvoraussetzung fehlte, die Wiederherstellung der Verbindung mit dem ursprünglichen Ausgangspunkt der Maurerei.
Erst in neuerer Zeit wird diese Verbindung in aller Stille wieder erstrebt.
Es wird gewiß keine leichte Arbeit sein, die mannigfache Überbauung abzubrechen um zu den ersten Fundamenten zu gelangen, und manches eingestürztes Mauerwerk wird vorher fortzuräumen sein.
Dennoch kann sich die alte, echte, freie Maurerei, das alte Priestertum der Künstler, der Kundigen der Kunst des Bauens und der Zierde, aus seinem Schlafe zu wacher Tat erheben, um so wie einst der Menschheit ein Segen zu sein, obwohl der Name, den die Sache heute trägt, schon wahrlich viel von seinem guten Klang verlor. —
Es kommt bei dieser Erneuerung alles auf die mannhafte Tat, auf die Reinheit des Wollens und auf die Einsicht an, dass nur die ursprünglichen Fundamente noch verwendbar sind, soll nicht aufs neue in sich selbst zusammenstürzen, was man nun in bester Absicht neu errichten will. —
Nur auf den alten Fundamenten kann erneut der hehre Tempel erstehen, den Unkenntnis zerstört und in seinem eigenen Schutte begraben hat, so dass man seit Jahrhunderten aus diesem die Steine nahm um seltsamste Baugebilde auf den Trümmern kunstlos herzurichten, ohne Plan und Maßgerechtigkeit. — — —
Mehr denn je könnte die Menschheit heutiger Tage in ihrer schier grenzenlosen Verwirrung einen solchen priesterlichen Weltbund der des Bauens Kundigen gebrauchen!
Viel Vorurteil werden die Neuerer allerdings zu berichtigen haben, denn was heute noch den Namen der Sache trägt, hat gar wenig mit dem zu tun, aus dessen Zerfall es vor zweihundert Jahren ersprießte, um nach dem Willen seiner Neubegründer wenigstens noch jene Tugenden zu üben, die den alten, echten, freien Maurern heilig waren. —
Nicht als politischer Geheimbund, wie er sich in manchen Ländern etablierte, nicht als humanitäre Bankettgesellschaft mit absonderlichen Bräuchen und nicht als theosophisch-okkultistischer Verein wird die wahre echte freie Maurerei aufs neue erstehen können, sondern nur durch die bewußt geübte Einstellung aller ihrer Glieder auf das Hochziel reiner Geisteserkenntnis und eines aus solchem Erkennen strömenden Lebens nach höchstem geistigen Gesetz!
Dann werden viele der alten Gebräuche fallen können, an die man sich jetzt noch ängstlich zu klammern müssen meint, da sie nur aus der Not einer unduldsamen Vorzeit sich erklären, und heute weder nötig, noch dem Werke förderlich sind.
Hingegen wird man aber einen Tempeldienst aufs neue einzurichten haben, der in erhebender Symbolik höchste Geistesweisheit, die in Worten unaussprechlich bleibt, der Seele nahe bringt, und wenn einst jene priesterlichen Künstler ihr Erkennen in die Werke ihrer Hände fließen ließen, so wird der freie Maurer künftiger Tage ebenso zum „Künstler” werden müssen, danach trachtend, dass alles, was sein Beruf von ihm verlangt, — was immer er schaffend ins Leben treten läßt oder sonstwie bewirkt, — zum offenbaren Zeugnis seines hohen geistigen Erkennens werden. — — —
In seiner Volksgemeinschaft sicher wurzelnd, wird er für den Bruder, der aus einem anderen Volke stammt, aus eigenstem Empfinden tiefstes Verständnis gewinnen, und nie kann ihm die Liebe, die ihn seinem Stamm verbindet, zum Anlaß des Hasses gegen fremde Stämme werden.
So wird ein Weltbund freier Maurer, der den Tempel neu auf seinen echten Fundamenten aufzubauen unternimmt, wahrlich ein Anderes sein als alles, was noch in diesen Tagen sich mit gleichem Namen nennt! —
Hier kennt man genugsam die Werke und weiß ja leider, dass längs tot und kalten Herzens ist, was noch den Namen führt, als ob es lebe....
Töricht aber wäre es zu glauben, dass ein entehrter Name auch für alle Zeit das große Werk entehren könne, das dieser Name zu bezeichnen fähig ist.
Wenn kommende Geschlechter jene großen, echten, freien Maurer neu erstehen sehen werden, die mein Geist vor sich erblickt, dann wird man meine Worte einst zu segnen wissen und mehr noch wird man jene segnen, die ich kommen sehe als ritterliche Streiter wider alle Torheit und Verblendung und als die Priester einer neuen Zeit..
Nichts liegt mir ferner als „Prophetengeste”, allein ich weiß, dass wir im Dämmergrund eines neuen Tages liegen, dass aller Albdruck, der uns heute noch bedrückt, in wenig „Weltenstunden” schon der Sonne weicht — und da ich solches weiß, heißt mich die Liebe reden, um denen, die gleich mir das Dunkel dieser Zeit ertragen, den neuen Tag zu künden. —
In jenes neuen Tages Licht wird auch der Tempel endlich sich erheben, den seit Jahrhunderten die echten freien Maurer zu errichten suchten auf den Fundamenten, die im Felsengrund der Ewigkeit verankert sind, und dann erst wird man die Geschichte der Kultur des Menschen auf der Erde endlich deuten können, wird Wahn und Wahrheit dauernd wie die Spreu vom Weizen sondern! — —
Unterschrift
Wahrheit
(Bô Yin Râ`s Beitrag zur E.B.D.A.R.)
Dass man sich, — durch sein Schaffen und Werk in der Öffentlichkeit bekannt geworden, — auch auf allerlei Verunglimpfung gefasst machen muss, gilt besonders dann, wenn man auf dem Gebiet seines geistigen Schaffens zum Tempelreiniger wurde, dadurch dass man vor aller Augen aufzeigte, wieviel Aberglaube, Selbstbetrügertum, und Spekulation auf die Börse der Allzuleichtgläubigen sich auch in der heutigen, vermeintlich so nüchtern abwägenden Zeit doch noch in Bezirken festgenistet zeigt, die ihm längst verwehrt sein sollten.
So war ich denn gewiss noch niemals darüber erstaunt, wenn die Teilnehmer an dem „Okkultistischen Karneval”, die ich (nebenbei auch unter diesem Titel) etwas deutlicher beleuchtet hatte als es ihren mühelosen Geschäften dienlich sein konnte, sich immer dadurch zu salvieren suchten, dass sie innerhalb Deutschlands, das hier seit vielen Jahren ja nur allein in Frage kam, alle Kreise zu denen sie direkt oder indirekt die gerade verlangte politische Beziehung fanden, mit den abenteuerlichsten Behauptungen hinsichtlich meiner Person infiltrierten, um nur ja des lukrativen Arbeitsfeldes nicht verlustig zu gehen, das ihnen auch weiterhin leicht zu behebende Gewinne bot, wenn es ihnen nur gelang, den ihnen unbehaglichsten Kenner ihres volkswirtschaftlich so schädigenden Treibens, an Stellen, die gerade jeweils den besten Schutz verhießen, als suspekt erscheinen zu lassen. Neuerdings hat man nun zu besagtem Zweck eine „Sekte” erdacht, der ich angehören solle, und zum vorgeblichen „Beweis” jede nur mögliche Missdeutung aufgeboten.
Wahr ist jedoch, dass mir lebenslang nichts ferner lag als alles, was nach „Sekte” oder „Geheimer Gesellschaft” aussah.
Wahr ist vielmehr, dass ich, weit von allen solchen Dingen fern, einer Vereinigung ausschließlich religiös eingestellter Gottsucher, die eine dogmenfreie, nur im inneren Erkennen des Menschen wurzelnde Religiosität erstrebte, ausdrücklich erbetene psychophysische Ratschläge erteilte, die ich schließlich in einem Buchmanuskript unter dem Titel „Ritualienbuch” zusammenfasste, zu dessen Gebrauch ich die kleine Gesellschaft allein ermächtigte, da das Manuskript ja mein geistiges Eigentum ist und bleibt, und ich es nur von Menschen, denen ich eine richtige Verwendung zutrauen konnte, gebraucht sehen wollte. Ich erkläre in diesem Buche — das ich bisher nur als Manuskript vervielfältigen ließ, weil es nun einmal nur für Männer allein und primär nur für den besagten engen Kreis den ich zu seinem Gebrauch ermächtigte, bestimmt ist — eine Anzahl der bereits lange vor meiner Kenntnis von dem Bestehen eines in solcher Richtung seelisch suchenden Kreises, in meinen frühesten Schriften schon unter anderem besprochenen alten Riten der mittelalterlichen Dombauhütten-Bruderschaften und vorangegangenen antiken, ebenfalls auf einer dogmenfreien Erkenntnis fußenden Tempelbauwerkstätten, deren letzte, wenige und teilweise schon sehr korrumpierte Reste von der 1717 in England entstandenen „Freimaurerei” zwar für sich in Anspruch genommen und unter Heranziehung sehr fremder Vorstellungen, in damals neuer Art, unter Benützung alttestamentlicher Namen etc. symbolisch benützt worden waren, aber sonst auch rein gar nichts mit der nun in Deutschland verbotenen Institution der „Freimaurerei” wie man sie dort präzise zu verstehen meint und definiert, zu tun haben.
Es wäre hingegen gewiss zulässig, von den durch mich auf Grund geistiger Einsichten rekonstruierten alten Dombauhüttenriten, — also von der mystischen traditionellen Bauhüttenpraxis, die wahrhaftig ein Erbe aus der Urzeit ist, — gleichsam als von einer, der „Freimaurerei” tatsächlich von sich aus unzugänglichen und in jeder Hinsicht fremden „Ur”‑Maurerei zu sprechen, was ich auch in Erläuterungen und Hinweisen den allein durch mich mit diesen alten Riten Bedachten gegenüber absichtlich ausgesprochen habe, um damit die sachlich und psychotechnisch durchaus gegebene entscheidende Andersartigkeit gegenüber der Institution die sich „Freimaurerei” nennt, auf deutlichste Art zu betonen. Was viele nach seelischer Gewissheit allein strebende Naturen in der Freimaurerei vergeblich zu finden hofften, hätten sie in dem von mir beratenen kleinen Kreise wahrscheinlich gefunden.
Von dem Folgenden zu sprechen, sehe ich mich leider nun verpflichtet, da es Anlass zu irrigem Urteil wurde, wo kein Verstehen vorausgesetzt werden konnte. Was also von mir erwähnt wird, hat keinerlei Ursache mehr, unerwähnt zu bleiben. Es gibt hier nichts, das nicht der hellsten Beleuchtung standhalten könnte!
Im Jahre 1921 (das genaue Datum ist mir entfallen, wie denn bekanntlich und von mir stets betont, auch späterhin diese ganze geistige Hilfe und Aufklärung des kleinen Gottsucher-Kreises nur „an der alleräußersten Peripherie” meiner geistigen Interessen lag) erreichte mich die erste Kenntnis vom Bestehen der dann später von mir zum Gebrauch meines „Ritualienbuches” ermächtigten, zahlenmäßig kaum nennenswerten Vereinigung, durch einen Brief ihres, wie ich später kontrollieren konnte, mystischer Versenkung sehr zugänglichen und dafür auch besonders begabten Gründers und Leiters. Die kleine Gruppe seelisch Suchender nannte sich damals — auf Grund der altfranzösischen „Graal”-Sage: „Ordre du Saint Graal”, um sich deutlich von gewissen vulgärokkultistischen, sogenannten „Gralorden” zu unterscheiden.
Da ihr Leiter auf alle Fälle mystisch religiöses erkennendes Urteil genug hatte, um nach allgemeiner Lektüre meiner Schriften, soweit er sie gelesen hatte, zu wissen, dass, wenn irgend ein Mensch, so nur ich die alten Riten der Dombauhütten eruieren und zum Gebrauch der heutigen Zeit formen könne, war sein Anliegen lediglich, durch mich diese alten Riten mitgeteilt zu erhalten. Man darf nicht sagen, dass ich zu schnell zur Erfüllung dieses Wunsches bereit gewesen wäre. Volle anderthalb Jahre ließ ich den sehr aktiv veranlagten Mann, trotz allem Drängen und Bitten warten, um sicher zu sein, dass keinerlei andere Absichten ihn leiteten, außer seinem Verlangen nach einer methodischen Förderung seines eigenen seelischen Suchens und des seelischen Strebens der von ihm gegründeten kleinen Gesellschaft. Allerdings brauchte ich auch diese Zeit, um mir selber die nötigen geistigen Einblicke zu erwirken.
Da mir die Bezeichnung als „Orden” zu manchen vermeidbaren Irrtümern Anlass bieten schien, schlug ich bei der Überlassung des ersten Fragments der Riten (mehr hat er nie erhalten!) dem „Ordensgroßmeister” vor, seine Vereinigung doch lieber eindeutig als „Bruderschaft” zu bezeichnen, analog den konfessionell religiösen Bruderschaften und denen der alten Dombauhütten. Das geschah dann schließlich auch, aber romantische Neigungen des seiner Sache hingebend dienenden Mannes, der zwar im bürgerlichen Leben den prosaischen Beruf eines Zahnarztes erfolgreich ausübte, führten ihn zur Einführung vieler pompöser barocker Titel, Anreden, Formeln und Signaturen, die mit dem von mir Gegebenen nicht das allergeringste zu tun hatten. Er beschwor mich aber, ihn gewähren zu lassen, denn er war überzeugt, das alles sei, seiner Erfahrung nach, psychologisch nötig um den Einzelnen bei dem Bewusstsein zu erhalten, dass er sich mit Heiligem, Religiös-Weihevollem beschäftige. Da ich seinen Erfahrungen nichts aus eigener Praxis entgegenzusetzen hatte, ließ ich den wunderlichen Wünschen, denen ich nicht wehren konnte, ihren Lauf. So ist auch der Einfügung eines natürlich in jedem Punkte bis in das letzte Wort gesetzlich einwandfreien Aufnahme-„Eides” in das Zeremoniell, von mir entsprochen worden, da der offenbar Erfahrene nur dadurch die Gewähr dafür gegeben sah, dass mein geistiges Eigentum vor jeder Profanierung gesichert bleibe. Dass dieser „Eid” praktisch nichts anderes als eine jeweilig verwendete Aufnahmezeremonie war, und auch nicht im Traum etwa als „juristisch” gemeinte  „Vereidigung” betrachtet wurde, zeigte sich später deutlich genug! Ich konnte dem Wunsche um so eher entsprechen, als ich ja wie niemand sonst wusste, dass Antike und Mittelalter weitaus strengere Bindungen kannten, und dass tatsächlich kein anderes Motiv, außer vielleicht einem entschuldbaren Prestigebedürfnis, für die Aufnahme dieser Schweigeverpflichtung bestand. (In der Praxis hat die vermeintlich so gewisse Gewähr für das Vermeiden der Profanierung des Meinigen bei der ersten Probe prompt versagt!)
Die Folgezeit zeigte den ehemaligen „Großmeister” des früheren „Ordens” der nun auf meinen Wunsch hin: „Ermächtigte Bruderschaft der alten Riten” genannt worden war, (abgekürzt „E.B.D.A.R.”) so stark von romantischen Neigungen und einem Hang zu phantastischen Deutungen beherrscht, dass ich schon im Jahre 1925, oder gar schon eher ( ? ) die Absicht aussprach, meine Ermächtigung zum Gebrauch des Ritualienbuchfragmentes, als meines geistigen Eigentums, zurückzuziehen, was nur unterblieb, weil mir das gewiss ehrlich gemeinte Versprechen gegeben wurde, alles von mir Beanstandete aufzugeben. Zeitweise wurde das Versprechen auch sehr erfreulich eingehalten, aber fast Jahr um Jahr schien mir wieder die Zurückziehung der gegebenen Ermächtigung, mein geistiges Eigentum zu gebrauchen, fast zwingend nötig. Wenn ich trotzdem bis 1931 zuwartete, so geschah das in erster Linie deshalb, weil ich nun auch immer mehr und immer deutlicher sah, dass manchen im Geistigen besonders vorangekommenen Mitgliedern der „Bruderschaft” nun, nach ihrer Auffassung, der Boden unter den Füßen fortgezogen sein würde, wenn ich nicht doch noch, trotz allem Erfahrenen, die Ermächtigung bestehen lassen wolle.
Kurz bevor ich dann aber dennoch mich unaufschiebbar dazu gezwungen sah, sie dem Leiter der Bruderschaft zu entziehen, hatte ich schon meine ehedem erbetene geistige „Protektion”, die zwar jederzeit eindeutig nur segnendes Wohlwollen war, als äußere, allenfalls verkennbare Form zurückziehen müssen, nachdem ich erfahren hatte, dass der Gründer und Leiter der meinerseits immer von mir distanzierten Bruderschaft intern die Ansicht nährte, dass er zu einer töricht herrischen Behandlung mancher Mitglieder, die sich bei mir darüber beklagten, quasi — meine, ihn deckende Zustimmung habe.
Mein Schreiben lautete, nach einem Durchschlag wiedergegeben, wie folgt: „Da mir unzählige Erfahrungen in einer Reihe von Jahren gezeigt haben, dass der Irrtum, als habe ich in irgend einer Weise Anteil an der Leitung der E.B.D.A.R. nicht aus der Welt zu schaffen ist, solange ich nominell das „Protektorat” innehabe, lege ich hierdurch, nach langewährender geistiger Prüfung der Angelegenheit, ebendieses „Protektorat” in aller Form nieder, so dass ich vom heutigen Tage an in keiner wie immer gearteten äußerlich persönlich bestimmten Beziehung zur E.B.D.A.R. stehe, und daher auch in Briefen ihrer Mitglieder an mich alle bisher von der Leitung angeordneten Anreden und dergleichen fortzufallen haben.
Dieser wohlerwogene Schritt schließt jedoch nicht aus, dass mir das weitere geistige Gedeihen der ehrwürdigen Bruderschaft überaus am Herzen liegt.
Wohl aber schließt er definitiv aus, dass mir von Mitgliedern der Bruderschaft irgendwelche interne Mitteilungen gemacht, Klagen vorgebracht, oder irgendwelche Dinge vorgelegt werden dürfen, die Angelegenheiten der E.B.D.A.R. als selbständiger, von mir ganz unabhängiger Vereinigung sind.
 Ich bitte dringend darum, diese meine Mitteilung unverzüglich im Wortlaut allen höheren Funktionären der Bruderschaft vorzulegen, die ihrerseits wieder gebeten sind, jeden einzelnen Bruder von diesem Wortlaut zu verständigen.
Lugano‑Massagno, am 15. November 1931  ”
(Meine Unterschrift)
Ich gebe den streng genauen, durch meinen Notar und jede Amtsstelle kontrollierbaren Wortlaut dieses Briefes hier wieder, weil er besser als alles andere beweist, wie mein absolut freies Beziehungsverhältnis zu dem kleinen Kreise wirklich beschaffen war. Dass die Tonart meiner Briefe, der Form nach, ebensowohl auch einem größeren Kreise entsprochen haben würde, war Folge einer Höflichkeitskonzession meinerseits.
Es ist dem allenthalben angesehenen Manne an den dieser Brief gerichtet war, gewiss nicht leicht gefallen, mir das ihm seinerzeit zum Gebrauch in seiner Vereinigung überlassene Ritenfragment zurückzuerstatten, als ich ihm, noch vor Schluss des Jahres, wenn auch in der Form, die eine Bitte war, so schonend wie möglich, so doch endgültig, die Ermächtigung, mein geistiges Eigentum weiterhin zu benützen, entziehen musste. Während mir sein Verhalten zuerst auch aller Bewunderung wert erschien, versuchte er jedoch dann, mich kurze Zeit später zu einer erneuten Ermächtigung umzustimmen, welchen Bestrebungen es zu danken ist, dass der hierdurch veranlasste weitere kurze Briefwechsel schließlich mit einem Abbruch jeder Beziehung endete. Seitdem ist der betriebsame Mann meinem Gesichtskreis notwendigerweise entschwunden.
Nachdem ich es nunmehr nur noch mit den mir im Laufe der Zeit bekannt gewordenen zehn oder zwölf Mitgliedern der Bruderschaft zu tun hatte, darunter auch persönliche Freunde von mir waren, die sich, trotz meinen, ihnen bekannten Bedenken, doch dem kleinen Kreise, im Glauben an seine Entwicklungsfähigkeit angeschlossen hatten, wenn sie auch seinen Leiter zuweilen kritisch betrachteten, trat erst zutage, wie sehr selbstherrliches und geheimniskrämerndes, ihm aber offenbar angeborenes Verhalten des Gründers und bisherigen Leiters die Entwicklung der kleinen Vereinigung gehemmt hatte.
Es schien daher zuerst kaum möglich, die von den wenigen mir bekannten Mitgliedern erbetene Ermächtigung zum weiteren Gebrauch meines geistigen Eigentums, der ja stets unter meiner geistigen Verantwortung blieb, an einen „Nachfolger” zu übertragen, und ein bemühend umständlicher Briefwechsel ließ mich erkennen, dass man sich einesteils offenbar meiner, von mir als „conditio sine qua non” erklärten Verantwortlichkeit gegenüber nicht recht berufen fühlte, anderenteils aber auch über Form und Namen nicht ohne weiteres einig war, die nun fortan die Gemeinschaft ohne den gewohnten Leiter zusammenhalten und mir den rechten Gebrauch des Meinigen sichern sollten. Stets wieder um Rat gefragt, wusste ich auf dem mir an sich fremden Gebiet der vielleicht möglichen vereinsrechtlichen Formen kaum noch irgendwie Rat zu bieten, bis ich schließlich sah, dass man auch hoffte, mich selbst als Leiter zu gewinnen, was gänzlich ausgeschlossen war. Erstens standen solcher Hoffnung meine eigenen geistigen Pflichten im Wege, die mir absolute Isolation im Interesse meines „Dienstes an der seelischen Erkenntnis meiner Mitmenschen” ungeschrieben vorschreiben, und zweitens ist es, auch ganz von diesen unlösbar bindenden Pflichten abgesehen, nicht meine Aufgabe, irgend eine religiöse Gruppe, oder eine ähnliche „Institution”, wie sie sich auch nennen möge, zu leiten, sondern meine alleinige, jetzt seit kurzem erfüllte Lebensaufgabe bestand einzig darin, nach Maßgabe meiner Kräfte, mein öffentlich erschienenes schriftliches Lehrwerk zustande zu bringen, das nun abgeschlossen vorliegt.
Um allen Weiterungen ein Ende zu bereiten, sah ich nach langem Zögern, aber im Willen, der kleinen Gemeinschaft so wie es mir möglich war zu helfen, mich veranlasst, ihr in dem nun vorliegenden „Ritualienbuch” die Gesamtheit der mir auf geistige Weise erfahrbar gewordenen alten Bruderschaftsriten der ehemaligen Dombauhütten und antiken Tempelbauwerkstätten in solcher Form darzustellen und zu erklären, dass weitere Ratschläge von meiner Seite her fortan definitiv unnötig wurden.
Um auch der Gefahr einer erneuten Zentralisation zu wehren, knüpfte ich zuletzt die Ermächtigung, mein geistiges Eigentum, soweit es in meinem, „Ritualienbuch” gegeben ist, zu gebrauchen, vorsorglich an die Bedingung, dass jede örtliche kleine Einzelgruppe (es handelte sich um verschwindend wenige) sich nur der Leitung eines auch von mir für geeignet befundenen Vorstehers anvertrauen möge, und dass alle Mitglieder eines Landes sich durch einen eigenen jeweiligen Landesvorsteher leiten lassen sollten. So war mir auch alle Garantie gegeben, dass niemals irgend eine unstatthafte Beeinflussung einer Gruppe, — von außerhalb der in betracht kommenden Landesgrenzen her, — in Erscheinung treten könne.
Meine Bezeichnung der mir tauglich erscheinenden Orts- und Landesvorsteher erfolgte ein einzigesmal, — bei Erteilung der Ermächtigung, — wonach dann jeder dieser, mein Vertrauen besitzenden Männer seinen Nachfolger selbst zu bestimmen hatte und hat, und ebenso weitere Vorsteher einsetzen kann, solange die E.B.D.A.R. irgendwo gesetzlich besteht. Es handelte sich also lediglich um die Wahrung wohlberechtigter Interessen an meinem geistigen Eigentum, das ich auch der winzigsten Gruppe nicht bedingungslos zum Gebrauch überlassen konnte.
Die vormals so zahlreichen Formeln, Signaturen, Titel und Anreden schaltete ich nun bis auf verschwindend wenige, anscheinend nötige Reste aus, oder ersetzte sie durch Besseres, dem ich eine rein geistige Verankerung gab. Eine solche bestand schon für die Ermächtigung. Doch, da das für alle, die es nicht selbst am eigenen Leibe und in eigener Seele erprobt haben, lediglich und bestenfalls nur „Glaubenssache” sein kann, gehört eine weitere Erörterung gewiss nicht hierher! Alles was man in dieser Beziehung zu wissen wünscht, kann in meinem vor aller Öffentlichkeit von 1913 an im Buchhandel erschienenen, und 1936 abgeschlossenen, bekannten geistigen Lehrwerk, das in aller Welt, — auch weit außerhalb Europas und europäischer Glaubensbezirke, — seine glücklichen Freunde und Schüler hat, leicht nachgelesen werden.
Dass ich in meinem geistigen Lehrwerke zu allen Menschen, — Männern wie Frauen, — spreche, während mein „Ritualienbuch” (das übrigens keineswegs in mein geistiges offenbarendes Lehrwerk aufgenommen ist!) sich nur an Männer wendet, darf nicht, aus Unkenntnis psychophysisch bestimmter Dinge, zu falschen Schlüssen verführen.
Es hat die gleichen Gründe, die, — wenn sie auch heutigentages zwar den priesterlichen Vertretern der hier in Frage kommenden Religionen nur in den seltensten Fällen noch wirklich bekannt sind, — dazu führten, dass dem Manne, von den indischen früharischen Brahmanen bis zur so viel späteren römisch-katholischen Kirche, eine von den Heutigen kaum noch geahnte priesterliche Stellung vorbehalten ist, die ein weiblicher Mensch, so sehr er das auch in seiner Unkenntnis bedauern mag, aus psychophysiologischen Gründen ebensowenig ausfüllen kann, wie ein männlicher Mensch gebären könnte. Auch noch in dem von Indien her bis heute stark beeinflussten, auf den Buddhismus bezogenen Lamaismus Tibets ist jeder „Hermaphrodit oder Transvestit” von der Aufnahme in den Kreis der Kleriker ausgeschlossen und der zu höchster Ordination gelangende Mönch muss vorher erst noch feierlich bestätigen, dass er wirklich physisch ein vollwertiger „Mann” sei. Vor dem Chor der Mönche wird er darüber nochmals beschwörend befragt...
(Siehe neuerdings Dr. Wilhelm Filchner: „Kumbum Dschamba Ling”, Verlag Brockhaus, sowie Univ. Prof. Dr. Robert Bleichsteiner: „Die gelbe Kirche”, Wien 1936)
Selbst in solchen Nachklängen handelt es sich noch um Dinge, die dem an seine Tierheit gefesselten Menschen schier unfassbar sind, denn das alles bezieht sich ursprünglich auf wirkliche geistig Eingeweihte höchster Mysterienkulte des ältesten Altertums.
Es wird sich aber wohl niemand nun unter Mitgliedern der „E.B.D.A.R.” etwa wirkliche „Eingeweihte”, also „Initiierte” im Sinne antiker Mysterien, wie sie noch in Delphi, Eleusis und an anderen Orten begangen wurden, vorstellen wollen, — aber die von mir eruierten alten Riten, die ich den Mitgliedern der genannten kleinen Bruderschaft in meiner Bearbeitung überließ, sind in Wahrheit ursprünglich das Werk wirklicher Eingeweihter in höchste, aller zeitlichen Meinung entrückte Mysterien ewigen geistigen Lebens!
Ich kann an diesen Tatsachen auch nicht das geringste ändern. Ich kann nur misstrauischen Gemütern bestätigen, dass allen Mitgliedern der „E.B.D.A.R.” die Einehe im hohen Sinne meines Buches „Die Ehe” eindringlichst angeraten ist. Jegliche sexuelle Perversität schließt natürlich unerbittlich von jeder Teilnahme an den alten heiligen Riten der Dombauhütten-Bruderschaften aus! Es ist beklagenswert, dass man so Selbstverständliches erst noch sagen muss, doch scheint es leider nötig zu sein. Aus gleichen Gründen schließe ich diese Denkschrift mit der ausdrücklichen Feststellung, dass mein geistiges Lehrwerk allein für Männer wie Frauen maßgebend ist, — die „E.B.D.A.R.” jedoch einen daneben möglichen Sonderfall darstellt, den aber dieses Lehrwerk keineswegs etwa irgendwie umfasst.
Ich habe niemals auch nur entfernt daran gedacht, Menschen, die sich für die in ihrem Wesen urgeschichtlich alten Riten der Dombauhüttenbruderschaften interessieren würden, zu begegnen. Noch weniger wäre es mir in den Sinn gekommen, dass ich, als der ewigkeitsverpflichtete Gestalter des der Welt meiner Zeit und ihrer Zukunft gegebenen Lehrwerkes, einer kleinen Menschengruppe in meinen Tagen die alten Riten einstens restaurieren würde, die längstvergangenen Zeiten ihre, allen Glaubensmeinungen hoch überlegenen, wahrhaftig im Geiste „geweihten” Laienpriester gegeben hatten, in deren erhabenen Kreis ehedem selbst höchste weltliche Fürsten und geistliche Würdenträger aller Grade Zutritt zu erlangen suchten. Schwer hält es jedoch, keine Satire zu schreiben, wenn man sieht, dass offenbar allen Ernstes für möglich gehalten wird, ich sei der Mann dazu, mich einer „Sekte” anzuschließen oder mir eine ergebene „Organisation” irgendwo auf dieser Welt zu schaffen.
Was ist die E.B.D.A.R.?
von Hr. Erni unter Benützung eines Briefes
von Bô Yin Râ vom 05.05.1933
EBDAR ist die Abkürzung für „Ermächtigte Bruderschaft der alten Riten”. Sie ist eine internationale Bruderschaft, die sich in geistig-menschlicher Gemeinsamkeit um die eigene und gemeinsame seelische Entfaltung im Sinne der antiken Mysterienschulen und der späteren mittelalterlichen Dombauhütten bemüht.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit an der Entfaltung des inneren Menschen steht der von Bô Yin Râ gegebene Meditations-Zyklus, der in sieben Graden (drei Graden des Lehrenehmens und vier Verdienstgrade) bearbeitet wird. Bô Yin Râ war weder Gründer noch Mitglied der EBDAR, übernahm jedoch vorübergehend das Protektorat der zahlenmäßig kleinen Bruderschaft, die er zum ausschließlichen Gebrauch der von ihm gegebenen Anweisungen ermächtigt hat.
Die EBDAR ist eine, durch den Willen und die freie Verpflichtung Einzelner gebildete geistliche Gemeinsamkeit von Männern, die sich nach einer uralten, von Bô Yin Râ wieder ins Leben gerufenen geistlichen Praxis zum Selbstempfinden ihrer eigenen ewigen Geistnatur fähig machen wollen. Diese Praxis ist eine Schulung der speziell männlichen Form geistiger Erkenntnisorgane und darum nur Männern möglich, entspricht aber durchaus den auch dem weiblichen Erkenntnisorganismus zugänglichen Methoden geistiger Selbsterkenntnis, wie sie im Lehrwerk Bô Yin Râ's vor aller Öffentlichkeit gelehrt werden.
Nur die bei weitem größere Gefahr des Mißbrauchs der mystisch geistigen Anweisungen durch Unberufene, verbietet eine öffentliche Darstellung der in der EBDAR zur geistlichen Schulung verwendeten Lehren, die vielmehr nur solchen Naturen zum Segen werden können, die alle Gewähr dafür bieten, bereits zu einem hohen Grade geistig sittlicher Festigkeit des Charakters gelangt zu sein.
Die hier in Betracht kommende, aus ältesten Kulturzeiten der Menschheit stammende, und von Bô Yin Râ der Anwendungsform nach erneuerte Praxis führt nur dann zum angestrebten Erfolg, wenn die sie übende geistliche Gemeinsamkeit als solche in geistigem Konnex mit den Vätern im Urlicht steht. Dieser rein geistige Anschluß ist durch Bô Yin Râ bewirkt worden, der deshalb auch allein die Ermächtigung zu der Ausübung der durch ihn wieder dargebotenen Schulungspraxis erteilen konnte.
Da die Glieder einer rein geistlichen Gemeinsamkeit ihrer irdischen menschlichen Erscheinung nach in verschiedenen Staaten leben können, und strengstens dazu verpflichtet sind ihre jeweiligen Staatsgesetze zu achten und nach Kräften zu erfüllen, so ergab sich die Notwendigkeit, die geistlichen Schülergruppen mit ihren Lehrmeistern konform den Staatsgebilden in denen sie leben, abzugrenzen, und zwar derart, daß die EBDAR in jedem Staate absolut unabhängig von den Gruppen der Schüler und Sakralmeister anderer Staaten ist und bleibt.
Alle die vorgenannten Würden und Funktionen sind rein geistlicher Art und beruhen allein auf der durch Bô Yin Râ erteilten Ermächtigung und dem gegenseitigen Vertrauen zwischen den Schülern (Mysten) und ihren Lehrmeistern (Sakralmeistern).